Wirtschaft und Moral: Soziale Verantwortung gerade in der Krise


Seminararbeit, 2010
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Wirtschafts- und Unternehmensethik
2.1 Begriffsbestimmung Ethik und Moral
2.2 Instrumentalistische Unternehmensethik
2.3 Korrektive Unternehmensethik
2.4 Integrative Unternehmensethik
2.5 Karitative Unternehmensethik

3 Soziale Verantwortung im Unternehmen
3.1 Corporate Governance Kodex
3.2 Corporate Social Responsibility

4 Auswirkungen der aktuellen Weltwirtschaftskrise auf die Unternehmensethik / soziale Verantwortung

5 Praxisbeispiele
5.1 Negativbeispiel Schlecker
5.2 Positivbeispiel BASF

6 Fazit

QUELLEN

1 Einleitung

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde“.[1] Der Kategorische Imperativ von Immanuel Kant ist wohl ein Sinnspruch der vielleicht im Zeitalter der Aufklärung für ein allgemeines Aufhorchen sorgte, doch heute scheint dieser bei vielen Menschen in Vergessenheit geraten zu sein. Nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Wirtschaft stellt sich derzeit die Frage, ob und wie ethisches und moralisches Handeln bestmöglich integriert werden können.

Wirtschaft und Moral werden oft als Gegensätze erachtet, da Unternehmen in der globalisierten Welt und Wirtschaft kaum Platz für gesellschaftliche Belange in ihrer Unternehmenspolitik finden.[2] Jedoch sollten es erfolgsorientierte Unternehmen vermeiden ihren unternehmerischen Erfolg, zum Beispiel Gewinnmaximierung etc., isoliert von Ethik und Moral zu betrachten. Ohne ethische Prinzipien und ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl kann ein Unternehmen langfristig gesehen nur schwer zum Erfolg geführt werden, ohne Imageverluste zu erleiden.[3]

Die aktuelle Weltwirtschaftskrise zeigt deutlich und mit aller Härte, was es bedeutet bzw. für Folgen mit sich bringt, wenn Egoismus vor dem Allgemeinwohl steht und ethisches und moralisches Handeln in den Hintergrund rücken. Der Unmut der Gesellschaft durch überzogene Managergehälter, Boni und Abfindungen wird lauter, es ist demnach an der Zeit umzudenken und neue, nachhaltige Konzepte zu entwickeln.[4]

Diese Seminararbeit soll u.a. auf die Grundsätze der Wirtschafts- und Unternehmensethik, soziale Verantwortung im Unternehmen und die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise eingehen.

2 Wirtschafts- und Unternehmensethik

Im ersten Moment fällt es sicherlich schwer, eine eindeutige Definition für die Begriffe „Wirtschaftsethik“ und „Unternehmensethik“ zu finden, dies liegt allein daran, dass es keine exakte Definition gibt und eine gewisse Uneinigkeit in der Wissenschaft vorherrscht.

Der Begriff „Wirtschaftsethik“ lässt sich in zwei Kategorien bzw. Formen unterscheiden: Die deskriptive und die normative Wirtschaftsethik. Bei der normativen Wirtschaftsethik geht es in erster Linie um die Gewinnung ethischer Maßstäbe zur Beurteilung und zur Gestaltung der wirtschaftlichen Entwicklung. Die deskriptive Wirtschaftsethik beschäftigt sich hingegen mit Folgen und Wirkungen, die bestimmtes ethisches Handeln für die Wirtschaft mit sich bringen.[5]

Der Begriff „Unternehmensethik“ lässt sich im Prinzip genauso unexakt definieren, wie der Begriff der Wirtschaftsethik. Jedoch kann die Unternehmensethik durchaus als Teilgebiet der Wirtschaftsethik angesehen werden. Die Grundsätze der Wirtschaftsethik werden auf die Unternehmensbasis herunter gebrochen.[6] Die Unternehmensethik verfolgt das Ziel Lösungen für die scheinbaren Gegensätze bzgl. Gewinn und Moral zu finden und dadurch eine unternehmerische, sowie gesellschaftliche Besserstellung zu erreichen.[7] Es wird ein höherrangiges Ziel angestrebt, insbesondere das Entwickeln von Normen, die als Orientierung für ökonomisches Handeln dienen und somit einen friedlichen unternehmerischen Ablauf garantieren.[8] Für die Unternehmensethik gibt es verschiedene Ansätze, die in den Unterpunkten 2.2 bis 2.5 genauer beleuchtet werden: Die Instrumentalistische Unternehmensethik, die Korrektive Unternehmensethik, die Integrative Unternehmensethik und die Karitative Unternehmensethik.

2.1 Begriffsbestimmung Ethik und Moral

Um die bereits aufgegriffene Thematik besser durchschauen zu können, ist es wichtig sich mit den Grundbegriffen „Ethik“ und „Moral“ auseinanderzusetzen.

Der Begriff „Ethik“ geht im weitesten Sinne einher mit dem oben aufgezeigten Begriff der Wirtschaftsethik. Kurz umrissen setzt sich die „puristische“ Ethik mit Verfahren auseinander, die zu Denk- und Handlungsregeln führen sollen, um eine bessere und gerechtere Lebensführung zu sichern.[9]

Der Begriff „Moral“ ist von der Ethik abzugrenzen. Die Moral bildet den Grundrahmen für das Verhalten der Gesellschaft untereinander, zugleich aber auch zur Natur. Moral kennzeichnet sich bzw. spiegelt sich vor allem in dem vorherrschenden Handlungsnormen und dem Wertesystem der Gesellschaft wider. Inwieweit diese Handlungsnormen und Werte für den Einzelnen in der Gesellschaft verbindlich sind bleibt jedoch offen.[10] Dieses „Nichtgebunden – Fühlen“ ist sowohl in der Gesellschaft als auch wirtschaftlich ein unbestimmbarer Faktor, der zu extremen Folgen führen kann. Bestes Beispiel ist die aktuelle Weltwirtschaftskrise.

2.2 Instrumentalistische Unternehmensethik

In der instrumentalistischen Unternehmensethik wird Ethik als Erfolgsfaktor interpretiert. Dieser Ansatz sieht die Ethik als wichtigen Aspekt einer klugen Unternehmensführung, denn die Leitidee bleibt dabei noch immer die Gewinnmaximierung.[11] Man könnte also hier sogar von einer „ethischen Gewinnerzielung“ sprechen. Die Ethik wird als Instrument zur Verbesserung des gesellschaftlichen Ansehens des Unternehmens und der „internen Beliebtheit“ genutzt.[12]

2.3 Korrektive Unternehmensethik

Bei der korrektiven Unternehmensethik wird das Ziel der Gewinnmaximierung zum Teil in den Hintergrund gestellt.[13] Die Gewinnmaximierung wird allerdings weiterhin als grundsätzlich richtig angesehen, die Ethik wird hier als situative Korrektivmaßnahme gegen dieses Grundprinzip verstanden. Damit wird das Streben nach Gewinnmaximierung zwar teilweise eingegrenzt, allerdings nicht völlig aufgegeben.[14] Die korrektive Unternehmensethik greift also immer dann, wenn ein bestimmter Konfliktfall o.ä. auftritt und es ethische Bedenken gegen das Grundprinzip der Gewinnmaximierung gibt.[15] Umgesetzt wird dieser Ansatz mithilfe eines unternehmensinternen Ethikkodex, der als Leitlinie für Moral und gewisse Grenzen gilt, um das unbegrenzte Streben nach Gewinnmaximierung einzudämmen.[16]

2.4 Integrative Unternehmensethik

Die integrative Unternehmensethik versucht jedwedes Handeln im Rahmen einer Unternehmung auf eine ethisch korrekte Basis zu positionieren.[17] Bei diesem Ansatz wird das Prinzip der Gewinnmaximierung grundsätzlich hinterfragt, die integrative Unternehmensethik soll eine Art Geschäftsgrundlage für unternehmerisches Handeln darstellen. Dadurch kann ein fairer Umgang mit allen Beteiligten an der Unternehmung, sowie Betroffenen gewährleistet werden.[18] Hier könnte man einen Vergleich zur Störung der Geschäftsgrundlage nach § 313 BGB ziehen. Wenn ein Unternehmen in seinem Handeln nicht mehr ethischen Grundsätzen genügt, ist das Verhältnis zu den Betroffenen gestört. Es gilt, unter Berücksichtigung aller Umstände, nach neuen, ethisch korrekten Lösungen zu suchen. Kernaussage ist folglich, jedes unternehmerische Streben auf eine Legitimationsbasis und damit jedes Handeln auf ethische Grundsätze zurückzuführen.[19]

Um diesen Ansatz zu verwirklichen bedarf es zwei Stufen. Die Erste ist das Implementieren der bereits angesprochenen Legitimationsbasis. Diese Basis muss sich an ethischen Grundsätzen orientieren, um lebensdienliche Werte auszudrücken und einen richtigen Beitrag zur Erhöhung der gesellschaftlichen Lebensqualität zu leisten. Die zweite Stufe spricht gezielt die Führungskräfte der Unternehmung an, hier müssen sie sich für ethisch vertretbare Rahmenordnungen und Branchenvereinbarungen einsetzen. Dies ist aus dem Grund wichtig, damit bei fehlenden gesetzlichen Regelungen gerade diese Rahmenordnungen und Branchenvereinbarungen greifen und auch hier ethische Grundsätze beachtet werden.[20]

[...]


[1] Baumanns, Peter: Kants Ethik (2000), S. 58.

[2] Vgl. Schwegler, Regina: Moralisches Handeln im Unternehmen (2008), S. 341.

[3] Vgl. Jung, Hans: Personalwirtschaft (2008), S. 25.

[4] Vgl. Steinbrück, Peer: Keine Moral – Schaden für alle, unter: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/steinbrueck-folgen-der-krise-keine-moral-schaden-fuer-alle-1.166087

[5] Vgl. Jähnichen, Traugott: Wirtschaftsethik: Konstellation – Verantwortungsebenen – Handlungsfelder (2008), S. 17.

[6] Vgl. Kunze, Max: Unternehmensethik und Wertemanagement in Familien- und Mittelstandsunternehmen (2008), S. 106.

[7] Vgl. Hillebrandt, Julia: Ethikmanagement in der Roten Biotechnologie (2008), S. 20.

[8] Vgl. Jung, Hans: Personalwirtschaft (2008), S. 26.

[9] Vgl. Jung, Hans: Personalwirtschaft (2008), S. 25.

[10] Vgl. Göbel, Elisabeth: Unternehmensethik: Grundlagen und praktische Umsetzung (2006), S. 7.

[11] Vgl. Gruber, Katrin Annette: Der Begriff der gesellschaftlichen Verantwortung und seine Ausgestaltung durch Unternehmen (2009), S. 105.

[12] Vgl. Götzelmann, Arnd: Wirtschaftsethik Workshop kompakt (2010), S. 40.

[13] Vgl. Koller, Franziska: Entwicklungszusammenarbeit und Ethik – eine Evaluation (2007), S. 105.

[14] Vgl. Tokarski, Kim Oliver: Ethik und Entrepreneurship (2008), S. 212.

[15] Vgl. Götzelmann, Arnd: Wirtschaftsethik Workshop kompakt (2010), S. 41.

[16] Vgl. Koller, Franziska: Entwicklungszusammenarbeit und Ethik – eine Evaluation (2007), S. 105 f.

[17] Vgl. Götzelmann, Arnd: Wirtschaftsethik Workshop kompakt (2010), S. 41.

[18] Vgl. Tokarski, Kim Oliver: Ethik und Entrepreneurship (2008), S. 212 f.

[19] Vgl. Tokarski, Kim Oliver: Ethik und Entrepreneurship (2008), S. 213.

[20] Vgl. Koller, Franziska: Entwicklungszusammenarbeit und Ethik – eine Evaluation (2007), S. 106.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Wirtschaft und Moral: Soziale Verantwortung gerade in der Krise
Hochschule
Hochschule Schmalkalden, ehem. Fachhochschule Schmalkalden
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V157252
ISBN (eBook)
9783640705269
ISBN (Buch)
9783640705801
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaft, Moral, Soziale, Verantwortung, Krise
Arbeit zitieren
Thomas Pischzan (Autor), 2010, Wirtschaft und Moral: Soziale Verantwortung gerade in der Krise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157252

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