Ulrichs Konzept bildet den Schwerpunkt dieser Arbeit. Zur Darstellung der Notwendigkeit dieser Konzeptionen wird zunächst kurz auf die Wirtschafts- und Unternehmensethik und ihre Problemfelder verwiesen. Die Charakteristika von Ulrichs Ansatz werden dabei herausgearbeitet und von der Instrumentalistischen Unternehmensethik abgegrenzt. Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch sowie Studien, nach denen die CO₂-Emissionen der Textilindustrie die von Luft- und Schifffahrt gemeinsam produzierten Emissionen weit übersteigen, machen die Auseinandersetzung mit ethischen Maßstäben in dieser Branche besonders dringlich. Aus diesem Grund wird die weltweit agierende H&M Group exemplarisch unter unternehmensethischen Gesichtspunkten analysiert. Der Fokus liegt dabei auf menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und umweltschonender Produktion. Es wird aufgezeigt, dass der Konzern dem Ansatz der Instrumentalistischen Unternehmensethik folgt. Mit Rückgriff auf diese Analyse wird schließlich dargestellt, wie das Agieren des Konzerns im Sinne der Integrativen Unternehmensethik nach Ulrich stattdessen aussehen müsste.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der Wirtschafts- und Unternehmensethik
3 Integrative Unternehmensethik nach Peter Ulrich: Ethik als kritische Grundlagenreflexion des unternehmerischen Gewinnstrebens
3.1 Theoretische Grundlagen – Integrative Wirtschaftsethik
3.1.1 Kritik des ökonomischen Determinismus
3.1.2 Wertefundament einer lebensdienlichen Ökonomie
3.1.3 Orte der Moral für lebensdienliches Wirtschaften
3.2 Peter Ulrichs Ansatz einer Integrativen Unternehmensethik
3.2.1 Die zwei Stufen der Integrativen Unternehmensethik
3.2.2 Drei Ansatzpunkte zur Umsetzung der Integrativen Unternehmensethik im Unternehmen
3.3 Bausteine eines integrativen Ethikprogramm im Unternehmen
3.4 Vergleich mit der Instrumentalistischen Unternehmensethik
4 Der Konzern H&M als Beispiel für Instrumentalistische Unternehmensethik
4.1 Kurzvorstellung des Konzerns
4.2 Fair & Equal: Analyse der Arbeitsbedingungen aus unternehmensethischer Sicht
4.3 Circular & Climate Positive: Analyse der Produktionsbedingungen & Lieferketten mit Blick auf Nachhaltigkeit
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Peter Ulrichs Konzept der Integrativen Wirtschaftsethik auseinander und untersucht die praktische Anwendung sowie die ethische Legitimation des Konzerns H&M vor diesem theoretischen Hintergrund. Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit das unternehmerische Handeln des Modekonzerns den Kriterien einer wahrhaftig verantwortungsvollen Unternehmensethik entspricht oder ob es sich primär um eine instrumentelle Nutzung ethischer Themen zu Reputationszwecken handelt.
- Grundlagen der Wirtschafts- und Unternehmensethik
- Konzept der Integrativen Unternehmensethik nach Peter Ulrich
- Abgrenzung der Integrativen von der Instrumentalistischen Unternehmensethik
- Analyse der Arbeitsbedingungen bei H&M (Fair & Equal)
- Analyse der Produktionsbedingungen und Lieferketten bei H&M (Circular & Climate Positive)
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Kritik des ökonomischen Determinismus
Unter der Kritik des ökonomischen Determinismus versteht Ulrich die Verselbstständigung der ökonomischen Rationalität, die Verabsolutierung des Kosten/Nutzen-Denkens und eine normative Überhöhung der Logik des Marktes (Ulrich, 2008, S.137–139). Seine Kritik umfasst dabei zwei Grundthesen: Den Sachzwang des Wettbewerbs sowie die Moral des Marktes (Gemeinwohlthese).
Laut Ulrich vertritt eine Vielzahl an Ökonom:innen die Ansicht, dass die Spielregeln des Marktes einen Sachzwang hervorrufen, der die eigenen Handlungsmöglichkeiten einschränkt und sie zu einer ökonomischen Rationalität zwingt, um nicht vom Markt ausgeschlossen zu werden. Nach dieser Auffassung ist moralisches Handeln am Markt unmöglich (Ulrich, 2017, S. 5). Ulrich hält dagegen, dass absolute Sachzwänge nur im Kontext von Naturgesetzen existieren; dieses Sachzwangdenken sei vielmehr Ausdruck politischer und gesellschaftlicher Machtverhältnisse und deren durchgesetzter Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung (Ulrich, 1997, S. 14). Er findet es problematisch, dass diese Verstärkung des Wettbewerbs gleichzeitig zu einem Wachstumszwang führt. Im harten Wettbewerb der Privatwirtschaft wird nur belohnt, wer „auf der Basis streng rechnerischen Kalküls rationalisiert“ (Weber et. al., 2016, S. 59) und ohne Rücksicht auf lebensweltliche Nebenwirkungen einen Leistungs- und Kostenvorteil erzielt und Gewinn maximiert.
„Der Glaube an die sich selbst regulierende »Systemrationalität« (Ulrich, 2008, S. 155) führt zu einem lebenspraktischen Sinnverlust, weil „Lebensansprüche der Menschen, sich nicht in kaufkräftige Marktnachfrage übersetzen lassen“ (Küpper, 2011, S. 152). Laut Ulrich sollte stattdessen die Sicherung der menschlichen Lebensgrundlagen und die Erweiterung der menschlichen Lebensfülle Kriterien wirtschaftlichen Handelns sein. Ökonomische Sachzwänge sollten folglich nicht unhinterfragt übernommen werden, sondern bedürfen einer ethisch-kritischen Reflexion (Küpper, 2011, S. 152). Genauso kritisch analysiert Ulrich die Moral des Marktes, sprich die Gemeinwohlthese. Nach dieser wird Wirtschaftsethik als eher störend gesehen, da der Markt sich nur selbstständig koordinieren könne, er löse ethische Probleme selbst (Ulrich, 1997, S. 129).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der verantwortungsvollen Wertschöpfung ein und definiert die zentrale Forschungsfrage sowie das Vorgehen in der Arbeit.
2 Grundlagen der Wirtschafts- und Unternehmensethik: Hier werden die theoretischen Basisbegriffe der Ethik und deren Anwendung auf wirtschaftliche Kontexte auf makroökonomischer und unternehmerischer Ebene erörtert.
3 Integrative Unternehmensethik nach Peter Ulrich: Ethik als kritische Grundlagenreflexion des unternehmerischen Gewinnstrebens: Dieses Kapitel stellt das Kernkonzept der Arbeit vor, analysiert Ulrichs Kritik am ökonomischen Determinismus und differenziert die Stufen sowie Handlungsansätze der Integrativen Unternehmensethik.
4 Der Konzern H&M als Beispiel für Instrumentalistische Unternehmensethik: Das Kapitel bietet eine Vorstellung des Konzorns H&M und untersucht konkret die Aspekte Arbeitsbedingungen sowie Nachhaltigkeit in der Produktion auf Basis des angewandten instrumentalistischen Ansatzes.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Diskrepanz zwischen den Nachhaltigkeitsbemühungen des Konzerns und den Anforderungen der integrativen Unternehmensethik kritisch.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsethik, Unternehmensethik, Peter Ulrich, Integrative Unternehmensethik, Instrumentaldistische Unternehmensethik, H&M Group, Wertschöpfung, Arbeitsbedingungen, Nachhaltigkeit, Lieferketten, Corporate Social Responsibility, Greenwashing, ökonomische Rationalität, Stakeholder, Gewinnstreben.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundsätzliche Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Konzept der Integrativen Wirtschaftsethik nach Peter Ulrich und wendet dieses auf die Geschäftspraktiken von H&M an, um die moralische Ausrichtung des Konzerns kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven bilden das Zentrum der Untersuchung?
Zentral sind die verschiedenen Paradigmen der Unternehmensethik, insbesondere der Gegensatz zwischen dem integrativen Ansatz, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt, und dem instrumentalistischen Ansatz, der die Ethik dem Gewinnstreben unterordnet.
Welches wissenschaftliche Ziel wird verfolgt?
Ziel ist es, zu prüfen, ob H&M ein wahrhaftig ethisch verantwortungsvolles Unternehmen ist oder ob ethische Kommunikation lediglich als strategisches Mittel zur Profitmaximierung (instrumentalistisch) genutzt wird.
Auf welche theoretische Methode stützt sich die Analyse?
Es wird eine kritische Literaturanalyse verwendet, um das theoretische Gerüst von Peter Ulrich aufzustellen, gefolgt von einer Anwendung auf das Praxisbeispiel H&M unter Nutzung von Nachhaltigkeitsberichten und anderen Quellen.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Nach der theoretischen Grundlegung wird die Strategie von H&M im Bereich der Arbeitsbedingungen ("Fair & Equal") sowie in Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit ("Circular & Climate Positive") anhand von Unternehmensberichten und externen Kritiken analysiert.
Welche Begriffe dominieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Schlüsselbegriffe wie „Integrative Unternehmensethik“, „Gewinnprinzip“, „Wertschöpfung“ und „Transparenz in der Lieferkette“ charakterisieren.
Wie bewertet der Autor die Rolle des "Sustainability Disclosure" Berichts von H&M?
Der Bericht wird als strategisches Kommunikationselement eingestuft, das zwar das Image eines verantwortungsbewussten Unternehmens aufbauen soll, jedoch bei näherer Betrachtung hinter den Realitäten der Produktionsbedingungen im Niedrigpreissegment zurückbleibt.
Welche Diskrepanz besteht laut der Analyse in H&Ms Geschäftsmodell?
Es besteht ein unauflösbares Dilemma zwischen dem Ziel, "Mode für alle" über Fast Fashion billig anzubieten, und dem Anspruch, dies ethisch korrekt und nachhaltig zu tun, was H&M durch instrumentelle Marketing-Maßnahmen zu verschleiern versucht.
- Arbeit zitieren
- Lea Eckert (Autor:in), 2022, Auseinandersetzung mit Peter Ulrichs Konzept der Integrativen Wirtschaftsethik am Beispiel der H&M Group, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1588965