Probleme des Tourismus in Thailand


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tourismus in Thailand

3. Probleme des Tourismus in Thailand
3.1. Profitorientierte Tourismuspolitik, Raumnutzungskonflikte und Korruption
3.2. Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung
3.3. Müllentsorgung
3.4. Sextourismus - die soziale Schattenseite des Tourismus
3.4.1. Begriffsdiskussion und die Entwicklung des Sextourismus in Thailand
3.4.2. AIDS
3.4.3. Kinderprostitution
3.4.4. Settings des Sextourismus
3.4.5. Eigenschaften deutscher Sextouristen

4. Schlussbemerkung

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1. virtuelle Quellen
5.2. Sekundärliteratur

6. Abbildungsverzeichnis

7. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

„Was Besseres kann denen gar nicht passieren eigentlich“ (deutscher Urlauber o. N.)1

Diese Einschätzung stammt von einem so genannten deutschen Sextouristen als Einschät- zung seiner finanziellen Unterstützung der thailändischen Prostituierten nach dem Tsunami Ende 2004 und gab somit seinem Reisemotiv, in Thailand mit einheimischen Frauen gegen Bezahlung Sex zu haben, einen entwicklungshelfenden Charakter. Moralische Bedenken we- gen der Prostitution in Thailand hatte er augenscheinlich nicht. Während nach dem Tsunami 2004 noch einige Leichen am Strand geborgen werden, laufen schon die ersten asiatischen Frauen auf der Suche nach Freiern und Geld der Touristen herum. Thailand ist eines der be- liebtesten Destinationen für Prostitutionstouristen (=Sextouristen) geworden und setzt trotz Verboten und gesellschaftlicher Verachtung in vielen Regionen auf genau diesen Wirt- schaftszweig. Spezielle Infrastruktur, d.h. Massagesalons angereiht an Go-Go-Bars und ande- ren Vergnügungseinrichtungen, in so genannten Sextourismuszentren wie Bangkok oder Phuket lassen nicht das Gefühl aufkommen, dass Sextourismus nicht gewollt wäre. Viele Sex- touristen haben daher kein schlechtes Gewissen, sondern fühlen sich wie im Paradies und so kann es passieren, dass regelmäßige sexuelle Kontakte freundschaftliche oder Liebesgefühle entstehen lassen und seitens der Touristen längst nicht mehr von Prostitution sondern eher von Hilfe und Unterstützung gesprochen wird.

Die Tatsache, dass in Thailand der Tourismus zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige gehört2, ist nicht von der Hand zu weisen. Auch dass viele thailändische Frauen aus verschie- denen finanziellen Motiven und Nöten heraus Prostitution betreiben, ist bittere Realität. Somit ist die finanzielle Unterstützung durch die Sextouristen zwar faktisch gegeben, gibt jedoch genug Zündstoff für eine Diskussion über Werte und Moral. Der Tourismus in Thai- land hat mehrere Dimensionen, sowohl positive als auch negative. Natürlich ist der Touris- mus aus Thailands Einnahmen nicht mehr wegzudenken, jedoch sind damit politisch planerische, soziale und ökologische Probleme verbunden. Mit dem mittlerweile nicht nur für Thailand sondern auch für andere (Entwicklungs-) Länder typischen Sextourismus kommt eine weitere gesundheitliche Dimension (vor allem, aber nicht nur AIDS) dazu. Genau mit diesen Problemen beschäftigt sich diese Arbeit und legt ihren Schwerpunkt daher auf den Sextourismus in Thailand. Bevor jedoch auf die Probleme hingewiesen wird, soll zu- nächst ein kurzer allgemeiner Überblick über Thailands touristische Entwicklung gezeigt werden. Auch speziell auf die Entwicklung des Sextourismus in Thailand mit den historischen Hintergründen soll kurz eingegangen werden. Um einen kleinen Einblick zu erhalten, wie und wo Bekanntschaften von Sextouristen mit einheimischen Frauen stattfinden und welche Strukturen sich dahinter verbergen, werden hier einige beliebte Settings des Sextourismus, also so genannte Sextourismuszentren vorgestellt. Neben dem Sextourismus werden eben- falls Kinderprostitution und AIDS als spezielle Problemfelder beschrieben. Im Anschluss dar- an findet sich ein kleiner Überblick speziell über deutsche Sextouristen, deren Altersvertei- lung, Ausbildungsgrad und anderer Parameter basierend auf einer Umfrage deutscher Sex- touristen von KLEIBER und WILKE Anfang der 90er Jahre.3

Es kann allgemein nur auf wesentliche Probleme des Tourismus in Thailand hingewiesen werden, wie Müll- und Abwasserentsorgung, Trinkwasseraufbereitungen, Landnutzungs- konflikte und Sextourismus, da sonst der Rahmen der Arbeit gesprengt würde. Es handelt sich um eine Referatsverschriftlichung zu einem Vortrag, der im Rahmen des Hauptseminars „Regionale Geographie Süd- und Südostasiens“, geleitet von Martin Hirschnitz-Garbers, am Institut für Geographie und Geologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität im Wintersemester 09/10 gehalten wurde.

2. Tourismus in Thailand

„Entdecken Sie Thailand! Ein Land, das alles bietet: Auf den Spuren fernöstlicher Kultur kön- nen Sie sich an den schönsten Stränden erholen oder sich in das Nachtleben der Großstädte stürzen.“4

(Karl-Heinz Buschmann)

In dieser Form präsentiert sich Thailand in den Reiseführern: „smooth as silk“ (sanft wie Sei- de). Die Tourism Authority of Thailand (TAT), Thai Airways und die ausländischen Reisever- anstalter charakterisieren Thailand als eine „touristical imagination“.5 Ein absolutes Traum- land, wo sich der Tourismus in die Kultur und in den Alltag der Menschen unkompliziert in- tegriert, so hat es den Anschein. Doch wer Thailand und andere Länder Süd- und Südost- asiens einmal näher betrachtet, begreift schnell, dass der Tourismus eine unverzichtbare wirtschaftliche Einnahmequelle darstellt, jedoch auch Konsequenzen nach sich zieht, die sich zum Teil verheerend auf die Landschaft und auf die Gesellschaft auswirken. Während diese Nachteile in Thailand sowohl in den Medien als auch in der Politik angeregt diskutiert wer- den, bleiben solcherlei notwendige Diskussionen in vielen anderen Ländern aus.6

Thailand verdankt seiner einzigartigen Landschaft und Gastfreundschaft, dem touristischen Angebot (Tauchen, Baden, Trekking, alte Tempelanlagen und Ruinen etc.) und der touristischen Infrastruktur wie Hotels sowie auch wegen den gesellschaftlichen und politischen Problemen der Konkurrenzstaaten im internationalen Fremdenverkehr (und nicht zu vergessen auch der Nachbarstaaten) ein seit Mitte der 1980er Jahre durchschnittlich zweistelliges Wachstum im Tourismussektor (siehe Abb. 01).7

Nur durch äußere Einflüsse wurde der rasante Anstieg unterbrochen, angefangen bei den Öl- und Weltwirtschaftskrisen von 1976 und 1982, dem Golfkrieg von 1991, der Asienkrise von 1997/1998 sowie den Terroranschlägen des 11. September 2001 und der Tsunamikatastro- phe 2004 mit ihren Auswirkungen auf den internationalen Tourismus (siehe Abb. 01).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 01: Quelle: Libutzki, Oliver: Strukturen und Probleme des Tourismus in Thailand, S. 679.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 02: eigene Darstellung: Quelle: Tourism Authority of Thailand, Ministry of Tourism and Sports, un- ter: http://web.nso.go.th/, eingesehen am 21.11.2009.

Wie in Abb. 01 und Abb. 02 gut nachzuvollziehen ist, hat Thailand jedoch im Zuge des hohen Bedeutungszuwachses in der Tourismusbranche entsprechend hohe Deviseneinnahmen erzielt, die dazu beigetrugen, dass sich der Staat im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern, wie Indonesien oder den Philippinen, schneller von den Krisen erholen konnte.8 Im touristischen Vergleich steht Thailand an der Spitze Südostasiens mit Erreichung des Schwellenwertes von 10 Mio. Ankünften im Jahr 2001 (siehe Abb. 02).9

Damals reisten zwei Drittel der ausländischen Touristen aus Asien nach Thailand, wobei aus Malaysia (1,1 Mio.) und Japan (1,2 Mio.) die meisten kamen (Abb. 03.). Erstaunlich ist, dass bei einer Flugzeit von 11-14 Stunden die Europäer etwa 25% der ausländischen Ankünfte ausmachten10, wobei die Deutschen mit ca. 390.000 Touristen 5% der internationalen An- künfte bildeten (Abb. 03.). Das Reiseziel Thailand bleibt nachwievor eines der beliebtesten der Deutschen, sind doch bis 2007 die Ankünfte auf 537.200 gestiegen, wie man auf Abb. 04

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 04: Quelle: Eigene Darstellung, Daten entnommen von: Tourism Authority of Thai-

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Abb. 03: Ausländische Ankünfte in Thailand 2001: Quel- le: Reuber ,Paul: Probleme des Tourismus in Thailand, S. land, eingesehen am 21.11.2009.

nachvollziehen kann.11 Bei den Bewohnern der Nachbarstaaten Thailands, wie den Malaien, handelte es sich bei den Ausflügen meist um Kurzaufenthalte, also um durchschnittlich 3-4 Tage. Die Deutschen blieben im Jahr 2001 im Vergleich dazu durchschnittlich 17,5 Tage in Thailand.12

Die Bedeutung des Tourismus in Thailand wird erst auf den zweiten Blick richtig deutlich und reicht weit über die Zahlen hinaus, die sowieso schon schwer zu fassen sind. Der Binnentou- rismus (z. B. Ko Samet, Teile Phukets u.a.) spielt eine wesentliche Rolle, der jedoch eine quantitative Erfassung nicht zulässt, was zum einen auf halbformelle Geschäftspraktiken in Hotels und Restaurants zurückzuführen ist. Zum anderen werden ergänzende Dienstleistun- gen der Fremdenverkehrsinfrastruktur sowie der Verkauf von Produkten im informellen Sek tor, also in dem Wirtschaftssektor, der sich jeglicher statistischen Erhebung entzieht13, erb- racht.14 Jede kleine Ticketagentur, jeder Internet-Laden, Auto- und Motorradverleih, jede Küche und jeder Verkaufsstand profitiert letztendlich vom Tourismus. Hier wird deutlich, was dies für den Arbeitsmarkt bedeutet. Es entstehen indirekte Arbeitsplätze, die letztend- lich vom Tourismus abhängen oder die sich wegen des Tourismus gebildet haben und mitt- lerweile auch tourismusunabhängig ihr Geld verdienen (z.B. Baufirmen etc.). Es ist ein fort- laufender Prozess der sich mit Zahlen nur schwer erfassen lässt und ständig aktualisiert wer- den müsste. Fakt ist, dass Dunkelziffern sowohl im Übernachtungsgewerbe und auch auf dem Arbeitsmarkt entstehen, die weit über die sowieso schon beeindruckenden Statistiken hinausgehen.15

3. Probleme des Tourismus in Thailand

Unter Berücksichtigung der Zuwachszahlen der Ankünfte in Thailand wird deutlich, dass sich die daraus resultierenden Probleme faktisch verstärkt haben und verstärken werden. Was als „Problem“ bezeichnet wird, bleibt meist im Auge des Betrachters je nach politischen Ein- stellungen und Werten. Viele internationale Diskussionen werden meist so geführt, dass auf ähnliche Schwierigkeiten bei anderen Ländern hingewiesen wird um von Konflikten vor der eigenen Haustür abzulenken. Außergewöhnlich ist jedoch, dass die Schwierigkeiten, die aus dem thailändischen Tourismus resultieren, aus Eigeninitiative des Landes selbst offen dar- gestellt und Lösungen gesucht werden.16

Die nachfolgenden Aspekte sind als offensichtliche aus dem Tourismus resultierende Probleme anzusehen und sollen kurz erläutert werden.

[...]


1 o. N.: Die Rückkehr der Sextouristen - Tsunami, Armut + Gewalt ¼, unter: http://www.youtube.com/watch?v=4AVwyxSm2X8, eingesehen am 22.11.2009.

2 Reuber, Paul: Probleme des Tourismus in Thailand, in: Geographische Rundschau, Jg. 55, Heft 3, 2003, S. 14- 19, hier S. 14.

3 Kleiber, Dieter/Wilke, Martin: Aids, Sex und Tourismus. Ergebnisse einer Befragung deutscher Urlauber und Sextouristen (Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit, Bd. 33), Baden-Baden 1995.

4 Buschmann, Karl-Heinz: Thailand. Reisen mit Insider-Tips, in: Ranft, Ferdinand: Marco Polo, 7. aktual. Aufl., Ostfildern 1999, S. 5.

5 Reuber, Paul: Probleme des Tourismus in Thailand, S. 14.

6 Reuber, Paul: Probleme des Tourismus in Thailand, S. 14.

7 Libutzki, Oliver: Strukturen und Probleme des Tourismus in Thailand, in: Becker, Christoph u. a. (Hrsgg): Geographie der Freizeit und des Tourismus. Bilanz und Ausblick, 2. Aufl., München 2004, S. 679-690, hier S. 679.

8 Libutzki, Oliver: Strukturen und Probleme des Tourismus in Thailand, S. 679.

9 Reuber, Paul: Probleme des Tourismus in Thailand, S. 14.

10 Reuber, Paul: Probleme des Tourismus in Thailand, S. 14.

11 Tourism Authority of Thailand, Ministry of Tourism and Sports, unter: http://web.nso.go.th/, eingesehen am 21.11.2009.

12 Reuber, Paul: Probleme des Tourismus in Thailand, S. 15.

13 Wikipedia: Informeller Sektor, unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Informeller_Sektor, eingesehen am 03.02.2010.

14 Reuber, Paul: Probleme des Tourismus in Thailand, S. 15.

15 Reuber, Paul: Probleme des Tourismus in Thailand, S. 15.

16 Reuber, Paul: Probleme des Tourismus in Thailand, S. 19.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Probleme des Tourismus in Thailand
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Geographie und Geologie)
Veranstaltung
Regionale Geographie Süd- und Südostasiens
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V161281
ISBN (eBook)
9783640751891
ISBN (Buch)
9783640752362
Dateigröße
963 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Probleme, Tourismus, Thailand
Arbeit zitieren
Erik Kurzke (Autor), 2010, Probleme des Tourismus in Thailand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161281

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