Prosoziales Verhalten und Altruismus


Referat (Ausarbeitung), 2008
11 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Prosoziales Verhalten
2.1 Definition prosozialen Verhaltens
2.2 Prosoziales Verhalten in der frühen Kindheit
2.3 Prosoziales Verhalten im Kindergarten- und Vorschulalter
2.4 Prosoziales Verhalten im Schulalter
2.5 Förderung prosozialen Verhaltens

3. Der Altruismus
3.1 Definition
3.2 Alltägliche Hilfeleistungen
3.3 Hilfeleistungen in akuten Notsituationen
3.4 Kulturelle Unterschiede

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Thema dieser Arbeit ist zum einen die Entwicklung prosozialen Verhaltens im Lebenslauf und zum anderen der Altruismus. Dies ist ein Teilgebiet der sozial-emotionalen Entwicklung in der Entwicklungspsychologie.

Im ersten Teil wird es um die Entwicklung des prosozialen Verhaltens vom Säuglingsalter bis zum Erwachsenenalter gehen. Säuglinge imitieren noch die Gefühle anderer Menschen dh sie weinen wenn sie eine andere Person weinen hören, ohne einen Grund dazu zu haben. Wenn sie ca. zwei Jahre alt sind, haben sie bereits gelernt die Gefühle anderer Menschen nachzufühlen, ohne sie zu imitieren. Ab diesem Alter können auch erste Hilfeleistungen der zweijährigen Kinder beobachtet werden. Diese werden durch den Erwerb der Sprache differenzierter und auch die Lebensgeschichte der Hilfebedürftigen Person wird in die Hilfeleistung miteinbezogen. Im Schul- und Jugendalter wird den situativen Bedingungen vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt dh inwieweit die hilfsbedürftige Person zu ihrer Notsituation beigetragen hat. Außerdem können Hinweisreize auf Notsituationen mit fortschreitendem Alter besser erkannt und entschlüsselt werden, was zum Teil auch auf die besseren kognitiven Fähigkeiten zurückzuführen ist. Im Zuge dessen nimmt auch die Komplexität der prosozialen Handlungen zu. Jedoch kann prosoziales Verhalten auch gezielt gefördert werden z.B. durch einen verständnisvollen und unterstützenden Erziehungsstil, aber auch durch die Vermittlung von moralischen Grundsätzen und Werten und durch pädagogische Intervention.

Der zweite Teil der Arbeit wird sich mit dem Thema Altruismus beschäftigen, der als die stärkste Ausprägung prosozialen Verhalten gilt.

Doch was genau bedeutet eigentlich Altruismus? Stellen Sie sich vor, Sie laufen als Tourist über eine Brücke in einer fremden Stadt und sehen, dass unten im Wasser ein Kind zu ertrinken droht. Kurzer Hand entschließen Sie sich in das Wasser zu springen und das Kind zu retten, auch wenn Sie sich dadurch selbst in Gefahr bringen. Dies machen Sie freiwillig und ohne das Kind zu kennen, oder irgendeinen Nutzen daraus zu ziehen, dh beispielsweise dafür bezahlt zu werden. Genau dieses Verhalten nennt man altruistisch. Doch wie oft tritt dieses Verhalten beim Menschen auf? Und was beeinflusst das prosoziale Verhalten? Diese und weitere Fragen werden im zweiten Teil der Arbeit beantwortet.

2. Prosoziales Verhalten

2.1 Definition prosozialen Verhaltens

Unter prosozialem Verhalten, versteht man hilfreiches Verhalten anderen Menschen gegenüber. Dabei gibt es verschiedene Ausprägungen. Eine Form prosozialen Verhaltens ist der Altruismus. Es gehört aber auch das Teilen, das Spenden, die mitmenschliche Anteilnahme und das eintreten für soziale Gerechtigkeit (Schmidt-Denter, 2005) dazu.

2.2 Prosoziales Verhalten in der frühen Kindheit

Ob Kinder in der frühen Kindheit schon prosoziales Verhalten zeigen, wird in der Forschung daran festgemacht, ob sie sensitiv für Emotionen anderer Menschen sind und ob sie erste prosoziale Reaktionen zeigen (Radke-Yarrow et at., 1983 zit. nach Schmidt-Denter, 2005). Hierzu gibt es Untersuchungen über reaktives weinen von Neugeborenen (Simner, 1971, zit. nach Schmidt-Denter, 2005) die zeigen, dass ein zwei Tage altes Neugeborenes auf das Weinen anderer Kinder mit intensiverem schreien reagiert, als wenn es andere Geräusche hört. Säuglinge die ca. 10 Monaten alt sind, reagieren auf Weinen anderer Kinder dann mit weinen, wenn sie sich selbst unwohl fühlen. Wenn sie jedoch in guter Stimmung sind, reagieren sie eher mit rufen oder brabbeln (Bridges, 1932, zit. nach Schmidt-Denter, 2005). Eine Laboruntersuchung von Hay et al. (1981 nach Schmidt-Denter 2005) konnte jedoch kaum reaktives weinen von 6 Monate alten Säuglingen zeigen.

Das Ergebnis dieser Studien ist, dass Kleinkinder schon sehr früh sensitiv für die Emotionen anderer Menschen sind (Schmidt-Denter, 2005). Doch können sie auch schon Emotionen unterscheiden?

Lewin (1942, zit. nach Schmidt-Denter, 2005) fand heraus, dass 3 Monate alte Säuglinge unterschiedlich auf freundliche und unfreundliche Erwachsene reagierten. Auch Bühler und Hetzer (1928 nach Schmidt.Denter, 2005) kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Sie konnten zeigen, dass sechs bis sieben Monate alte Säuglinge lächelnde Gesichter von zornigen unterscheiden konnten.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Säuglinge schon Emotionen erkennen und unterscheiden können, was die Grundvoraussetzung für prosoziales Verhalten ist. Allerdings muss man hier noch von Gefühlsansteckung sprechen, was bedeutet, dass die Kleinkinder die Emotionen anderer wahrnehmen und sie dann zu ihren eigenen werden, ohne zu merken, dass die Emotion eigentlich zu einer anderen Person gehört. Man könnte also von einer Art Imitation von Gefühlen sprechen, die dazu führt, dass imitierte Emotion auch gefühlt und „ausgelebt“ wird. Erst ab dem 16. bis 24. Lebensmonat spricht man von Empathie das heißt das Kind erkennt die Emotion einer anderen Person und kann sich auch in diese hineinverstzen, jedoch wird die Emotion nicht unbemerkt übernommen bzw. imitiert (Schmidt-Denter, 2005).

Um herauszufinden ob Kleinkinder wirklich prosoziales Verhalten zeigen, führten Zahn-Waxler und Radke-Yarrow 1982 (zit. nach Schmidt-Denter, 2005) folgende Untersuchung durch. Sie beobachteten 10, 15 und 20 Monate alte Kinder über einen Zeitraum von neun Monaten. Es stellte sich heraus, dass ein drittel der 10 bis 12 Monate alten Kinder gar nicht auf ein emotionales Notsignal reagierten. In den folgenden sechs bis acht Monaten änderte sich ihr Verhalten jedoch dahingehend, dass erste prosoziale Reaktionen gezeigt wurden und sie aufmerksam und betroffen schienen. Im alter von 18 bis 24 Monaten reagierten die Kinder immer öfter und differenzierter auf die Erwachsenen.

Rheingold führte 1979 (zit. nach Schmidt-Denter, 2005) ein Laborexperiment durch in dem er eine Haushaltsszene nachstellte, in der unter Anderem ein Tisch gedeckt werden sollte. Die zwei Jahre alten Kinder sollten unaufgefordert bei den Haushaltsarbeiten helfen. Alle Mütter erhielten von Ihren Kindern Unterstützung dabei und 18 von 20 Kindern halfen sogar einer fremden Frau. Die Art des Hilfeverhaltens war sowohl imitierend, als auch eigenständig, dh andersartig als die Aktivität des Erwachsenen.

Eine weitere Langzeitstudie von Radke-Yarrow und Zahn-Waxler von 1984 (zit. nach Schmidt-Denter, 2005) untersuchte wie Kinder lernen Gefühle anderer zu verstehen und ihnen zu helfen. Das Ergebnis war, dass einige Kinder eher über das Imitieren beispielsweise eines Gesichtsausdrucks Zugang zu den Gefühlen anderer fanden, während andere Kinder den Gesichtsausdruck konzentriert beobachteten und ihn dann selber ausprobierten. Dies scheint jedoch nur zu funktionieren, wenn der Ausdruck nicht von emotionaler Erregung begleitet wurde. Ein zwölf Monate altes Kind beispielsweise fing an zu weinen und wollte von seiner Mutter getröstet werden, wenn es ein anderes Kind weinen sah. Als sich geraume Zeit später die Mutter verletzte fing es ebenfalls an zu weinen und wollte getröstet werden, versuchte aber auch gleichzeitig die Mutter durch streicheln zu trösten. Mit ca. 17 Monaten war das Kind in der Lage einem weinenden Kind Trost zu spenden,ohne selber anzufangen zu weinen. Es hatte also gelernt den emotionalen Zustand eines anderen Menschen zu erkennen und sich dementsprechend empathisch zu Verhalten, ohne das Gefühl selber zu „durchleben“ (Gefühlsansteckung).

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Kinder bis ca. 18 bis 24 Monate Emotionen zwar erkennen und diese auch richtig deuten können, die Reaktion die sie zeigen, entspricht jedoch der, die sie auch gerne bekämen, wenn sie sich in der selben Lage befänden. Ab ca. 18 bis 24 Monaten, können Kinder dann besser auf die Bedürfnisse andere eingehen, da sie die eigene Perspektive von der der anderen Person besser unterscheiden können. Sie können somit angemessener und differenzierter mit Situationen umgehen, welche eine prosoziale Handlung erfordern.

2.3 Prosoziales Verhalten im Kindergarten- und Vorschulalter

Im Vorschulalter wird das prosoziale Verhalten weiter differenziert und die Lebensgeschichte und die Identität der zu Helfenden Person wird miteinbezogen. Dies hängt sicher auch damit zusammen, dass die Kinder der Sprache mächtig werden und dadurch vielfältigere Möglichkeiten haben Informationen über den Gefühlszustand einer anderen Person herauszufinden. Eine Beobachtungsstudie von Sawin (1980, zit. nach Schmidt-Denter, 2005) zeigte, das Kinder eines Kinderheimes, die zwischen drei und sieben Jahren waren, zu ca. 50 Prozent mit einem betroffenen Gesichtsausdruck auf das Weinen eines anderen Kindes reagierten, 17 Prozent versuchten das weinende Kind zu trösten, Zehn Prozent riefen einen Erwachsenen hinzu, sieben Prozent reagierten garnicht und fünf Prozent bedrohten das Kind, welches für das weinen des Kindes verantwortlich war. Zwölf Prozent der Kinder zogen sich zurück und zwei Prozent reagierten unfreundlich.

Um herauszufinden was die Beweggründe kleiner Kinder sind, prosoziales Verhalten bzw. Hilfeverhalten zu zeigen, beobachteten Eisenber-Berg und Neal 1979 (zit. nach Schmidt-Denter, 2005) über zwölf Wochen lang das spontane „Teilen, Helfen und Trösten in einem Kindergarten“ (Schmidt-Denter, 2005, S. 94). So wurden die Kinder beispielsweise nach einem gezeigten prosozialen Verhalten gefragt: „Warum hast du das gemacht?“ (zit. nach Schmidt-Denter, 2005). Die Kinder erklärten dann ihr Verhalten dadurch, dass es ein Bedürfnis des anderen Kindes war, sie es von sich aus tun wollten, oder nannten eine Freundschaft als Grund, oder aber auch dadurch entstehende gegenseitige Vorteile.

2.4 Prosoziales Verhalten im Schulalter

Wie man es vielleicht von anderen psychischen oder kognitiven Entwicklungen kennt, verhält sich das prosoziale Verhalten nicht so, dass es mit dem Alter zunimmt, wie dies beispielsweise bei den kognitiven Fähigkeiten bis zu einem bestimmten Alter ist. Beim prosozialen Verhalten spielen noch viele andere Faktoren mit hinein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Prosoziales Verhalten und Altruismus
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Sozial-emotionale Entwicklung
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
11
Katalognummer
V162536
ISBN (eBook)
9783640779284
ISBN (Buch)
9783640779208
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prosoziales Verhalten, Altruismus, Entwicklung, Hilfeverhalten
Arbeit zitieren
Julian Böck (Autor), 2008, Prosoziales Verhalten und Altruismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162536

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