Einkommensteuerreform 2011

Eine vergleichende Darstellung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung der Tarife
2.1 Einkommensteuertarif 2010
2.2 Stufentarif der FDP (Wahlprogramm 2009)
2.3 Stufentarif der FDP (Vorschlag 2010)

3. Welche Einkommensbereiche werden entlastet?

4. Steueraufkommenselastizität α

5. Residualeinkommenselastizität β und der Satz von Jakobsson

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zur Bundestagswahl 2009 trat die FDP mit einem Programm an, welches unter anderem ‚einfache, niedrige und gerechte Steuern für mehr Netto vom Brutto’[1] versprach. Dies sollte durch die Abschaffung des damals gültigen Formeltarifs und Einführung eines Stufentarifs mit Grundfreibetrag erreicht werden. Weiterhin wollte die FDP den für die Steuerpflichtigen negativen Auswirkungen der kalten Progression dadurch entgegentreten, dass alle zwei Jahre der Grundfreibetrag und der Steuertarif einer Prüfung unterzogen und entsprechend angepasst werden sollte.[2] Individuelle Regelungen sollten durch Pauschalen ersetzt werden,[3] was das System vereinfachen und transparenter gestalten würde und als Folge daraus die Entrichtungskosten beim Steuerpflichtigen und die Erhebungskosten bei den Behörden und damit die Vollzugskosten insgesamt senken würde. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP wurden eine Steuersenkung[4], Vereinfachung des Steuersystems und des Besteuerungsverfahrens[5], Maßnahmen zur Abmilderung der kalten Progression sowie Einführung eines Stufentarifs[6] vereinbart. Auf bestimmte Grenzsteuersätze konnten sich die Koalitionäre in ihrem Vertrag allerdings nicht einigen. Als nach der Wahl 2009 aufgrund der angespannten finanziellen Situation der öffentlichen Haushalte immer klarer wurde, dass umfangreiche Steuersenkungen noch nicht durchzuführen waren, legte die FDP auf dem Bundesparteitag im April 2010 einen neuen Vorschlag für einen Stufentarif vor.[7] Dieser hat neben dem Grundfreibetrag 5 Stufen und nicht mehr nur 3 wie der Vorschlag von 2009, außerdem ist die Steuerentlastung im Vergleich zum aktuell gültigen Tarif wesentlich geringer. Doch weist die FDP darauf hin, dass ‚mittel- bis langfristig’[8] weiterhin ein 3-Stufen-Tarif eingeführt werden soll.

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll das zur Bundestagswahl 2009 bzw. das im April 2010 von der FDP vorgeschlagene Steuersystem mit dem des im Jahr 2010 gültigen verglichen werden, da anzunehmen ist, dass eine Einkommensteuerreform, die möglicherweise im Jahr 2011 durchgeführt wird, Ähnlichkeiten mit einem der beiden vorgeschlagenen Tarifsysteme aufweist. Zuerst wird der gültige Tarif 2010 vorgestellt und anschließend mit den beiden Vorschlägen der FDP verglichen.

Alle Grafiken wurden in Excel erstellt; hierbei stieg das zu versteuernde Einkommen in 100-Euro-Schritten von 0 bis auf 300000 €, wobei auch die Auswirkungen der sog. ‚Reichensteuer’ (Spitzensteuersatz von 45 % ab 250731 €[9] im Jahr 2010) sichtbar gemacht werden sollen. Die Berechnungen erfolgten alle ohne Berücksichtigung des Solidaritäts-Zuschlags und ohne Anwendung des Splitting-Verfahrens.

2. Vorstellung der Tarife

2.1 Einkommensteuertarif 2010

Im § 32a Einkommensteuergesetz (EStG) ist der aktuell gültige Formeltarif mit fünf Tarifstufen wie folgt geregelt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Def. Grenzsteuersatz:[10]

Der Grenzsteuersatz ist derjenige Steuersatz, mit dem jeder zusätzlich verdiente Euro zu versteuern ist. Er ermittelt die marginale Steuerbelastung und entspricht mathematisch der ersten Ableitung der Steuerbetragsfunktion:

t´= (dT(x)/dx)

Def. Durchschnittsteuersatz:[11]

Der Durchschnittsteuersatz entspricht dem Quotienten aus Steuerbetrag T(x) und dem zu versteuernden Einkommen x:

t = T(x)/x

Er gibt den Anteil am gesamten Einkommen an, der als Steuer abzuführen ist.[12]

Um die Grenzsteuersätze für den aktuell gültigen Tarif 2010 zu zeichnen, leitet man für jede Stufe die Steuerbetragsfunktion nach x ab und setzt dann einige Einkommen der jeweiligen Stufe in die resultierenden Funktionen ein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Eingangssteuersatz [t´(8005)] beträgt 14 %, der Höchststeuersatz [t´(25731)] 45 %. Der Grenzsteuersatz liegt innerhalb des Grundfreibetrages bei Null, ab 8005 € steigt er linear vom Eingangssteuersatz von 14 % sehr steil bis auf 0,24 % bei 13470 € und dann weniger steil bis auf 42 % bei 52882 €. Dann ist der Grenzteuersatz bis 250730 € konstant und steigt erst bei 250731 € sprunghaft auf 45 % an.

Der Grundfreibetrag soll das Existenzminimum sichern und wird deshalb vom Staat nicht besteuert; außerdem würde hier eine Steuer zu einem verhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwand führen.[13] Da Steuersysteme oft durch Eingangs- und Spitzensteuersatz charakterisiert werden, soll der Eingangssteuersatz möglichst niedrig gehalten werden. Da die 1. Progressionszone sehr kurz und steil ist, steigt der Grenzsteuersatz schnell um 10 Prozentpunkte auf 24 % an. Der Durchschnittsteuersatz liegt innerhalb des Grundfreibetrages bei Null und steigt dann sehr steil und dann allmählich weniger steil mit der Bemessungsgrundlage an. Er nähert sich asymptotisch dem höchsten Grenzsteuersatz von 45 % an.

Abhängig von der Entwicklung des Durchschnittsteuersatzes bei ansteigender Bemessungsgrundlage lassen sich drei Fälle unterscheiden[14]:

- dt/dx > 0: progressiver Tarif
- dt/dx = 0: proportionaler Tarif
- dt/dx < 0: regressiver Tarif

Bei einem progressiven Tarif übersteigt der Grenzsteuersatz für jedes zu versteuernde Einkommen den Durchschnittsteuersatz.14

Progression lässt sich auf zwei Arten erreichen:[15]

[...]


[1] Deutschlandprogramm 2009 der FDP, S. 4.

[2] Deutschlandprogramm 2009 der FDP, S. 6.

[3] Deutschlandprogramm 2009 der FDP, S. 6.

[4] Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP, 17. Legislaturperiode, S. 9.

[5] Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP, 17. Legislaturperiode, S. 10.

[6] Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP, 17. Legislaturperiode, S. 11.

[7] Beschluss des 61. Ord. Bundesparteitages der FDP, 24.-25. April 2010, S. 7.

[8] Beschluss des 61. Ord. Bundesparteitages der FDP, 24.-25. April 2010, S. 7.

[9] Vgl. §32a EstG.

[10] Hans-Georg Petersen, Finanzwissenschaft 1, Stuttgart 1988, S. 204.

[11] Petersen, 1988, S. 204.

[12] Lt. Skript: „Theorie und Praxis der Besteuerung – SoSe2010“; Wolfgang Wiegard, Uni Regensburg.

[13] Dieter Brümmerhoff, Finanzwissenschaft, 9.Auflage, S. 507

[14] Stefan.Homburg, Allgemeine Steuerlehre, München, 2010, S.65.

[15] Petersen, 1988, S. 206. Rolf Peffekoven, Einführung in die Grundbegriffe der Finanzwissenschaft, Darmstadt, S. 47-50

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Einkommensteuerreform 2011
Untertitel
Eine vergleichende Darstellung
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Aktuelle Fragen der Finanzpolitik
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V159556
ISBN (eBook)
9783640729807
Dateigröße
1001 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
steuer, einkommensteuer, einkommenssteuer, reform, steuerreform, fdp, cdu, steuern, steuersystem, deutschland, gerecht, einkommen, 2010, 2011, wahlprogramm, 2009, steuerentlastung, entlastung, belastung, elastizität, aufkommenselastizität, einkommenselastizität, residualeinkommen, residualeinkommenselastizität, steueraufkommen, steueraufkommenselastizität, Jakobsson, satz von, stufentarif, tarif, tarife, steuertarif, formeltarif, grundfreibetrag, freibetrag, steuersenkung, grenzsteuersatz, tarifsystem, reichensteuer, reichen steuer, tarifstufe, tarifstufen, stufe, stufen, steuerbetragsfunktion, betragsfunktion, progression, kalte progression, progressionszone, proportionalzone, durchschnittsteuersatz, durchschnittssteuersatz, progressiver tarif, proportionaler tarif, regressiver tarif, regressiv, proportional, progressiv, satz von jakobsson, jakobson, satz von jakobson, direkte progression, indirekte progression, dominanz
Arbeit zitieren
Markus Zech (Autor), 2010, Einkommensteuerreform 2011, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159556

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Einkommensteuerreform 2011


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden