Das "Bewusstsein-Energie": Die Struktur des Menschen und des Universums

Wissenschaftliche, soziale und spirituelle Bedeutung


Fachbuch, 2010

532 Seiten

Dr. Thérèse Brosse (Autor)


Leseprobe

Vorwort

Wir hatten nicht die Absicht, dieses Manuskript sofort zu veroffentlichen, sondern es einem eventuell am Inhalt interessierten Leser zu uberlassen, dieses posthum zu verbreiten, und zwar aus zwei Grunden:

Die Abschnitte einsamer, hauptsachlich im Grenzbereich der offiziellen Behorden durchgefuhrten Pionierarbeit, mufiten im Laufe ihrer Durchfuhrung auf die mehr oder weniger eingestandene Feindseligkeit seitens des sozialen Rahmens stofien, der nicht darauf vorbereitet war, deren Ziel und Zweck zu verstehen und aufzunehmen.

In Wirklichkeit war das Ziel der Forschungsarbeit, deren Schlufiphase die vorliegende Erorterung darstellt, nur der Versuch, auf die Aufforderung « Erkenne dich selbst! » zu antworten. Die Grundsteinlegung fur einen erweiterten Status des menschlichen Wesens anzubahnen, der seine ganzheitliche Wahrheit offenbart, erfordert die systematische Beseitigung von Tabus und gangigen Ansichten.

Die Strukturierung einer Synthese aufhoheren Ebenen, die noch nicht glaubhaft erschienen, war der wissenschaftlichen Arbeit der Gemeinschaft der etablierten Wissenschaftler noch fremd. Die Geschichte lehrt uns diesbezuglich, dafi soziale Akzeptanz nur fur die Darstellung jenes Teilbereichs der Arbeit zu erwarten ist, der sich innerhalb unantastbarer Paradigmen befindet und deren Vorrangstellung nicht gefahrdet.

Da wir uns bereits sehr fruh Gedanken uber die Unzulanglichkeit einer dualen (psychophysiologischen) Struktur des menschlichen Wesens gemacht haben, die die « Wissenschaft vom Menschen » zwangslaufig in einen Engpafi fuhren wurde, veroffentlichten wir zuerst in

Zusammenarbeit mit einem Psychologen (1) eine Abhandlung uber Physiopsychopadagogik, die die beiden akzeptierten Ebenen (die psychische und die physiologische) in eine hohere Ebene, und zwar das individuelle Bewufitsein, integrierte.

Es spielt keine Rolle, dafi es bei dieser Veroffentlichung gewisse Enttauschungen gab (nach Ansicht eines Spezialisten, war sie ihrer Zeit funfzig Jahre voraus), denn seit der Zeit haben uns weitere personliche Forschungen davon uberzeugt, dafi es das Bewufitsein ist, und zwar nicht das individuelle, sondern das universelle, welches in jedem Menschen gegenwartig und irrtumlicherweise individualisiert wird, das funktionell diese hohere Ebene verkorpert. Dies soll auf den folgenden Seiten dargelegt, und die alte dualistische Struktur durch eine trinitare abgelost werden.

Trotz vieler Hurden und Schwierigkeiten, die von Organisationen und Kooperationsversuchen herruhrten, ging es dank der Sympathie und dem Verstandnis Einzelner, sowie franzosischer und auslandischer Forschungsmissionsangeboten mit der Arbeit unerschutterlich voran.

Was die Bezeichnung fur eine ubergeordnete Ebene der menschlichen Konstitution betrifft, so lauft der Begriff Gefahr, von den Dualisten fehlinterpretiert zu werden. Der geeignete Begriff fur die Vervollstandigung der Psyche-Soma-Dualitat ist naturlich das griechische « Nous », das wir schon in fruheren Publikationen verwendet haben und endgultig beibehalten werden [1] .

Einige Autoren haben diesen Begriff jedoch verwendet, um das « psychische Bewufitsein » zu bezeichnen. TEILHARD DE CHARDIN verwendet beispielsweise den Begriff Noosphare und einige Amerikaner sprechen von der noetischen Wissenschaft. Bei uns bezeichnet dieser treffende Begriff immer das unabhangige, « reine Bewufitsein », dem es freisteht, eine der untergeordneten Strukturen, die psychische oder physische zu benutzen oder nicht.

Der Begriff « Geist » wird normalerweise in der Bedeutung des englischen « mind » verwendet. Das Hauptwort « das Mentale »[2] ist in der franzosischen Sprache nicht gebrauchlich. Wir werden es jedoch beibehalten, da es praktisch, ja sogar unersetzlich ist. Das Eigenschaftswort « spirituell » und das Hauptwort « Spiritualitat » werden in der Regel im transzendentalen, idealen, metaphysischen Sinn, ohne biologisches Substrat verwendet. Wenn jemand, in Ermangelung einer echten biologischen Ebene, von « irgend etwas » dem Psychismus ubergeordnetem traumte, so waren die ubernaturlichen Eigenschaften, die jenem verliehen wurden, fur die Begrundung einer « Wissenschaft » vom Menschen verhangnisvoll. Eine Wissenschaft, die einer solchen Bezeichnung wurdig ist, mufi die biologische Wirklichkeit aller Zustande der Innerlichkeit erkunden und die spezifisch menschlichen Mechanismen des Wesens erklaren, das in der Vorderfront der Evolution steht und aufgrund seiner Natur dazu berufen zu sein scheint, alles zu kennen und zu verwirklichen.

Das « Bewufitsein » unter « biologischem » Blickwinkel zu betrachten und es in seiner spontanen und experimentellen Dynamik zu erforschen (die moderne Physik fordert uns dazu auf), heifit, in einen Bereich vorzustofien, in dem das Vorurteil, das die Menschen in Materialisten und Spiritualisten einteilt, keinen Platz mehr hat. Unsere Gewohnheit, dem Geist eine metaphysische oder religiose Eigenschaft zuzuordnen, machte dessen Transzendenz fur Methoden der wissenschaftlichen Ermittlung unzuganglich. Bei dem « Bewufitsein-Energie » verhalt es sich jedoch ganz anders.

Andererseits gilt es, die Stimme gegen die der realistischen Uberprufung entgegengesetzten Einstellung zahlreicher Forscher zu erheben, die umfangreiche Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Psychophysiologie unternommen haben und das « Spirituelle » als ubergeordneten Ausdruck ignoriert und es somit von vornherein aus den Mechanismen menschlichen Verhaltens ausgeschlossen haben. Handelt es sich bei den einen oder anderen etwa um eine wissenschaftliche Einstellung? Wir sind nicht dieser Auffassung. Als die Physiker bei der Erforschung der Materie auf die Energie gestofien sind, haben sie diese weder verleugnet, noch aus dem Rahmen ihres

experimentellen Forschens ausgeschlossen. Die Gesetze, die der Freisetzung der Energie zugrunde liegen, wurden heute nicht die Welt und die Gemuter erzittern lassen, wenn zuvor oder zur gleichen Zeit jene Gesetze entdeckt worden waren, welche die Gemuter von ihrer gefahrlichen Bedingtheit befreien.

