Feldstudie - Quantitative Beobachtung


Hausarbeit, 2009
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung: Alltagsbeobachtungen und Beobachtungen in der Wissenschaft

2. Die Beobachtung in der quantitativen Forschung
2.1 Die Beobachtung im quantitativen Forschungsprozess
2.2 Die quantitative Beobachtung
2.2.1 Bestandteile der Beobachtung
2.2.2 Beobachtungsschema und Beobachtungskategorien
2.2.3 Beispiel eines Kategorienschemas: Verbal Interaction Category System (VICS)

3. Dimensionen der wissenschaftlichen Beobachtung

4. Vor- und Nachteile der quantitativen Beobachtung

5. Eigene Beobachtung und Reflektion

6. Literatur

7. Anhang: Protokoll der Unterrichtssequenz aus dem Film „Der Pauker“

1. Einleitung: Alltagsbeobachtungen und Beobachtungen in der Wissenschaft

Beobachten ist ein alltägliches Phänomen. Im Alltagsverständnis versteht man darunter eine Tätigkeit, während der eine Person etwas, jemanden oder ein Verhalten genau betrachtet und wahrnimmt. Es wird ständig und überall beobachtet: die neugierige Nachbarin, welche die Familie gegenüber beobachtet, der Ladendetektiv, der einen auffälligen Einkäufer verfolgt, die Jugendlichen, die zusehen, wie eine Frau in grünen Strumpfhosen den Gehweg entlang läuft. Neben diesen Alltagsbeobachtungen, die meist beilläufig gemacht werden, gibt es die wissenschaftliche Beobachtung. Diese unterscheidet sich von der alltäglichen Beobachtung durch ihre systematische, zielgerichtete, intersubjektiv nachprüfbare und methodische Vorgehensweise.

Die Beobachtung gilt neben der Befragung und der Inhaltsanalyse sowohl in der quantitativen als auch in der qualitativen Forschung als eine der drei wichtigsten Erhebungsmethoden in den Sozialwissenschaften.1 Beobachten bedeutet in diesem Zusammenhang das „direkte, unmittelbare Registrieren der für einen Forschungsprozess relevanten Sachverhalte“2.

Beobachtet werden können zum Beispiel sprachliche Äußerungen, nonverbales Verhalten wie Gestik und Mimik, Verhaltensweisen und soziale Merkmale. Ziel der Beobachtung ist die Beschreibung und Reproduktion der sozialen Wirklichkeit anhand einer leitenden Forschungsfrage. Mithilfe der Beobachtung wird versucht, die Realität durch systematische Wahrnehmungsprozesse zu erfassen.3

Diese Ausarbeitung befasst sich mit der Erhebung von visuellen Daten durch wissenschaftliche Beobachtungen in der quantitativen Forschung. Nach einer kurzen Erläuterung der Grundzüge quantitativer Methoden, wird die Beobachtung in den Forschungsprozess eingeordnet und allgemeine Merkmale und Bestandteile der quantitativen Beobachtung aufgewiesen. Anhand des Verbal Interaction Category Systems wird die Bedeutung der Kategorienbildung erarbeitet. Es folgt eine kurze Erläuterung der verschiedenen Dimensionen und eine Abwägung der Vor- und Nachteile der Beobachtung. Abschließend stelle ich meine Beobachtung der Unterrichtssequenz aus dem Film „Der Pauker“ (1958) dar und reflektiere die gewonnen Daten und Eindrücke.

2. Die Beobachtung in der quantitativen Forschung

In diesem Kapitel der Ausarbeitung werden die Grundzüge der quantitativen Forschung erläutert. Anschließend wird die Beobachtung in den quantitativen Forschungsprozess eingeordnet.

Die quantitative Forschung unterscheidet sich von qualitativen Ansätzen in ihrer „wissenschaftlichen Grundposition, den Status von Hypothesen und Theorien sowie dem Methodenverständnis“4. Quantitative Forschung sieht die soziale Realität als objektiv gegeben an, die mit Hilfe kontrollierter Methoden erfassbar ist. Sie geht von bestehenden kausalen Beziehungen (Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen) aus, die sie zu erklären versucht. Dabei steht die Theorie am Anfang des Forschungsprozesses. Diese soll während der Untersuchung überprüft werden. Von ihr leiten sich daher Hypothesen, Kategorienbildung, Operationalisierung und die Durchführung der Forschung ab. Der untersuchende Forscher überlegt im Vorfeld, was er erforschen möchte und entwickelt daraufhin ein festgelegtes Konzept der Datenerhebung und Datenauswertung.5

Quantitativ orientierte Beobachtungsstudien zeichnen sich „durch eine hochstrukturierte, theoriegeleitete und kontrollierte Wahrnehmung, Aufzeichnung und Auswertung [aus], wobei die Datensammlung und –auswertung meist zeitlich und personell auseinander fallen“6. Bei der quantitativen Beobachtung zeigt sich dies durch vom Forscher vorab festgelegte Beobachtungsbedingungen und -schemata, nach denen die Beobachter vorgehen sollen. Ein weiteres Kriterium der quantitativen Forschung ist die Anforderung, dass die erhobenen Informationen den Charakter von „Daten“ und „Messwerten“7 haben sollen, die anschließend in der Phase der Datenanalyse statistisch ausgewertet werden können.

2.1 Die Beobachtung im quantitativen Forschungsprozess

Der quantitative Forschungsprozess ist linear ausgerichtet. Der Problembenennung folgen die Theoriebildung, die Untersuchungsplanung und die Operationalisierung. Anschließend werden die Daten erhoben, aufgearbeitet und ausgewertet und die Ergebnisse auf die Theorie zurückgeführt.

Die Beobachtung gehört zur Phase der Datenerhebung. Als ein systematisches Verfahren zur Erhebung visueller Daten gilt sie zusammen mit Interview und Inhaltsanalyse als eine der am weitest verbreiteten Erhebungsmethoden. Die Beobachtung dient dazu „Ausschnitte der Realität, die in einer Untersuchung interessieren, möglichst genau zu beschreiben oder abzubilden“8.

Um sie gegen Alltagsbeobachtungen abzugrenzen muss sie verschiedene Kriterien erfüllen: Die Beobachtung wird dann zu einem wissenschaftlichen Verfahren, „als sie a) einem bestimmten Forschungszweck dient, b) systematisiert geplant und nicht dem Zufall überlassen wird, c) systematisch aufgezeichnet und auf allgemeinere Urteile bezogen wird, nicht aber eine Sammlung von Merkwürdigkeiten darstellt und d) wiederholten Prüfungen und Kontrollen hinsichtlich der Gültigkeit, Zuverlässigkeit und Genauigkeit unterworfen wird“9. Eine wissenschaftliche Beobachtung muss um als wissenschaftlich zu gelten, dieselben Kriterien erfüllen, welche Wissenschaft von Alltagswissen unterscheidet: sie orientiert sich an der Wahrheit, ist zielgerichtet, geht methodisch und systematisch vor und zeichnet sich durch eine intersubjektive Überprüfbarkeit aus.

2.2 Die quantitative Beobachtung

Die quantitative Beobachtung unterscheidet sich neben ihrer theorieprüfenden Zielsetzung von der qualitativen Beobachtung im Grad ihrer Strukturiertheit. Während die quantitative Beobachtung voll standardisiert ist, verfolgt die qualitative Beobachtung halb-standardisiert bis unstrukturierten Methoden.

Die Strukturiertheit bezieht sich auf die Planung, Durchführung und Aufzeichnung der Beobachtung. Das Untersuchungsfeld, die Beobachtungseinheiten, die Stichprobe, die Untersuchungsaspekte und Indikatoren, die Untersuchungskategorien, das Beobachterverhalten und die Art der Protokollierung werden vorab vom Forscher exakt festgelegt: „Der strukturierten Beobachtung liegt ein vorab erstelltes Beobachtungsschema zugrunde, das angibt, was und wie zu beobachten ist. Es definiert die Zahl und Art der Beobachtungseinheiten, deren besondere Dimensionen und gibt Beispiele für die Sprache, in der beobachtet werden soll“10.

[...]


1 Vgl. Häder, M. (2006), S. 297.

2 Ebd., S. 297.

3 Vgl. Atteslander, P. (2008), S.67.

4 Atteslander, P. (2008), S.70.

5 Vgl. ebd., S.67.

6 Ebd., S.70.

7 Kromrey, H. (2009): S.30.

8 Bortz, J./Döring, N. (2006), S.138.

9 Jahoda, M. (1968), S.77.

10 Atteslander, P. (2008), S.80.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Feldstudie - Quantitative Beobachtung
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Qualitative Forschung
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V162196
ISBN (eBook)
9783640767809
ISBN (Buch)
9783640768103
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feldstudie, Quantitative, Beobachtung
Arbeit zitieren
Lisa Sipos (Autor), 2009, Feldstudie - Quantitative Beobachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162196

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