Interkulturelle Mehrsprachigkeit


Seminararbeit, 2009

24 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Mehrsprachigkeit
1.1 Allgemeines zur Mehrsprachigkeit
1.2 Frühkindliche Mehrsprachigkeit
1.3 Mehrsprachigkeit als Chance

2. Mehrsprachige Entwicklung
2.1 Herausforderungen mehrsprachiger Entwicklung
2.2 Gefährdung mehrsprachiger Entwicklung
2.3 Störungen der Sprachentwicklung

3. Zweisprachige Erziehung
3.1 Definition von Zweisprachigkeit
3.2 Die Anfänge des Bilingualen Wortschatzes
3.3 Prinzipien und Rahmenbedingungen der zweisprachigen Erziehung
3.4 Vor- und Nachteile der Zweisprachigkeitserziehung

4. Fazit

5. Literatur

Einleitung

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mehrere Sprachen, mehrere Menschen, mehrere Länder und Kulturen, mehrere Hin- tergründe aber nur 1 lernende Person - das Kind!

Zwei verschiedene Themen finden im Bereich der Mehrsprachigkeit bei Kindern zu- einander: Sprachen und Kinder. Beide sind jeweils Teil unseres Lebens, von Gesell- schaft und Welt. Genau diesem Themenkomplex möchten wir uns in der vorliegen- den Arbeit widmen. Wir haben dieses Thema für unsere Arbeit gewählt, da es in Zei- ten wie diesen immer mehr an Aktualität zu gewinnen scheint, es demnach bereits latent über unseren Köpfen schwebt und zunehmend in Erscheinung zu treten „droht". Schlagworter wie Globalisierung, Migration, Wirtschaftszusammenschlusse, Internationalisierung und damit auch Mehrsprachigkeit prägen unser derzeitiges Weltbild. Unsere Welt zeichnet sich durch eine kulturelle und sprachliche Vielgestal- tigkeit aus. Überall sind wir von Sprache(n) umgeben. Wir beherrschen, lernen, hö- ren, kommunizieren, erkennen und teilen uns über Sprache mit. Ein jeder von uns wächst mit einer Sprache auf und lernt diese auf ganz natürlichem Wege. Warum soll dies also nicht auch im Kontext mehrerer Sprachen geschehen? Kinder bergen ein großes Potential in sich und vermögen so viel. Was spricht also dagegen dies auch für die Mehrsprachigkeit zu nutzen?

Diese Arbeit steht im Wesentlichen auf 2 Pfeilern: zum einen der Mehrsprachigkeit allgemein und zum anderem der mehrsprachigen Entwicklung. Beide sollen jeweils nach einer umfassenden Darstellung schließlich zu einer Zusammenfügung im The- ma der Zweisprachigen Erziehung kommen. Ziel dieser Arbeit ist es somit herauszu- finden, wie Mehrsprachigkeit zustande kommt und welche Wirkung und Chancen sie bei Kindern hat.

Im 1. Kapitel wird eine Einführung in das Thema der Mehrsprachigkeit gegeben. Zu- nächst wird die Mehrsprachigkeit grundsätzlich aus einem historischen, allgemeinen und zukünftigen Blickwinkel illustriert. Danach finden sich einige grundlegende Aus- führungen zur frühkindlichen Mehrsprachigkeit. Anmerkungen darüber welche positi- ven Aspekte die Mehrsprachigkeit mit sich bringen kann, runden dieses Kapitel ab.

Das 2. Kapitel widmet sich der mehrsprachigen Entwicklung von Kindern. Dabei wird speziell auf die Entwicklung von Kindern unter Migrationsbedingungen eingegangen. Nach einer Klärung der unterschiedlichen Herausforderungen und Gefährdungen von mehrsprachiger Entwicklung, wird abschließend herausgestellt welche Störungen der Sprachentwicklung im engeren Sinn im Zuge der kindlichen Mehrsprachigkeit auftre- ten können.

Im 3. und letzten Kapitel soll es gänzlich um die zweisprachige Kindererziehung ge- hen. Bevor auf diese mitsamt ihren wichtigen Rahmenbedingungen, Voraussetzun- gen und Prinzipien explizit eingegangen wird, erfolgt eine kurze Begriffsklärung von Zweisprachigkeit. Es folgen Ausführungen über die Anfänge des bilingualen Wort- schatzes. Geschlossen wird dieses Kapitel durch eine Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen der Zweisprachigkeitserziehung.

Ein zusammenfassendes Fazit schließt die Arbeit dann letztlich ab.

1. Mehrsprachigkeit

Dieses Kapitel soll sich einleitend mit dem Thema der Mehrsprachigkeit aus einer allgemeinen Perspektive befassen und einige Daten, Fakten und Zukunftsperspekti- ven zur Mehrsprachigkeit liefern. Es folgen Ausführungen zur Mehrsprachigkeit bei Kindern mit Angaben zur Forschung und Möglichkeiten zur Klassifikation, um danach sogleich zu den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, zu kommen. Dazu werden allgemein vorherrschende Meinungen und Urteile, der unterschiedliche Nutzen, die günstigen Voraussetzungen, die Kinder mit sich bringen, aber auch wichtige Bedin- gungen geklärt.

1.1 Allgemeines zur Mehrsprachigkeit

Metzing (2003) stellt in seinem Beitrag fest, dass unsere Welt eine Bevölkerungszahl von mehr als sechs Milliarden Menschen aufweist, deren Sprachkenntnis sich insge- samt auf sechs- bis siebentausend Sprachen beläuft. Während einige Sprachen von mehreren hundert Millionen Menschen gesprochen werden, besitzen andere nur ein paar tausend oder ein Dutzend SprecherInnen. Generell sind 96 Prozent des welt- weiten Sprachvorkommens Muttersprache von lediglich 4 Prozent der Weltbevölke- rung. Im Alltag vieler EuropäerInnen zählt Einsprachigkeit zur Norm. Indessen erwei- sen sich die Hälfte bis zwei Drittel der Weltbevölkerung als bilingual, wobei beachtlich viele sogar multilingual sind. Alles in allem ist damit nicht Einsprachigkeit, sondern viel mehr Mehrsprachigkeit die Regel (vgl. Metzing 2003, S. 13). So sind Schneider (2003) zufolge in vielen Ländern ganze Staatsgebiete oder große Teile davon mehr- sprachig. Millionen von Kindern erleben es als alltäglich in einer multilingualen Ge- sellschaft zu leben und gleichzeitig mehrere Sprachen zu erlernen und zu gebrau- chen. Die von der Spracherwerbs- und Kindersprachforschung vielfach vertretene einsprachige Umgebung zeigt sich somit als für das Leben vieler Kinder dieser Welt nicht mehr adäquat. Es sind die Mobilität in Ausbildung, Beruf und Freizeit, die dazu führen, dass mehrsprachige Familien auch in modernen, einsprachigen Gesellschaf- ten nicht mehr eine Ausnahme sind (vgl. Schneider 2003, S. 11).

Nelde (2003) spricht von einigen neuen kontaktlinguistischen Perspektiven, die nach ihm Einfluss auf die Mehrsprachigkeit der kommenden Jahre nehmen werden. Das Bild der Mehrsprachigkeit entwickelt sich demnach weg von einer Ausnahmerege- lung für sprachlich und kulturell gemischte Länder Europas hin zu einem Allgemein- gut und einem festen Bestandteil in der Bildungspolitik der meisten Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Mehrsprachigkeit wird heute auch im wirtschaftlichen und beruflichen Sektor bedeutungsvoll, als dass sie als Motor wesentlich zur Steigerung des Lebensstandards beitragen kann. War man jahrzehntelang kleinen und kleinsten Sprachen gegenüber defensiv eingestellt, so sind jüngste Entwicklungen zu einem neuen Argumentationsverständnis übergegangen. Sie stellen nun die Vorteile von multilingualen MinderheitensprecherInnen im neuen europäischen Diskurs in den Vordergrund (vgl. Nelde 2003, S 15).

Die meisten Länder weisen von alters her das Bestehen mehrerer Minderheiten- und Regionalsprachen auf und die Zuwanderung von Migranten und Flüchtlingen unter- schiedlichster Herkunft lässt Europa zunehmend multilingual werden. Insbesondere westeuropäische Großstädte zeichnen sich nunmehr durch ihre Sprachenvielfalt im Familienkreis aus. Schulkinder sprechen zwischen 100 und 200 Muttersprachen. Vie- le Sprachen haben jedoch nur eine äußerst geringe Sprecherzahl und sehen ihre Zukunft im Ungewissen. Das Überleben von Sprachen ist direkt an ihren alltäglichen Gebrauch durch die Eltern und die Kinder gebunden. Eine Sprache kann somit nur fortbestehen, wenn sie auch als Muttersprache weitergegeben wird. Sprachen ste- hen somit vor der Gefahr innerhalb von zwei Generationen zu verkommen, wenn ihre Verwendung und somit Weitergabe im Familienkreis unterlassen wird (vgl. Metzing 2003, S. 18).

Metzing (2003) sagt jedoch auch voraus, dass sich die Ansicht, die sprachliche und kulturelle Vielfalt, ähnlich wie die Artenvielfalt, als gut, schön und erhaltenswert be- findet, nach und nach allseits behaupten wird. Jede Sprache repräsentiert ein eige- nes Weltbild und bringt die eigene, einzigartige Geschichte zum Ausdruck. Sprachen verfügen über eine ihnen eigene Identität, sind für sich wertvoll und können alle glei- chermaßen Ausdrucks- und Verständigungsmittel sein (vgl. a.a.O., S. 13).

1.2 Frühkindliche Mehrsprachigkeit

Wie Schneider (2003) anführt, dominiert in West- und Mitteleuropa sowie den USA zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch immer die Vorstellung eine Nation ± eine Spra- che, wodurch Untersuchungen zu frühkindlicher Mehrsprachigkeit in der Sprachwis-

senschaft keinesfalls jene Bedeutung zukommt, die aufgrund ihrer Verbreitung anzu- nehmen wäre. Bathia und Ritchie sprechen dem Autor zufolge 1999 von einem ge- schätzten Verhältnis von 60 Studien zu monolingualem Spracherwerb gegenüber 1 Studie zu bilingualem Spracherwerb. Die Wissenschaft begann sich vor dem 1. Welt- krieg für die frühkindliche Mehrsprachigkeit zu interessieren. Linguisten, Mediziner, Psychologen und Soziologen beschäftigten sich hier erstmals mit bi- bzw. multilin- gualem Spracherwerb im Kindesalter sowie der daraus entstehenden frühkindlichen Mehrsprachigkeit (vgl. Schneider 2003, S. 11f).

Nach Schneider variiert die frühkindliche Mehrsprachigkeit in ihren Ausprägungen ebenso stark wie die individuellen Situationen und Lebensumstände der Kinder. An- hand der folgenden Kriterien können jedoch erste Differenzierungen und Klassifikati- onen vorgenommen werden:

- Anzahl der Sprachen: Zu der häufigen Zweisprachigkeit (Bilingualismus) lassen sich auch Fälle von Dreisprachigkeit (Trilingualismus) finden. Diese liegt etwa dann vor, wenn Kinder nicht nur zwei Sprachen, sondern auch den lokalen Dialekt einer dieser beiden Sprachen beherrschen. Es existieren aber auch Fälle, in de- nen Kinder drei unterschiedliche Sprachen erlernen.
- Zeitfaktor: Mehrere Sprachen können entweder gleichzeitig (simultan) oder auch aufeinander folgend (sukzessiv, konsekutiv oder sequenziell) erworben werden. Während Kinder bei ersterem von Geburt an kontinuierlich im Kontext zweier oder mehrerer Sprachen leben, wachsen Kinder in minderheitlichen Sprachgemein- schaften dagegen oft zunächst nur einsprachig auf und gelangen erst später durch außerfamiliäre Kontakte oder ihren Schulbesuch zu einer zweiten Sprache und somit zu Zweisprachigkeit (vgl. a.a.O., S. 15f).

1.3 Mehrsprachigkeit als Chance

Mehrsprachigkeit wird von den meisten Menschen immer noch skeptisch betrachtet. Obwohl weit mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung zwei- oder mehrsprachig sind und jeder Menschen in seiner Umgebung kennt, die sich in zwei oder mehreren Sprachen problemlos verständigen können, wird oft die Frage gestellt, ob zweispra- chig erzogene Kinder nicht überfordert werden. Es wird bezweifelt, dass sie wirklich beide Sprachen lernen, oder vermutet, dass eher keine von beiden Sprachen in der Folge richtig beherrscht wird. Sinnvoll wäre jedoch, wenn Zwei- oder Mehrsprachig- keit als etwas Natürliches gesehen wird, wie es in anderen Kulturen längst der Fall ist. Heute ist jedoch bewiesen, dass der Erwerb mehrerer Sprachen unter bestimm- ten Voraussetzungen als Chance für die Entwicklung des Individuums zu sehen ist (vgl. Gombos 2008, S. 12ff).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Mehrsprachigkeit
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
24
Katalognummer
V157799
ISBN (eBook)
9783640765898
ISBN (Buch)
9783640766253
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mehrsprachig, Sprache, Interkulturalität, frühkindlich, Kind, Mehrsprachigkeit, Muttersprache, interkulturell
Arbeit zitieren
Ina Reimann (Autor), 2009, Interkulturelle Mehrsprachigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157799

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