Denn schliefilich geht es um folgendes: die biologischen Gesetzmafiigkeiten, die das Spiel der bewufiten Energie beherrschen und nicht um ein verschwommenes Ideal, das man « spirituell » getauft hat.

Es ist jetzt moglich, experimentell nachzuweisen, dafi die autonome Kraft « Bewufitsein- Energie », die sich als ubergeordnete Ebene der hierarchisierten menschlichen Struktur manifestiert, die Unterordnung der darunterliegenden Ebenen gemafi einem Gesetz bewirkt, dessen Nichtbeachtung die Verwirrung und Verschwendung verursachen, deren Zeugen wir alle sind. Wenn die Selbsterkenntnis heute eine so hohe Dringlichkeitsstufe erreicht hat, so mufi sie in dieser wissenschaftlichen Form, in Verbindung mit den Steuerungsmechanismen der Innerlichkeit verwirklicht werden. Die folgenden Kapitel sollen jedoch nur ein Zeugnis sein. Die Absicht, uberzeugen zu wollen, liegt uns fern. Professor L. J. DELPECH und Frau Marie-Madeleine DAVY sind in einer gemeinsamen Initiative aufgetreten, um dieses Manuskript, das diskret bleiben sollte, in Druck zu geben. Es sei ihnen zutiefst dafur gedankt, wenn diese Veroffentlichung einen Beitrag, und sei es nur einen geringen, zur Wissenschaft der Zukunft leisten kann.

Einleitung

« Mensch erkenne Dich selbst und Du wirst das Universum und die Gotter erkennen »

(Orakel von Delphi)

« Das Bewufitsein ist die Wahrheit » (Sri RAMANA MAHARSHI)

Wir treten in eine Phase der Wandlungen und fortwahrender Infragestellungen ein. Die Probleme, die in unserer Epoche entstehen, konnen nicht mehr allein durch die im Laufe der Jahrhunderte ntstandenen Wertvorstellungen gelost werden.

Wenn es darunter ein wesentliches gibt, so ist es sicher das des menschlichen Wesens, seiner Natur und Beschaffenheit, seiner Moglichkeiten und seiner Zukunft, denn es stellt uns vor die beangstigsten Fragen.

Die Nutzung des gewaltigen technischen Fortschritts hat die Grenzen von Zeit und Raum aufgelost. Sie hat uns Mittel zur Verfugung gestellt, die uns die Moglichkeit bieten, unsere Welt rationell zu organisieren. Und doch war unsere Erde niemals einer solchen Zerstorungsgefahr ausgesetzt. Der Zustand des planetaren Ungleichgewichts, der sich unserem Blick geradezu aufdrangt, klagt den Menschen, dessen Genie und Entdeckungen wir im ubrigen zelebrieren, unerbittlich an.

Bei den meisten Zeitgenossen leistet der menschliche Geist noch Widerstand gegen die Begrundung einer Solidaritat, die jene Institutionen entstehen lassen konnte, die der hochsten Stufe des modernen Bewufitseins eigentlich entsprechen.

Was fur ein Wesen ist doch jenes, das eher das Antlitz der « menschlichen Gattung » als das der Menschheit darbietet, und das die immer zahlreicheren wissenschaftlichen Disziplinen in seiner Ganzheit nicht zu erfassen vermogen.

Eine diesbezugliche Erkenntnis mufi heute im Rahmen eines interdisziplinaren

Ansatzes erlangt werden, der alle Wissenschaften miteinbezieht, welche die Speerspitze des Fortschritts bilden und Bewufitseinszustande in die Forschung miteinbeziehen, deren Untersuchung die Wissenschaft bis vor kurzem noch verweigert hat. Daruber hinaus sollte man sich nicht scheuen, in der Jahrtausende alten orientalischen Tradition zu suchen, die umfassender und besser dokumentiert ist als unsere, wenn es sich als unverzichtbar fur die Entdeckung eines unbekannten Bindegliedes im Hinblick auf die Schaffung einer verwertbaren Synthese erweist. Diese Hypothese wurde unsere Arbeit auf eine hohere Ebene stellen. Vielleicht wurden wir feststellen, dafi sie bei sorgfaltiger Integration strukturelle und funktionelle Gultigkeit gemafi den strengsten Gesetzen unserer Neurophysiologie aufweist.

Zwei grofie Wissenschaftszweige bieten sich heute unseren Forschungen an und verleihen den Grundlagen unseres Verstandnisses und unserer Interpretation gleichzeitig eine neue Fulle und Qualitat, obwohl sie sich anscheinend mit den beiden gegensatzlichsten Aspekten der Schopfung befassen, namlich mit der Materie und dem Bewufitsein. Die Annaherung dieser beiden wird wahrscheinlich ein neues Licht auf unser Bild vom Universum und vom Menschen werfen. Es handelt sich um die beiden folgenden Bereiche:

- Einerseits um die Entdeckungen der Mikrophysik, die mit der Quantenphysik in der scheinbaren und trugerischen Materialitat ein sich fortwahrend erneuerndes Leben zutage treten lafit.

- Andererseits um das Interesse am Bewufitsein seitens gewisser Gruppen von Forschern, das sich parallel zu den Arbeiten auf dem Gebiet der Physiologie des Grofihirnrinde und aufgrund der zahlreichen Aufzeichnungen und Laboruntersuchungen mehr und mehr als eine Wissenschaft (2) organisiert.

Jedoch beschaftigen sich diese Arbeiten immer nur mit den psychischen

Bewufitseinszustanden, dem « mentalen », uns vertrauten Bewufitsein, selbst wenn es sich um « aufiergewohnliche » Erscheinungen metaphysischer (ekstatischer) (3) oder parapsychologischer Art (4) handelt. Dasselbe trifft auf die eventuelle Beteiligung des Bewufitseins des Beobachters bei quantischen Phanomenen zu (5).

Eine erstrangige Bedeutung wird dem Bewufitsein auch von einer universitaren Forschungsgruppe in den Vereinigten Staaten beigemessen, von deren wissenschaftlicher Richtung uns Raymond Ruyer in der « Gnose von Princeton » berichtet (6). Dabei steht das Bewufitsein nicht im Gegensatz zur Materie, sondern bildet, ganz im Gegenteil, deren einzige Substanz. Das Universum besteht nur aus Bewufitseinsformen und deren Wechselwirkung. Die Information, die das Bewufitsein bereitstellt, wird als « Ort » des Bewufitseins betrachtet, wahrend der Materialismus, der davon ausgeht, dafi alles « Objekt » ist, nur die Kehrseite darstellt.

Dennoch gibt uns keine dieser Forschungsarbeiten Auskunft uber die wahre Natur des Bewufitseins.

Fur uns, die wir eine « menschliche Struktur » ausarbeiten mochten, deren einzige Grundlage oder genauer gesagt, deren Gipfel die « einzige Realitat » des Bewufitseins ist, sind diese neuen wissenschaftlichen Sichtweisen und die Exaktheit ihrer Darlegung jedoch nicht bedeutungslos. Sie ermutigen uns und rechtfertigen unsere Hypothesen, die sich nicht scheuen, kuhn in eine neue Ara der diesbezuglichen Forschung einzutreten.

