Während Ludwig Wittgenstein in seinem "Tractatus Logico Philosophicus" der Sprache noch mit logischer Strenge begegnet und damit die Alltagsprache ausklammert, räumt er ihr in den "Philosophischen Untersuchungen" eine zentrale Stelle ein. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist das wechselseitige Zusammenspiel von Sprache und nichtsprachlichen Handlungen, die er das "Sprachspiel" nennt. Die Arbeit beschreibt unterschiedliche Formen von Sprachspielen und identifiziert deren charakteristische Merkmale.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Ludwig Wittgenstein
2. Tractatus Logico Philosophicus
3. Übergangsphase
4. Philosophische Untersuchungen
5. Das Sprachspiel
5.1. Sprachspiel und primitive Sprachform
5.2. Sprachspiel und Kindersprache
5.3. Sprachspiel und Sprache als Ganzes
5.4. Sprachspiel und Familienähnlichkeit
5.5. Sprachspiel und Regeln
5.6. Sprachspiel und Privatsprache
5.7. Sprachspiel und Lebensform
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Begriff des Sprachspiels bei Ludwig Wittgenstein, wobei der Fokus auf dem Übergang von der logischen Strenge des "Tractatus Logico-Philosophicus" hin zur alltagssprachlichen Analyse in den "Philosophischen Untersuchungen" liegt. Ziel ist es, durch die Erläuterung zentraler Grundbegriffe wie Sprachspiel, Familienähnlichkeit und Lebensform ein tieferes Verständnis für Wittgensteins spätere Sprachtheorie zu entwickeln.
- Biografische Einordnung von Ludwig Wittgenstein
- Analyse des Wandels vom "Tractatus" zu den "Philosophischen Untersuchungen"
- Charakterisierung des Sprachspiels und seiner Formen
- Bedeutung der Gebrauchstheorie und Familienähnlichkeit
- Verknüpfung von Sprache, Praxis und Lebensform
Auszug aus dem Buch
5. Das Sprachspiel
Sprachspiele sind das zentrale Thema in den PU, weshalb Wittgenstein sie auch als „das Primäre“ bezeichnet. Der Versuch diesen Begriff näher zu definieren, ist jedoch nicht unproblematisch, zumal er im Text in unterschiedlichen Zusammenhängen vorkommt. Da Wittgenstein zudem in den PU eine Abkehr von exakten Begriffsdefinitionen vollzieht und man demnach über Sprachspiel nicht sprechen kann, müsste man seinem Postulat folgend über sie schweigen. Doch Wittgenstein war sich der Unerfüllbarkeit seiner berühmten Forderung im Tractatus bewusst und relativierte diese, indem er den Leser aufforderte, seine Sätze zu überwinden, um die Welt richtig zu sehen. Insofern mag es durchaus in seinem Sinne sein, wenn im Folgenden der Versuch unternommen wird, sich dem Begriff des Sprachspiels durch Herausarbeitung von dessen zentralen Merkmalen anzunähern.
Sprachspiele sind eine Kombination aus Sprache und nichtsprachlichen Handlungen, die eine außerhalb des Spiels liegende Brauchbarkeit haben können (aber nicht müssen) und die mehrmals gespielt werden können, wobei der Ablauf gleichbleibt. Diese unterschiedlichen Formen eines Gebrauchs von Wörtern, Sätzen oder Zeichen sind aber nichts Dauerhaftes, sondern entstehen und können auch wieder vergehen. Der entscheidende Punkt ist, dass Wörter ihre Bedeutung erst durch den Gebrauch in einem Sprachspiel erlangen, wobei es Wittgenstein konsequenterweise unterlässt, zu definieren, was unter „Gebrauch“ zu verstehen ist. Indem er jedoch durch Einbezug des Gebrauchs die Sprache aus mehreren Perspektiven betrachtet und dadurch ihrer Vielfalt Rechnung trägt, unterstreicht er die Bedeutung der Verwendung eines Wortes, Satzes oder Ausdrucks im sozialen Kontext.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in Wittgensteins Leben und sein philosophisches Programm, das die Sprache zum zentralen Untersuchungsobjekt erhebt.
1. Ludwig Wittgenstein: Überblick über die facettenreiche Biografie des Philosophen und dessen prägende Einflüsse.
2. Tractatus Logico Philosophicus: Darstellung der frühen Philosophie Wittgensteins, die auf logischer Idealsprache und der Abbildtheorie basiert.
3. Übergangsphase: Beschreibung der Zeit zwischen dem "Tractatus" und den "Philosophischen Untersuchungen", geprägt durch berufliche Wechsel und die Rückkehr zur Philosophie.
4. Philosophische Untersuchungen: Analyse der späten Sprachphilosophie, die sich der Alltagssprache zuwendet und die Suche nach einer Idealsprache verwirft.
5. Das Sprachspiel: Zentrale Betrachtung des Sprachspiels als grundlegendes Instrument der Kommunikation und des Gebrauchs von Sprache.
5.1. Sprachspiel und primitive Sprachform: Untersuchung der Sprachspiele in ihrer einfachsten Form, um den Zusammenhang zwischen Wortgebrauch und Kontext zu klären.
5.2. Sprachspiel und Kindersprache: Analyse des Spracherwerbs durch Sprachspiele und das "Abrichten" des Kindes.
5.3. Sprachspiel und Sprache als Ganzes: Betrachtung der menschlichen Sprache in ihrer Gesamtheit als ein in Tätigkeiten eingebettetes Sprachspiel.
5.4. Sprachspiel und Familienähnlichkeit: Erklärung, wie Begriffe durch ein Netz von Ähnlichkeiten verbunden sind, anstatt durch exakte Definitionen.
5.5. Sprachspiel und Regeln: Untersuchung der Rolle von Regeln im Sprachspiel und der Bedeutung der gelebten Praxis.
5.6. Sprachspiel und Privatsprache: Widerlegung der Möglichkeit einer rein privaten, von sozialen Regeln losgelösten Sprache.
5.7. Sprachspiel und Lebensform: Vertiefung der engen Verbindung zwischen Sprachspielen und den in einer Lebensform verwurzelten Praktiken.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Entwicklung von Wittgensteins Sprachtheorie und ihres Wertes für das Verständnis der gelebten Praxis.
Schlüsselwörter
Ludwig Wittgenstein, Sprachspiel, Tractatus, Philosophische Untersuchungen, Alltagssprache, Gebrauchstheorie, Familienähnlichkeit, Lebensform, Sprachphilosophie, Abbildtheorie, Logischer Atomismus, Privatsprache, Regelbefolgung, Sprachanalyse, Sprechakt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Sprachspiel-Konzept bei Ludwig Wittgenstein und zeichnet den theoretischen Wandel zwischen seinem Frühwerk und seinem Spätwerk nach.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die Sprachphilosophie, die Alltagssprache, die Bedeutungstheorie durch Gebrauch und die sozio-kulturelle Einbettung von Sprache in Lebensformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Begriff "Sprachspiel" anhand der "Philosophischen Untersuchungen" zu klären und zu verdeutlichen, wie Wittgenstein Sprache als in Handlungen eingebettetes System begreift.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-analytische Methode, indem sie Wittgensteins Texte interpretiert und durch Rückgriff auf Fachliteratur systematisierte Einordnungen der Grundbegriffe vornimmt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der beiden Hauptwerke, die Beschreibung der Übergangsphase und eine detaillierte Analyse der verschiedenen Facetten des Sprachspiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Sprachspiel, Lebensform, Familienähnlichkeit, Gebrauchstheorie und Sprachphilosophie.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Sprache im "Tractatus" von den "Philosophischen Untersuchungen"?
Im "Tractatus" strebte Wittgenstein nach einer logischen Idealsprache und absoluter Exaktheit, während er in den "Philosophischen Untersuchungen" die lebendige, ungenaue Alltagssprache als Grundlage akzeptiert.
Warum lehnt Wittgenstein Definitionen in seinem Spätwerk ab?
Wittgenstein argumentiert, dass Begriffe oft keine gemeinsame Essenz besitzen, sondern über "Familienähnlichkeiten" verbunden sind, weshalb starre Begriffsdefinitionen dem tatsächlichen Sprachgebrauch nicht gerecht werden.
Was ist mit dem "Fliegenglas" als Analogie gemeint?
Das Fliegenglas dient als Metapher für philosophische Verwirrung: Philosophen verfangen sich in selbstgeschaffenen sprachlichen Problemen, anstatt die Sprache als das zu sehen, was sie ist – ein Werkzeug der Praxis.
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- Rainer Krottenthaler (Author), 2024, Das Sprachspiel bei Ludwig Wittgenstein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1618684