Die deutsch-polnischen Beziehungen in den Jahren 1934 bis 1939


Seminararbeit, 2009
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der Weg zum Nichtangriffspakt mit Polen

Die Sudetenkrise & das Münchner Abkommen

Die Pression gegen Polen

Die Kriegsvorbereitungen und der Hitler-Stalin-Pakt

Die letzte Vorkriegswoche

Der Kriegsverlauf

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Bilaterale Bündnisse statt supranationaler Abkommen“[1] konstatiert Rainer F. Schmidt, ein bekannter Professor für Neueste Geschichte und Didaktik der Geschichte aus Würzburg, zu den Verhältnissen im späten 1933. In Deutschland sind die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler seit dem 30. Januar 1933 an der Macht und sie versuchen, den „Schrecken von Versailles“ mit ihrer Revisionspolitik zu überwinden. In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Thematik der deutschen Außenpolitik im Bezug auf Polen. Dabei werde ich zunächst kurz auf die Vorgeschichte eingehen, um somit einen historischen Rahmen abzugrenzen. Im daran angeschlossenen Teil befasse ich mich dann mit der speziellen Polenpolitik in den Jahren 1934 bis 1939. Dabei soll sofort der Hinweis geltend gemacht werden, dass ich besonders auf die Jahre 1934, 1938 und 1939 eingehen werde, aufgrund der Tatsache, dass sich nach dem Abschluss des Nichtangriffspakts mit Polen vom 26. Januar 1934 keine nennenswerten Ereignisse mit deutsch-polnischen Kontext verzeichnen lassen. Das zentrale Thema wird dabei die letzte friedliche Woche vor dem Krieg einnehmen, da sich in jener Woche diplomatische Aktionen abspielten, die in dieser Betrachtung zur Polenpolitik keinesfalls entfallen dürfen. Meine Aussagen stütze ich dabei besonders auf die Literatur von Rainer F. Schmidt, der in seiner Monographie „Die Außenpolitik des Dritten Reiches 1933 - 1939“ einen hervorragenden und zugleich verständlichen Überblick zur Thematik bietet, sodass dieses Werk auch für Schüler der allgemeinbildenden Schulen eine Textgrundlage bieten könnte. Darüber hinaus stellt Bernd Jürgen Wendt in seinem Werk „Deutschland 1933 - 1945 - Das „Dritte Reich“ Handbuch zur Geschichte“ einen sehr analytischen und überaus klaren Bezug zur Thematik der deutsch-polnischen Beziehungen in den Jahren 1934 bis 1939 dar. Er vermittelt mit vielerlei Detailaussagen ein klares Bild der Verhältnisse zur damaligen Zeit und kann somit das von Rainer F. Schmidt vermittelte Wissen nur noch vertiefen.

Der Weg zum Nichtangriffspakt mit Polen

Mit dem Austritt aus dem Völkerbund am 14. Oktober 1933 machte Hitler den ersten Schritt in Richtung der Revision des Versailler Vertrages aus dem Jahr 1919. Aufgrund des Austrittes zerbrach Adolf Hitler die Bestrebungen in Richtung supranationaler Abkommen und setzte an deren Stelle die bilateralen Bündnisse, die ihm für seine geplante Politik dienlicher erschienen. Der Völkerbund verlor damit sein Ansehen, da somit die Idee Wilsons von internationaler Abrüstung und allgemeiner Entwaffnung fehl schlug, so Rainer F. Schmidt.[2] Die gegenteilige Wirkung war der Fall, denn aufgrund dieses Ausstiegs wurde die Rüstungspolitik dynamisiert, welche vorher durch das supranationale Abkommen geregelt war. Bereits am 17. Oktober 1933, nur drei Tage nach dem Ausstieg aus dem Völkerbund, gab der Reichswehrminister General Werner von Blomberg dem Chef des Truppenamtes General Ludwig Beck die Weisung zur „einheitlichen Vorbereitung auf einen zukünftigen Krieg“[3] sowie die Ausarbeitung von Verteidigungsplänen. Dieser Auftrag zur Erarbeitung von Verteidigungsplänen zeigte, dass sich die führenden Kräfte der deutschen Militärs durchaus im Klaren über ihre militärische Schwäche waren. Aus diesem Verständnis ergibt sich nach der nationalsozialistischen Denkart die Rechtfertigung für ein Ankurbeln der Rüstungspolitik. Ganz nach dem bekannten Bild Hitlers, der Abkommen und Verträge als äußerst flexibel oder gar wertlos ansah, wurden auch Rüstungskontrollverhandlungen dementsprechend elastisch gehandhabt. Dabei existierten Abkommen mit England oder Frankreich, um die deutsche Friedfertigkeit und Saturiertheit empor zu heben und sie der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Aber nicht nur die Westmächte waren beliebte Bündnispartner, wie nicht zuletzt der Nichtangriffspakt mit Polen vom 26. Januar 1934 beweist. Dieser Vertrag war auf 10 Jahre festgelegt und bedeutete zugleich einen Wandel in der deutschen Außenpolitik. „Das Einmaleins der deutschen Ostpolitik“[4] wurde sozusagen einfach umgedreht. Vor dem Nichtangriffspakt nahm Hitlerdeutschland einen anti-polnischen und dafür pro-sowjetischen Kurs ein, welcher durch diesen Vertrag jetzt genau andersherum existierte. Dabei führte Adolf Hitler bereits seit Mai 1933 Gespräche mit den polnischen Gesandten Alfred Wysocki und Józef Lipski n Berlin. Es kennzeichneten vier Facetten die Gespräche, welche von beiden künftigen Partnern getragen wurden. Zunächst sollten die Gerüchte über polnische Präventivkriege durch eine angehende Kooperation neutralisiert werden. Darüber hinaus war angedacht, die Grenzfragen, welche friedlich zu lösen wären, zu vertagen. Desweiteren sollte die Koexistenz die polnischen Expansionsbestrebungen gen Litauen, Tschechoslowakei und Ungarn vorantreiben und somit eine Loslösung Warschaus von Paris bewirken. Abschließend betonte man die anti-sowjetischen Interessen, die als Abwehr gegen den Kommunismus angesehen werden können. An dieser Stelle zeigt sich, dass für Adolf Hitler Abkommen und Verträge nur so lang bindend sind, wie sie ihm doch nützten. Mit Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes im Jahr 1939 war dieser zu Anfang geplante anti-sowjetische Kurs wieder vergessen. Polen zeigte sich von der Idee dieses Paktes angetan, da es an der französischen Entschlossenheit gegenüber Hitler zweifelte, so Rainer F. Schmidt.[5] So kam es angesichts der Handlungsunfähigkeit der Westmächte zum Abschluss dieses, auf zehn Jahre angesetzten, Nichtangriffspaktes am 26. Januar 1934. Dabei liegen die Vorteile für Adolf Hitler klar auf der Hand. Der Vertrag ermöglichte friedliche Grenzkorrekturen, was Rainer F. Schmidt als „Ostlocarno“ ansieht. In den Reihen der NSDAP sah man diesen Vertrag als kritisch an, wobei man sich letztlich dann doch dem Führer beugte. Darüber hinaus veränderte der Abschluss auch die polnische Sichtweise auf den Bündnispartner. Der Einmarsch in das entmilitarisierte Rheinland im März 1936, als auch die Angliederung Österreichs im März 1938 wurden von Polen als zulässig bewertet. Der polnische Außenminister Józef Beck sah diese Handlungen als legitim und keinesfalls aggressiv an. Eine weitere, für Hitler positive, Folge stellte das Verhindern einer französisch-polnisch-sowjetischen Allianz dar, sodass sich Hitler sprichwörtlich aus der Schlinge oder einer Umklammerung ziehen konnte. Um eine absolute Friedfertigkeit der Weltöffentlichkeit zu zeigen, schlossen Deutschland und Polen am 8. März 1934 einen Wirtschaftsvertag ab, der ein nahezu freundschaftliches Verhältnis vermitteln sollte, was von Sir Eric Phipps, dem britischen Botschafter in Berlin, als „staatsmännische Leistung“[6] bewertet wurde. Für Hitler war bereits kurz nach Abschluss des Nichtangriffspaktes klar, dass seine Armee in fünf Jahren verteidigungsbereit und in acht Jahren angriffsbereit sein müsse, um somit kurze Schläge nach Ost und West ausführen zu können. Somit verwundert es nicht, dass Hitler der ganzen Welt zunächst ein anderes Gesicht präsentierte.

Die Sudetenkrise & das Münchner Abkommen 1938

Im nun folgenden Teil befasse ich mich mit dem Münchner Abkommen im Bezug auf Polen. Dieser Zeitsprung aus dem Jahr 1934 ist gerechtfertigt, da es durch den Nichtangriffspakt zu keinerlei Änderungen in Hitlers Außenpolitik gegenüber Polen kommt.

[...]


[1] Schmidt, Rainer F.: Die Außenpolitik des Dritten Reiches 1933 - 1939, Stuttgart 2002, S. 154.

[2] Schmidt, Rainer F.: Die Außenpolitik des Dritten Reiches 1933 - 1939, Stuttgart 2002, S. 154.

[3] Wendt, Bernd Jürgen: Deutschland 1933 - 1945. Das „Dritte Reich“ Handbuch zur Geschichte, Hannover 1995, S. 446.

[4] Hildebrand, Klaus: Das Dritte Reich, Grundriss der Geschichte, München 2003, S. 20.

[5] Schmidt, Rainer F.: Die Außenpolitik des Dritten Reiches 1933 - 1939, Stuttgart 2002, S. 156.

[6] Hildebrand, Klaus: Das Dritte Reich, Grundriss der Geschichte, München 2003, S. 21.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die deutsch-polnischen Beziehungen in den Jahren 1934 bis 1939
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Die internationale Krise im Sommer 1939
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V160683
ISBN (eBook)
9783640739899
ISBN (Buch)
9783640740352
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beziehungen, Jahren
Arbeit zitieren
Stefan Gnehrich (Autor), 2009, Die deutsch-polnischen Beziehungen in den Jahren 1934 bis 1939, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160683

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