Juvenal - Satiren

Interpretation der Textstelle aus Iuv. Sat. 5, 49-79


Seminararbeit, 2009

13 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Gliederung

I. Lateinischer Originaltext.

II. Übersetzung.

III. Einleitung

IV. Interpretation.
1. Wasser und Wein bei Tisch (Vs. 49-52)
2. Herkunft und Aussehen der Diener (Vs. 52-59)
3. Verhalten der Diener (Vs. 59-66)
4. Aussehen des Brotes (Vs. 67-71)
5. Unterweisung durch den Diener (Vs. 71-75)
6. Selbstreflexion Trebius´ (Vs. 76-79)

V. Schluss.

I. Lateinischer Originaltext.

si stomachus domini feruet uinoque ciboque,[1]

frigidior Geticis petitur decocta pruinis. 50

non eadem uobis poni modo uina querebar? uos aliam potatis aquam. tibi pocula cursor Gaetulus dabit aut nigri manus ossea Mauri et cui per mediam nolis occurrere noctem,

cliuosae ueheris dum per monumenta Latinae. 55

flos Asiae ante ipsum, pretio maiore paratus quam fuit et Tulli census pugnacis et Anci et, ne te teneam, Romanorum omnia regum

friuola. quod cum ita sit, tu Gaetulum Ganymedem respice, cum sities. nescit tot milibus emptus 60

pauperibus miscere puer, sed forma, sed aetas digna supercilio. quando ad te peruenit ille? quando rogatus adest calidae gelidaeque minister? quippe indignatur ueteri parere clienti

quodque aliquid poscas et quod se stante recumbas. 65

[maxima quaeque domus seruis est plena superbis.] ecce alius quanto porrexit murmure panem

uix fractum, solidae iam mucida frusta farinae, quae genuinum agitent, non admittentia morsum.

sed tener et niueus mollique siligine fictus 70

seruatur domino. dextram cohibere memento; salua sit artoptae reuerentia. finge tamen te inprobulum, superest illic qui ponere cogat: 'uis tu consuetis, audax conuiua, canistris

impleri panisque tui nouisse colorem?' 75

'scilicet hoc fuerat, propter quod saepe relicta coniuge per montem aduersum gelidasque cucurri Esquilias, fremeret saeua cum grandine uernus Iuppiter et multo stillaret paenula nimbo.'

II. Übersetzung:

Wenn der Magen des Herren brodelt von sowohl Wein als auch Speise, wird, kälter als getischer Reif, abgekochtes [Wasser] verlangt.

Beschwerte ich mich etwa nicht gerade, dass euch nicht dieselben Weine hingestellt werden?

Ihr trinkt ein anderes Wasser. Dir wird die Becher ein gaetulischer Läufer geben oder die knöcherne Hand eines schwarzen Mauren,

[…] dem Du bei Mitternacht nicht begegnen willst,

während Du die Grabmäler auf der abschüssigen latinischen [Straße] entlang fährst.

Die Blume Asiens [steht] vor ihm selbst, zu einem höheren Preis bereit stehend

als das Vermögen sowohl des kriegerischen Tullus als auch [das] des Ancus ausmachte und, damit ich Dich nicht [lange] aufhalte, als der ganze Ramsch der römischen Könige.

Da dies so ist, sieh Du Dich nach dem gaetulischen Ganymedes

um, wenn es Dich dürstet. Der für so viele Tausende gekaufte Knabe ist nicht imstande, [den Wein] für die Armen zu mischen, aber [seine] Schönheit, aber [seine] Jugend berechtigen zur Hochnäsigkeit. Wann kommt jener zu Dir hin?

Wann ist der erbetene [Diener] mit dem warmen und kalten [Wasser] da?

Freilich empört er sich, dem alten Klienten zu gehorchen [ebenso]

über jede [Kleinigkeit], die Du ausbittest und dass Du liegst, während er steh[en muss]. [Das allergrößte Haus ist voll von hochmütigen Sklaven.]

Sieh, mit einem wie großen Brummen ein anderer das Brot [Dir] hinhält, kaum zu brechen, schon schimmelige Brocken aus dichtem Mehl,

die den Backenzahn in Gang halten, ein Beißen nicht zulassen.

Aber das weiche, […] schneeweiße und aus zartem, feinem Weizenmehl geformte [Brot] wird für den Herren aufgespart. Denk daran, Deine Rechte im Zaume zu halten; wohlbewahrt sei die Ehrfurcht vor der Backform. Sinnst Du dennoch

etwas dreist [darauf], ist jener vorhanden, der Dich zwingt, es [wieder] hin zu legen:

„Willst Du wohl, vermessener Gast, durch die gewohnten Brotkörbe abgespeist werden und die Farbe Deines Brotes [endlich] anerkennen?“ Man denke nur, dass ich deshalb oft, meine Gattin zurückgelassen, über den gegenüber liegenden Berg und den eiskalten Esquilin

gerannt bin, wenn sich der Frühlingshimmel mit tobendem Hagelwetter murrend auflehnte

und mein Umhang vor lauter Platzregen tröpfelte.“

III. Einleitung:

Die zu behandelnde Textpassage ist der fünften Satire Juvenals entnommen und beschreibt die Missstände eines zum Gastmahl seines Patrons geladenen Klienten, genauer sämtliche Erniedrigungen, die der Klient über sich ergehen lassen muss bzw. lässt. Damit führt Juvenal den Anklagepunkt der vierten Satire in gewisser Hinsicht fort[2], in der er sowohl Anstoß an dem Machtmissbrauch unter Domitian nimmt als auch dessen Mittäter scharf verurteilt, die sich in unmittelbarem Umkreis des Herrschers aufhalten. In der sechsten Satire klagt Juvenal über die den beiden vorhergehenden Satiren gegenüber thematisch unabhängige Ehe und die sexuellen Exzesse der Frauen.

In seinen insgesamt 16 Satiren übt Juvenal Kritik in verschiedenen Themengebieten, die sich von der Anprangerung meist homosexueller Ausschweifungen[3] über das zu verabscheuende Großstadtleben[4] bis hin zu der Kritik an der Völlerei der Gesellschaft[5] und sogar Erbschleicherei[6] erstrecken. Dabei setzt er gezielt Personen ein, an die sich die Kritik wendet, um die einzelnen Punkte zu veranschaulichen ebenso wie die Themenbereiche in ihrer Komplexität und Abstraktheit greifbarer für die Leser zu machen. Dabei macht Juvenal lediglich Charaktere aus früherer Zeit zum Thema seiner Anklage, um nicht selbst etwa Vergeltungsmaßnahmen zum Opfer zu fallen.[7] In der fünften Satire befasst sich Juvenal mit der Beziehung zwischen Patron und Klient, das seiner Vorstellung nach auf gegenseitigem Geben und Nehmen beruhen sollte. Er zeigt jedoch auf bestürzende Art und Weise, in welche Richtung sich das ursprünglich einmal für beide Parteien Vorteile bringende Verhältnis entwickelt hat: beide Parteien erhalten beim Essen eine unterschiedliche Speisenfolge, nachdem bereits zuvor in der Auswahl des Weines (Vs. 24-37), der Becher (Vs. 37-48), des Wassers (Vs. 49-52) und sogar der Diener (Vs. 52-65) unterschieden wurde. Der Klient erhält nicht nur ein anderes Brot (Vs. 66-79) als der Patron, sondern auch verschiedene Meeresfrüchte (Vs. 80-106).

Fleisch, Trüffel (Vs. 114-124) und Äpfel (Vs. 149-155) stehen dem Klienten überhaupt nicht zu, dafür werden wiederum unterschiedliche Pilze (Vs. 146-148) serviert[8].

[...]


[1] Die lateinische Textpassage wurde entnommen aus A. Persi Flacci et D. Iuni Iuvenalis Saturae, ed. W. V. Clausen, Oxford 1992, p. 67/68.

[2] Vgl. S. H. Braund, Roman Verse Satire, Oxford 1992, p. 46.

[3] Vgl. Iuv. Sat. 2, 6, 9.

[4] Vgl. Iuv. Sat. 3.

[5] Vgl. Iuv. Sat. 11.

[6] Vgl. Iuv. Sat. 12.

[7] Vgl. Iuv. Sat. 1.

[8] Vgl. Juvenal and Persius, ed. and transl. by S. M. Braund, Cambridge 2004, p. 213.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Juvenal - Satiren
Untertitel
Interpretation der Textstelle aus Iuv. Sat. 5, 49-79
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Klassische Philologie)
Veranstaltung
Proseminar: Juvenal, Satiren
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V157921
ISBN (eBook)
9783640713585
ISBN (Buch)
9783640713721
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Juvenal, Satiren, Interpretation, Textstelle
Arbeit zitieren
Anna Vogel (Autor:in), 2009, Juvenal - Satiren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157921

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