Nachhaltige Entwicklung, Corporate Social Responsibility und der Fall BP


Bachelorarbeit, 2010
54 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nachhaltige Entwicklung
2.1. Ursprung und Geschichte
2.1.1. Die Umweltkonferenz der Vereinten Nationen
2.1.2. Der Brundtland-Bericht
2.1.3. Der Rio-Folgeprozess
2.2. Definition von nachhaltiger Entwicklung
2.3. Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit
2.3.1. Ökonomische Nachhaltigkeit
2.3.2. Ökologische Nachhaltigkeit
2.3.3. Soziale Nachhaltigkeit
2.4. Starke und schwache Nachhaltigkeit
2.5. Indikatoren und Zielwerte für Nachhaltige Entwicklung in großen Unternehmen
2.6. Nachhaltigkeit als Basis für CSR

3. Corporate Social Responsibility
3.1. Historische Ursprünge
3.2. Definition von Corporate Social Responsibility
3.2.1. Corporate Citizenship
3.3. Die Beziehung von CSR und CC zu nachhaltiger Entwicklung
3.4. Das Stakeholder-Modell
3.5. Standards und Richtlinien
3.5.1. OECD -Richtlinien für multinationale Unternehmen
3.5.2. UN-Global Compact
3.5.3. Global Reporting Initiative
3.5.4. ISO-Standards

4. BP plc – Beyond Petroleum?
4.1. Geschichte des Unternehmens
4.2. Unternehmenswerte und Strategie
4.3. Nachhaltigkeitsberichterstattung bei BP
4.3.1. Sicherheit
4.3.2. Umwelt
4.3.3. Mitarbeiter
4.4. Besondere Umstände am Golf von Mexiko
4.5. Corporate Social Responsibility bei BP
4.5.1. Förderung der Gleichberechtigung: „India: Educate a girl, educate a family”
4.5.2. Finanzielle Unterstützung: “Supporting communities with micro-credits”
4.5.3. Bildung
4.5.4. Umwelt: “Reusing waste in Brazil“
4.5.5. Menschenrechte

5. Genaue Betrachtung der subjektiven Auskünfte von BP
5.1. Einfluss der Stakeholder

6. Bewertung

7. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Sicherheitsindikatoren bei BP

Tabelle 2: Umweltindikatoren bei BP

Tabelle 3: Soziale Nachhaltigkeit bei BP

Tabelle 4: Kernindikatoren für Unternehmen gem. GRI-Version 3.0

Tabelle 5: OECD-Leitsätze

Tabelle 6: Die 10 Prinzipien des Global Compact

Tabelle 7: Nachhaltigkeitsberichterstattung bei BP

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit

Abbildung 2: Das Verhältnis von CSR, CC und nachhaltiger Unternehmensführung zu nachhaltiger Entwicklung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In den letzten Jahren wurde der Ruf nach Nachhaltigkeit und sozi- alem Engagement großer Konzerne immer lauter. Vor allem seit der Klimawandel eine Umstrukturierung der Produktionen fordert und die Kluft zwischen arm und reich auf der Welt immer größer wird, fordern Regierungen und Gesellschaften ein Umdenken der Unternehmen. Oft gerät dieses Engagement in Verruf lediglich zu einem guten Image und somit zu höheren Absatzzahlen verhelfen zu sollen. Vergessen wird hier aber, dass dieses Engagement auf lange Sicht zu Vorteilen für alle Gesellschaften der Erde und die Umwelt führen kann, wenn es richtig umgesetzt wird.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der nachhaltigen Entwicklung als Basis für das Prinzip Corporate Social Responsibility (CSR), das anhand des Ölkonzerns BP verdeutlicht werden soll. Ziel ist es die Maßnahmen des Konzerns zu bewerten und eventuelle Verbesserungsvorschläge zu machen.

Aufgrund des aktuellen Bezugs ist der Ölkonzern BP ausgewählt worden. Er wird in einem eigenen Abschnitt ausführlich vorgestellt um anschließend die Nachhaltigkeitsbemühungen und die CSR- Aktivitäten zu behandeln, welche im weiteren Verlauf auf Basis der vorgestellten Konzepte der Nachhaltigkeit und der CSR bewertet werden.

Die Arbeit behandelt zunächst die Geschichte der nachhaltigen Entwicklung, versucht dann das Prinzip dieser zu definieren und die verschiedenen Dimensionen genau zu beleuchten um später am Beispiel des BP-Konzerns Bezug darauf nehmen zu können. Des Weiteren werden Indikatoren für einen nachhaltigen Unter- nehmenserfolg vorgestellt, die im weiteren Verlauf dazu dienen, den Nachhaltigkeitserfolg von BP zu bewerten. Außerdem wird die Geschichte des Prinzips CSR beleuchtet und definiert. Auch hier sollen Indikatoren und Richtlinien vorgestellt werden, die ein Be- werten sozialen Engagements von BP ermöglichen. Ferner wird der Einfluss Externer auf Unternehmen erklärt und ein Bezug zur nachhaltigen Entwicklung hergestellt.

Die Vielzahl an Quellen macht es schwer eine geeignete Auswahl zu treffen. Die Quellenlage zum Thema BP ist hingegen eher ein- seitig und subjektiv. Daher sind einige Ausführungen zum Thema CSR bei BP kritisch zu betrachten.

2. Nachhaltige Entwicklung

Seit den 1990-er Jahren ist das Thema nachhaltige Entwicklung von hoher Brisanz. Das folgende Kapitel beleuchtet die Entste- hung des Konzeptes und versucht einen Überblick über die Di- mensionen der Nachhaltigkeit zu vermitteln. Außerdem wird ein Bezug zu CSR hergestellt.

2.1. Ursprung und Geschichte

Der Oberhauptmann Hannß Carl von Carlowitz prägte den Begriff ‚Nachhaltigkeit„ im Jahre 1713. In seiner Schrift ‚Sylvicultura Oeconomica„, forderte er, aufgrund massiver Rodung des Forstes und des beschränkten Holzbestandes, eine nachhaltige Nutzung der Wälder. Es sollte nur so viel Holz gefällt werden, wie auch nachwächst. Er erkannte, dass dies die einzige Möglichkeit war, den Holzbestand dauerhaft zu sichern. 1798 stellte Thomas Ro- bert Malthus Überlegungen an, die sich mit dem Verhältnis von Bevölkerungszahl und den natürlichen Ressourcen beschäftigte, welche für die damalige Ernährungsweise vonnöten waren. Auf- grund des starken Anstiegs der Population während der Industriel- len Revolution, sagte er eine Ressourcenknappheit voraus. Heute gelten diese Einsichten als erste wegweisende Auseinanderset- zung mit der Nachhaltigkeitsproblematik (Grunwald & Kopfmüller, 2006, S. 14-16). Erst Mitte des 20. Jahrhundert gewann die Nach- haltigkeitsdiskussion wieder an Bedeutung. Edward Mishan mach- te in den 1960-er Jahren auf die umweltrelevanten Fragestellun- gen aufmerksam, gefolgt von Dennis und Donella Meadows, die 1972 den Bericht ‚The Limits to Growth„ veröffentlichten. In diesem prognostizierten sie, dass die ansteigende Population, einherge- hend mit steigender Nachfrage nach nichtregenerativen Rohstof- fen, bis Mitte des 21. Jahrhunderts zu erheblichem ökonomischen Schaden führen werde (von Hauff & Kleine, 2009, S. 4).

2.1.1. Die Umweltkonferenz der Vereinten Nationen

Im Jahr 1972 fand in Stockholm die erste Umweltkonferenz der UN statt, welche ein umfassendes Umweltprogramm (UNEP) zur Folge hatte. Die Welt wurde zunehmend für Umweltprobleme sen- sibilisiert und man erkannte, dass es Schwierigkeiten beim Lösen dieser Probleme gäbe, sodass 1980 die IUCN und Organisationen wie UNEP die ‚World Conservation Strategy„ veröffentlichten. Die- se Schrift besagte laut Grunwald und Kopfmüller (2008), „dass eine dauerhafte ökonomische Entwicklung ohne die Erhaltung der Funktionsfähigkeit der Ökosysteme (…) nicht realisierbar sei.“(S.18). Das Thema ‚Nachhaltige Entwicklung„ tauchte hier zum ersten Mal in einem großen, öffentlichen Kontext auf (Grunwald & Kopfmüller, 2006, S. 17-18).

2.1.2. Der Brundtland-Bericht

Im Jahr 1983 wurde durch die 1980 von der UN gebildeten WCED die Brundtland- Kommission berufen, die den sogenannten Brundtland Bericht zur Folge hatte; benannt nach dem Kommissi- onsvorsitzenden Go Harlem Brundtland. Der Titel der Veröffentli- chung lautete ‚Our Common Future„ und lieferte eine genaue Defi- nition für nachhaltige Entwicklung (vgl. 2.2. Definition von nachhal- tiger Entwicklung). Diese Definition diente in den folgenden Jahren als Grundlage für viele Veröffentlichungen zum Thema nachhalti- ge Entwicklung. Auf internationaler Ebene erntete der Bericht viel Beifall, der damit zu begründen war, dass der Bericht wirtschaftli- ches Wachstum als Mittel zur Umsetzung von Nachhaltigkeit posi- tiv beleuchtete. Dies machte es möglich Strategien vorzuschlagen, welche breite Zustimmung fanden. Laut von Hauff und Kleine (2009) war „Das Ziel (…) eine dauerhafte Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse unter Berücksichtigung der Tragekapazität der natürlichen Umwelt.“ (S.6) (von Hauff & Kleine, 2009, S. 6-7).

2.1.3. Der Rio-Folgeprozess

Ein weiteres Ziel des Brundtland Berichts war es den Dialog aller Staaten, in Form einer Weltkonferenz, zu fördern. Dies wurde 1992, in Form der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) in die Tat umgesetzt und fand in Rio de Jainero statt. Die 178 teilnehmenden Staaten einigten sich auf ‚sustainable de- velopment„ (deutsch: Nachhaltige Entwicklung) als gemeinsames Ziel. Die ebenfalls beschlossene ‚Agenda 21„ sollte als hand- lungsweisend wirken und helfen die Ziele von Industrie- und Ent- wicklungsländern zu vereinigen. Unter anderem forderte die ‚Agenda 21„ eine Liste von Indikatoren, um nachhaltige Entwick- lung messbar zu machen, deren Überwachung zu erleichtern und Handlungsfelder festzustellen. Da es sich bei allen gemachten Vorgaben aber lediglich um Richtlinien und nicht um Verpflichtun- gen handelte, zog die Zusammenkunft in Rio weitere Konferenzen nach sich. Zum Thema nachhaltige Entwicklung fand 2002 die Johannesburg-Konferenz statt, die eine Umsetzungsstrategie für Umweltschutz und Armutsbekämpfung festlegte. Die EU erklärte bereits 1992 die Resolutionen von Rio in die Tat umsetzten zu wollen und nahm das Ziel der nachhaltigen Entwicklung als Staatszielbestimmung 1998 in den Vertrag von Amsterdam auf (Rogall, 2002, S. 38-40).

2.2. Definition von nachhaltiger Entwicklung

Die meist zitierte Definition für nachhaltige Entwicklung, die als Basis für spätere Definitionen dient, ist die des Brundtland- Berichtes, und soll daher auch hier zur Geltung kommen:

„Sustainable Development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of fu- ture generations to meet their own needs” (WCED, 1987, S. 43).

Diese Definition legt also fest, dass die Bedürfnisse der heutigen Generation in keinem Fall die, der künftigen Generationen gefähr- den dürfen und daher zukunftsorientiert gewirtschaftet werden muss.

Rogall (2002) geht in seiner Definition einen Schritt weiter und de- finiert nachhaltige Entwicklung wie folgendermaßen:

„Eine Nachhaltige Entwicklung strebt neben der internatio- nalen Gerechtigkeit für heutige und künftige Generationen hohe ökologische, ökonomische und sozial-kulturelle Stan- dards im Rahmen der Tragfähigkeit des Umweltraumes an“ (S. 43).