Obwohl wir die Haufung der Zeugnisse schatzen, die der Bedeutung des Bewufitsein jeden Tag einen hoheren Stellenwert verleihen, war unser Ziel von Anfang an hoher gesteckt:

Wir traumten vielmehr davon, nicht nur einen Teilbeitrag zu den Geisteswissenschaften zu leisten, sondern eine Synthese zu schaffen, die imstande ist, das

menschliche Wesen in der Ganzheitlichkeit seiner Struktur und seiner funktionellen

Prozesse darzustellen und seine Beziehungen zum Universum zu klaren.

Unser Anspruch auf Wahrheit liefi es nicht mehr zu, den Menschen als « diesen Unbekannten » zu betrachten (7). Hat Carrel ubrigens nicht selbst gesagt: « Die Zeit ist gekommen, das Werk der Erneuerung, der Rekonstruktion des Menschen zu beginnen. » Wir wollten um jeden Preis das Geheimnis dieses « einzigartigen Wesens », wie es Julian Huxley (8) nennt, entratseln (in unseren Augen ist das nicht als Versuch gedacht, eine Uberzeugung weiterzugeben), das uber eine « grenzenlose Beherrschungskraft verfugt, so es ihm beliebt, sie zu nutzen... und in einer gigantischen Evolutionserfahrung begriffen ist ».

In noch nicht all zu ferner Vergangenheit gehorte es in den Wissenschaften zum guten Ton, dafi ein Wissenschaftler es sich nicht gestattete, uber ein Thema zu schreiben, wovon er keine Ersthanderfahrung hatte und das er daher nicht beherrschte. Daran erinnert uns Erwin Schrodinger, aber er betont auch die Tatsache, dafi wir von unseren Vorfahren das Bedurfnis nach einer Wissenschaft ererbt haben, die alles zu einer Einheit zusammenfafit und dafi im Altertum und wahrend einiger Jahrhunderte diesem Aspekt des « Universellen » der Wissenschaft durchaus Glauben geschenkt wurde (9).

Seit dieser Zeit hat es uns die stetig wachsende Zahl der Wissenschaftszweige und der Spezialisierungen unmoglich gemacht, alle Kenntnisse zu vertiefen. Angesichts dieses Dilemmas aufiert dieser grofie Wissenschaftler den Wunsch, dafi sich einige unter uns auf eine « Synthese von Fakten und Theorien » einlassen sollten, wovon sie nur unvollkommene Kenntnisse aus zweiter Hand besitzen, und dies auf die Gefahr hin, als Aufienseiter zu gelten. In dieser Erklarung des eminenten Physikers steckt unsere Entschuldigung, falls eine notig sein sollte.

Aber eine Synthese, die sich einer solchen Bezeichnung wurdig erweist, stellt

zwingende Forderungen. Sie mufi pragmatisch sein und im Einklang mit den Gesetzen der anatomischen Integration und funktionellen Unterordnung stehen, die das Nervensystem steuern. Um dies zu erreichen, ist es von Bedeutung, dafi sie aus hierarchischen Ebenen im Rahmen einer Einheit besteht, die ihr durch die hochste Integrationsebene verliehen wird. Ihre normale Aktivitat mufi die biologischen Gesetze zum Ausdruck bringen, deren Verletzung als Ausloser funktioneller Fehlleistungen betrachtet werden kann. Die Kenntnis der Steuerungsmechanismen mufi die Ursache des Versagens aufklaren konnen.

Eine derartige Strukturskizze, die sowohl statisch als auch dynamisch ist, darf aber auch nicht in einem zeitlosen Bild erstarren, das allenfalls fur die Ausstellung im « Musee de l'Homme » geeignet ware. Sie mufi mit einer Anthropogenese einhergehen, die den Schlussel der Erkenntnis uber den « Ruckweg » anbietet und den zu beschreitenden Weg aufzeigt ». Woher kommt der Mensch, wohin geht er?... Diese Perspektiven mussen die Ermittlung dessen ermoglichen, « was er ist ».

Es spricht fur sich, wenn unsere westlichen Wissenschaften - wieviel Aufmerksamkeit sie auch immer den zahlreichen Aspekten des Bewufitseins zollen - es uns nicht ermoglichen, allein mit jenen Elementen eine Synthese zu wagen, die ihre durchaus hervorragenden Entdeckungen uns zur Verfugung stellen. Die von ihnen erforschten Phanomene beziehen sich lediglich auf das psychische Bewufitsein, wie wir bereits erwahnt haben. Wie aufiergewohnlich ihre Verfahren auch seien, sie bewegen sich immer im dualistischen Rahmen des Psychosomatischen.

Nun ist es aber genau diese psychische Ebene, auf der wir die Entstehung von individuellen und sozialen Fehlleistungen und Abweichungen beobachten konnen, an denen die Menschheit gegenwartig leidet. Bei unseren Verbesserungs- und Umerziehungsversuchen mussen wir hier unuberwindliche Fehlschlage verzeichnen.

Die « Gnostiker von Princeton », die auf dieser psychischen Ebene ein « technisch orientiertes Ziel verfolgen », was wunschenswerte Verhaltensmuster anbelangt, suchen wirksame « Montagen » und gelangen zur Erkenntnis, dafi aufgrund einer willkurlichen Teilung des Egos ein Dialog zwischen seinen beiden Halften entsteht: Das « Ich-Zeuge », eine Art humorvoller Gott, sagt zu dem naiven « Ich », das jener beobachtet: « Du hast dich dumm angestellt, aber du kannst es besser machen. » Der Hindu-Weise, der die Nichtigkeit eines solchen Verfahrens betont, bestatigt folgendes: Ein Teil des Mentalen hat sich als Polizist verkleidet, wahrend der andere der Dieb ist. Ein solches Verfahren kann keineswegs zur geistigen Harmonie fuhren, denn es handelt sich nicht nur darum, « sich selbst zu erkennen », sondern letztendlich auch darum, « sich selbst zu erbauen », was man im ubrigen in Princeton betont.

Nun ist an das neurophysiologische Gesetz zu erinnern, das besagt, dafi die Verwendung einer hoheren Ebene der Gehirnstruktur automatisch die sich darunter befindlichen Ebenen unterordnet. Durch die Ubertragung dieses Gesetzes auf die psychische Ebene haben wir bei der Behandlung von psychosomatischen Herzstorungen ofters nachgewiesen, dafi sich die diencephale Erregung und die dadurch verursachten Storungen der geistigen Tatigkeit einer ubergeordneten kortikalen Ebene unterordnen.

Ebenso liegt die Vorstellung nahe, dafi die Natur uns mit einer hoheren Ebene ausgestattet hat, die in der Lage ist, unseren endlosen psychischen Storungen mit ihren unbezwingbaren Gedankengangen Einhalt zu gebieten. Wir suchten in den psychologischen Wissenschaften vergeblich nach der Erwahnung oder auch nur der Hypothese einer derartigen Ebene biologischer Art, die einen energetischen, funktionell wirksamen Hohepunkt darstellt. Das Bewufitsein wurde bisher nur in Zusammenhang mit dem Intellekt, der Affektivitat und der Physiologie behandelt.

Unsere Indien-Forschungsreisen haben uns, wie wir spater sehen werden, die Moglichkeit einer Offnung hin zu einer wissenschaftlichen Erweiterung dieses menschlichen Problems offenbart, und zwar dank der dreifaltigen Struktur, die ganz und gar von dem gleichzeitig transzendenten und immanenten « Bewufitsein-Energie » beherrscht wird. Seine Dynamik ist die Grundlage der Yoga-Praxis.

Nun taucht aber folgende grundlegende Frage all jener auf, die keine Schulung auf einem Yoga-Pfad erfahren haben: « Welchen funktionellen Status hat diese integrierende Ebene im Alltagsleben?»

Selbstverstandlich ist sie eine Funktion der Aufmerksamkeit. Hier spielt jedoch eine aufierst wichtige Unterscheidung eine Rolle zu der uns der Shakta Vedanta auffordert: Die selektive Aufmerksamkeit umfafit nur einen Bruchteil der Wirklichkeit; erst wenn sie « azentrisch » und unparteiisch wird, nahert sich der Mensch der Verwirklichung. Krishnamurti, der sich allein auf die Innerlichkeit, unabhangig von jeglicher Tradition, gleich welcher Art, beruft, betont diese Unterscheidung ebenfalls. Diese totale Aufmerksamkeit, ohne Anstrengung, (die sich dadurch von der Konzentration unterscheidet) mufi frei von jeglicher Bedingtheit, ohne Wahl, ohne Urteil und tatsachlich frei von « Dualitat » sein. Wir erkennen darin ein vom Psychismus freies Bewufitsein, einen Akt des « reinen Bewufitseins », das fortwahrend wirksam ist. Wir haben es an uns selbst, sowie an unserer Patientenschaft uberpruft.

Wie kommt diese Wirksamkeit so muhelos zustande? Eine einzige Antwort ist moglich: Die Aktivierung einer ubergeordneten Ebene aktualisiert das « Gesetz der Unterordnung ». Mircea Eliade ist der Ansicht, dafi das « Bewufitsein-Zeuge eine der grofiten Entdeckungen Indiens ist » (10). Ramana Maharshi ist jedoch der Ansicht, dafi der Begriff « Bewufitsein-Zeuge » ungeeignet ist, da er ein Subjekt und ein Objekt beinhaltet, wahrend diese Dualitat im Bewufitsein nicht existiert. (11) Auch er sagt « consciousness is awareness » eine Aufmerksamkeit ohne Dualitat, eine einfache « lichte Gegenwart » des reinen Bewufitseins.

Diese « mentale Stabilisierung » stoppt sofort den endlosen Flufi unserer unkontrollierten Gedanken. Nun ist aber eben diese mentale Stabilisierung die Bedingung « sine qua non » fur den Zugang zum hoheren Bewufitsein. Sie ist fur den Yoga von grofiter Wichtigkeit. Die Aphorismen Patanjalis messen ihr Definitionswert bei: « Yoga besteht darin, die mentalen Schwankungen zu unterbinden. Dann befindet sich das SELBST (das reine Bewufitsein) in seinem ureigenen Zustand. In allen anderen Fallen identifiziert es sich mit der mentalen Tatigkeit ». (12)

Dergestalt ist, in groben Zugen, der Sinn der Darlegung, den die folgenden Kapitel zum Inhalt haben: eine Forschung, die auf die « Wissenschaft vom ganzheitlichen Menschen » ausgerichtet ist und auf diesem Weg die ungeahnte « Wirklichkeit » entdeckt, die diese Ganzheit in sich birgt.

Nachdem dem « Bewufitsein-Energie » die Erzeugung der gesamten menschlichen Struktur aus seiner eigenen Substanz, Ebene um Ebene, zuerkannt wurde, die allein es als ubergeordnete Ebene zu organisieren imstande ist, mag es noch verwegener erscheinen, ihm dieselbe Rolle in bezug auf das Universum zuzuschreiben.

Dies ware sicher zu Beginn des Jahrhunderts der Fall gewesen, als die Wissenschaft noch nicht die auf gesundem Menschenverstand fufiende Vorstellung widerlegt hatte, die diesem Universum eine unabhangige, vom Menschen verschiedene Existenz und der Materie eine unbestreitbare Objektivitat zuerkannte.

Es ware noch utopischer gewesen, sich lediglich auf die Jahrtausende alte Tradition einer fremden Kultur zu berufen, um eine Synthese zu stutzen, die im Widerspruch zu den Erkenntnissen der « Wissenschaftsglaubigkeit » von damals stand.

Heute bedauern wir sogar, im Titel des Buches den Menschen und das Universum durch ein Bindewort miteinander verbinden zu mussen. Wir meinen, es sei treffender, vom « Mensch-Universum » zu sprechen, wie man dies im Falle der « Raum-Zeit » tut oder nur den Begriff « Manifestation » zu verwenden, dessen Bedeutung den metaphysisch besetzten Begriff der « Schopfung » ersetzen konnte. Das « Bewufitsein- Energie » als Struktur der « Manifestation » ware uns als Titel geeignet erschienen. Aber dies ware bestimmt zu « hermetisch » fur jene Leser gewesen, die in der « Vereinigung » der Anthropogenese mit der Kosmogenese, die scheinbar auch kuhn ist, wenig geubt sind.

Fur den, der imstande ist, sich « wohlwollend » eine Einheitsstruktur des Menschen und des Universums vorzustellen, liefert das « Bewufitsein-Energie » die einzig wirksame und logische Hypothese. Sie tragt der Vielfalt der wissenschaftlichen Entdeckungen Rechnung, welche die Wissenschaftler in ununterbrochenem Flufi uberfluten und die im Bereich der Mikrophysik bislang noch nicht in einer befriedigenden allgemeingultigen Theorie vereinigt werden konnen. Sie sagen, sie warten auf jene « allgemeingultige Theorie », diese « wunderbare Entdeckung », die dem Ratsel, fur das bereits so viele Losungsfragmente existieren, einen Sinn gibt.

In Wahrheit gibt es nichts zu « entdecken ». Vielmehr gilt es zu versuchen, die Synthese dort zu nutzen, wo sie ist oder besser, die « Integration », die alle Teilentdeckungen gemafi den « erkannten » Wahrheiten nutzt und sie in einen umfassenden Rahmen einbaut, der die moderne Wissenschaft in keiner Weise beeintrachtigen wurde. Diese stellt eine letzte Frage nach der Herkunft dieser « kryptogenetischen » Energie, konnte man sagen. Und sie erhalt die Antwort auf diese Frage. Warum sollte man sie, je nach « Mentalitat » des interessierten Wissenschaftlers, nicht als Hypothese oder sogar als Postulat testen.

« Die moderne Wissenschaft verpflichtet uns, die Wirklichkeit der materiellen Welt anzuzweifeln », sagt Pierre Rousseau. Es ist noch mehr als ein Zweifel, wozu wir aufgerufen sind, es handelt sich um einen Akt des Vertrauens gegenuber dieser « Nicht- Realitat ». Die Materie besteht in der Tat aus Teilchen, die nur die Begegnungspunkte von « Wahrscheinlichkeitswellen » und moglicherweise nicht mehr als eine mathematische

Singularity sind. « Keine Teilchen, keine Materie; keine Materie, keine aufiere Welt ». Soweit sind wir unter dem Blickwinkel der Mikrophysik,... aber, genauer gesagt, « keine aufiere Welt unabhangig vom Beobachter ». Was wir uber die Phanomene wissen, ist das, was sich uns erschliefit, wenn wir eingreifen. « Die Materie ist eine Vorstellung, ein Denkbild in unserem Geist » erklart Schrodinger (14). Der Begriff « Ereignis » hat den des « Elements » abgelost.

In anderer Weise informiert uns der Spezialist fur « energetische Systematisierung » Stephane Lupasco (15) uber den energetischen Prozefi, der die Tauschung bewirkt, wahrend er gleichzeitig das Bewufitsein energetisch definiert: « Ein Objekt erscheint als eine mit einem gewissen Widerstand ausgestattete energetische Systematisierung, die unserer sinnlichen Vorstellung den Eindruck der festen und undurchsichtigen physischen Wirklichkeit vermittelt, die wir Materie nennen. » Aus diesem Grund ist das « Universum sozusagen ein Traum, aus dem die Gewebe dieser Welt gemacht ist ». Und im ubrigen ist « das Bewufitsein selbst die potentielle energetische Realitat »; in ihrer Potentialitat ist sie gleichzeitig « Kausalitat » und « Finalitat »; ich werde mir nicht einer Sache bewufit..., ich bin Bewufitsein... das Objekt ist im Bewufitsein, da es Potentialitat ist, wie das Bewufitsein selbst. Es gibt keine « Subjekt-Objekt-Dualitat ».

Ebenso verhalt es sich mit unserer Gehirnmasse: « Spricht man uber das Gehirn und Lokalisation, und stellt man sich eine Gehirnsubstanz, eine « innervierte Masse » vor, so handelt es sich in der Tat um nichts anderes als Lokalisationen der « Energie in der Energie ». In unserer menschlichen Konstitution existieren gleichzeitig drei verschiedene energetische Systeme mit verschiedenen dynamischen Eigenschaften, woraus sich die drei verschiedenen (energetischen) Materien ergeben. Aber es erhebt sich die Frage:

« Woher stammt diese Energie, zu deren Postulierung wir aufgerufen sind?» (16).

Man wird sich gut vorstellen konnen, dafi sich die Antwort, die wir vorschlagen,

ganz naturlich in diese Sichtweise einfugt.

Die Wissenschaftler der Universitat Princeton messen der Energie und dem Bewufitsein dieselbe Bedeutung bei, wahrend sie gleichzeitig betonen, dafi die Materie eine Tauschung ist. Fur sie schafft der Geist einen Widerstand in Form von Materie und die Wesen haben keinen Korper. « Es sind keine Korper ». Das Bewufitsein ist die absolute Gegenwart. Das sind die verschiedenen Thesen der modernen Wissenschaft. Wie konnten wir uns unter diesen Umstanden befremdet fuhlen, wenn wir im Shakta Vedanta lesen, dafi das Universum Energie ist, und dafi die Energie Bewufitsein ist, dafi das Mentale des Menschen und die Materie die beiden Zwillingsaspekte desselben Bewufitseins als « Kraft » verstanden » sind, dafi die « Subjekt-Objekt-Dualitat » eine Tauschung ist, und wenn ein Hindu-Weiser aufgrund von « innerer Erfahrung » versichert, dafi « nichts von dem, was man sieht, wirklich ist, und dafi das Leben ein Traum ist »?

Man kann auch unter einen anderen Blickwinkel eine Annaherung zwischen Physik und Tradition herbeifuhren, um den Begriff des « Bewufitseins als Struktur des Universums » einzufuhren.

Der Physiker Jean Charon hat sich erfolgreich bemuht, die Quantentheorie in die Eingeschrankte Relativitatstheorie Einsteins miteinzubeziehen, die ein « Raum-Zeit- Kontinuum » als Ausdruck der Wirklichkeit des Universums postulierte. Es gab auch eine als « Raum-Zeit- Kontinuum » (17 und 18) formulierte Einheitstheorie des Universums.

Nun erfahren wir im Shakta Vedanta, dafi « das Kontinuum des Bewufitseins » als Urenergie die Raum-Zeit ist und dies mit dem Antagonismus der Begriffe « Raum » und « Zeit » wie in der Raum-Zeit der Systematisierung S. Lupascos (« CIT Kontinuum = Kala = DIK ») (Bewufitseins-Kontinuum = Zeit = Raum). Definiert diese Gleichsetzung des « Bewufitseins-Energie » mit der Raum-Zeit als Kontinuum nicht das « Bewufitsein als eigentliche Struktur des Universums? (19).

Befinden wir uns hier nicht in Gegenwart einer Einheitstheorie des Mensch- Universums oder der « Manifestation », da dasselbe Bewufitsein ubrigens gleichermafien die Struktur des menschlichen Organismus ist?

Wir sind der Meinung, dafi wir in diesem kurzen Uberblick genugend Beispiele angefuhrt haben, um ohne Uberraschung festzustellen zu konnen, dafi wenn das « Bewufitsein-Energie » der « Schlussel » zur menschlichen Struktur ist, es auch zwangslaufig der fur das Universum ist, und dafi sie beide die Aspekte einer selben Manifestation sind.

In einem Werk, das dem Symbolismus in der Architektur des Tempels von Luxor gewidmet ist und den Titel « Der Tempel im Menschen » tragt (20), zogert ein Agyptologe nicht, folgendes zu schreiben : « Das Universum ist nur Bewufitsein und stellt vom Anfang bis zum Ende, das die Ruckkehr zu seinem Ursprung ist, nur eine Bewufitseinsevolution dar ». Und an einer andren Stelle: « Das Universum existiert fur uns nur vermittels unseres Bewufitseins. » Und ebenso: « Die Natur und der Mensch sind nur Eines. » Darin kann man vedantisch inspirierte Aussagen erkennen.

Die vielleicht etwas lastige Kompaktheit dieser Einfuhrung ist uns dennoch nicht unnutz erschienen, denn sie soll verhindern, dafi sich der Leser in den Exkursen, welche die Gefahr in sich bergen, dafi das Wesentliche eines so ungewohnlichen und in mancherlei Hinsicht vielleicht verwirrenden Themas im Laufe des Lesens verschleiert wird, verliert.

Das letzte Kapitel, das die Wissenschaft vom Menschen durch eine Erforschung der tiefsten, ausschliefilich subjektiven Innerlichkeit des Menschen erweitert, mufi auch in einem Werk enthalten sein, das sich die Behandlung des « ganzheitlichen » Menschen als Ziel gesteckt hat.

Einige Leser begegnen auf diesen Seiten vielleicht einem Widerhall ihres eigenen Strebens. Aber die Wege, die zur Wahrheit fuhren, sind vielfaltig, und der beste ist der, den ein jeder fur sich selbst entdeckt und der ihn seine Bestimmung verwirklichen lafit

Erstes Kapitel

Der Verlauf einer Forschung

VON DER KARDIOLOGIE ZUR WISSENSCHAFT VOM MENSCHEN

« Wo endet unsere Aufgabe als Kardiologen?... Wer ist jenes Wesen, in dem das Herz schlagt? Man mufi dennoch versuchen, ihm naherzukommen, es zu verstehen und sich ihm verstandlich machen... »

(Roger Godel, Korrespondenz)

(April 1953)

Diese Aufforderung eines Kollegen, der allzu fruh aus einem wissenschaftlichen und allzu menschlichen Werk herausgerissen wurde, soll zu Beginn dieses Kapitels in Erinnerung gerufen werden.

Fur Roger Godel, der, wie wir, ebenfalls ein Herzspezialist war, verkorperte die Ausubung seines medizinischen Berufes tatsachlich den Schmelztiegel, in dem sich der Mensch, der Wissenschaftler und der Philosoph begegneten.

Aufgrund seines unermudlichen Strebens nach der Wahrheit, verfolgte er mit seiner Forschung das Ziel der Ausarbeitung einer Synthese, die ganz und gar im Lichte der hochsten Weisheit eines Bewufitseins stunde, dem alle Dinge entstammen, das sich aber der wissenschaftlichen Erforschung zu entziehen scheint. Sein wissenschaftlicher Ansatz zielte auf nichts weniger ab, als das klar zu formulieren, was in seinen Augen die « essentielle Wirklichkeit verkorpert ».

Nachfolgend werden wir in grofien Zugen die Dialektik einer Forschung darlegen, deren Ergebnis Gegenstand der Gesamtdarstellung in unserer Einleitung war, und die bereits mit Beginn unserer medizinischen Berufsausubung begonnen hat.

Kardiologie und « Psychosomatik »

Anfangs hatten wir den Wunsch, den zahllosen Herzleidenden, den funktionellen Opfern von unbewaltigten subintranten Gefuhlstraumas Hilfe zu leisten, und zwar mit dem Ziel, ihnen die permanente, nur zeitweilige Linderung verschaffende und toxische Medikamententherapie zu ersparen. Dies war vor 50 Jahren, als wir Assistenzarzte waren und beschlossen hatten, die psychosomatischen Prozesse dieser Storungen im Hinblick auf eine mogliche Rehabilitation zu klaren.

Die Vorbereitung einer Unterrichtseinheit uber die « Sinusarrhythmien » sollte richtungsweisend fur unsere Forschung werden und unser Interesse scharfen.

Wir entdeckten, dafi der Physiologe Wenckebach und der Psychiater Wiermsa im Jahre 1914 auf den wohltuenden und regulierenden Einflufi der anhaltenden geistigen Aufmerksamkeit im Verlauf gewisser Arrhythmien hingewiesen haben: Zwei ihrer Freunde, junge, emotionale Leute, hatten gewohnlich eine Arrhythmie respiratorischen Ursprungs, die in Zeiten von Prufungen verschwand, und welche die Zerstreuung wiederkehren liefi und sogar verschlimmerte. Nun, ein Tier hat immer eine derartige Arrhythmie, und man findet sie auch beim Kind. Sie ist das Erbe aller Personen, deren Gedanken umherschweifen. Die Autoren sind der Meinung, dafi der Zustand des Pulses auf die Intensitat der geistigen Konzentration schliefien lafit. Im funktionellen Bereich gibt es ubrigens umfangreiche klinische Bestatigungen fur die von Wenkebach aufgezeichneten Feststellungen. Man kann haufig beobachten, dafi eine bewufite Entscheidung gefallt wird, die es einem kranken Organismus ermoglicht, eine Anstrengung zu unternehmen, zu der er nicht fahig zu sein scheint. Bei Untatigen verschwinden die funktionellen Krankheiten, wenn das Leben von ihnen eine Tatigkeit fordert, von der sie gewohnlich annahmen, sie konnten sie nicht verrichten.

Zur Objektivierung der physiologischen Veranderungen, die auf eine qualitative

Veranderung des Bewufitseins zuruckzufuhren sind, sowie zur Bestimmung der fur einen Rehabilitationsversuch erforderlichen wesentlichen Elemente, war so manches Experiment erforderlich.

Auf dem Weg zu einer Mentaltherapie. - Experimente

Wir haben uns die schnelle Reaktionsgschwindigkeit des Gefafisystems auf psychische Reize zunutze gemacht, um die Rolle der Bewufitseinsdynamik zur Geltung zu bringen. Wir liefien eine Anzahl von Personen, einerseits nervlich Normale, andererseits nervlich Labile auf eine Aufforderung hin eine geistige Tatigkeit verrichten, wobei die arterielle Mefikurve vor, wahrend und nach dem Versuch aufgezeichnet wurde.

Bei den nervlich Labilen, mit einer Neigung zu funktionellen Arrhythmien, fuhrte der Akt der Aufmerksamkeit, sofern dieser richtig ausgefuhrt wurde, zur Beseitigung der Arrhythmie, die vor dem Versuch aufgezeichnet wurde. Dagegen verstarkte eine Anstrengung, die mit einem hohen affektiven Potential belastet war und von der Angst um die korrekte Ausfuhrung des erteilten Auftrags begleitet war, die Arrhythmie oder loste sie wieder aus, wahrend der Puls vor der Ubung regelmafiig war. Eine belastende affektive Erinnerung fuhrte zu denselben Ergebnissen. Eine Person, die sich erst beim zweiten Versuch aufmerksam zeigte, brachte eine Arrhythmie zum Verschwinden, die der erste Versuch wahrend der Gefuhlsbewegung hervorgerufen hatte.

In Abwesenheit von Rhythmusstorungen fuhrten entgegengesetzte geistige Einstellungen zu antagonistischen neurovegetativen Reaktionen: Anhaltende

Aufmerksamkeit fuhrte zu einer Hypertonie, vergleichbar mit dem Eintauchen eines Gliedteils in kaltes Wasser; ein diffuses Gefuhl fuhrte zu einer hypotonischen Reaktion, wie sie wahrend des Eintauchens eines Gliedes in heifies Wasser oder bei arterieller Ermudung infolge einer Gefafikompression auftritt.

Bei sehr wenigen, in der psychischen Beherrschung geubten Personen, konnte der wahrend der physiologischen Phanomene eingesetzte Wille nach Belieben den Pulsrhythmus durch Beschleunigung oder Verlangsamung verandern.

Psychophysiologische Mechanismen

Im Verlauf dieser Experimente haben wir damals zwei Elemente herausstellen konnen, die bei den psychophysiologischen Prozessen der aufgezeichneten Veranderungen wirksam werden konnen.

- Es ist in erster Linie die psychische Ebene, auf der sich das Bewufitsein weilt. Hinsichtlich des biologischen Gesetzes der anatomischen Integration und der funktionellen Unterordnung, das fur den hierarchischen Vorrang der ubergeordneten Ebene bestimmend ist, haben wir festgestellt, dafi die psychischen Zustande ihre Entsprechung in der Ebenenhierarchie der nervlichen Struktur hatten, wobei die geistige Aktivitat die Emotionalitat unterordnete, die neurovegetative Storungen verursacht, wenn sie nicht unter Kontrolle gehalten wird. (21,22,23)

- Andererseits spielte die Qualitat des Bewufitseinszustandes, in Abhangigkeit davon, ob es sich um eine korrekte Aufmerksamkeit oder um die Hektik der affektiven Erregung handelt, eine Rolle.

Diese letztere Feststellung warf in der Tat mehr interessante Probleme auf, als sie loste, denn nach vielen Jahren drangte es sich unserem Verstandnis auf, dafi die Aufmerksamkeit nur wahrhaftig wirksam werden konnte, wenn sie ganz und gar frei von jeglicher Bedingtheit war, wie wir spater sehen werden.

Jedenfalls haben wir bereits seit dieser Zeit eine dritte ubergeordnete

Integrationsebene als Hypothese in der hierarchischen Rangordnung der menschlichen Struktur gefordert und zwar, das « BewuStsein », das die untergeordneten Ebenen, die psychische und die physiologische, unabhangig und uneingeschrankt benutzen kann und somit beim Menschen das vom Tierreich geerbte Gehirn organisiert und unterordnet. (24).

Aber auch hier war eine Klarung erforderlich, die erst sehr viel spater das BewuStsein als « individuellen », noch mit dem Ego gekoppelten Ausdruck, vom « universellen » BewuStsein unterscheiden sollte, das in jedem von uns als autonome Kraft gegenwartig und frei von jeglicher Bedingtheit durch die Individualitat ist.

Diese Unterscheidung konnte im Rahmen unserer westlichen Kultur nicht in Erscheinung treten. Mit unseren wiederholten Indienforschungsreisen verfolgten wir das Ziel, bei den Yogis unser technisches Forschungsgebiet im Bereich der Psychosomatik zu bereichern, wobei unsere Untersuchungen die notwendigen Elemente fur eine befriedigende dreifaltige Neustrukturierung der menschlichen Konstitution lieferten.

Forschungsreise nach Indien. Auf dem Weg zu erganzenden theoretischen und experimentellen Informationsunterlagen

- Es wurden drei Forschungsreisen in der Zeit zwischen 1935 und 1958 unternommen:

Die erste davon wurde uns im Jahre 1935 und 1936 vom « Ministere fangais de l'Education Nationale » angetragen, um dort unsere Arbeiten auf dem Gebiet der Psychophysiologie durch MeSaufzeichnungen bei den Yogis zu vervollstandigen (25,26).

- Eine zweite wurde uns im Jahre 1952 von einem spezialisierten Zentrum der amerikanischen Universitat Harvard dem « Harvard Research Center in Creative Altruism », unter Leitung des Professors Sorokin vorgeschlagen, um die Rolle des Yoga bei der Entwicklung altruistischer Neigungen zu erforschen 27,28).

- Die dritte fand im Jahre 1958, im Auftrag der « Ecole Frangaise d'Extreme-Orient », unter Leitung des Professors Fillozat vom College de France statt, der unsere gesamten Arbeiten zu diesem Thema veroffentlichte.

Welche Wandlungen hat die westliche Mentalitat seit unserem ersten Indienaufenthalt erfahren, der im Jahre 1935 im wissenschaftlichen Forschungsmilieu als exzentrisch galt und das zu der Zeit nicht ahnte, welche Bedeutung diese andere experimentelle Wissenschaft vom Menschen haben konnte, die der Yoga verkorpert, jedoch im Bereich der Innerlichkeit angewandt wird.

Die Gefahren der Oberflachlichkeit bei der Erforschung des Yoga durch den Westlichen Menschen

Heutzutage hat sich die Erforschung des Yoga einen Platz in der offiziellen Forschung errungen. Sie dringt heute viel leichter in die Forschungslaboratorien ein, da einige Yogis sich nicht scheuen, sich ins Ausland zu begeben, um der Wissenschaft und der Botschaft, die sie vermitteln, dienlich zu sein. In Indien fuhren jetzt die Regierungsinstitutionen subventionierte Forschungsprogramme auf diesem Gebiet durch. Wahrend unseres letzten Forschungsaufenthalts hat uns das « All India Institute of Medical Sciences » zur Teilnahme an einer Serie von Experimenten eingeladen.

Aber wenn man den Veroffentlichungen Glauben schenken darf, so scheint der Forscher, wie gut er auch immer ausgerustet sein mag, mehr an der Aufzeichnung spektakularer Mefiergebnisse interessiert zu sein, um diese im Rahmen der westlichen Neurophysiologie zu interpretieren, als den erweiterten biologischen Aspekt miteinzubeziehen, den die Tradition anbietet. Diesbezuglich ist festzustellen, dafi viele wertvolle Arbeiten Gefahr laufen, in einer Sackgasse zu enden.

Im ubrigen haben zahlreiche popularwissenschaftliche Veroffentlichungen uber den Yoga im gesellschaftlichen Umfeld des Westens die Grundubungen des « Hatha-Yoga », die Vorbereitungen auf den eigentlichen Yoga sind, popular gemacht. Eine ganze Anzahl von Zeitgenossen ubt sich derzeit darin und sagt, dafi sie « Yoga praktiziere ». Aber welcher Praktiker fragt da nach dem Beweggrund, der die Tradition zur Erarbeitung dieser « Posituren » und Atemubungen veranlafite. Die Yogis verfolgen ein sehr genau definiertes Ziel und verwenden dazu im einzelnen aufierst unterschiedliche Techniken, mit ebenso differenzierter Wirkung. Sie versaumen es nicht, auf die Grenzen und Einschrankungen hinzuweisen, die dem Ubenden gesetzt sind, der sie lediglich fur die physische Ertuchtigung einsetzt (30).

Der Yoga und die menschliche Struktur

Man kann die Bedeutung nicht genugend unterstreichen, die ein experimentelles Gebiet fur eine objektive Sichtweise der Geisteswissenschaften hat, das sich theoretisch und praktisch als eine wahre subjektive Wissenschaft vom « ganzheitlichen » Menschen konstituiert, mit all seinen Moglichkeiten der Verwirklichung, Beherrschung und des Uber-sich-Hinauswachsens in der Innerlichkeit.

Ohne Zweifel geben die Mefiaufzeichnungen, wie ungewohnlich sie in gewissen Fallen auch seien, wenig Aufschlufi uber die innere Erfahrung, die angstlich ihr ureigenes Geheimnis hutet. Jedoch ist eine physiologische Aufzeichnungsfolge, die ein ungewohnliches Erscheinungsbild darbietet, immer geeignet, neue Arbeitshypothesen ahnen und eine Forschung fortschreiten zu lassen, deren Entwicklungsmoglichkeiten grenzenlos zu sein scheinen.

Das heifit, dafi die Theorie des Yoga uns ihre viel grofiere Bedeutung offenbart hat als die unsere gangige Sichtweise mehr oder weniger verwirrenden Mefiaufzeichnungen. Sie lafit unser Verstandnis komplexere und exaktere Interpretationsgrundlagen als nur den uns vertrauten psychosomatischen Prozefi vermuten. Eine nur als einfache Dualitat betrachtete menschliche Struktur konnte dem Interpretationsrahmen einer experimentellen Wissenschaft nicht dienlich sein, deren Ziel und Methoden eben genau das Hinausgehen uber Bewufitseinszustande beinhaltet, die Gegenstand unseres psychologischen Wissens sind.

Obwohl es bei dieser inneren Ubung, die frei von allem ist, was nicht unmittelbar nutzt, keinen Raum fur Spekulation gibt, findet der eigentliche Grund fur diese Zweckmafiigkeit seine Rechtfertigung in einer Philosophie, die sowohl mit dem Samkhya als auch dem Shakta Vedanta verwandt ist. Gleich einer gymnastischen Ubung, die immer dieselbe organische Struktur verwendet, so verwendet auch die spirituelle Ubung des Yoga eine differenzierte Struktur, die in den hochsten menschlichen Moglichkeiten gipfelt.

Energetische und trinitare Struktur

Diese Sichtweise des Yoga, welche die von uns formulierten Hypothesen bestatigt, macht die dringende Notwendigkeit offenbar, der Hierarchie der funktionellen Ebenen gewahr zu sein, die die Anwendung des Yoga zu nutzen beabsichtigt.

Die Uberprufung des Postulats der Tradition scheint uns eine derartige Tragweite zu haben, dafi sie zu einer epistemologischen Revision der gesamten medizinischen Wissenschaft fuhren kann. Dieses Postulat veranlafit uns, wie wir es bereits ins Auge gefafit hatten, die dualistische Sichtweise unserer Psychophysiologie durch ein trinitares Modell der wesentlichen Stufen der (subjektiven wie objektiven) menschlichen Aktivitat zu ersetzen. Die funktionelle Einheit wird durch diese hierarchisierte Integration, welche die Storungen erklart, aber vor allem die Steuerung moglich macht, gewahrt. Jede dieser Ebenen verkorpert eine Form von Energie, wobei der Ubergang von einer Ebene zur anderen durch Kanale und energetische Zentren ermoglicht wird, welche die Rolle von Transformatoren spielen.

Das Bewufitsein offenbart seine Natur, die « Kraft » ist. Sie erweist sich als ubergeordnete Integrationsebene

Die ubergeordnete Ebene besteht aus dem Bewufitsein selbst, das irrtumlicherweise als individuell in jedem von uns angesehen wird, aber in Wirklichkeit die Essenz des universellen Lebens bildet und an seiner Allmacht teilhat.

Dieses « Bewufitsein-Energie » kommt beim gewohnlichen Menschen uber die untergeordnete, psychische Ebene, mit ihren uns vertrauten Unterebenen des Intellekts und der Affektivitat zum Ausdruck, die ihrerseits in der physiologischen Ebene und der Nervenstruktur verankert sind.

Wahrend unsere westliche Wissenschaft ihr Interesse und ihre Forschung auf die Beziehung zwischen der psychischen und der physiologischen Ebene ausrichtet, wird die subjektive Yoga-Wissenschaft auf der ubergeordneten Ebene ausgeubt, wo sich das Psychische und das Spirituelle begegnen und verflechten. Dabei darf das Bewufitsein, das sich uber die psychischen Ebenen aufiert, nicht mit diesen verwechselt werden. Ebensowenig ist es eine Eigenschaft der letzteren. Dabei gibt es eine solche Verwirrung, die fur die Verwirklichung unserer wahren menschlichen Natur unheilvoll ist. Und es ist eben gerade diese Verwirklichung, die der Yoga zum Ziel hat.

Die Etappen auf dem Weg dorthin mussen zu dieser grundlegenden Unterscheidung zwischen den bewegten Elementen unseres Psychismus (aus der unsere Personlichkeit hervorgeht) und ihrem Meister, dem Bewufitsein, hinfuhren, das jene, vom epistemologischen Standpunkt aus betrachtet, ubersteigt, wahrend es immanent an der Herausbildung des Wesens mitwirkt. Die Trennung zwischen den beiden Ebenen, der psychischen und der « noetischen », konnte nicht ausdrucklicher bestatigt werden als durch die Vorschrift, die sich auf den entscheidenden Punkt der Praktik des Yoga bezieht: Dieser besteht in der Aufhebung der Schwankungen der geistigen Aktivitat. Diese Disziplin ist derart wichtig, dafi ihr Patanjali in den klassischen Yoga-Aphorismen Definitionswert beimifit, wie wir gesehen haben. Das ist der Preis der Wirklichkeit.

Wissenschaftliche Betrachtung der geistigen Hygiene und der biologischen Moral

Wahrend unsere in grofien Zeitabstanden aufeinanderfolgenden Forschungsreisen es uns ermoglichten, nicht nur Mefiaufzeichnungen zu machen, sondern auch Labors, Ashrams und ihre Weisen zu besuchen, wobei wir theoretisches Informationsmaterial in der Bibliothek des franzosischen Instituts von Pondicherry zusammenstellten, fuhrten uns unsere Betrachtungen schrittweise zu der ziemlich festen Uberzeugung, dafi eine solche angewandte Wissenschaft von der menschlichen Energie sehr wohl die Gesetze der physischen und geistigen Gesundheit des Einzelnen, sowie der Gesellschaft enthalten konnte. Und das, ohne unbedingt eine der systematischen Disziplinen zu praktizieren, die von der Tradition empfohlen werden, sondern durch eine Anpassung der grofien biologischen Gesetze, welche die Yoga-Techniken wirksam machen, an das subjektive Leben der Menschen unserer Zeit.

[...]


[1]Siehe Glossar Seite 500.

[2] Dasselbe trifft auf die deutsche Sprache zu. (a. d. U.)

Ende der Leseprobe aus 532 Seiten

Details

Titel
Das "Bewusstsein-Energie": Die Struktur des Menschen und des Universums
Untertitel
Wissenschaftliche, soziale und spirituelle Bedeutung
Veranstaltung
Bewusstseinsforschung
Autoren
Jahr
2010
Seiten
532
Katalognummer
V158730
ISBN (eBook)
9783640831036
ISBN (Buch)
9783640830602
Dateigröße
2284 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Original: La "Conscience-Energie" structure de l'homme et de l'univers. Ses implications scientifiques, sociales et spirituelles v. Dr. Thérèse Brosse. Übersetzer: Gebhard Deißler D.E.A./Univ. Paris I
Schlagworte
Bewusstseinsforschung, ganzheitlicher Mensch, Selbsterkenntnis, Erkenntnistheorie, noetisch-psychisch-somatische Trinität, Mensch und Universum
Arbeit zitieren
Dr. Thérèse Brosse (Autor)D.E.A./UNIV. PARIS I Gebhard Deissler (Autor), 2010, Das "Bewusstsein-Energie": Die Struktur des Menschen und des Universums , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158730

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