Filme im Religionsunterricht - "Der einzige Zeuge"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Anknüpfungspunkte an die Kerncurricula
2.1 Inhaltsbezogene Kompetenzen
2.2 Prozessbezogene Kompetenzen
2.3 Thematische Anknüpfungspunkte in den einzelnen Jahrgangsstufen
2.3.1 Jahrgangsstufe Acht
2.3.2 Jahrgangsstufe Zehn
2.3.3 Oberstufe

3 Didaktische Umsetzung
3.1 Arbeitsaufgaben
3.2 Didaktischer Kommentar
3.3 Ergebnisse aus der Seminarsitzung

4 Diskussion

5 Abschließender Kommentar

6 Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur

1 Einleitung

Der Religionsunterricht zielt darauf ab, Jugendliche dazu zu befähigen, ihr Leben eigenverantwortlich gestalten und erfolgreich leben zu können. Die Lebens- und Glaubensorientierung geschieht dabei nicht isoliert, sondern in der Auseinandersetzung mit anderen Lebens- und Glaubensorientierungen. Durch die Konfrontation mit anderen Denk- und Handlungsmustern wird der Jugendliche dazu angeregt, die eigenen Vorstellungen vom Leben und vom Glauben noch einmal zu hinterfragen. Dies geschieht in einem kreativen Prozess, der zu neuen Einsichten führen kann, sowohl im Hinblick auf das Eigene als auch auf das Fremde. Durch das Fremde das Eigene besser kennen zu lernen ist zentraler Bestandteil des religiösen und interreligiösen Lernprozesses. Das bedeutet, dass der Religionsunterricht Jugendliche dazu befähigen muss sich kreativ und tolerant mit anderen Positionen auseinander zu setzen, indem man wechselseitig die eigene und die fremde Perspektive übernimmt. Nur wer das Eigene kennt, kann seinen Standpunkt tolerant gegenüber anderen Ansichten vertreten.[1]

In dem vorliegenden Leitfaden zum Thema „Film im Religionsunterricht“ am Beispiel von „Der einzige Zeuge“ von Peter Weir soll das Erkennen des Eigenen durch das Fremde im Zentrum stehen. Der Film thematisiert unter Anderem das Leben der Amisch, das in einem deutlichen Kontrast zur Lebenswelt der jugendlichen Schülerinnen und Schüler (SuS) steht. Ziel ist, dass die SuS durch den Gegensatz zwischen eigener Lebenswelt und Religion und der der Amisch ihren eigenen Glauben verstehen, artikulieren und leben können. Die folgenden Aufgabenstellungen dienen einerseits der Aufbereitung des Filmes und helfen andererseits bei dem Lernprozess. Dass die Arbeitsaufträge sich auch in den Kerncurricula widerspiegeln, soll im folgenden Kapitel aufgezeigt werden.

2 Anknüpfungspunkte an die Kerncurricula

2.1 Inhaltsbezogene Kompetenzen

Der Film „Der einzige Zeuge“ lässt sich in Hinblick auf den Kompetenzbereich Religionen im Dialog einsetzen . Durch die Auseinandersetzung mit den Amisch erschließen sich die SuS Grundzüge anderer Religionen, um am interreligiösen Dialog sachgerecht teilnehmen und Menschen anderer kultureller Traditionen mit Achtung und Respekt begegnen zu können. Dabei nehmen sie das Selbstverständnis und den Wahrheitsanspruch dieser fremden religiösen Überlieferung sensibel wahr und setzen diese vor den Hintergrund der gesellschaftlichen Herausforderungen in Bezug zu ihrem eigenen katholischen Glauben.

Des Weiteren bietet sich eine Anknüpfung an den Kompetenzbereich Das Handeln des Menschen in der Verantwortung vor sich, vor den Mitmenschen und vor Gott an. Die SuS gewinnen Einsichten in die Problematik des menschlichen Zusammenlebens sowie in die Notwendigkeit der Orientierung an sittlich und religiös begründeten Normen. Sie lernen in der Begegnung mit den herausfordernden Traditionen der biblisch-christlichen Überlieferung ihre eigene Verantwortung altersangemessen zu artikulieren und wahrzunehmen.

2.2 Prozessbezogene Kompetenzen

Durch die Erarbeitung des Films „Der einzige Zeuge“ anhand der folgenden Arbeitsaufgaben werden die SuS in allen fünf prozessbezogenen Kompenzen gefördert. Bei diesen handelt es sich um

- die Wahrnehmungs- und Darstellungskompetenz – Religiös bedeutsame Phänomene wahrnehmen und beschreiben
- die Deutungskompetenz – Religiös bedeutsame Sprache und Zeugnisse verstehen und deuten
- die Urteilskompetenz – In religiösen und ethischen Fragen begründet urteilen
- die Dialogkompetenz – Am religiösen und ethischen Dialog argumentierend teilnehmen
- die Gestaltungskompetenz – Religiös bedeutsame Ausdrucks- und Gestaltungsformen verwenden

2.3 Thematische Anknüpfungspunkte in den einzelnen Jahrgangsstufen

2.3.1 Jahrgangsstufe Acht

Theoretisch gäbe es thematische Anknüpfungspunkte an die Kerncurricula auch für die Jahrgangsstufe Acht. Aufgrund des Alters und der Machart des Filmes „Der einzige Zeuge“ ist dieser unserer Meinung nach für diese Altersklasse jedoch nicht ansprechend.[2]

Unter dem Oberthema Der Mensch berufen zu Freiheit und Hoffnung (Anthropologie) mit dem Leitthema Der Mensch auf der Suche nach Identität und Glück könnte die Kompetenz des Argumentierens im ethischen und religiösen Dialog gefördert werden, indem die SuS ihren eigenen christlichen Lebensentwurf mit dem der Amisch vergleichen.

2.3.2 Jahrgangsstufe Zehn

In der Jahrgangsstufe Zehn gibt es zwei thematische Anknüpfungspunkte. Innerhalb des Oberthemas Religionen im Dialog kann unter dem Leitthema Verantwortung der Religionen für Mensch und Welt gefördert werden , dass die SuS in der Auseinandersetzung mit den Amisch ihre Differenzerfahrungen artikulieren lernen.

In Anknüpfung an das zweite Oberthema Das Handeln des Menschen in der Verantwortung vor sich, vor den Mitmenschen und vor Gott mit dem Leitthema Auf der Suche nach gelingendem Leben lernen die SuS personale und gemeinschaftsbezogene Visionen bezüglich gelingenden Lebens zu beschreiben.

2.3.3 Oberstufe

Eine zentrale Aufgabe des katholischen Religionsunterrichtes in der gymnasialen Oberstufe ist gerade unter den Bedingungen religiöser und weltanschaulicher Pluralität die Förderung der Urteils- und Argumentationsfähigkeit in religiösen Fragen.

Im katholischen Religionsunterricht werden die religiöse Dialog- und Urteilsfähigkeit und die Entwicklung einer „starken Toleranz“ gefördert. Für den Film „Der einzige Zeuge“ bedeutet das, die SuS zu befähigen, die Amisch und andere religiöse Lebensformen trotz Differenzerfahrungen mit ihren Überzeugungen ernst zu nehmen und zu tolerieren.[3]

3 Didaktische Umsetzung

3.1 Arbeitsaufgaben

Arbeitsaufgabe 1 : Eigene und fremde religiöse Rituale und Praktiken

Erinnert euch an die Szene, in der John, Rachel und Samuel im Fast-Food-Restaurant sitzen.

- Wie verhalten sich die einzelnen Personen?
- Überlegt wo und wie in unserer Gesellschaft noch religiöse Rituale und Praktiken gepflegt werden (können)?

Arbeitsaufgabe 2: Perspektivwechsel

Versetzt euch in Samuels Situation als er zum ersten Mal sein Dorf verlässt, den Bahnhof betritt, mit der Bahn fährt und dabei viele fremde Eindrücke wahrnimmt.

- Formuliert einen inneren Monolog, den Samuel dabei führen könnte.

Arbeitsaufgabe 3: Die Frage nach Gut und Böse

Erinnert euch an folgende Szene:

Nachdem Samuel Johns Revolver gefunden hat, soll Rachel ihn gut verstecken. Später kommt es zu einem Gespräch zwischen Samuel und seinem Großvater Eli, bei dem Johns Revolver vor den beiden auf dem Küchentisch liegt.

Eli:

Diese Waffe, die du hier siehst, ist dazu da, menschliches Leben zu nehmen. Und wir glauben, dass das falsch ist. Das ist allein die Sache Gottes. Es sind schon oft Kriege gekommen und man hat zu uns gesagt: „Ihr müsst kämpfen. Ihr müsst töten.“ Es wäre der einzige Weg zur Erhaltung des Guten. Aber, Samuel, es gibt niemals nur einen Weg. Denke immer daran. Würdest du einen anderen Menschen töten, Samuel?

Samuel:

Ich würde nur einen bösen Menschen töten.

Eli:

Nur einen bösen Menschen, ich verstehe. Und erkennst du einen bösen Menschen, wenn du ihn siehst? Meinst du, du kannst in sein Herz sehen und erkennen, dass er böse ist?

Samuel:

Ich kann doch sehen, was sie tun. Ich habe es ja gesehen.

Eli:

Und dadurch, dass du es gesehen hast, bist du einer von ihnen geworden. Erkennst du das denn nicht? Was du in deine Hände nimmst, das nimmst du auch in dein Herz. „Deswegen gehe weg aus ihrer Mitte, löse dich und gehe deinen eigenen Weg“, sprach der Herr, „und berühre nicht die unreinen Dinge.“ Geh jetzt und mach deine Arbeit.

Samuel:

Ja, Großvater.

- Diskutiert die unterschiedlichen Ansichten von Samuel und seinem Großvater über einen „guten“ und über einen „bösen“ Menschen.

[...]


[1] Vgl. Ziebertz, H.-G./ Leimgruber, S., Interreligiöses Lernen, in: Hilger, G./ Leimgruber, S. (Hgg.): Religionsdidaktik. Ein Leitfaden für Studium, Ausbildung und Beruf, München 2001, S. 433-442.

[2] S. hierzu auch die Diskussion unter Abschnitt 4.

[3] Nähere Angaben zu den Kerncurricula: www.nibis.de.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Filme im Religionsunterricht - "Der einzige Zeuge"
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V158677
ISBN (eBook)
9783640710843
ISBN (Buch)
9783640710928
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Filme, Religionsunterricht, Zeuge
Arbeit zitieren
Petra Richter (Autor:in), 2010, Filme im Religionsunterricht - "Der einzige Zeuge", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158677

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