Der Beitrag versucht aus zwei Richtungen zu skizzieren, warum christliche Liturgie notwendigerweise leibbezogen ist. Der erste Zugang begreift Liturgie als kommunikative Zeichenhandlung im dialogischen Heilsgeschehen zwischen Gott und Mensch, der zweite Zugang betont den Charakter der Liturgie als "heiliges Spiel vor Gott".
Inhalt
Ein Wort zuvor
1. Liturgie als kommunikative Zeichenhandlung
Der Mensch ist wesenhaft durch seine Leiblichkeit geprägt
Gottes Heilshandeln spricht den Menschen in seiner Leiblichkeit an
Liturgie ist an sinnlich erfahrbare Zeichen gebunden
2. Liturgie als Spiel menschlicher Freiheit
Leiblichkeit ist Ort der Gottesbegegnung
Spiel, Feier und Tanz sind Ausdruck der menschlichen Freiheit
Im Spielen feiert der Mensch die ihm geschenkte Liebe
3. Plädoyer für eine leibhaftige Liturgie mit allen Sinnen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die untrennbare Verbindung zwischen christlicher Liturgie und der menschlichen Leiblichkeit, mit dem Ziel, die Notwendigkeit einer leibbezogenen Liturgie zu begründen, die den Menschen in seiner Ganzheit anspricht.
- Liturgie als kommunikativer Prozess zwischen Gott und Mensch
- Die Bedeutung der Leiblichkeit für die religiöse Erfahrung
- Liturgie als Spiel und Ausdruck menschlicher Freiheit
- Die Rolle von Symbolen und Zeichen im liturgischen Handeln
- Ganzheitliche Einbeziehung der Sinne in die Feier des Glaubens
Auszug aus dem Buch
Der Mensch ist wesenhaft durch seine Leiblichkeit geprägt
Der Mensch erfährt sich als leib-seelische Einheit in und durch seine intersubjektiven, in der Leiblichkeit erschlossenen Bedingungen. Dieser ursprünglichen Befindlichkeit, in welche der Mensch immer schon eingelassen ist, kann er nicht entfliehen; gleichzeitig vollzieht und bejaht er diese seine Leiblichkeit immer schon, wenn er sich selbst bestimmt und sich in der ihm aufgegeben Freiheit verwirklicht.
Der Leib ist das Realsymbol für den Menschen und seinen Weltbezug. Auf der einen Seite ist der Leib Teil der Welt; mit ihm steht der Mensch in der Welt, gibt seiner selbst Ausdruck und tritt so in Kontakt, in Austausch, in ein Gegenüber mit seiner Umgebung und seinen Mitmenschen. Gleichzeitig ist der Mensch im Leib aber auch bei sich selbst, nimmt durch ihn Eindrücke auf, empfängt Reize, rezipiert seine Umwelt oder fühlt sich dieser ausgeliefert.
Dieser Ambiguität von Leib-Haben und Leib-Sein, von Exzentrizität und leiblicher Zentralität, von Ausdrücken und Empfangen, von Aktivitäts- und Passivitätserfahrung kann der Mensch nicht entfliehen.
Im Leib verwirklicht sich der Mensch, dieser ist für ihn das Medium seiner Kommunikation. Dem Menschen kommt nur zu Bewusstsein, was ihm leiblich widerfährt. Jedes Verstehen beginnt daher im wahrsten Sinne des Wortes mit dem „Be-Greifen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Liturgie als kommunikative Zeichenhandlung: Das Kapitel erläutert, dass der Mensch durch seine Leiblichkeit geprägt ist und Liturgie daher zwingend auf sinnlich erfahrbare Zeichen angewiesen ist, um das dialogische Heilsgeschehen zwischen Gott und Mensch zu vermitteln.
2. Liturgie als Spiel menschlicher Freiheit: Hier wird dargelegt, dass Spiel, Feier und Tanz Ausdruck menschlicher Freiheit sind und die Leiblichkeit als zentraler Ort der Gottesbegegnung dient, in der der Mensch die göttliche Liebe feiert.
3. Plädoyer für eine leibhaftige Liturgie mit allen Sinnen: Das abschließende Kapitel fasst die Argumente zusammen und plädiert dafür, den Menschen in seiner Ganzheit aus Leib, Seele und Geist ernst zu nehmen, um eine lebendige und sinnerfüllte Gottesbeziehung in der Liturgie zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Liturgie, Leiblichkeit, Gottesbegegnung, Zeichenhandlung, Spiel, Freiheit, Inkarnation, Sinnlichkeit, Symbolik, Heilsgeschehen, Leib-Seele-Einheit, Feier, Ganzheitlichkeit, christliche Offenbarung, Glaubenspraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der engen Verbindung zwischen christlicher Liturgie und der menschlichen Leiblichkeit und warum diese für ein ganzheitliches religiöses Erleben essenziell ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Leiblichkeit als Medium der Kommunikation, die Liturgie als "Spiel" der Freiheit und die Bedeutung von Symbolen für die Gottesbegegnung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, warum Liturgie notwendigerweise leibbezogen sein muss, um der Antwort des Menschen auf Gottes Heilszusage einen Ausdruck zu verleihen.
Welche wissenschaftliche Perspektive wird verwendet?
Der Autor nutzt theologische und anthropologische Ansätze, um die Rolle des Körpers in der religiösen Erfahrung zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Liturgie als Zeichenhandlung, als Spiel der Freiheit und als Plädoyer für eine ganzheitliche liturgische Praxis mit allen Sinnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Leiblichkeit, Gottesbegegnung, Liturgie, Spiel, Symbol und Ganzheitlichkeit.
Wie definiert der Autor das Verhältnis von Gott und Mensch in der Liturgie?
Er beschreibt es als dialogisches Heilsgeschehen, bei dem Gott sich dem Menschen zuerst zuwendet und der Mensch in Freiheit darauf antwortet.
Welche Rolle spielt der Tanz in der Liturgie gemäß dem Autor?
Der Tanz wird als Ausdruck menschlicher Freiheit und als leibliche Antwort auf die Liebe Gottes verstanden, die den Menschen aus festgefahrenen Strukturen lösen kann.
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- Axel Bernd Kunze (Author), 2010, "Lasst uns spielen vor Gott ..." - Liturgie und Leiblichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162853