Entstehungsgründe und Möglichkeiten der Veränderung von Arbeitslosigkeit in der keynesianischen und klassisch-neoklassischen Theorie


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Klassik und Neoklassik
1.1 Grundannahmen/ Allgemeines Marktmodell
1.1.1 Die Arbeitsnachfrage
1.1.2 Das Arbeitsangebot
1.2 Ursachen der Arbeitslosigkeit

2. Keynesianische Theorie
2.1 Grundannahmen
2.1.1 Kurzfristiges gesamtwirtschaftliches Angebot und Vollbeschäftigungsangebot (Gütermarkt)
2.1.2 Gesamtwirtschaftliche Nachfrage
2.2 Gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht
2.3 Ursachen der Arbeitslosigkeit: Effekte einer deflationären Lücke

3. Therapie der Arbeitslosigkeit
3.1 Neoklassische Ansicht
3.2. Keynesianische Ansicht: Kaufkrafttheorie der Löhne

4. Vergleich

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Das Thema Arbeitslosigkeit ist in Deutschland kein neues Phänomen, sondern stellt schon seit längerer Zeit ein bedeutendes ökonomisches sowie soziales Problem dar. Im „Goldenen Zeitalter“[1] der 60er Jahre glaubte man, das Thema Arbeitslosigkeit wäre Vergangenheit. Jedoch folgte kurz darauf die erste Rezession in den Jahren 1967/ 68.[2] Seit 1975 ist die Massenarbeitslosigkeit in Deutschland zum kontinuierlich anhaltenden Problem geworden.[3] Die saisonbereinigte Erwerbslosenquote in Deutschland beträgt derzeit 7,4 %, das sind 3,2 Millionen Menschen (Mai 2008).[4] Somit ist eines der bedeutendsten makroökonomischen Zielen das Erreichen eines hohen Beschäftigungsgrades, welches sogar in § 1 des Stabilitäts- und Wachstumsgesetz von 1967 verankert ist.[5] Um diesem Problem entgegnen zu können, gibt es ökonomische Theorien, die anhand von Modellen die Arbeitslosigkeit erklären. Die vorliegende Arbeit versucht, einen strukturellen Überblick über zwei konträre Theorien zur Erklärung der Arbeitslosigkeit und ihrer Gründe zu geben. In diesem Rahmen werden schließlich entsprechende Möglichkeiten zur Veränderung der Arbeitslosigkeit erörtert.

1. Klassik und Neoklassik

Die Anfänge der Klassik lassen sich im Jahre 1770 finden und gehen auf Adam Smith (1723-1790) zurück, der mit seinem Buch „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“ einen wichtigen Grundpfeiler für diese Epoche legte.[6][7] Weitere bedeutende Ökonomen der klassischen Epoche sind u. a. Jean Baptiste Say (1767-1832) oder David Richardo (1772-1823). Nach Karl Marx (1818-1883) endete die Klassik mit dem Jahre 1870, womit das Zeitalter der Neoklassik begann.[8] Während sich die Klassiker primär auf die Entstehung, Verteilung und Verwendung eines volkswirtschaftlichen Überschusses konzentrierten, legten die Neoklassiker ihr Hauptaugenmerk auf die Fragestellung der optimalen Allokation gegebener Ressourcen.[9] Des Weiteren brachte die Neoklassik die Marginalbetrachtungsweise mit sich. Vertreter dieser Epoche sind insbesondere Leon Walras (1834-1910) und Alfred Marshall (1842-1924).[10]

1.1 Grundannahmen/ Allgemeines Marktmodell

Die klassisch-neoklassische Theorie beruht auf einem Modell, das von einem System unabhängiger Konkurrenzmärkte ausgeht, auf welchem Haushalte sowie Unternehmen ihre Entscheidungen in Abhängigkeit von ihrer Kaufkraft bzw. bestehender Marktpreise unab­hängig voneinander treffen, wobei sie das Ziel der Nutzen- bzw. Gewinnmaximierung anstreben. Es handelt sich um eine Tauschökonomie[11], in der flexible Preise die Funktions­fähigkeit der Marktwirtschaft garantieren. Der Preismechanismus sorgt dafür, dass ein allgemeines Gleichgewicht auf den Märkten – ohne Angebots- bzw. Nachfrageüberschuss - zu Stande kommt.[12] Genau darauf spielt das Saysche Gesetz an, welches besagt, dass sich jedes Angebot auch seine Nachfrage schaffe.[13] Bedingung dafür ist, dass es keine unangebrachten Eingriffe von außen (z.B. durch den Staat oder Gewerkschaften) in das Marktsystem gibt.[14]

Abb. 1 zeigt den Arbeitsmarkt, der aus klassisch-neoklassischer Sicht die gleiche Syste­­matik wie andere Märkte aufweist[15], mit dem üblichen Verlauf der Nachfrage- (AN) und Angebotskurve (AA). Dort fungieren Unternehmen als Nachfrager und Haushalte als Anbieter des Gutes Arbeit (H) zu einem bestimmten Preis [Reallohn (w/p)].[16] Aufgrund des Preismechanismus ergibt sich ein Gleichgewichtslohn von (w/p)* sowie eine Gleich­gewichts­menge von H*. Die Höhe des Lohnes bestimmt den Umfang des Arbeitsangebots und der -nachfrage. Im Gleichgewicht entspricht die Nachfrage dem Angebot.[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Der Arbeitsmarkt (Quelle: Vgl. Heine, Michael. Herr, Hansjörg. 2003. S. 214)

1.1.1 Die Arbeitsnachfrage

Die Nachfrage am Arbeitsmarkt geht von den Unternehmen aus. Diese streben nach Gewinnmaximierung und fragen Arbeit daher bis zum Erreichen dieses Ziels nach. Die Preise (Inputpreise wie der Lohn und Verkaufspreise) sind aufgrund vollständiger Konkurrenz von außen gegeben. Die Unternehmen fungieren am Arbeitsmarkt sowie auch an allen anderen Märkten sozusagen als „Mengenanpasser“[18]. Es besteht nun die Annahme, das Unternehmen produziere Gut X (Output), wobei die Produktionsfunktion [X = X (H,K)], die die Beziehung zwischen Input und Output wiedergibt, gegeben ist. Dabei ist der Faktor Arbeit (H) variabel und der Faktor Kapital (K) konstant. Unterstellt seien weiterhin konstante Skalen­erträge. Demnach erhöht sich bei Variation der Inputfaktoren mit einem bestimmten Wert der Output (X) um die gleiche Rate wie die Inputfaktoren.[19] Deshalb führt eine Veränderung des einzig variablen Faktors Arbeit zu abnehmenden Grenzerträgen.[20] Zum Gewinn (G) eines Unternehmens gelangt man, indem der Output mit dem Absatzpreis (p) multipliziert wird und davon die Kosten subtrahiert werden. Die Kosten setzen sich zusammen aus den Lohnkosten, also Lohnsatz pro Stunde (w) multipliziert mit der Anzahl der eingesetzten Arbeitsstunden (H) und sonstigen Kosten für die Produktion (iK).[21] Der Gewinn in Abhängigkeit von den Arbeitsstunden ergibt sich somit folgendermaßen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für X kann in Gleichung 1 die Produktionsfunktion eingesetzt werden. Es folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Gewinnmaximum ergibt sich, wenn

[22]Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch Umstellung ergibt sich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenbzw. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der gewinnmaximale Arbeitseinsatz liegt somit vor, wenn die Grenzproduktivität der Arbeit[23]

[...]


[1] Promberger, Markus: Eine kurze Geschichte der Arbeitslosigkeit * Teil 3: Von der Ära des Wirtschaftswunders bis zum Jahr 2000. In: Arbeit und Beruf, Jg. 56, H. 3/ 2005. S. 65.

[2] Vgl. Promberger, Markus. 2005. S. 66.

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland: ILO-Arbeitsmarktstatistik: Erwerbslose und Erwerbslosenquote: Saison- und kalenderbereinigte Werte (Schätzung). 2008.

[5] Vgl. Bofinger, Peter: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre: Eine Einführung in die Wissenschaft von Märkten. München: Pearson Education Deutschland GmbH 2007. 2. Auflage. S. 286.

[6] Im Folgenden werden die Begriffe Klassik und Neoklassik zusammengefasst. Die Erläuterungen des Modells unter Punkt 1 stellen somit eine Kombination beider Sichtweisen dar.

[7] Vgl. Felderer, Bernhard. Homburg, Stefan: Makroökonomik und neue Makroökonomik. Berlin, Heidelberg, New York: Springer Verlag 2003. 8. Auflage. S. 23.

[8] Vgl. Felderer, Bernhard. Homburg, Stefan. 2003. S. 24.

[9] Vgl. Felderer, Bernhard. Homburg, Stefan. 2003. S. 26.

[10] Vgl. Felderer, Bernhard. Homburg, Stefan. 2003. S. 25 f.

[11] Vgl. Heine, Michael. Herr, Hansjörg: Volkswirtschaftslehre: Paradigmenorientierte Einführung in die Mikro- und Makroökonomie. München, Wien: Oldenbourg 2003. 3. Auflage. S. 215.

[12] Vgl. im Folgenden: Rothschild, Kurt W.: Theorien der Arbeitslosigkeit: Einführung. München, Wien: Oldenbourg 1994. 2. Auflage. S. 6.

[13] Vgl. Bofinger, Peter. 2007. S. 360.

[14] Vgl. Rothschild, Kurt W.. 1994. S. 6.

[15] Vgl. Bofinger, Peter. 2007. S. 190.

[16] Vgl. ebd.

[17] Vgl. Bofinger, Peter. 2007. S. 199.

[18] Heine, Michael. Herr, Hansjörg. 2003. S. 130.

[19] Vgl. Heine, Michael. Herr, Hansjörg. 2003. S. 69.

[20] Vgl. Heine, Michael. Herr, Hansjörg. 2003. S. 131.

[21] Vgl. Bofinger, Peter. 2007. S. 191.

[22] 1. Ableitung der Gewinnfunktion nach dem Faktor „Arbeit“

[23] Die Grenzproduktivität des Faktors Arbeit gibt an, um wie viel Einheiten der Output steigt, wenn der Inputfaktor Arbeit marginal erhöht wird.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Entstehungsgründe und Möglichkeiten der Veränderung von Arbeitslosigkeit in der keynesianischen und klassisch-neoklassischen Theorie
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Veranstaltung
Makroökonomie
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V163326
ISBN (eBook)
9783640781904
ISBN (Buch)
9783640782024
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehungsgründe, Möglichkeiten, Veränderung, Arbeitslosigkeit, Theorie
Arbeit zitieren
Stephanie Schoenwetter (Autor), 2008, Entstehungsgründe und Möglichkeiten der Veränderung von Arbeitslosigkeit in der keynesianischen und klassisch-neoklassischen Theorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163326

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Entstehungsgründe und Möglichkeiten der Veränderung von Arbeitslosigkeit in der keynesianischen und klassisch-neoklassischen Theorie



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden