Aus der Einleitung:
Goethes Faust gilt als das bedeutendste Werk der deutschen Literatur. Es dauerte über ein halbes Jahrhundert bis Goethe das heute vorliegende Gesamtwerk fertig gestellt hatte, das in der Endfassung nun bereits seit über 175 Jahren vor allem die deutsche Kultur durch-zieht und die Menschen weltweit begeistert.
In dem äußeren Gebilde um die Kernhandlung treffen der Himmel und die Hölle in perso-nifizierter Form in einer Kontroverse aufeinander und streiten um das Wesen des Men-schen, ferner um den Sinn menschlichen Lebens, woraufhin der Vertreter der Hölle freie Hand für sein diabolisches Treiben auf der Erde bekommt. Um den vom Herrn auserwählten Menschen Faust zu verführen, wird der Weg nicht nur mit Leichen gepflastert, er führt an die ungewöhnlichste Orte und Zeiten und offenbart verrücktestes Treiben von Menschen und geisterhaften Wesen.
Die Leitfrage dieser Hausarbeit lautet, ob im „Prolog im Himmel“ eine Wette zwischen dem Herrn und Mephistopheles abgeschlossen wird bzw. ferner, ob eine derartige Wette überhaupt abgeschlossen werden kann. Zu diesem Zweck wird die betreffenden Textstellen aus "Faust - Eine Tragödie" als Grundlage verwenden, diese auf ihre Aussagen hin untersuchen, um schließlich, unter Zuhilfenahme von Deutungsansätzen aus der Sekundärliteratur, aufgrund der Interpretation des Autors eine fundierte Antwort auf die bereits erwähnt Frage geben zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Handlung im „Prolog im Himmel“
3 Der „Prolog im Himmel“ als Rahmenhandlung des Dramas
4 Eine Wette als Resultat der Auseinandersetzung zwischen dem Herrn und Mephisto im „Prolog im Himmel“
4.1 Vergleich des Prologs mit dem Buch Hiob
4.2 Der Herr und Mephisto als ebenbürtige Kontrahenten
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Frage, ob im „Prolog im Himmel“ von Goethes Faust tatsächlich eine Wette zwischen dem Herrn und Mephistopheles abgeschlossen wird oder ob eine solche aufgrund der unterschiedlichen Machtverhältnisse der Kontrahenten ausgeschlossen ist.
- Analyse der Prolog-Struktur in Goethes Faust
- Untersuchung der theologischen und literarischen Vorbilder (Buch Hiob)
- Charakterisierung des Machtverhältnisses zwischen dem Herrn und Mephisto
- Interpretation der Intention hinter Mephistos „Wettangebot“
- Reflektion über die dramaturgische Bedeutung der Wette für den Leser
Auszug aus dem Buch
4.2 Der Herr und Mephisto als ebenbürtige Kontrahenten
Im Drama Faust ist der Herr die oberste Instanz des Himmels, er ist der Inbegriff des Guten, kann aber in dieser Funktion nur existieren, wenn es das Böse in Form von Mephisto als Gegenpol gibt. „Der Herr ist ohne Mephistopheles nicht vorstellbar und umgekehrt“ (Bernhardt 2006, S. 39) – sie bedingen sich also gegenseitig. Denn wie soll der Mensch den richtigen Weg finden, zum Guten kommen, wenn er aufgrund des fehlenden Gegenpols nicht einmal weiß, nicht abgrenzen kann, was das Böse ist?
Doch agieren die beiden Gegenpole auf gleicher Augenhöhe? Mephisto akzeptiert seinen Kontrahenten von Anfang an als „Herrn“ (V. 271, 296 etc.). Während sich Mephisto ebenso bei der Ansprache des Herrn respektvoll verhält und ihn siezt (vgl. V. 300, 312 etc.), spricht ihn dieser seinerseits stets mit „du“ an (vgl. V. 323ff).
Das Verhältnis beider zueinander spiegelt sich laut Radler (1995, S. 16f) auch in den eigenen und gegenseitigen Rollenzuweisungen wider. So wird der Herr als „großer Herr“ (V. 352) betitelt, während er im Gegenzug Mephisto als „Schalk“ (V. 339) bezeichnet und ihn unter den „Geistern die verneinen“ (V. 338) ausgemacht. Mephisto gehört augenscheinlich zum „Gesinde“ (V. 274) Gottes und ist „[...] eine in der irdischen Natur und im Geschichtlichen wirkende Kraft, die „reizt und wirkt und muss als Teufel schaffen“ (V. 343).“ (Kobligk 1985, S. 39). Folglich ist Mephisto kein ebenbürtiger Kontrahent des Herrn. Er ist in seinem Handeln nicht frei, sondern der göttlichen Ordnung des Herrn unterworfen, die ihm somit auch seine Grenzen setzt. Zu erkennen ist diese Unfreiheit u. a. auch in der Bitte Mephistos um die Erlaubnis, auf Erden frei handeln zu dürfen (vgl. V. 313), und in seiner Behutsamkeit, nicht „[...] mit ihm [dem Herrn] zu brechen“ (V. 351).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Faust-Dramas ein und erläutert die Forschungsfrage bezüglich der Gültigkeit der Wette zwischen Herrn und Mephisto.
2 Die Handlung im „Prolog im Himmel“: Das Kapitel skizziert den Prolog als Teil des dreifachen Präludiums und beschreibt die erste Begegnung und den Dialog der göttlichen und teuflischen Instanz.
3 Der „Prolog im Himmel“ als Rahmenhandlung des Dramas: Hier wird der Prolog als inhaltliches Fundament und „himmlische Rahmenhandlung“ für den gesamten Faust-Komplex dargestellt.
4 Eine Wette als Resultat der Auseinandersetzung zwischen dem Herrn und Mephisto im „Prolog im Himmel“: Das Kernkapitel untersucht durch einen Vergleich mit dem Buch Hiob und die Analyse der Machtverhältnisse die Natur des Dialogs.
4.1 Vergleich des Prologs mit dem Buch Hiob: Dieses Unterkapitel identifiziert biblische Parallelen, stellt jedoch fest, dass auch dort keine explizite Wette formuliert wird.
4.2 Der Herr und Mephisto als ebenbürtige Kontrahenten: Hier wird argumentiert, dass Mephisto dem Herrn untergeordnet ist, wodurch eine echte „Wette“ auf Augenhöhe theoretisch unmöglich erscheint.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Wette zwar in der Perspektive Mephistos existiert, der Herr sich aber formal nicht darauf einlässt, was die Spannung des Werkes maßgeblich erhöht.
Schlüsselwörter
Goethe, Faust, Prolog im Himmel, Mephistopheles, Wette, Buch Hiob, Gut und Böse, Menschenbild, Rahmenhandlung, dramatisches Streben, literarische Analyse, himmlische Instanz, Teufel, Erlösung, Weltbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den „Prolog im Himmel“ aus Goethes Faust, insbesondere die Auseinandersetzung zwischen dem Herrn und Mephisto hinsichtlich einer vermeintlichen Wette.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Gut und Böse, die Interpretation der „himmlischen Rahmenhandlung“ und die literaturwissenschaftliche Untersuchung der Wette als Motiv.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob zwischen dem Herrn und Mephisto tatsächlich eine Wette abgeschlossen wird oder ob eine solche aufgrund der Machtasymmetrie ausgeschlossen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Primärtexten (Faust-Verse), vergleicht diese mit biblischen Vorbildern (Buch Hiob) und bezieht ausgewählte Sekundärliteratur zur Interpretation ein.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Prolog in den Kontext der Rahmenhandlung gestellt, Parallelen zum Buch Hiob gezogen und das Machtverhältnis der beiden Kontrahenten kritisch beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Faust, Prolog im Himmel, Wette, Mephistopheles, Gott, Buch Hiob, Streben und dramatische Einheit.
Warum wird das Buch Hiob als Vergleich herangezogen?
Das Buch Hiob wird als poetische Vorlage herangezogen, da es in seiner Grundstruktur (das Erscheinen des Vertreters der Hölle vor Gott und die Prüfung eines Menschen) frappierende Ähnlichkeiten zum Faust-Prolog aufweist.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur „Wette“?
Der Autor schließt, dass keine formale Wette auf Augenhöhe vorliegt, da Mephisto dem Herrn untergeordnet ist; dennoch wirkt das „Wett-Spannungsfeld“ für den Leser als essentielles Element des Dramas.
- Arbeit zitieren
- M.Ed. Georg Rabe (Autor:in), 2006, Der Prolog im Himmel in Goethes Faust, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162016