Tanz und seine Formen der sozialen und religiösen Vermittlung haben mich immer fasziniert. Sei es die performative Qualität im (Tanz-)Spiel oder die rituelle Einbettung – Tanz hat eine hohe gesellschaftliche Relevanz und birgt einen kaum in Worte zu fassenden Erfahrungsschatz.
Die interdisziplinäre Diskussion über Tanz und Performanz rückte in den letzten Jahren die Bedeutung von Körperwissen in den Blickpunkt der Kulturwissenschaften. Die vorliegende Arbeit will sich als eine Bestandsaufnahme verstanden wissen und ein Beitrag zu einem tieferen Verständnis des transformativen Potentials religiöser Tänze sein.
Warum religiöser Tanz? Die Sinnvermittlung in den Religionen ist oft eine körperlich-sinnliche Erfahrung, das gilt auch für den Tanz. Wie ästhetisches Erleben, Sinn und Transformation im religiösen Tanz vermittelt werden oder stattfinden kann, möchte ich hier anhand der aktuellen Performanzdebatte darstellen. Religiöser Tanz soll hier verstanden werden als Rituale im Sinne kultureller Performanzen. Gemeint ist v. a. die Fähigkeit von rituellen Performanzen, sowohl Intellekt als auch Emotionen anzusprechen, aus der sich ihre transformative Wirkkraft erklärt.
Tanz als performatives Genre lässt sich auf sein transformatives Potential untersuchen. Dabei spielt die ästhetische Dimension im Tanz eine wichtige Rolle, wie ich es am Beispiel des Klassischen Indischen Tanzes skizzieren werde. Eine besondere Rolle spielt die Ekstase im und durch den Tanz, wie am Beispiel des Besessenheitstanzes im afrobrasilianischen Candomblé-Ritual aufgezeigt wird. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der Performanz im Tanz und die Transformation, die mit religiösem Tanz einhergeht oder beabsichtigt wird. Ob diese Vorraussetzung für alle religiösen Tänze anwendbar ist, müsste in Einzelfallstudien wie auch durch kulturvergleichende Studien belegt werden.
Inhaltsverzeichnis
- Tanzeffekte: Einleitung.
- Tanzbegriffe - Tanz begreifen
- Tanzen als menschliches Phänomen
- Von der Schwierigkeit, Tanz zu beschreiben...
- Unterscheidung von Bewegung und Tanz.
- Tanz als Gegenstand ethnologischer und religionswissenschaftlicher Forschung
- Aktualität der Tanzforschung: Definition und Methode
- Tanzen als menschliches Phänomen
- Tanz als performative Praxis
- Der performative turn in den Kulturwissenschaften
- Theatralität des Rituals
- Rituale als transformierende Performanzen
- Transformation als sinnliche Erfahrung
- Transformatives Potential im Tanz
- Tanz als Mittel zur religiösen Transformation
- Die Eigendynamik des Tanzes als Transformation
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Phänomen des religiösen Tanzes und untersucht dessen performatives Potential sowie die Möglichkeiten der Transformation durch Tanz. Die Arbeit analysiert verschiedene Tanzformen und ihre religiösen Bedeutungen, wobei der Fokus auf dem Zusammenhang von Bewegung, Erfahrung und spiritueller Praxis liegt. Sie beleuchtet den performativen Turn in den Kulturwissenschaften und die damit verbundenen theoretischen Ansätze, um das transformative Potential von Tanz in einem religiösen Kontext zu verstehen.
- Tanz als menschliches Phänomen und seine ethnologische und religionswissenschaftliche Bedeutung
- Der performative Charakter des Tanzes und die Verbindung zu Ritualen
- Die ästhetische Dimension und transformative Kraft des Tanzes in religiösen Praktiken
- Trance und Ekstase als Ausdruck spiritueller Erfahrung im Tanz
- Der Körper als „Ort des Erlebens“ und die Verbindung von Bewegung und Transformation
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einführung in das Thema Tanzeffekte und erläutert die verschiedenen Ansätze, um Tanz zu begreifen. Dabei werden die Schwierigkeiten, Tanz zu definieren, sowie die Unterscheidung zwischen Bewegung und Tanz beleuchtet. Anschließend wird Tanz als Gegenstand ethnologischer und religionswissenschaftlicher Forschung betrachtet, wobei die kommunikative Dimension des Tanzes hervorgehoben wird. Die Arbeit untersucht auch die Aktualität der Tanzforschung und die Annäherung der Geistes- und Naturwissenschaften an dieses Thema.
Im weiteren Verlauf der Arbeit wird das Konzept der Performanz und seine Bedeutung für die Kulturwissenschaften diskutiert. Es werden die Beziehungen zwischen Tanz, Erfahrung und diskursiven Einschreibungen sowie die Rolle von Ritualen in Performanztheorien analysiert. Die Arbeit betrachtet auch die Effektivität von Performanzen und ihre Bewertung sowie die theatralischen Aspekte von Ritualen.
Das transformative Potential von Tanz im religiösen Kontext wird im vierten Kapitel beleuchtet. Die Arbeit untersucht die ästhetische Dimension des Tanzes und die Transformation von Gefühlen im Klassischen Indischen Tanz. Sie betrachtet die Phänomene von Rausch, Ekstase und Besessenheitstänzen sowie die Rolle des Tanzes in der Kommunikation mit den Göttern. Die Arbeit untersucht auch die Eigendynamik des Tanzes als Transformation, indem sie die Wirkzusammenhänge im Tanz und die Möglichkeit der Katharsis analysiert.
Schlüsselwörter
Religiöser Tanz, Performanz, Transformation, Ritual, Ästhetik, Trance, Ekstase, Körper, Erfahrung, Kulturwissenschaften, Ethnologie, Religionswissenschaft, Katharsis.
- Arbeit zitieren
- M.A. Alexa Junge (Autor:in), 2007, Religiöser Tanz. Performanz und transformatives Potential im Tanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161604