Diachronische Typologie


Referat (Ausarbeitung), 2009

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Diachronische Dimensionen in Universalien und Typologien
2.1 Areale Typologie
2.2 Wortstellungstypologie
2.3 Morphemstellung

3. Diachronischer Sprachwandel
3.1 Historie
3.2 Verb-Zweit Beschränkung im Altenglischen und ihr Verlust im Neuenglischen
3.3 Neuenglisch/Verlust des V

4. Bibliographie

1. Einleitung

Vor dem Beginn der eigentlichen Ausarbeitung sollen zunächst einige Begriffe anhand von Definitionen geklärt werden. Die Zentralsten sind zuerst einmal jene, welche schon im Seminartitel vorkommen. Zum Einen Sprachuniversalien, welche Eigenschaften, oder auch Hypothesen über solche Eigenschaften sind, welche alle menschlichen Sprachen gemeinsam haben, zum Anderen die Sprachtypologie, die eine „sprachwissenschaftliche Disziplin, die auf übergreifende Merkmale (Universalienforschung) und eine sich darauf gründende Klassifikation von natürlicher Sprache abzielt”[1] ist. Da das Thema des Referats die diachronische Typologie behandelt, sollen weiterhin Synchronie, Diachronie und Sprachwandel veranschaulicht werden. Die Synchronie („Gleichzeitigkeit“) „bezieht sich auf einen zeitlich fixierten Zustand“[2], während Diachronie („Aufeinanderfolge“) die „Veränderung eines Sprachzustandes in unterschiedlichen Zeitintervallen beobachtet“[3]. Geprägt wurden diese Begriffe von Ferdinand de Saussure, der als Erster dafür plädierte, Sprachwissenschaft in „zwei prinzipiell verschiedene Teile zu gliedern“[4]. Der Sprachwandel ist der Gegenstand der historischen Sprachwissenschaft. Er ist auf allen sprachlichen Ebenen möglich. Der Ausdruck Sprachwandel beschreibt eine ,,Vielfalt der ständig verlaufenden Prozesse der Umgestaltung des Verlusts und der Neubildung sprachlicher Elemente”[5]. Dieser Ausdruck ist jedoch nicht zu verwechseln mit den Bezeichnungen Veränderung oder Entwicklung. Erstere beschreibt die Tatsache, dass ein Gegenstand (also hier die Sprache) über einen Zeitraum nicht gleich bleibt. Die zweite Bezeichnung besagt, dass ein zielgerichteter Ablauf stattfindet. Entwicklung ist eine ,,teleologische Kategorie”[6], welche bestimmte Entwicklungsgesetze, Entwicklungsstufen und Sprachdifferenzierung impliziert[7].

Probleme der diachronischen Sprachbetrachtung können mangelnde Beweise für die frühen Entwicklungsstufen einer Sprache sein. Eine Frage die immer wieder aufkommt ist die nach der Ursache für Sprachwandel. Diese können sowohl sprachintern als auch -extern sein. Vor allem kommt hier die Vereinfachung des Sprachsystems bzw. seines Gebrauchs infrage. Diese Aussage soll später am Beispiel des Altenglischen belegt werden.

2. Diachronische Dimensionen in Universalien und Typologien

Es gibt vier mögliche Gründe für Ähnlichkeiten von Sprachen. Diese sind a) Zufall, b) genetische Verwandtschaft, c) areale Nachbarschaft und daher Entleihung bestimmter Merkmale und d) universale Merkmale. Dies ist wichtig, wenn man Beziehungen zwischen Sprachen untersuchen und feststellen möchte. Der erste Punkt ist jedoch eher unwahrscheinlich, da es genügend logische Gründe für Ähnlichkeiten einer Sprache gibt[8].

2.1 Areale Typologie

Die Areale Typologie besagt, dass verschiedene Sprachen, die in Kontakt geraten, oftmals Merkmale der anderen Sprachen entleihen. Es handelt sich meistens um Lehnwörter (engl.: loan words). Es gibt Sprachen, die mehr mit den Sprachen gemeinsam haben, mit denen diese areal in Kontakt stehen, als mit den Sprachen, mit denen sie genetisch verwandt sind. Das ist jedoch auch leicht verständlich, da diese Sprachen, die genetisch miteinander verwandt sind eine gemeinsame Ausgangssituation haben, jedoch durch den Sprachwandel und den Kontakt zu anderen Sprachen verändert sich die eigene Sprache über die Zeit. Deutlich wird dies an den Sprachen des Balkan Sprachbunds. Dieser Sprachbund umgibt fünf Sprachen, die geographisch zusammengehören, jedoch nicht genetisch verwandt sind. Diese Sprachen sind das Neugriechische, das Bulgarisch-Mazedonische, das Albanische und das Rumänische. Das Bulgarische und Mazedonische wird zusammengefasst, um auf Merkmale aufmerksam zu machen, die beide Sprachen haben. Die Sprachen sind alle indoeuropäische Sprachen, gehören jedoch unterschiedlichen Zweigen an. Diese Sprachen haben viele Gemeinsamkeiten, wozu auch eine große Anzahl von Lehnwörtern gehören, jedoch sollen hier die morphologischen und syntaktischen Merkmale aufgezeigt werden. Dargestellt werden Gemeinsamkeiten wie der Kasussynkretismus von Genitiv und Dativ, der nachgestellte bestimmte Artikel und der Verlust des Infinitivs in den Sprachen des Balkan Sprachbunds. Kasussynkretismus bedeutet, dass zwei oder mehrere Kasusformen zusammenfallen. Das kasusmarkierende Suffix ist bei den verschieden Kasus gleich[9]. Im Balkan Sprachbund tritt dieser Fall in der NP (Nominalphrase) auf. Das indirekte Objekt (Dativ) und der Besitzer (Genitiv) besitzen die gleiche Form. Beispiele hierfür sind aus dem Rumänischen das Wort für Mädchen,fată’, bei dem der Genitiv und Dativ ,fete’ lautet. Im Albanischen ist ,lum’ der Fluss und der Genitiv und Dativ lautet in beiden Fällen ,lumi’[10]. Das Bulgarische und Mazedonische besitzen kein Kasussystem, trotzdem wird die anstatt des Genitivs und Dativs eine Präposition benutzt, die in beiden Fällen gleich ist. Der Grund für diese Kasusentwicklung kann das Rumänische sein, denn es ist genetisch mit dem Lateinischen verbunden und da sind auch Genitiv und Dativ in einigen Fällen gleich[11].

Ein weiteres Merkmal der Sprachen des Balkan Sprachbunds ist der nachgestellte, bestimmte Artikel. Dieser ist außer im Neugriechischen in allen anderen Sprachen zu finden. Ein Beispiel hierfür findet sich im Bulgarischen. ,Mann’ heißt ,məž’ und , məž-ət’ ist der Mann. Der bestimmte Artikel ,ət’ steht hinter dem Nomen Mann.

Das letzte genannte Merkmal ist der Verlust des Infinitivs. Dies soll an folgendem Satz belegt werden. give me something to drink heißt im Rumänischen dă-mi să beau, im Bulgarischen daj mi da pija, im Albanischen a-më të pi, im Neugriechischen dós mu na pjó. Die wortwörtliche Übersetzung lautet give (to-)me that I-drink. Es wird deutlich, dass der Infinitiv durch einen finiten Nebensatz ersetzt wird. Der Grund der Verwendung eines finiten Nebensatzes anstatt eines Infinitivs könnte eine Entleihung des Griechischen zu Zeiten des byzantinischen Balkans sein, da das Griechische damals eine lingua franca war[12].

Was jedoch gegen die Entleihung aus anderen Sprachen sprechen würde, wären die Beschränkungen, dass eine Sprache nur ,nicht-Nomen’ entleiht, wenn sie auch Nomen entleiht. Auch das Problem, dass eine Sprache ein Affix als segmentale Einheit und für bedeutungsbildende Prozesse, nur dann übernehmen wird, wenn bereits Formen lexikalischer Elemente, welche diese Affixe oder Prozesse enthalten, übernommen wurden, tritt auf[13].

2.2 Wortstellungstypologie

Es gibt die Annahme von zwei kanonischen Wortstellungstypen. Die erste ist die Adjunkt-Kopf (OV) Stellung, die zweite die Kopf-Adjunkt Stellung (VO). Diese Wortstellungstypen werden als die natürlichsten Wortstellungen beschrieben, welche Sprachen haben können. Dadurch wird ein großer Druck auf andere Sprachen ausgeübt, welcher alleine dafür sorgt, dass Sprachwandel stattfindet. Jedoch geht Greenberg davon aus, dass über die Hälfte aller Sprachen der Welt weder dem einen, noch dem anderen Typen angehören. Diese Kritik findet aber Berücksichtigung und wird damit erklärt, dass die Sprachen sich zwischen diesen beiden Typen hin bzw. her bewegen. Es wird als ,drift’ bezeichnet und kann mit Hilfe von diachronischer Untersuchungen belegt werden. Wenn man davon ausgeht, dass alle Sprachen einen solchen ,drift’ durchlaufen, muss man auch davon ausgehen, dass das Proto-Indoeuropäische diese Veränderung mitmachte. Diese Sprach hat daher keinen speziellen Anspruch auf eine typologische Beständigkeit[14].

2.3 Morphemstellung

Um eine Rekonstruktion einer früheren Wortstellung zu ermöglichen werden drei Annahmen aufgestellt. Die erste Annahme besagt, dass sich aus diachronischer Sicht alle Affixe der Verbflektion aus Pronomen entwickeln. Die zweite Annahme ist, dass gebundene Morpheme immer von freien Wörtern abstammen. Die letzte Annahme besagt, dass sobald eine Sequenz von Wörtern zu einer Sequenz von Morphemen fusioniert, die Reihenfolge der Morpheme unveränderlich ist. Jedoch sind diese Annahmen nicht in jedem Fall gültig, es kann also auch Ausnahmen geben. Im Finnischen ist zum Beispiel, synchronisch gesehen, - vat das Suffix der dritten Person Plural. Etymologisch gesehen ist dies der Plural des Partizip Präsens und daher nicht in Beziehung zu irgendeinem Pronomen zu setzen. Auch für die zweite Annahme gibt es Gegenbeweise. Das estnische Wort für ,Fuß’ heißt jalg, der Partitiv (zusätzlicher Kasus) Singular jalga. Diachronisch gesehen ist das -a ein Teil des Stammes, ist aber im Nominativ Singular verloren gegangen. Auch für die letzte Annahme gibt es Grund zum Widerspruch. Im Ungarischen gibt es Beispiele für die Veränderung der Reihenfolge von Morphemen. Anstatt bele-ne-m,inside at my’ wurde diese Form zu bennem,in me’ fusioniert und dann ganz geändert zu háza-m-on,on my house’. Diese Beispiele sind jedoch eher eine Seltenheit und daher können die Annahmen trotzdem als universale Tendenzen ausgelegt werden[15].

[...]


[1] Glück, Helmut [Hrsg.]: Metzler Lexikon Sprache. Stuttgart 32005.

[2] Bußmann: 2002, S. 672

[3] Ebd., S.672

[4] Wollf:1999, S. 20

[5] Ebd. S. 28

[6] Ebd. S. 28

[7] Vgl. Ebd. S. 28

[8] Vlg. Comrie: 1989, S. 201

[9] Vgl. Glossar: Kasussynkretismus

[10] Vgl. Comrie: 1989, S. 206

[11] Vgl. Ebd. S. 206

[12] Vgl. Ebd. S. 207

[13] Vgl. Ebd. S. 210

[14] Vgl. Comrie: 1989, S. 212f

[15] Vgl. Comrie: 1989, 216f

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Diachronische Typologie
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Seminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
10
Katalognummer
V162791
ISBN (eBook)
9783640779376
ISBN (Buch)
9783640779628
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diachronische, Typologie
Arbeit zitieren
Annika Bräuer (Autor), 2009, Diachronische Typologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162791

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Diachronische Typologie



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden