Das Leben des Heiligen Bonifatius


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenlage
2.1 Vita Bonifatii auctore Willibaldo
2.2 Bonifatii Epistulae

3. Die Anfänge im Kloster und erste peregrinatio

4. Mission und Bischofsweihe

5. Reform und Kirchenpolitik

6. Rückschläge

7. Die letzte Mission

8. Schluss

9. Quellen und Darstellungen

1. Einleitung

Am 28. Juli 754 wird in St. Denis der König der Franken, Pippin der Jüngere, vom Papst Stephan II. gesalbt. Ein historisches Ereignis von enormer Tragweite. Diese Salbung war der Höhepunkt einer Entwicklung der fränkischen Kirche hin zu einer Rom-orientierten Landeskirche. Eine Entwicklung, die hauptsächlich getragen wurde von angelsächsischen Missionaren, die mit ihrer Mission das Bindeglied zwischen dem römischen Papsttum und der fränkischen Kirche darstellten. Der wichtigste dieser Missionare war der Priester Wynfred. Er wurde zum Missionar Germaniens. Als Missionsbischof erhielt er vom Papst den Namen Bonifatius, auch war er Erzbischof und Päpstlicher Legat. Wie kein anderer steht Bonifatius für eine Zeit des Übergangs von der Mission zu einer Zeit der Reform der Kirchen, die das Fundament einer einheitlichen, europäischen Christianisierung bildeten. Doch wer war dieser Bonifatius, der am 5. Juni 754 in Friesland von Heiden erschlagen worden war? In dieser Hausarbeit möchte ich das Leben des heiligen Bonifatius darstellen und einen Überblick über die Station dieses bedeutenden Mannes der europäischen Kirchengeschichte geben. Um am Ende die Frage zu beantworten, welche Rolle er wirklich für die Geschichte spielte.

Zu Bonifatius gibt es genügend Literatur und Darstellungen. Mir ist jedoch bei der Lektüre der einschlägigen Werke, auch der englischen, aufgefallen, dass sich so ziemlich alle derselben Formulierungen bedienen und es oft scheint, als würde man zum wiederholten Mal denselben Text lesen. Vor allem Lutz E. von Padberg, der als einer der führenden Bonifatius-Kenner bezeichnet wird, schreibt in allen seinen Publikationen beinahe dasselbe. Das ist der Grund dafür, dass das Literaturverzeichnis nicht sehr umfangreich geworden ist.

2. Quellenlage

Die Quellenlage über Bonifatius ist relativ gut. Die Vita des Bonifatius von Willibald, die überlieferte Bonifatius-Korrespondenz sowie eine Reihe von Urkunden geben dem Historiker die Möglichkeit, einen sicheren räumlichen und zeitlichen Rahmen um das Leben des Heiligen zu legen. Auch über seinen Charakter, seine Bildung, seine Art des Denkens und der Missionierung erfährt man beim Lesen der Quellen. Dennoch ist, vor allem aufgrund der geringen Zahl der Quellen, das Bild über den Heiligen an vielen Stellen nur bruchstückhaft zu zeichnen.

Die Grundlage dieser Arbeit bilden die Briefe des Bonifatius und die Vita Bonifatii des Willibald, die zusammengefasst in der zweisprachigen Ausgabe von Reinhold Rau vorlag. Darin enthalten sind Briefe (Seite 1-356; zitiert als Bonifatii Epistulae, Briefnummer und Seitenzahl), Schriften des Bonifatius, Akten und Dokumente sowie die Vita (Seiten 451-525; zitiert als Vita Bonifatii, Seitenzahl).

2.1 Vita Bonifatii auctore Willibaldo

Eine Heiligenvita erfüllt vor allem den Zweck, den in ihr dargestellten Märtyrer zu verherrlichen, seine Heiligkeit rechtzufertigen und zu beschreiben. In dieser Tradition steht auch die Vita des Willibald.

Nachdem der Mainzer Bischof Lul gebeten wurde, eine Darstellung über das Leben des Bonifatius zu verfassen, übertrug er diese Aufgabe dem Priester Willibald. Willibald konnte allerdings nur auf Berichte anderer sowie auf die ihm von Lul überlassenen Briefe zurückgreifen. Willibald ist Bonifatius nie begegnet, so dass die Vita stets kritisch zu betrachten ist. Sie ist in neun Kapitel aufgeteilt. Die ersten sieben Kapitel beginnen alle mit einem Proömium und enden mit einem Zitat aus dem Neuen Testament. Das achte Kapitel, das vom Tode des Heiligen berichtet, schließt ungewöhnlicher Weise mit einer Doxologie. Das neunte Kapitel hat dann weder Proömium noch ein Schlusswort, was die Vermutung nahelegt, dass die beiden letzten Kapitel nachträglich hinzugefügt worden sind.[1]

2.2 Bonifatii Epistulae

Die Sammlung der Briefe des Bonifatius ist ebenso wie die Vita von Bischof Lul angeregt worden. Insgesamt sind 150 Briefe erhalten. Allerdings sind nur 22 datiert, wobei die Datierung von Dümmler stammt und auch vom späteren Editor Tangl übernommen wurde. Die ersten 109 Briefe stammen aus der Korrespondenz des Bonifatius, das heißt, dass sie entweder von ihm oder an ihn geschrieben wurden. Die anderen stammen zum einen aus der Korrespondenz des Lul oder sind nach 754 entstanden.[2]

3. Die Anfänge im Kloster und erste peregrinatio

Das Leben des Wynfred, wie Bonifatius vor seiner Weihe zum Bischof hieß, umspannt rund achtzig Jahre. Über die erste Hälfte seines Lebens gibt es nur ganz wenige biographische Angaben. Lediglich die Vita des Willibald gibt einige vage Aussagen über die Anfänge des Wynfred. Der genaue Tag und Ort seiner Geburt ist nicht gesichert. Es wird davon ausgegangen, dass er zwischen 672/675 in der Nähe von Exeter geboren wurde.[3] Bereits im Alter von vier bis fünf Jahren beschloss er „ sich dem Dienste Gottes zu weihen […] und nach dem Klosterleben zu trachten“.[4] Trotz des anfänglichen Widerstandes seitens des Vaters oder vielleicht gerade aufgrund dieses Widerstandes, wurde der Wunsch im Kloster zu leben bei Wynfred immer stärker. Eine Krankheit veranlasste den Vater schließlich einzulenken und er übergab Wynfred als puer oblatus im Jahr 680, dem Kloster Exeter.[5] Über das Grenzkloster Exeter ist weiter nichts bekannt. Außer das es den Wissenshunger des jungen Wynfred nicht stillen konnte und er zu einem nicht genauen Zeitpunkt aber vor 700 in das Kloster Nursling in der Nähe von Winchester wechselte. Dort studierte er ausgiebig die Bibel und ihre Exegeten. Er erlangte Fähigkeiten in der Seelsorge, der Verkündigung des Evangeliums in der Predigt, sowie Kenntnisse im Kirchenrecht, das Wissen um die Notwendigkeit einer festgefügten Kirchenordnung und das „Bewusstsein des christlichen Absolutheitsanspruches, bestimmt von der universalkirchlichen Verbundenheit mit dem römischen Papsttum als Leiter der Christenheit.“[6] Mittels dieser intensiven Studien wurde aus Wynfred ein angesehener Scholaster und, über die Klostergrenzen hinaus, bekannter Lehrer. Seine Vita berichtet davon, dass Mönche in das Kloster Nursling kamen und „aus dem heilsamen Born des Wissens [tranken, KG], indem sie die zahlreichen Bücher der Schrift eingehend durchnahmen.“[7] Da es Nonnen nicht gestattet war, längere Reisen zu unternehmen, ging er zu ihnen.[8] Wynfred hat in dieser Zeit verschiedene Lehrbücher verfasst, unter anderem eine Grammatik und eine Metrik. Seine wissenschaftliche Tätigkeit im Kloster wurde durch die Weihung zum Priester im Zeitraum von 702 bis 705 ergänzt. 716 fasste Wynfred den Entschluss, seine Heimat zu verlassen. Er folgte dem Ideal der asketischen Heimatlosigkeit. Voraussetzung dafür war sicherlich der iro-schottische Einfluss, den das angelsächsische Mönchtum in Wessex besaß.[9] So begab er sich auf seine erste peregrinatio um die stammesverwandten Germanen in Friesland zu missionieren. Er landete in Wijk bij Duurstede am Niederrhein, welches zu diesem Zeitpunkt das Zentrum des friesischen Seehandels war. Wynfred hätte den Zeitpunkt für seine Reise allerdings kaum schlechter gewählt haben können, denn bei seiner Ankunft im Frühjahr 716 herrschte Krieg. Radbod hatte das südwestliche Friesland zurückerobert und das Frankenreich befand sich in einer gefährlichen Krise. Durch die Eroberungen Radbods war das Missionswerk Willibrords zerstört und das Heidentum kam wieder stärker auf. Zwar wurde Wynfred von Radbod empfangen, aber zu einem Missionserfolg führte dieses Treffen nicht. Für die Friesen war klar, dass sie nach diesen Siegen wohl eindeutig die stärkeren Götter besaßen.[10]

Noch im selben Jahr brach Wynfred seine Missionsreise ab. Er brachte jedoch eine wichtige Erfahrung mit sich, nämlich: „Das Gesetz von der Kongruenz politischer und religiöser Ordnung, das bei der Verkündigung des Evangeliums Mitwirkung und Vorbild der staatlichen Herrschaft – und das hieß im 8. Jahrhundert: der fränkischen Reichsgewalt- unentbehrlich machte.“[11]

Bald nach seiner Rückkehr starb der Abt des Klosters Nursling Winbert und Wynfred wurde zum neuen Oberen gewählt. Es scheint, dass er das Kloster auch tatsächlich geleitet hat, wird er doch in einem Brief der Äbtissin Eadburg von Thanet ausdrücklich mit Abt angeredet.[12] Allerdings gibt er dieses Amt bald auf, um erneut seine Heimat im Herbst des Jahres 718 für immer zu verlassen und als Missionar auf dem Kontinent tätig zu werden.[13]

[...]


[1] Vgl. Rau, Reinhold: Briefe des Bonifatius; Willibalds Leben des Bonifatius. Freih.-v-Stein-Gedächtnis-Ausg., Reihe A, Bd. 4b. Darmstadt 1968. Seite 453.

[2] Vgl. Rau, Reinhold: Briefe des Bonifatius; Willibalds Leben des Bonifatius. Seite 9-22.

[3] Vgl. Schieffer, Theodor: Winfrid-Bonifatius und die christliche Grundlegung Europas, Freiburg 1954. Seite 103.

[4] Vita Bonifatii. Seite 461.

[5] Vgl. Vita Bonifatii. Seite 463. und Schieffer: Winfrid-Bonifatius. Seite 105.

[6] Padberg, Lutz E. v.: Bonifatius - Das Leben des Missionars. In: Bonifatius. Vom angelsächsischen Missionar zum Apostel der Deutschen. Hrsg. von Michael Imhof und Gregor K. Stasch. Petersberg 2004. Seite 44.

[7] Vita Bonifatii. Seite 469.

[8] Vgl. Ebd.

[9] Vgl. Schieffer: Winfrid-Bonifatius. Seite 109.

[10] Vgl. Ebd. Seite 110.

[11] Schieffer: Winfrid-Bonifatius. Seite 110.

[12] Vgl. Bonifatii Epistulae 13. Seite 49.

[13] Vgl. Angenendt, Arnold: Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis 900. Stuttgart-Berlin-Köln 1990. Seite 270. und Padberg: Bonifatius- Das Leben eines Missionars. Seite 45.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Leben des Heiligen Bonifatius
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Geschichte Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte)
Veranstaltung
HS: Franken in der Karolingerzeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V160821
ISBN (eBook)
9783640788958
ISBN (Buch)
9783640789078
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bonfatius, Heiliger, Franken, Karolinger, Missionar, Kloster, Christentum
Arbeit zitieren
Konstantin Gasparatos (Autor), 2009, Das Leben des Heiligen Bonifatius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160821

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