Das Jahr 1968 in Polen in einem vergleichenden Kontext


Hausarbeit, 2008

11 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Vorgeschichte der „Märzereignisse“

3. Die Studentischen Proteste

4. Antisemitische Kampagne

5. Folge

6. Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit dem Westen

7. Bibliographie

1. Einleitung

Im Jahre 1968 beherrschte das ganze Europa, sowohl das westlich als auch östlich von der eisernen Vorhang gelegene, aber auch die Vereinigten Staaten, Japan, und Mexico eine Revolte, Proteste und Demonstrationen. Bis heute weckt das Jahr 68 überall in der Welt viele Kontroversen, es werden zahlreiche Debatten geführt. Eine besondere, globale Aufmerksamkeit wird im Jahr 2008, anlässlich des vierzigsten Jubiläums des Jahres 68 geweckt. Heutzutage stellen sich die Historiker die Frage, ob es einen gemeinsamen Faktor gegeben habe, der alle diese Ereignisse verbindet, und zuletzt auch die Frage wie das Jahr 1968 die Welt verändert habe. Einerseits trifft man in vielen Publikationen die Meinung an, dass die Ereignisse im Osten und Westen Europas ganz unterschiedliche Ursachen hatten. Anderseits versucht man, in der Geschichtswissenschaft eine Verbindung zu finden, die das Geschehen 1968 im Osten und Westen Europas verbindet. Das Jahr 1968 wird heutzutage in der Geschichtswissenschaft als ein globales Ereignis, die „Revolution im Weltsystem“, die erste globale Bewegung, oder als ein Konglomerat, das aus nationalen Bewegungen mit bestimmten lokalen Besonderheiten besteht dargestellt.[1] Manche Publizisten und Politiker sprechen auch über 68 im Kontext einer europäischen Bewegung.[2] Die Verbindungsversuche bestehen also sowohl auf einer globalen, als auch auf der europäischen Ebene. Ziel dieser Arbeit ist vor allem die Darstellung des Jahres 1968 in Polen als ein spezifisches lokales Ereignis, aber auch ein Versuch auf die Frage zu antworten, was das polnische Jahr 1968 in Polen im globalen und europäischen Kontext mit anderen Vorgängen in der Welt gemeinsames hat. In der polnischen Geschichtswissenschaft ist das Jahr 1968 aufgrund seiner Aktualität, eines der meist umstrittenen Ereignisse. Der Historiker und Leiter der Warschauer Filiale des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) Jerzy Eisler publizierte Anfang der Neunziger Jahre und zuletzt im Jahre 2006 Monographien zu diesem Thema und ist damit in Polen der führende Spezialist in diesem Forschungsfeld. Die Fragestellung, mit der ich mich befassen möchte, wird in polnischen Veröffentlichungen eher auf journalistischer Ebene betrachtet. Mit einer ähnlichen Problematik beschäftigte sich der deutsche Historiker Dr. Hans-Christian Petersen, der versuchte den polnischen März 1968 zwischen einem gesamtnationalen Ereignis und transnationaler Bewegung zu orten.[3]

Der Begriff „Märzereignisse 1968“ impliziert verschiedene meistens gegenseitig aufeinander einwirkende Geschehnisse, die in der Zeit von 1967 bis 1968 stattgefunden haben. An diesen schließen sich vor allem der Kampf um die Macht in der regierenden Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, die Studentischen Proteste an den Hochschulen und letztlich von der Regierung gehetzte antisemitische Kampagne an. Am Anfang meiner Arbeit wollte ich die „Märzereignisse“ 1968 in Polen in eher thematischer als chronologischer Art und Weise darstellen, zudem ihre Gründe und Folgen. Dann möchte ich einen kurzen Überblick geben, über die unterschiedlichen Ursachen der Ereignisse des Jahres 1968 aber auch über Gemeinsamkeiten zwischen Polen und Westeuropa. Dann kommt letztlich die Zusammenfassung, in der ich versuche, auf die gestellte Frage eine Antwort zu geben.

2. Die Vorgeschichte

Das Jahr 1968 in Polen war ein vielschichtiges Ereignis, dessen Ursachen an verschiedenen Vorgängen lagen. Vor allem ein Grund für die Proteste war die in der Gesellschaft wachsende gesellschaftliche Unzufriedenheit und Enttäuschung. Anfang der 60er Jahre verschlechterte sich deutlich die wirtschaftliche Lage in der Volksrepublik Polen. Die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei und ihr erster Sekretär Wladysław Gomułka begonnen sehr schnell einen Rückzug von Reformen aus dem Jahr 1956. Zuerst wurde die Meinungsfreiheit beschränkt, was sich in einer verschärften Zensur und in der Liquidierung von zahlreichen unabhängigen Initiativen äußerte. Die intellektuellen Zeitschriften wie "Po prostu" oder "Przegląd Kulturalny" wurden von der Regierung zensiert. Die beschränkte Meinungsfreiheit und die intensivierte Zensur betraf vor allem Intellektuelle, die im Jahr 1964 einen Protestbrief (List 34) an die Partei gerichtet haben. Im Brief kritisierten 34 Vertreter der polnischen Kultur und Wissenschaft die Zensurpolitik der regierenden Partei. Der Protest brachte eigentlich eine weitere Verschärfung der Repressionen und Zensur mit sich[4]. Eines der wichtigsten Elemente der Märzereignissen war der Kampf um die Macht innerhalb der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei. Um die Person des Innenministers Mieczyslaw Moczar kristallisierte sich, eine an die Macht strebende Gruppe heraus, die von ihrem führenden Vertreter Mieczyslaw Moczar, der sich auf die Tradition der kommunistischen Volksarmee beruf, „Partisanen“ genannt wurde. Die Moczar Gruppe, die eine national- kommunistische Überzeugungen miteinander verband, war entscheidend für die antisemitische Kampagne von 1967/1968.[5] Ein anderer wichtiger Aspekt, der einen Einfluss auf die Ereignisse des Jahres 68 hatte, war der Sechstagekrieg von 1967 zwischen Israel und den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien. Die Volksrepublik Polen brach in Anordnung Moskaus die diplomatischen Beziehungen mit Israel ab.[6] Es wurde mit einer an Israel gerichteten Propagandakampagne begonnen. Der erste Sekretär Wladysław Gomułka hielt auf dem sechsten Kongress der Berufsverbände eine Rede, in der er Israel für den Ausbruch des Krieges scharf kritisierte und die in Polen lebenden Juden als eine potentielle „zionistische Kolonne“ die den Krieg befürwortete betitelte . Dieser Ausdruck tauchte allerdings am nächsten Tag in der Presse nicht auf. Die Rede war ein Zeichen und ein Antrieb für die Moczar-Gruppe, die eine an Israel und an die in Polen lebenden angeblichen „Zionismus Anhänger“ gerichtete Propagandakampagne begonnen hat. [7]

[...]


[1] Martin Klimke, 1968 als transnationales Ereignis, in: In: Aus Politik und Zeitgeschichte 14-15 2007, S. 22

[2] Vgl. Meike Dülffer, In: http://www.bpb.de/themen/288DGN,0,0,1968_Eine_europ%E4ische_Bewegung.html

[3] Hans-Christian Petersen, Der polnische März 1968. Nationales Ereignis und transnationale Bewegung, in: Osteuropa 58 (2008), H. 7, S. 71-87.

[4] Vgl. Jerzy Eisler, List 34, Warszawa 1993

[5] Jerzy Eisler, Marzec 68, Warszawa 1995, S.12-15

[6] Vgl. Ebd., S. 5-7

[7] Ebd., S. 16

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Jahr 1968 in Polen in einem vergleichenden Kontext
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Friedrich-Meinecke-Institut )
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
11
Katalognummer
V158862
ISBN (eBook)
9783640718542
ISBN (Buch)
9783640718863
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
1968, 68er-Bewegung, 68er-Generation, Vergleich, Prager Frühling, Friedensbewegung, Sexuelle Revolution, Flowerpower, Hippie-Bewegung, 68er, das Jahr 1968, Generationenkonflikt, Studentenbewegung der 1960er, Studentenbewegung, Michnik, März-Unruhen 1968 in Polen, Studenten-Demonstrationen, PZPR, Władysław Gomułka, Jacek Kuroń, Bananen-Jugend, Antisemitismus, March 1968 events, Antisemitismus 1968, Antisemitismus in Polen
Arbeit zitieren
Jacek Izdebski (Autor), 2008, Das Jahr 1968 in Polen in einem vergleichenden Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158862

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Jahr 1968 in Polen in einem vergleichenden Kontext



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden