Vespasian, der Jüdische Krieg und die Konsolidierung des Reiches


Hausarbeit, 2009

19 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vespasian vor seiner Erhebung zum Kaiser

3. Der 1. Jüdische Krieg – Die Ereignisse vor der Erhebung des Vespasian

4. Das Vierkaiserjahr

5. Die Herrschaft des Vespasian
5.1. Titus und das Ende des Jüdischen Krieges
5.2. Der glorreiche Sieg in Judäa als Herrschaftslegitimation für Vespasian
5.3. Die innenpolitischen Maßnahmen des Vespasian zur Konsolidierung seiner Herrschaft

6. Schlussbetrachtungen

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahre 6 n. Chr. wurde Judäa direkt der römischen Verwaltung unterstellt und –mit Ausnahme der Regierungszeit von Agrippa- von Prokuratoren regiert. Die Juden sollten trotz der römischen Vorherrschaft ihre religiöse Freiheit behalten, was in der religio licita festgelegt wurde. Doch in der Praxis gestaltete sich dies anders. Die Römer hatten weder Kenntnis von der Religion der Juden, noch waren sie gewillt, ihre Traditionen zu respektieren. Die Prokuratoren waren meist korrupt, käuflich und übten ihr Amt in repressiver, autoritärer Weise aus. Nicht das Wohl der dortigen Bevölkerung, sondern ihre persönliche Bereicherung und die eigene Karriere standen im Vordergrund ihrer Interessen.[1]

Daher ist es nicht verwunderlich, dass in dieser Region immer wieder offene Aufstände ausbrachen. Auch die Gründe für den Ausbruch des 1. Jüdischen Krieges sind hauptsächlich in der religiösen Unterdrückung der Juden durch die Römer zu suchen. Doch auch andere Umstände haben sicherlich zum Missmut der jüdischen Bevölkerung und letztendlich auch zur Eskalation der angespannten Situation beigetragen. Auch die römischen Steuerforderungen, die stetig anstiegen, brachten die Bevölkerung Judäas immer weiter gegen die Römer auf; ebenso wie auch andere wirtschaftliche, politische und soziale Umstände[2], die in künftigen Abhandlungen noch genauer untersucht werden sollten.

Obwohl der Kampf gegen die Römer ein von Anfang an aussichtsloses Unterfangen war, da die Römer in Stärke und Zahl klar überlegen waren, hinderte dies die Aufständischen nicht daran, sich gegen die Besatzer zu erheben. Fraglich ist, wie groß der Anteil der Bevölkerung war, der diesen Aufstand tatsächlich befürwortete. Für Flavius Josephus, der zunächst auf jüdischer Seite kämpfte und später zu den Römern überlief und dann als Geschichtsschreiber den Jüdischen Krieg niederschrieb, steht fest, dass kein Mensch von Stand und Bildung sich dieser Revolte angeschlossen hätte.[3] Es bleibt aber offen und sollte zukünftig genauer untersucht werden, wie viele Menschen den Aufstand tatsächlich befürworteten.

Bereits hier ist allerdings zu erkennen, wie unterschiedlich die Meinungen innerhalb der Bevölkerung Judäas waren. Die Zeloten als eine besonders radikale Gruppierung standen den Gemäßigten gegenüber. Aber auch die eschatologischen Hoffnungen um die Erhebung des Gottesreiches streuten Unsicherheit über die Gegend.[4]

Die Grundlage für die jüdischen Aufständischen war denkbar schlecht: Es fehlte ihnen an ausgebildeten Soldaten, Waffen, Ausrüstung, Disziplin, fähigen Offizieren und Kriegstechnik. Hinzu kam die innere Zerrüttung der Bevölkerung. Um den Römern tatsächlich etwas entgegenzusetzen, hätte es eine nationale Einheit gebraucht, um die Kräfte des gesamten Landes zu mobilisieren. Bestärkt wurde dieser Umstand dadurch, dass in vielen Teilen des Landes nicht unbedingt judenfreundliche und gleichsam römerfeindliche Gesinnungen vorherrschten.[5]

Entscheidend wirkte in dem 66 n. Chr. ausgebrochenen Jüdischen Krieg Titus Flavius Vespasianus, der spätere princeps Roms. Seine militärischen Erfolge in Judäa sollten ein Eckpfeiler seiner Herrschaft werden. Die folgende Arbeit befasst sich mit Fragen, wie „Wie konnte es Vespasian als Mann aus einfachen Verhältnissen überhaupt gelingen, zum Kaiser aufzusteigen?“, oder „Wie gelang es ihm dann schließlich, dem Reich nach der katastrophalen Herrschaft des Nero wieder neuen Glanz zu verleihen?“.

Im Folgenden werden die Ereignisse des 1. Jüdischen Krieges in Zusammenhang mit der Rolle Vespasians, sowohl in Judäa selbst, als auch von Rom aus, genauer beleuchtet. Außerdem soll diese Arbeit einen allgemeinen Einblick in das Wirken des Vespasian vor und vor allem nach seinem Herrschaftsantritt geben und aufzeigen, warum Vespasian heute als einer der bedeutendsten römischen Kaiser gilt.[6]

2. Vespasian vor seiner Erhebung zum Kaiser

Titus Flavius Vespasianus wurde am 17. November 9 n. Chr. In Reate geboren. Anders als seine Vorgänger im Kaiseramt, Galba, Otho und Vitellius, entstammte Vespasian einer Familie ohne Senatoren-Tradition. Sein Großvater war Centurio im Heer des Pompeius gewesen, sein Vater Zollbeamter und Bankier. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf, denen des italienischen Mittelstand entsprechend. Nachdem sein Bruder Flavius Sabinus bereits die Senatorenlaufbahn eingeschlagen hatte, strebte auch Vespasian auf Drängen seiner Mutter hin eine solche Karriere an. Vespasian wurde zunächst Offizier in mehreren Provinzen des Reiches, 39 wurde er Prätor. 42 nahm er als Legionssoldat an dem Britannienfeldzug des Claudius teil. Für seine Leistungen als Kommandant der legio II Augusta in Britannien verlieh ihm Kaiser Claudius die Triumhalinsignien, einer Auszeichnung, die ebenso bedeutend war wie ein Triumphzug in Rom; eine Ehre, die in dieser Zeit nur dem Kaiser selbst zustand. Zudem wurde er 51, also zum frühstmöglichen Zeitpunkt mit erst 42 Jahren, in den Stand des Konsuls erhoben.[7]

Nachdem Kaiser Claudius im Jahre 54 n. Chr. verstorben war, gelangte Nero an die Macht. Vespasian war bislang die Förderung durch den unter Claudius Freigelassenen Narcissus sicher gewesen. Doch unter Nero schadete ihm dieser Einfluss, sodass er erst 63 durch den Kaiser mit höheren Aufgaben betraut wurde, nämlich mit der Position des Statthalters in der Provinz Africa. Bald jedoch sorgten dort finanzielle Schwierigkeiten für einen Rückschlag in der Karriere des Vespasian. Aber nicht nur durch seine Misserfolge als Statthalter in der Provinz Africa fiel er bei Nero in Ungnade. Während einer Gesangsdarbietung des Nero schlief Vespasian ein, was der Kaiser als stille Kritik an seinen Sangeskünsten werten musste. Auf den Fauxpas des Vespasian hin wurde er von Nero aus seiner näheren Umgebung verbannt; Vespasian fürchtete ihn dieser Zeit um sein Leben.[8]

Obwohl Vespasian bei dem amtierenden Kaiser in Ungnade gefallen war, beauftragte ihn dieser 66 mit der Niederschlagung des Aufstandes in Judäa. Grund für diese Entscheidung war, dass sich Vespasian in der Vergangenheit in militärischen Belangen als überaus fähig erwiesen hatte. Hinzu kam das Misstrauen des Herrschers gegenüber Senatoren von vornehmer Herkunft; insofern stellte Vespasian einen aus Neros Sicht geeigneteren Kandidaten dar als die anderen Senatoren.[9]

3. Der 1. Jüdische Krieg – Die Ereignisse vor der Erhebung des Vespasian

Herodes dem Großen war es aufgrund seiner Zusammenarbeit mit den Römern und seiner entschiedenen Machtpolitik gelungen, die Situation in Judäa zeitweise zu stabilisieren. Doch nach seinem Tod im Jahre 4 v. Chr. geriet die Stabilität in der Region um Jerusalem wiederum ins Wanken. Zwischen 38 und 41 n. Chr. entbrannten in Alexandria heftige Auseinandersetzungen zwischen Juden und Griechen.[10]

Der Ausbruch des Aufstandes in der römischen Provinz Judäa ist auf mehrere Ursachen zurückzuführen. Die Zwangszahlungen, die Rom von der Provinz forderte waren horrend und stiegen stetig an. Als der römische Prokurator Gessius Florus Teile des Tempelschatzes einforderte, gipfelte der Wunsch nach der Befreiung von den römischen Besatzern in einem Aufstand. Teile der Bevölkerung Judäas begannen, sich –angeführt von den Zeloten, einer besonders radikalen jüdischen Gruppierung und angeregt durch ihren messianischen Glauben - gegen die Römer zu richten.[11]

66 besetzten einige Zeloten die Festung Masada. Zudem wurde in diesem Jahr nahe dem Tempel die Einstellung verbreitet, man solle keine Opfer mehr von und für Fremde annehmen. Dies bedeutete das Ende des Herrscherkultes. Daraufhin brach in der Hauptstadt ein Bürgerkrieg mit den Pharisäern, die sich im Gegensatz zu den Zeloten bereitwillig zeigten, sich den römischen Idealen unterzuordnen, aus. Den Zeloten gelang es, in Jerusalem einzudringen und sich somit gegen die Pharisäer durchzusetzen. Dies war der Auslöser für Unruhen in der gesamten Region; mehrfach kam es zur Erhebung jüdischer Gruppen gegen Griechen oder Römer, andernorts fielen Griechische Gruppierungen über die jüdische Bevölkerung her. Das Lager der Aufständischen war gespalten; bis zum Schluss bekämpften sich die unterschiedlichen Gruppierungen immer wieder gegenseitig, was erheblich zu der Schwächung ihrer Kampfkraft beitrug.[12]

Dem römischen Statthalter Syriens, Cestius Gallus, gelang es nicht, die Situation zu schlichten, was den Römern eine verheerende Niederlage einbrachte, in der sie eine Legion verloren.[13]

Anführer der Aufstände waren zunächst Johann von Gischala, Schimon bar Giora und Flavius Josephus, die jedoch relativ unabhängig voneinander agierten.[14]

Als die römischen Besatzer mehr und mehr in Bedrängnis geraten waren, entsandte Nero im Jahre 67 Vespasian mit einem 60.000 Mann starken Heer in die Krisenregion. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen stand zu dieser Zeit vor allem das unter dem jüdischen Befehlshaber Josephus verteidigte Galiläa. Mit Jotopata fiel alsbald die wichtigste Festung, die Josephus unterstellt war, woraufhin dieser von den Römern gefangen genommen wurde. In seiner Gefangenschaft prophezeite er Vespasian die Erringung des Herrschertitels in Rom. Daraufhin wurde ihm die Freiheit geschenkt und das römische Bürgerrecht zugesprochen.[15]

Im darauf folgenden Jahr gelang es Vespasian, bis auf wenige Ausnahmen wie Jerusalem, die gesamte aufständische Region zu erobern.[16]

[...]


[1] Soggin, J. Alberto: Einführung in die Geschichte Israels und Judas. Von den Ursprüngen bis zum Aufstand Bar Kochbas, Darmstadt 1991, S. 255 ff

[2] ebd., S. 259

[3] Flavius Josephus: Geschichte des Judäischen Krieges, S. 192

[4] Soggin, S. 159

[5] ebd., S. 260

[6] Malitz, Jürgen: Vespasian, in: Die Römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, Hrsg. von Manfred Clauss, München 1997, S. 94

[7] ebd., S. 86

[8] Malitz, S. 87

[9] Pfeiffer, Stefan: Die Zeit der Flavier. Vespasian – Titus – Domitian, Darmstadt 2009, S. 8-9

[10] Christ, Karl: Die Römische Kaiserzeit: Von Augustus bis Diokletian, München 2001, S. 102

[11] Soggin, S. 255 ff

[12] Christ: Die Römische Kaiserzeit: Von Augustus bis Diokletian, S. 112

[13] Josephus, II, S. 211-218

[14] ebd., S. 221-231

[15] Christ: Die Römische Kaiserzeit: Von Augustus bis Diokletian, S. 112-113

[16] ebd.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Vespasian, der Jüdische Krieg und die Konsolidierung des Reiches
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Der Jüdische Krieg
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V161402
ISBN (eBook)
9783640746224
ISBN (Buch)
9783640746835
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vespasian, Der Jüdische Krieg, Vierkaiserjahr, Judäa
Arbeit zitieren
Antje Weckmann (Autor), 2009, Vespasian, der Jüdische Krieg und die Konsolidierung des Reiches, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161402

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