Diese Definition bezieht die ökologische, ökonomische und soziale Komponente mit ein. Im folgenden Kapitel sollen diese Dimensio- nen erläutert werden. Des Weiteren ist hier von einer ‚internationa- len Gerechtigkeit„ die Rede. Es gilt also nicht nur innerhalb einer Gesellschaft gleiche Bedingungen herzustellen, sondern auch weltweit die Entwicklungsländer zu fördern, sodass sie mit den Industrieländern gleichstehen, um dadurch die Kluft zwischen Nord-und Süd zu schließen (vgl. 2.3.3. Soziale Nachhaltigkeit).

2.3. Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit

Um Nachhaltigkeit genauer zu beschreiben, hat sich das so ge- nannte Drei-Säulen-Modell durchgesetzt. Im Gegensatz zu Ein- Säulen-Modellen und anderen Konzepten ist hier nicht nur der ökologische Aspekt allein interessant, sondern auch die ökonomi- schen und sozialen Standpunkte in Bezug auf Nachhaltigkeit. Man geht davon aus, dass das Gesamtziel ‚Nachhaltige Entwicklung„

nur dann erreicht werden kann, wenn die wirtschaftliche, ökologi- sche und soziale Nachhaltigkeit in gleichem Maße zuwege ge- bracht werden. Diese drei Dimensionen können ohne einander nicht existieren (von Hauff & Kleine, 2009, S. 9). In der Literatur ist sowohl von einem Säulenmodell, als auch von einem Schnittmen- gen-Modell und von Nachhaltigkeitsdreiecken die Rede. Das Schnittmengen-Modell scheint allerdings die beste Lösung zu sein, nachhaltige Entwicklung zu beschreiben. Es geht davon aus, dass die Dimensionen nur gemeinsam Nachhaltigkeit schaf- fen können und sich gegenseitig ergänzen. So gibt es zum Bei- spiel Aspekte der Ökologie, die eng mit der Ökonomie verknüpft sind und nur gemeinsam Nachhaltigkeit erreichen können (vgl. 2.3.2. Ökologische Nachhaltigkeit). Die nachstehende Abbildung veranschaulicht die drei Dimensionen als Schnittmengenmodell: Abbildung 1: Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit

Abbildung 1: Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Blank, 1999, Folie 2

Im Folgenden werden die drei Dimensionen erläutert, wobei der Fokus, mit Blick auf das Ziel der Arbeit, auf der ökonomischen Di- mension liegt.

2.3.1. Ökonomische Nachhaltigkeit

Grunwald und Kopfmüller (2006) definieren die ökonomische Di- mension so: „Das ökonomische System setzt sich aus den Akteursgruppen private Haushalte, Unternehmen und Staat zusammen. Handlungszweck und Funktion dieses Systems bzw. des Wirtschaftsprozesses bestehen in der Produktion von Gütern und Dienstleistungen“ (S. 47).

Die Produktivität und Zufriedenheit dieses Systems, also der Ge- sellschaft, wird dementsprechend am Umfang der Produktion von Gütern und Dienstleistungen gemessen. Die Erkenntnis, dass die natürlichen Ressourcen, die benötigt werden um Konsumgüter herzustellen begrenzt sind, führt zu zwei zentralen Fragen, die nach wie vor kontrovers diskutiert werden:

1. Wie können die Ressourcen so genutzt werden, dass auch zukünftige Generationen nicht auf sie verzichten müssen?
2. Wie können Richtlinien für die Wirtschaft erstellt und umge- setzt werden, sodass die Produktivität des Systems erhalten bleibt?

Ziel einer jeden Gesellschaft ist ein wirtschaftliches Wachstum. Die Produktion derselben Güter in größerer Zahl fordert aber kon- sequenterweise auch die Investition mehrerer Rohstoffe. Daraus resultiert die weitere, stark diskutierte Frage: Sind nachhaltige Entwicklung und Wirtschaftswachstum vereinbar? Es gilt also wirt- schaftlich notwendige Ressourcen zu schützen (Grunwald & Kopfmüller, 2006, S. 47-48). Zusammenfassend ist also zu sagen, dass

„das Ziel der ökonomischen Nachhaltigkeit (…) die Aufrecht- erhaltung einer ausreichenden bzw. gewünschten Lebens- qualität im Zeitablauf [ist]. Das erfordert eine grundsätzliche Änderung der bestehenden Produktionsweise und Konsum- stile, die nicht als nachhaltig bezeichnet werden können“ (von Hauff & Kleine, 2009, S. 18).

