In dieser Arbeit steht der zentrale Abschnitt der Kreuzaussage im Fokus, insbesondere das Crucifixus innerhalb der h-Moll-Messe. Zunächst wird die zentrale Stellung des Crucifixus innerhalb der Messearchitektur näher beleuchtet. Daran schließt sich eine analytische Auseinandersetzung mit der kompositorischen Arbeitsweise Bachs an sowie ein vergleichender Blick auf die musikalische Idee, die diesem Satz zugrunde liegt: die Kantate „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ (BWV 12/2), die Bach bereits im Jahre 1714 komponierte.
Johann Sebastian Bach, seine Person für viele ein Sinnbild von musikalischer Ästhetik, er selbst wohl prägendster Komponist des Barockzeitalters und einer der bedeutendsten Schöpfer geistlicher und kirchlicher Musik bis zur Gegenwart. Bachs Messe in h-Moll BWV 232, die im bachschen Kreis auch als „große catholische Messe“ bezeichnet wird, steht repräsentativ für die barocke, geistliche Großmusik. Eine historisch weiter gefasste Formulierung stammt von dem Schweizer Verleger Hans Georg Nägeli, der die Messe im Jahre 1818 in einer Zeitschrift sogar als "grösstes musikalisches Kunstwerk aller Zeiten und Völker" anpreist. Sie zählt zu Bachs Spätwerk und wurde kurz vor seinem Ableben fertiggestellt.
Inhaltsverzeichnis
I. Zu Johann Sebastian Bachs Messe in h-Moll BWV 232
II. Das Crucifixus und sein Platz innerhalb der Architektur der Messe
III. Analytische Betrachtung von Text und Musik
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit widmet sich der zentralen Bedeutung des „Crucifixus“ innerhalb von Johann Sebastian Bachs Messe in h-Moll (BWV 232). Ziel ist es, die strukturelle Stellung dieses Satzes im Kontext der gesamten Messearchitektur zu analysieren, seine kompositorische Herkunft sowie die musikalische Ausarbeitung, insbesondere im Vergleich zur Kantate „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ (BWV 12), fundiert darzulegen.
- Die historische Einordnung und Entstehung der Messe in h-Moll.
- Die funktionale und symbolische Stellung des „Crucifixus“ in der Messearchitektur.
- Analyse der kompositorischen Technik (Passacaglia/Chaconne) und des Lamentobasses.
- Vergleichende musikalische Analyse zwischen der Kantate BWV 12 und dem „Crucifixus“.
- Wortauslegung und rhetorische Gestaltung im „Crucifixus“.
Auszug aus dem Buch
III. Analytische Betrachtung von Text und Musik
Für die musikalische Ausgestaltung des gezeigten Textes, wählte Bach die Tonart e-Moll (IV. Stufe/ Subdominante in h-Moll) innerhalb eines 3/2-Takts. Die Hauptstimmen sind ein vierstimmiger Chor, bestehend aus den üblichen Stimmgruppierungen (jedoch einen zweiten, anstelle eines ersten Soprans), sowie der Basso Continuo. Begleitende Instrumente sind erste und zweite Traversflöte, erste und zweite Violine, sowie Bratsche. Der Satz umfasst 53 Takte und ist durch das sich stets wiederholende Hauptmotiv des Basso Continuo gekennzeichnet, dem sich 12 Variationen innerhalb der Gesangsstimmen anfügen. In der Literatur wird der Satz als Paccacaglia, bzw. (Chor-) Chaconne definiert. Der Beginn des Crucifixus zeigt sich mit einer viertaktigen Einleitung und der Vorstellung des Hauptmotivs im Basso, begleitet von der Instrumentengruppe. Das Motiv als Grundlage der anschließenden Variationen, zeichnet sich durch einen chromatisch absteigenden Tetrachord aus (hier in Viertelnoten), der „als sogenannter Lamentobass und Leidensfigur eine bis ins frühe 17. Jahrhundert zurückreichende musikalische Geschichte hat.“ Weitere Bezeichnungen dieser Stimme sind der Ostinato-Bass, sowie der Passus Duriusculus.
Der Sopran eröffnet die anschließende erste Variation mit der Weiterentwicklung der chromatischen Idee des Basso, die von den anderen Gesangsstimmen fortgeführt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Zu Johann Sebastian Bachs Messe in h-Moll BWV 232: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entstehungsgeschichte der h-Moll-Messe sowie deren Einbettung in den lutherischen und römisch-katholischen Gottesdienstkontext.
II. Das Crucifixus und sein Platz innerhalb der Architektur der Messe: Hier wird die strukturelle und theologische Bedeutung des Crucifixus innerhalb des Symbolum Nicenum im Vergleich zur ersten Fassung der Messe erläutert.
III. Analytische Betrachtung von Text und Musik: Dieses Kapitel bildet den musikalischen Hauptteil, in dem die Satztechnik, die Instrumentation, der Basso continuo sowie die rhetorische Wortauslegung detailliert analysiert werden.
Schlüsselwörter
Johann Sebastian Bach, Messe in h-Moll, BWV 232, Crucifixus, Passacaglia, Chaconne, Lamentobass, Ostinato, Symbolum Nicenum, Musikwissenschaft, musikalische Rhetorik, Kompositionsanalyse, geistliche Musik, Barock, Basso continuo.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht das „Crucifixus“ als zentrales Herzstück innerhalb der Messe in h-Moll von Johann Sebastian Bach und beleuchtet dessen musikalische und strukturelle Charakteristik.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Verfasser?
Die Arbeit behandelt die Genese des Werks, die Stellung des Crucifixus in der Architektur der Messe sowie eine tiefgehende Analyse der Satztechnik und rhetorischen Textbehandlung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine detaillierte musiktheoretische Analyse des Crucifixus, um aufzuzeigen, wie Bach durch kompositorische Mittel (wie den Lamentobass) die theologische Bedeutung dieses Satzes musikalisch umsetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine musiktheoretische und musikhistorische Analyse angewandt, die durch den Vergleich mit Quellenmaterial (wie der Kantate BWV 12) und die Einbeziehung der Fachliteratur (z. B. Christoph Wolff) gestützt wird.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Beschreibung des Lamentobasses, der Variationstechnik der Gesangsstimmen sowie dem Vergleich der Tonarten und Instrumentierungen zwischen dem Crucifixus und der Kantate BWV 12.
Welche Begriffe charakterisieren die wissenschaftliche Arbeit am besten?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Lamentobass, Passion, Messe in h-Moll, polyphone Satzstruktur und Wortauslegung aus.
Warum vergleicht der Autor das Crucifixus mit der Kantate BWV 12?
Dieser Vergleich dient dazu, die musikalische Herkunft des Crucifixus zu verdeutlichen, da Bach für den Messesatz auf die musikalische Idee der Kantate „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ zurückgriff.
Welche Rolle spielt der Basso continuo für den Satz?
Der Basso continuo ist das fundamentale tragende Element, das als chromatisch absteigender Lamentobass fungiert und somit die gesamte Struktur und die 12 Variationen des Satzes erst ermöglicht.
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- Timo Hollar (Author), 2022, Das Crucifixus als Herzstück der Messe in h-Moll BWV 232 von Johann Sebastian Bach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1577785