I. Einleitung
Wird in einem alltäglichen Gespräch das Wort Kultur erwähnt, so glaubt jeder zu wissen, was damit gemeint ist. Doch eine genaue Definition, die weder zu viele noch zu wenige Aspekte berücksichtigt, ist nicht einfach zu formulieren. Dies beweisen unter anderem die vielen unterschiedlichen kulturtheoretischen Ansätze, die in der Literatur zu finden sind. Doch auch die Schwierigkeit, das Phänomen Kultur für sich selbst zu beschreiben, ist bezeichnend für die Vagheit des Begriffs.
Etymologisch gesehen entstand das Wort Kultur aus dem lateinischen „cultus“, was soviel heißt wie Bearbeitung, Erziehung oder auch Lebensweise . Allgemein bezeichnet Kultur die Gesamtheit des vom Menschen Geschaffenen. Doch die Fülle an spezifischeren Theorien bietet sehr viele verschiedene Ansätze, abhängig von der jeweiligen Epoche, dem Wissenschaftscharakter und dem Kontext.
Im Folgenden soll nun versucht werden, den Begriff Kultur im Kontext des Faches Deutsch als Fremdsprache zu vertiefen. Basis hierfür ist die von Claus Altmayer verfasste Abhandlung „Zum Kulturbegriff des Faches Deutsch als Fremdsprache“, in welcher er verschiedene kulturtheoretische Ansätze vorstellt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Begriff Kultur
II.1. Kultur für das Fach Deutsch als Fremdsprache
II.2. Der Kulturbegriff bei Claus Altmayer
II.2.1. Traditioneller und erweiterter Kulturbegriff
II.2.2. Offener und normativer Kulturbegriff
II.2.3. Realer Kulturbegriff
II.2.4. Tendenzen zur Subjektivierung
II.2.5. Der kulturwissenschaftliche Kulturbegriff
II.2.6. Kultur als „sozialer Habitus“ bei Norbert Elias
III. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vielschichtigkeit des Kulturbegriffs im Kontext des Faches Deutsch als Fremdsprache und analysiert verschiedene kulturtheoretische Ansätze, insbesondere jene von Claus Altmayer, um eine fundierte wissenschaftliche Definition für den Fremdsprachenunterricht zu erörtern.
- Etymologie und theoretische Grundlagen des Kulturbegriffs
- Interkulturelle Vermittlungsprozesse im Sprachunterricht
- Kritische Analyse traditioneller, normativer und subjektzentrierter Kulturmodelle
- Die Rolle von Kultur als „sozialer Habitus“ nach Norbert Elias
- Notwendigkeit einer deskriptiven Kategorie für die Fachdidaktik
Auszug aus dem Buch
II. 2. 6. Kultur als „sozialer Habitus“ bei Norbert Elias
Ein Kulturbegriff, der die oben erwähnten Aspekte weitgehend vereint, ist in der von Norbert Elias aufgestellten Theorie von Zivilisation gefunden worden. Elias entwickelte das Konzept einer sogenannten „Menschenwissenschaft“ (S. 13), die „soziologische, psychologische und historische Fragestellungen“ (ebd.) verbindet, da diese in unauflösbarem Zusammenhang zueinander stünden. Er kritisiert, dass die Dynamik von Kultur bisher kaum berücksichtigt wurde und die vorherigen Theorien zu deterministisch angelegt waren; zudem sei die enge Beziehung zwischen Individuum und Kollektiv falsch betrachtet worden.
Elias suchte nun nach einem Modell, dass beide in einen sinnvollen Zusammenhang einbettet, da die Gesellschaft sich aus Individuen zusammensetze und eine gegenseitige Abhängigkeit bestünde. Diese Verflechtungen (wie beispielsweise die Familie, die Stadt, der Staat etc.) bezeichnet Elias als „Figurationen“ (S. 15); sie beeinflussen die psychische Konstitution der Individuen, die eine Art „Selbstzwangapparatur“ (ebd.) zur Kontrolle ihrer eigenen Emotionen und Affekte ausbilden, und zwar in dem Maße, in dem vorher ein äußerer Zwang durch die Gesellschaft (bzw. Figurationen) bestanden hätte.
Dieses Erlernen einer Selbstregulierung macht für Elias den Prozess der Zivilisierung aus, der weder durchweg geplant sei noch völlig beliebig ablaufe, sondern einer „gewisse[n] innere[n] Logik“ (S. 15) folge. Der Begriff Zivilisation sei hierbei komplett wertfrei zu verstehen und beziehe sich nicht auf den Charakter (den Wert), sondern auf die Arten und die Ursachen der Veränderungen, die im Laufe der Zivilisierung geschehen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit einer präzisen Definition von Kultur und führt in die Absicht ein, den Kulturbegriff basierend auf den Analysen von Claus Altmayer für das Fach Deutsch als Fremdsprache zu untersuchen.
II. Der Begriff Kultur: Dieses Hauptkapitel analysiert das untrennbare Verhältnis von Sprache und Kultur sowie die Notwendigkeit interkultureller Kompetenz im Fremdsprachenunterricht.
II.1. Kultur für das Fach Deutsch als Fremdsprache: Es wird die Bedeutung von Kultur als Orientierungssystem hervorgehoben und die Notwendigkeit einer fachdidaktisch brauchbaren Definition diskutiert.
II.2. Der Kulturbegriff bei Claus Altmayer: Dieses Kapitel bildet das Kernstück und hinterfragt die terminologische Unschärfe des Kulturbegriffs im interkulturellen Ansatz.
II.2.1. Traditioneller und erweiterter Kulturbegriff: Es wird die historische Entwicklung von einem ästhetisch-resultatsbezogenen Kulturbegriff hin zu einem weit gefassten, jedoch oft beliebigen Verständnis skizziert.
II.2.2. Offener und normativer Kulturbegriff: Das Kapitel vergleicht alternative Definitionsansätze und bewertet deren Tauglichkeit für die Wissenschaftlichkeit des Faches.
II.2.3. Realer Kulturbegriff: Hier wird der in der Literatur verbreitete, objektivistische Kulturbegriff hinsichtlich seiner Grenzen bei der Erfassung von Subkulturen und individuellen Spielräumen kritisiert.
II.2.4. Tendenzen zur Subjektivierung: Es werden Ansätze vorgestellt, die den Fokus stärker auf die subjektive Perspektive des Individuums und die emotionale Identitätsbildung im Lernprozess legen.
II.2.5. Der kulturwissenschaftliche Kulturbegriff: Dieses Kapitel fordert eine Berücksichtigung sozialer, ökonomischer und politischer Faktoren sowie die Notwendigkeit einer deskriptiven Kategorie.
II.2.6. Kultur als „sozialer Habitus“ bei Norbert Elias: Die Arbeit präsentiert Elias' Modell als besonders präzisen Ansatz, der die Dynamik kultureller Entwicklung und das Zusammenspiel von Individuum und Kollektiv integriert.
III. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass es keinen universellen Kulturbegriff gibt und die Definition immer einen fachspezifischen Kompromiss darstellen muss.
Schlüsselwörter
Kulturbegriff, Deutsch als Fremdsprache, Interkulturalität, Zivilisation, Sozialer Habitus, Fremdsprachenunterricht, Figurationen, Selbstzwangapparatur, interkultureller Ansatz, Identitätskonstruktion, Kulturtheorie, Kulturwissenschaft, subjektzentrierte Ansätze, Diskurs, deskriptive Kategorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Definition des Kulturbegriffs und dessen Relevanz sowie Problematik im Fach Deutsch als Fremdsprache.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung verschiedener Kulturmodelle, das Verhältnis von Sprache und Kultur sowie die Anforderungen an einen wissenschaftlich fundierten Kulturbegriff für den Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, verschiedene kulturtheoretische Ansätze zu vergleichen, um herauszufinden, wie der Kulturbegriff für das Fach Deutsch als Fremdsprache präziser und deskriptiv nutzbar gemacht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, insbesondere basierend auf der Abhandlung von Claus Altmayer, um die Entwicklung und die theoretischen Implikationen verschiedener Kulturbegriffe zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert schrittweise verschiedene Konzepte wie den traditionellen, normativen, realen und subjektivierten Kulturbegriff sowie das Modell des „sozialen Habitus“ nach Norbert Elias.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Interkulturalität, Fremdsprachenerwerb, Kulturtheorie, sozialer Habitus und Fremdverstehen.
Warum wird der „reale Kulturbegriff“ kritisch gesehen?
Er wird als zu objektivistisch und deterministisch eingestuft, da er die innere Vielfalt von Gesellschaften und individuelle Gestaltungsspielräume vernachlässigt.
Was macht den Ansatz von Norbert Elias besonders?
Sein Modell der „Figurationen“ und des „sozialen Habitus“ verbindet auf einzigartige Weise soziologische und psychologische Aspekte, um Kultur als dynamischen Prozess jenseits deterministischer Festlegungen zu beschreiben.
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- Sina Volk (Author), 2010, Der Kulturbegriff im Fach Deutsch als Fremdsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157368