2.3.2. Ökologische Nachhaltigkeit

Die Ökologische Dimension der Nachhaltigkeit befasst sich mit der Natur und den Umweltbedingungen. Die Nutzung der Natur in Form von Rohstoffen und die Schädigung der Umwelt durch deren Abbau und Transport belasten die Atmosphäre und die Ökosys- teme nachhaltig. Durch diese Schädigung wird also auch der Le- bensraum des Menschen gefährdet. „Die ökologische Nachhaltig- keit zielt somit auf die Erhaltung des ökologischen Systems bzw. ökologischen Kapitalstocks ab“ (von Hauff & Kleine, 2009, S. 18). Die ökologische Nachhaltigkeit ist stark abhängig von der ökono- mischen Dimension, da sie nur dann nachhaltig sein kann, wenn, wie in 2.3.1. beschrieben, die Verarbeitung und Menge der Roh- stoffe eine nachhaltige Entwicklung nicht gefährden. Die zu bewäl- tigenden Probleme sind u.a. der Klimawandel, Ozonabbau, Ver- schmutzung der Meere, Überfischung, Entwaldung, Wasser- knappheit, Verlust der Artenvielfalt und Verschlechterung des Bo- dens. (von Hauff & Kleine, 2009, S. 17-18).

2.3.3. Soziale Nachhaltigkeit

Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit betrifft alle Gesellschaf- ten der Erde. Hierbei geht es darum, wie für alle, egal ob arm oder reich, dauerhaft die gleichen Chancen geschaffen werden können. Die Dimension bezieht sich auf den Zugriff von Rohstoffen, aber auch auf die gerechte Verteilung der aus den Rohstoffen produ- zierten Güter. Besonderes Augenmerk liegt auf der Schließung der Kluft zwischen den reichen Industrieländern und den armen Schwellen- und Entwicklungsländern. Dieses Element der sozialen Nachhaltigkeit wird als internationale Gerechtigkeit beschrieben. Des Weiteren soll die soziale Dimension für künftige Generationen die gleichen oder besseren Lebensbedingungen herstellen. Dies wird als intergenerative Gerechtigkeit bezeichnet. Die soziale Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf gleiche Verteilung von Rohstoffen, sondern setzt sich für ein gleiches Recht auf Bildung und Arbeit für alle Gesellschaften und deren Schichten ein. (Bundeszentrale für politische Bildung, 2008) .

2.4. Starke und schwache Nachhaltigkeit

Der Begriff Nachhaltigkeit lässt sich in zwei Bereiche unterglie- dern, die starke und schwache Nachhaltigkeit.

Die Theorie der starken Nachhaltigkeit nimmt an, dass nicht- er- neuerbare Ressourcen nicht mehr genutzt werden dürfen. Die Rohstoffnutzung soll mit den natürlichen Kreisläufen einhergehen. Daher sind nur die Rohstoffe nutzbar, die erneuerbar sind. Dies würde beispielsweise den Abbau von Erdöl betreffen. Nachhaltig- keit ist also nur dann gegeben, wenn der Bestand der Ressourcen gleich bleibt oder gar steigt.

Die schwache Nachhaltigkeit hingegen erlaubt eine Substitution. Sollte eine Ressource ausgenutzt sein, so kann sie durch neue Technologien ersetzt werden. Im Falle das das Erdölvorkommen einmal nicht mehr zur Erzeugung von Treibstoffen für Fahrzeuge ausreichen, ist es legitim diese durch Elektrofahrzeuge oder Kraft- stoffe wie Raps zu ersetzen (von Hauff & Kleine, 2009, S. 24-33).

2.5. Indikatoren und Zielwerte für Nachhaltige Entwicklung in großen Unternehmen

Auf der Mikroebene gibt es mehrere geeignete Kennzahlenkatalo- ge, die Nachhaltigkeit messen. Die Global Reporting Initiative (GRI) veröffentlicht Richtlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstat- tung. Diese beinhalten Indikatoren für große Unternehmen, aufge- teilt auf die drei oben beschriebenen Dimensionen der Nachhaltig- keit. Die Richtlinien gelten als Grundlage zur Corporate Social Responsibility (CSR)- und Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen (von Hauff & Kleine, 2009, S. 155-156). Ein Beispiel für eine Kennzahl der ökonomischen Dimension ist die Anzahl der Zulieferer vor Ort. Je größer diese Zahl ist, desto besser sind die Förderung der nachhaltigen Entwicklung und die Umsetzung von CSR, da das Unternehmen vornehmlich lokale Zulieferer enga- giert, die Wege kürzer sind und die Umwelt weniger durch CO2- Ausstoß belastet wird. Des Weiteren wird somit zusätzlich die lo- kale Wirtschaft unterstützt. Eine Liste aller Indikatoren befindet sich im Anhang (Tabelle 4 ).

Auf der Makroebene gibt es viele verschiedene Ansätze nachhal- tige Entwicklung zu messen. Die UN Kommission für nachhaltige Entwicklung (CSD) gibt in regelmäßigen Abständen eine Liste von Indikatoren heraus, die als Orientierung für die Mitgliedsstaaten dienen soll. (United Nations Division for Sustainable Development, 2006). Das Statistische Bundesamt veröffentlicht jährlich einen Indikatorenbericht, basierend auf den CSD-Indikatoren, mit dem es anhand von Indikatoren wie u.a. BIP, Staatsverschuldung, Bil- dungsstand der Bevölkerung, Emissionsmessung, Flächeninan- spruchnahme, Artenvielfalt, Luftqualität, Gütertransportintensität und Rohstoffproduktivität die nachhaltige Entwicklung in Deutsch- land überwacht (Statistisches Bundesamt, 2010). Außerdem veröf- fentlicht die Europäische Kommission ebenfalls einen jährlichen Bericht, in dem sie mit ähnlichen Parametern die nachhaltige Ent- wicklung innerhalb der EU beobachtet (Europäische Kommission, 2009).

2.6. Nachhaltigkeit als Basis für CSR

In Zeiten der Globalisierung sind viele multinationale Unternehmen mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Der Wettbewerb wird international kontrolliert und die Produktion von Gütern ist nicht mehr an einen Standort gebunden. Oft erhalten diese Unterneh- men ihre Ressourcen aus verschiedensten Ländern der Welt, was zu langen Transportwegen, die die Umwelt stark belasten und zu schlechten Arbeitsbedingungen in den Ländern der Zulieferer führt. Des Weiteren werden durch unkontrollierten Abbau die Res- sourcen weltweit gefährdet und die Weltwirtschaft läuft Gefahr bald nicht mehr auf diese zurückgreifen zu können. Durch diese Probleme wird nicht nur die Umwelt geschädigt, sondern oft auch der Ruf des Unternehmens, das zum Beispiel gefährdete Res- sourcen nutzt oder unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen pro- duzieren lässt. Dieser Imageschaden ist oft einhergehend mit sin- kenden Absatzzahlen und somit für viele Unternehmen ein schwe- rer Schlag. Daher ist es an der Zeit für die Unternehmen Verant- wortung zu Übernehmen (Corporate Social Responsibility) und die nachhaltige Entwicklung zu fördern. Auf lange Sicht bedeutet dies einen Gewinn für die Firmen die sich engagieren, da sie nicht nur ein gutes Image vorweisen können, sondern unter Umständen länger von Ressourcen profitieren können (Rat für Nachhaltige Entwicklung, 2006, S. 1-4). Laut Ringeis (2007) gilt „(…)Nachhaltigkeit als jener Teil von CSR der sich mit der Erhal- tung der Natur befasst“ (S. 43). Als Beispiel wird hier die Firma Weleda genannt, die ihre Zulieferer dazu anhält ihre Rosen biolo- gisch anzubauen, sodass sauberer Boden und sauberes Wasser langfristig zu guten Ernten führt (Ringeis, 2009, S. 43). Für den Rat für Nachhaltige Entwicklung (2008) ist „Der Beitrag unterneh- merischer Verantwortung (CSR) zu einer nachhaltigen Entwick- lung (…) ein wichtiger (…) Teil der Nachhaltigkeitspolitik“ (S.3). Es gehe nur um die Frage „auf welche Weise Unternehmen Beitrage zur nachhaltigen Entwicklung leisten bzw. leisten sollten.“ (S.3)

3. Corporate Social Responsibility

Das folgende Kapitel beleuchtet das Konzept Corporate Social Responsibility (CSR), indem zunächst die historischen Ursprünge vorgestellt werden. Die Definition von CSR bietet dann eine Grundlage für weitere Ausführungen. Im Weiteren Verlauf wird dann Bezug zur nachhaltigen Entwicklung hergestellt und Indikato- ren und Standards werden vorgestellt.

3.1. Historische Ursprünge

Seit Jahrhunderten waren Kaufleute bemüht ethisch zu handeln und nicht nur um ihr eigenes Wohl besorgt zu sein. Während diese sich auch um das Wohl ihrer Mitmenschen und Angestellten sorg- ten, gab es aber auch diejenigen die nur zu ihrem eigenen Vorteil handelten. Im frühen 20. Jahrhundert wurde zum ersten Mal die Frage laut, ob nicht die Unternehmen Verantwortung für die sozia- len Belange ihrer Mitarbeiter übernehmen sollten (Wieser, 2005, S. 26-32). In Deutschland übernahm diese Rolle in den 1960-er Jahren der Staat.

In den USA befasste man sich mit der Verantwortung von Unter- nehmen in den 1950-er Jahren genauer, als die Firmen von John Rockefeller, Henry Ford und J.P. Morgan begannen sich sozial zu engagieren, indem sie Bildung förderten, Krankenhäuser und Mu- seen unterstützen. Laut Hummel (2009) wurde diese Entwicklung durch die Möglichkeit begünstigt „von ihren Steuern bis zu fünf Prozent des Gewinns vor der Steuer für gemeinnützige Zwecke abzusetzen“ (S. 91). In den folgenden Jahrzehnten wendete sich das soziale Engagement weg von Spenden, hin zu Dienstleistun- gen. Dies ist aber auch eine Folge des amerikanischen Selbstver- ständnisses, das man seinen Erfolg mit seinen Mitmenschen teilen sollte.

Der Unterschied zwischen Deutschland und den USA bestand größtenteils darin, dass die Unternehmen in unterschiedlichen po- litischen Systemen verwurzelt waren. Während es in Deutschland gesetzlich geregelt war krankenversichert zu sein, war dies in den USA eine Möglichkeit soziale Verantwortung zu zeigen. Den Mit- arbeitern wurden Krankenversicherungen freiwillig gezahlt In Deutschland übernahmen Unternehmen mehr und mehr Ver- antwortung, der der Staat aufgrund der voranschreitenden Globa- lisierung und des Zusammenschlusses von BRD und DDR nicht mehr gewachsen war. Bildung und Umwelt waren nun nicht mehr nur die Probleme des Staates, sondern auch der Unternehmen (Hummel, 2009, S. 89-92).

Die UNCED 1992 in Rio war ein weiterer Wegweiser hin zur sozia- len Verantwortung. Man erkannte, dass die Rolle von Unterneh- men beim Thema nachhaltige Entwicklung besonders wichtig war. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos erklärten große Konzerne, wie Coca-Cola, Corporate Social Responsibility (CSR) zum Teil ihrer Unternehmensstrategie (Wieser, 2005, S. 25).

[...]

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Nachhaltige Entwicklung, Corporate Social Responsibility und der Fall BP
Hochschule
Fachhochschule Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
54
Katalognummer
V162664
ISBN (eBook)
9783640774197
ISBN (Buch)
9783640774357
Dateigröße
907 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltige Entwicklung, CSR, BP
Arbeit zitieren
Katharina Mecklenburg (Autor), 2010, Nachhaltige Entwicklung, Corporate Social Responsibility und der Fall BP, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162664

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