Das Thema Osterweiterung der EU in der Sekundarstufe II am Beispiel der virtuellen Schülerkonferenz Go East


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fachwissenschaftlicher Teil
2.1 historische Grundlagen zum Integrationsprozess der EU
2.2 Aspekte der Osterweiterung der EU
2.2.1 Einleitung
2.2.2 Motive für den Beitritt
2.2.3 Probleme der EU-Osterweiterung

3. Didaktischer Kommentar
3.1 Lernziele

4. Entwurf einer Unterrichtsreihe zum Thema „Osterweiterung der EU“ am Beispiel der virtuellen Schülerkonferenz „ go East
4.1 Einstiegsphase
4.2 Die Tour d’Europe (historischer Rückblick)
4.3 Basiswissen zum Thema Osterweiterung
4.4 Planung der virtuellen Konferenz
4.5 Durchführung der virtuellen Konferenz
4.6 Ergebnisse der virtuellen Konferenz
4.7 mögliche Varianten des Go East – Konzeptes

5. Schlusswort

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Gewiß ist, daß Europa sich einigen muß[1] “. Bereits 1973 kam Ralf Dahrendorf in seinem „Plädoyer für die Europäische Union“ zu diesem Entschluss. Was damals galt, scheint auch heute noch aktuell zu sein. Die Europäische Union hat angesichts der immer stärker voranschreitenden europäischen Integration, des an Stärke gewinnenden Euros und der Entwicklung in den Staaten Mittel- und Osteuropas einen bisher einzigartigen Stand der Integration erreicht. Folglich wird auch in den Schulen das Thema Europa immer stärker gewichtet. Dies veranlasste die Kultusministerkonferenz dazu die 1978 verabschiedete Empfehlung über „Europa im Unterricht“ zu aktualisieren. In dem am 7. Dezember 1990 verabschiedeten Erlass wird beschrieben an welcher Stelle das Thema Europa im Fachunterricht der Sekundarstufe I und II eingesetzt und umgesetzt werden soll.

Das Thema Europa im Unterricht hat zahlreiche Facetten. Betrachtet man das Thema als Topos des sozialwissenschaftlichen Unterrichts der Sekundarstufe II, so steht man zunächst vor der Frage von welcher der drei sozialwissenschaftlichen Disziplinen man das Thema aus beleuchten möchte. Aus soziologischer Sicht würde der Fokus zum Beispiel auf die Vermischung der europäischen Kulturen oder auf das Entstehen einer neuen europäischen Identität gesetzt. Politikwissenschaftlich betrachtet ständen eher Aufbau und Organisation der europäischen Institutionen oder der Weg zur europäischen Einigung im Mittelpunkt. Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht wäre die Europäische Währungsunion oder die Einführung des Euros ein mögliches Thema.

Ich möchte versuchen ein Konzept vorzustellen, in dem die oben genannten Aspekte ganzheitlich integriert werden können. Anhand des Themas „Osterweiterung der EU“, das aktuelle Brisanz hat, möchte ich im Rahmen meiner Hausarbeit eine virtuelle Konferenz konzipieren, die von den Schülern durchgeführt und in einem zweiten Schritt analysiert und ausgewertet werden soll.

2. Fachwissenschaftlicher Teil

2.1 historische Grundlagen zum Integrationsprozess der EU

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Spricht man über Europa, so sollte zunächst die Frage nach den Wurzeln des Europäischen Einigungsprozesses gestellt werden. Bereits 1946 forderte Winston Churchill in Zürich: „Es muss so etwas wie die Vereinigten Staaten von Europa geben“[2]. Auf der Grundlage dieser Forderung hatte Robert Schuman die Vision eines gemeinsamen Marktes für Kohle und Stahl (EGKS), der für den gesamten Europäischen Raum eine friedensstiftende Wirkung haben sollte. Mit der Schaffung der sogenannten Montanunion im Jahre 1951 schufen „die großen Sechs“ die erste europäische supranationale Organisation. In den Pariser Verträgen wurde eindeutig festgelegt, dass die Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland verbessert, die europäische Integration gefördert und mögliche Kriege durch die Kontrolle der Rüstungsindustrie verhindert werden sollten. Diese Verträge schafften folglich das Fundament der heutigen Europäischen Union.

Neben den Pariser Verträgen waren bis dato die 1957 abgeschlossenen „Römischen Verträge“ (EWG + EAG) die wichtigsten und umfassendsten Verträge der europäischen Einigung, da sie die Grundlage für die heutige Stabilität bildeten. Durch die Gründung einer Wirtschaftsunion, der in Form der Europäischen Akte[3] (1986) und dem Maastrichter EU-Vertrag von 1992[4] zwei Reformen folgten, sowie des friedenstiftenden Sicherheitsbündnisses EURATOM[5], wurden deutliche Zeichen in Richtung eines gemeinsamen starken Europas gesetzt. Betrachtet man die drei Kernverträge (EGKS, EWG & EURATOM) als eine Einheit, so kann man zweifelsohne von einem „revolutionären Akt“[6] sprechen, der enorme Auswirkungen auf den Integrationsprozess hatte. Die direkten Auswirkungen dieser Bündnisse konnte man in den sechziger Jahren, trotz allgemeiner Krisenlage, in Form der Beitrittsanträge von Groß-Britannien, Irland, Dänemark Norwegen, Schweden und Griechenland sehen, die einen wahren „run auf die EU“[7] abzeichneten. Ein weiterer Beweis für die Wichtigkeit der drei oben genannten Kernverträge ist die 1965 vollzogene Fusion von EGKS, EWG und EURATOM zur Europäischen Gemeinschaft. Dies wird als die Geburtsstunde der heutigen EU angesehen.

Gegründet in dem Bestreben die Volkswirtschaften der Mitgliedstaaten zu einem gemeinsamen Markt ohne Grenzen zusammenzuschließen, hat die heutige EU seit langem den Rahmen eines rein wirtschaftlich ausgerichteten Integrationsprozesses gesprengt. Längst ist es zu dem „spill-over-Effekt“ einer politischen, friedens- und sicherheitsstiftenden Union gekommen. Auf der Basis dieser Entwicklung steht die EU am Anfang des neuen Jahrtausends nun vor einer ihrer größten Herausforderungen. Seit dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten und der daraus resultierenden juristischen Angliederung der DDR an Westdeutschland sowie dem Zerfall der Sowjetunion, ist die Osterweiterung ins Rollen gekommen. Da laut Artikel Null des Vertrags über die Europäische Union „jeder Staat, der die Grundsätze der Freiheit, der Demokratie, der Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie der Rechtsstaatlichkeit achtet, beantragen kann, Mitglied der Union zu werden“ steht die EU der 15 vor einer ihrer schwierigsten Herausforderungen.

2.2. Aspekte der Osterweiterung der EU

2.2.1. Einleitung:

Jede Erweiterung der EU führt nicht nur zur Vergrößerung der Bevölkerung, der Wirtschaftspotentiale und des Stellenwerts der Gemeinschaft in der Welt, sondern zwangsläufig auch zu schwierigen Entscheidungsprozessen innerhalb der Gemeinschaft. Im Moment sieht sich die EU der 15 mit eben dieser Problematik konfrontiert, da sich nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes und dem Fall des Eisernen Vorhangs mittlerweile auch für die Staaten Mittel- und Osteuropas (MOE) neue Perspektiven in Bezug auf Europa ergeben haben. Es stellt sich zunächst die Frage welche der zehn MOE-Staaten[8], die sich für eine Mitgliedschaft in der EU beworben haben, in naher Zukunft in die EU aufgenommen werden können. Betrachtet man den Andrang der MOE-Staaten, so wird deutlich, dass diese Frage nicht einfach zu lösen ist. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Frage nach den zu erwartenden Kosten ein Gewicht erhält, wie es bei keiner der drei früheren Erweiterungen der Gemeinschaft der Fall war. Im Falle der Osterweiterung handelt es sich nicht nur um eine Expansion bezüglich der Größe, sondern vor allem um eine

„wirtschaftlich und sozial auch heterogener werdende EU, in der erstmals auch Volkswirtschaften integriert werden sollen, die einen am BIP je Einwohner gemessenen Entwicklungsstandard haben, der weit unterhalb des am meisten nachhinkenden Mitgliedslandes der EU der 15, Griechenland, liegt“[9]

Aus diesem Grund wurde im Juli 1997 die sogenannte Agenda 2000[10] von der Europäischen Kommission verabschiedet, die als Stützpfeiler für die nächste Dekade dienen sollte. Mit der Agenda 2000 standen folglich im „Haus Europa sowohl Erneuerungs arbeiten (Reform der Agrar- und Strukturpolitik sowie Neuordnung der Europäischen Finanzverfassung) als auch Erweiterungs arbeiten (Beitrittsverhandlungen mit MOE-Staaten + Zypern)“[11] an. Laut Bruha ist „dieser
Spagat zwischen gleichzeitiger innerer Reform und EU-Osterweiterung kaum zu schaffen“[12].

Zusätzlich wurden 1993 bei einem Treffen des Europäischen Rates in Kopenhagen die sogenannten strukturierten Beziehungen geschaffen, „durch die in gemeinsamen Tagungen beratender Art mit den Institutionen der EU die MOE-Staaten systematisch an die EU herangeführt werden sollen und ihnen ein Zeitplan für die Vorbereitung ihres Beitritts zur Verfügung gestellt werden soll“[13]. Diese Strategie wurde 1994 in Essen noch um den strukturierten Dialog [14] erweitert und vertieft. Diese Vorgehensweise soll den MOE-Ländern Perspektiven bieten und somit als Dynamo der Osterweiterung dienen.

2.2.2. Motive für den Beitritt

Wichtig sind zunächst die Motive für einen möglichen Beitritt aus Sicht der MOE-Länder. Eines der Hauptmotive ist sicher der ökonomische Aufschwung und die Partizipation am Europäischen Binnenmarkt. Die nach dem Zusammenbruch der Sowjet-Union angeschlagene Wirtschaft der Länder Osteuropas soll im Rahmen einer Heranführungsstrategie mit Finanzmitteln aus Wirtschaftshilfeprogrammen wie z.B. PHARE, SAPARD, TACIS und ISPA[15] und durch die Gründung der Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) wieder angekurbelt werden. Auf diesem Weg soll der ökonomische Transformationsprozess durch wirtschaftliche Umstrukturierungsmaßnahmen beschleunigt werden und die Einführung neuer Technologien, besserer Umweltschutzmaßnahmen oder Telekommunikation vereinfacht werden. In diesem Transformationsprozess spielen besonders die so genannten Visegrad-Staaten[16] eine Vorreiterrolle. Mit ihnen wurden bereits 1991 die ersten sogenannten Europa-Abkommen abgeschlossen, die aus „wirtschaftlicher Sicht über die Assoziierung hinausgingen und politisch als Signal für eine spätere Mitgliedschaft in der Gemeinschaft wirken sollten“[17]

[...]


[1] Dahrendorf, Ralf: Plädoyer für die Europäische Union, München und Zürich 1973, S.19.

[2] vgl. Weidenfeld, Werner und Wessels, Wolfgang (Hrsg.): Europa von A – Z – Taschenbuch der
europäischen Integration, Bonn 1994, S.14.

[3] vgl. ebd., S.107-110.

[4] vgl. Woyke, Wichard: Europäische Union – Erfolgreiche Krisengesellschaft. Einführung in
Geschichte, Strukturen, Prozesse und Politiken, München, Wien, Oldenbourg 1998, S.52 + 73.

[5] vgl. Weidenfeld: Europa von A-Z, S.150-151.

[6] Wichard Woyke: Vorlesung „Der europäische Integrationsprozess“ (WS 1999/2000)

[7] ebd.

[8] Mit einer ersten Gruppe von fünf Ländern (Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien Estland ) laufen
die Beitrittsverhandlungen seit November 1998, mit einer zweiten Gruppe (Bulgarien , Slowakei,
Rumänien, Lettland, Litauen) seit Februar 2000.

[9] Donges, Juergen B.: Finanzierung und Transfers – Die Kosten der EU-Osterweiterung aus
gesamtwirtschaftlicher Sicht, Berlin 2001, S. 7.

[10] vgl. Wittschorek, Peter (Hrsg.): Agenda 2000 – Herausforderungen an die Europäische Union und an
Deutschland, Baden-Baden 1999.

[11] Vgl. Bruha, Thomas/ Straubhaar, Thomas: Ante-Portas Strategien für die MOEL, In: Hasse, Rolf H./
Schenk, Karl-Ernst/ von Czege, Andreas Wass: Erweiterung und Vertiefung der Europäischen
Union – Perspektiven und Engpässe, Baden-Baden 2000, S. 65.

[12] ebd.

[13] Woyke: Europäische Union, S.277.

[14] ebd., S.278.

[15] vgl. Informationen zur politischen Bildung: „Europäische Union“ (Nr. 213), S.58. +
Europäisches Parlament (Hrsg.): Europa 2002 – Alles Wissenswertes über die Europäische Union,
Berlin 2002, S.17.

[16] Polen, Ungarn und die Tschechische sowie Slowakische Republik

[17] Woyke: Europäische Union, S.59.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Das Thema Osterweiterung der EU in der Sekundarstufe II am Beispiel der virtuellen Schülerkonferenz Go East
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Vision Europa ? Die Europäische Einigung als Leitidee in der politischen Bildung
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
27
Katalognummer
V16000
ISBN (eBook)
9783638209618
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thema, Osterweiterung, Sekundarstufe, Beispiel, Schülerkonferenz, East, Vision, Europa, Europäische, Einigung, Leitidee, Bildung
Arbeit zitieren
Dirk Lepping (Autor), 2002, Das Thema Osterweiterung der EU in der Sekundarstufe II am Beispiel der virtuellen Schülerkonferenz Go East, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16000

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Thema Osterweiterung der EU in der Sekundarstufe II am Beispiel der virtuellen Schülerkonferenz Go East



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden