Von der Pralinenschachtel bis zur Milchtüte - Eine kritische Betrachtung von Lebensmittelverpackungen

Im Hinblick auf Geschichte, Anforderungen, Materialien und Gestaltung mit didaktischen Überlegungen


Examensarbeit, 2010

81 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Entwicklung
2.1. Wo waren die Verpackungen früher?
2.2. Die Entwicklung des Marktes für Packmittel
2.2.1. Gründe für die Entwicklung
2.2.2. Verschiebung bei der Packmittelverwendung
2.3. Entwicklung von Verpackungsmaschinen
2.3.1. Deutscher Verpackungsmaschinenbau

3. Die Verpackungsterminologie
3.1. Begriffliche Abgrenzung
3.2. Der Lebenszyklus einer Verpackung
3.3. Funktion und Aufgabe von Verpackungen

4. Anforderungen an Verpackungen
4.1. Das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG)
4.2. Anforderungen seitens des Packgutes
4.2.1. Qualität bei Verpackungen
4.2.2. Sicherheit beim Schutz für das Packgut
4.3. Anforderungen seitens der Verbraucher
4.3.1. Handhabung der Verpackung
4.3.2. Sicherheit beim Schutz für den Verbraucher
4.4. Anforderungen seitens der Umwelt
4.4.1. Kaufaspekt: Umweltverträglichkeit
4.4.2. Sicherheit für die Umwelt

5. Die stummen Verkäufer- Lebensmittelverpackungen
5.3. Imagefunktion
5.4. Informationsfunktion

6. Die Vielfalt der Lebensmittelverpackung
6.1. Papier und Pappe
6.1.1. Herstellung
6.1.2. Einsatz
6.1.3. Produktion und Mengen
6.1.4. Recycling
6.2. Glas
6.2.1. Herstellung
6.2.2. Einsatz
6.2.3. Produktion und Mengen
6.2.4. Recycling
6.3. Konserven
6.3.1. Herstellung
6.3.2. Einsatz
6.3.3. Produktion und Mengen
6.3.4. Recycling
6.4. Kunststoff
6.4.1. Herstellung
6.4.2 Einsatz
6.4.3. Produktion und Mengen
6.4.4 Recycling
6.5. Verbundstoffe
6.5.1. Herstellung
6.5.2 Einsatz
6.5.3. Produktion und Mengen
6.5.4 Recycling

7. Wechselwirkungen zwischen Lebensmittel und Verpackung

8. Kritische Betrachtung
8.1. Entwicklung des Verpackungsaufkommens
8.2. Verwertung von Verpackungsabfällen
8.3. Negative Auswirkungen auf die Umwelt
8.4. Die Ökobilanz
8.5. Ökologischer Nutzen der Verpackung

9. Didaktische Überlegungen
9.1. Verbraucherbildung
9.1.1. Notwendigkeit und Ziele der Verbraucherbildung
9.1.2. Verbraucherbildung in der Schule
9.1.3. Die traditionelle Verbraucherbildung
9.2. Bezug zu Klafki
9.2.1. Gegenwartsbedeutung
9.2.2. Zukunftsbedeutung
9.2.3. Exemplarische Bedeutung
9.2.4. Thematische Struktur
9.2.5. Erweisbarkeit und Überprüfbarkeit
9.2.6. Zugänglichkeit
9.3. Bezug zum Bildungsplan
9.4. Fazit

10. Zusammenfassung

11. Abbildungsverzeichnis mit Quellenangabe

12. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Verpackungen begegnen uns überall. Alles wird heutzutage verpackt. Und wenn es nicht verpackt ist, verpacken wir es selbst. Aber warum? Welche Funktion hat eine Verpackung? Und warum ist eine Verpackung so wie sie ist? Warum kaufen wir Joghurt im Plastikbecher und im Glas und nicht im Karton? Wie haben die Menschen früher ihre Waren verpackt? Haben sie diese überhaupt verpackt? Was tun wir unserer Umwelt an, wenn wir immer alles verpacken? Könnte man auch Verpackungen einsparen oder darauf verzichten? Und welche Wirkung hat eigentlich ein Bild auf der Verpackung, auf uns als Käufer?

Alles Fragen, die sich im Laufe meiner Arbeit beantworten werden. Aber wer beschäftigt sich mit Lebensmittelverpackungen?

Obwohl wir Tag für Tag von Verpackungen umgeben sind, machen wir uns zumeist mehr Gedanken darüber, was in einer Verpackung steckt, als über das Material, aus dem sie besteht. Doch wenn am Ende seinen Müll vor die Haustüre trägt, kommt man ins grübeln, woher denn der ganze Müll auf einmal kommt. Und bei einem Müllaufkommen von ca. 16 Millionen Tonnen im Jahr 2006 in Deutschland, ist diese Frage auch berechtigt.

Doch woher nimmt man die Begründung, gerade dieses Thema auch im Unterrich, vorwiegend im Fach Wirtschaft- Arbeit- Gesundheit, zu behandeln?

Die Antwort auf diese Frage ist im Gegensatz zu der Umsetzung das Einfachere. Alle Menschen, auch Schüler sind von Lebensmittelverpackungen umgeben. Sei es die Pralinenschachtel, als Geschenk zum Geburtstag oder die Milchtüte, die man jeden Tag auf dem Frühstückstisch findet. Die Kinder sind unsere Zukunft, und auch die Entwickler, Entscheidungsträger und Konsumenten von Morgen. Aus diesem Grund ist es wichtig, vor allem in der heutigen Zeit, Kinder und Jugendliche auf das Leben vorzubereiten, um sie zu verbraucherbewussten Menschen zu erziehen. Dazu zählt nicht nur das Wissen, um die sachgerechte Entsorgung von Verpackungsmüll, sondern auch das bewusst machen darüber, was jeder Einzelne dafür tun kann, um diese Situation zu verbessern und nicht zu verschlechtern. Aus diesem Grund macht es auch Sinn, die Gesamtheit der Verpackungen, „Von der Pralinenschachtel bis zur Milchtüte", von ihrer Geschichte, Anforderungen, Materialien, Herstellung und ihrer Gestaltung her zu betrachten und kritisch zu beleuchten.

2. Historische Entwicklung

2.1. Wo waren die Verpackungen früher?

Lebensmittel zu verpacken ist eine Idee, die schon Tausende von Jahren alt ist. Sie wurde geboren, als die Menschen nicht mehr von der Hand in den Mund leben wollten. Sie fingen an Vorräte anzulegen und diese zu verpacken. So konnten sie von einem zum anderen Ort mitgenommen werden. Man kann davon ausgehen, dass Lebensmittel zunächst in Beuteln aus Fellen, Häuten oder gewebten Pflanzenfasern verpackt wurden. Mit der Zeit entwickelten sich dann geflochtene Körbe, Tongefäße, sowie Behälter aus Holz, Metall und Glas.[1] Mit der wachsenden Geldwirtschaft und der Entstehung von größeren Städten, wuchs auch der Warenaustausch. Für diesen Warenaustausch der Handelsgegenstände benötigte man strapazierfähige Behälter. So dienten besonders Fässer und später Kisten aus Holz als Großverpackungen. Für Medikamente, Leckereien oder andere Luxusgüter wurden Spanschachteln, als Kleinpackung verwendet.[2] Bis zum Beginn der Hochindustrialisierung im 19. Jahrhundert, blieb der Zweck der Warenumhüllung auf das Zusammenhalten von Waren sowie auf die Lagerung und den Transport begrenzt. Während es in der Zeit der Agrargesellschaft darum ging, durch den Anbau von Lebensmittel den Eigenbedarf abzudecken und nicht gewinnbringend einzusetzen, änderte sich dies im Laufe der Zeit.[3] Noch vor einigen Jahrzehnten war es üblich, dass die verschiedensten Waren „offen" über den Ladentisch verkauft wurden. Die Händler füllten Mehl in Tüten, Milch in Blechkannen ab und Pralinen wurden einzeln verkauft, so wie man es heute eigentlich nur noch vom Bäcker gewohnt ist. Doch aufgrund der fehlenden schützenden Verpackung der Lebensmittel, kam es noch bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, zu einem Verderb der Lebensmittel von 15 %, der als unvermeidlich hingenommen wurde.[4] Zusammenfassend lässt sich sagen, dass während der Agrargesellschaft die Verpackungen ausschließlich auf handwerklicher Basis hergestellt wurden. Oft mussten die Verpackungen nur eine zeitliche Funktion übernehmen, indem sie im häuslichen Bereich die Erzeugnisse vor dem Verderb schützen und speichern sollten. So ist es verständlich, dass die eingesetzten Verpackungen einen bestimmten Sachwert besaßen und aus diesem Grund immer gehütet und gepflegt und so lange als möglich verwendet wurden.[5]

2.2. Die Entwicklung des Marktes für Packmittel

Schon im Zuge der Industrialisierung veränderte sich die Beziehung zwischen privatem Haushalt und Wirtschaftssystem grundlegend. So waren die Durchsetzung der Gewerbefreiheit, technische Erfindungen, die Verbreitung des Fabrikwesens, eine höhere Produktivität der Landwirtschaft und die Entwicklung von Banken für die Hauswirtschaft von größter Bedeutung. Viele produktive Funktionen wurden aus dem Haushalt ausgelagert und gingen auf die Unternehmen über. So verloren Selbstproduktion und Lagerhaltung an Bedeutung.[6] „Andererseits führte die Nutzbarmachung der Dampfkraft für den Betrieb von Maschinen und neuen Verkehrsmitteln, wie Eisenbahn und Dampfschiff, zu einer Ausweitung des Warenangebots."[7] So schreibt Zentzytzky: „Bei der Betrachtung der Entwicklung des Verpackungswesens zeigt es sich immer wieder, wie sehr eng Verpackung und Verkehr miteinander verbunden sind, nicht nur, weil der sichere Transport ausreichende Verpackung unabweislich notwendig macht, sondern auch, weil erst lebhafter Verkehr den Umsatz tausender kleiner täglicher Gebrauchsgegenstände hervorruft, die alle irgendwie verpackt werden müssen."[8]

Nach dem Zweiten Weltkrieg war in Deutschland die Verpackungsindustrie, wie auch alle anderen Wirtschaftszweige, völlig am Ende. Für die bis heute stattgefundene Entwicklung, gibt es vielerlei Gründe.

2.2.1. Gründe für die Entwicklung

Während sich die Warenhersteller früher damit begnügten, ihre produzierten Güter in Großgebinde abzufüllen, also in Kisten, Säcke und Fässern und den Einzelhändlern die zentrale Aufgabe zu kamen ließen, die Waren in käufergerechten Kleinmengen abzusetzen, musste im Laufe der Zeit der Verpackungsprozess direkt in den Produktionsprozess eingegliedert werden, um mit der zunehmend dynamischer und ungezügelt werdenden Epoche der Konsumgesellschaft mitzuhalten.[9] Dabei spielt auch die starke Zunahme der Einkommen und der damit steigenden Kaufkraft eine wichtige Rolle. „Mit der Ausbreitung der Einwegverpackung trat die Verpackungsbranche in den 1950er und 1960er Jahren in eine neue Ära auf."[10] Die Verkaufsform der Selbstbedienung war geboren.

Diese Form des Verkaufs versuchte Herbert Eklöh bereits 1938 in Osnabrück.[11] So kam es, dass es 1960 in der BRD 22600 Selbstbedienungsgeschäfte, welche bis 1974 auf die Anzahl von 76000 anstieg, gab.[12] Gleichzeitig wuchs die Verkaufsfläche und so wurden bereits Mitte der 70er Jahre, „90% aller Lebensmittel über das Selbstbedienungssystem vertrieben".[13]

Aus diesem Grund veränderte sich der Umgang mit der Warenhülle immer mehr. „Auf eine Kurzformel gebracht: ist der Packungsinhalt verbraucht, hat die Packung für den Konsumenten keinen Wert mehr und wird umgehend versorgt."[14]

2.2.2. Verschiebung bei der Packmittelverwendung

In dem betrachteten Zeitraum von 1950 bis 1990 gab es „unzählige Neuentwicklungen und Optimierungen bekannter Packmittel".[15] So reduzierte sich das Gewicht von vielen Verpackungsarten, wie Flaschen aus Glas und Kunststoff, Bechern und Dosen wesentlich. „Den größten Einfluss übte aber das Aufkommen und die rasante Entwicklung der Kunststoffe als Packmittel aus".[16]

Bild 1 macht die Verschiebung der verwendeten Packmittelgruppen zwischen 1950 und 1995 deutlich.

Zusammenfassend lässt sich anhand des Schaubildes sagen, dass sich der Wertanteil der bekannten Packmittel, wie Papier, Pappe, Karton, Metall, Glas und Holz im genannten Zeitraum eher verringert hat. Lediglich Kunststoff stieg in diesen Jahren auf einen Wertanteil von ca. 30 Prozent. Bemerkenswert ist, dass sich diese Entwicklung kaum durch ökologische Einflüsse hat aufhalten lassen. „Weder die Verteufelung von Kunststoff und die horrenden Entsorgungsgebühren des Dualen Systems, noch die ökologische Präferenz der „natürlichen Materialien" Papier, Karton und Glas haben die langfristigen Entwicklungslinien nachhaltig gestört."[17]

2.3. Entwicklung von Verpackungsmaschinen

Verpackungsmaschinen spielen nicht nur eine große Rolle für die Verpackungswirtschaft, sondern auch für die Rationalisierung und Kostensenkung. Dabei sind die Anforderungen der Maschinen einerseits entscheidend für die Entwicklung von Packmitteln und andererseits erlauben sie auch neue Entwicklungen von Packmittel und Neuerungen von Verpackungsmaschinen. Durch die Maschinenentwicklung werden nicht nur der Abpackprozess, sondern auch nachgeschaltete Vorgänge, wie Lager­und Transportwesen, sowie Logistik und Produktionsverfahren integriert.[18]

2.3.1. Deutscher Verpackungsmaschinenbau

Der Bau von Verpackungsmaschinen hat in Deutschland eine lange Tradition. „Schon 1885 wurde bei Familie Franck in Ludwigsburg, durch Otto Hesser aus Cannstatt, eine Maschine zur automatischen Herstellung von füll- und stehfähigen Packungen für Ersatzkaffee in Betrieb gebracht."[19] Ein erster Vollautomat zum Formen, Füllen und Verschließen stehfähiger Papier- und Kartonverpackungen entstand nach vielen Weiterentwicklungen 1911.[20] Obwohl die erste Maschine zur Herstellung von Tüten in Deutschland bereits 1857 ihren Betrieb aufnahm, bezeichnet Kettel die Packmaschine als „in jeder Hinsicht typische Kinder des 20. Jahrhunderts."[21] Die Gründe für diese Entwicklung sieht er in der Entwicklung des Markenartikels. Dieser muss, seinem Wesen entsprechend, überall zum gleichen Preis, in der gleichen Verpackung und der gleichen Qualität erhältlich sein. Die beiden zuletzt genannten Bedingungen, sind dabei nur durch Maschineneinsatz zu gewährleisten.[22] „Die Konstruktion und der Betrieb der Verpackungsautomaten stellten sehr hohe Anforderungen. Der komplizierte Ablauf eines Verpackungsautomaten (Greifen, Zuführen, Bereitlegen, Falzen, Biegen, Richten, Leimen etc.) ist mit enormer Präzision im Zusammenspiel der zahlreichen Vorrichtungen verbunden."[23] Trotz all dieser Schwierigkeiten gab es immer wieder große Fortschritte in der Verpackungsindustrie. So produzierte ein Faltschachtel- Klebeautomat zu Beginn des Jahrhunderts gerade 50 Schachteln pro Minute. Anfang der 50er Jahre bereits über 1000 Schachteln.[24]

Auf Grund der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung der Nachkriegsjahre, förderte vor allem die Konsumgüterindustrie, die auf Verpackungen angewiesen sind, die Rationalisierung des Verpackungsvorgangs. [25] In Deutschland konnte bereits kurz nach Kriegsende, die Verpackungsmaschinenindustrie, die während der Kriegsjahre mit artfremder Fertigung belegt war, wieder ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen. Wie sich die Industrie auf diese Entwicklung einstellte, können wir bei Gebhard nachlesen:

„Vor allem das Bestreben, von der zeitraubenden und oftmals unhygienischen Handarbeit des Verpackens loszukommen, hat die Bemühungen um Schaffung, leistungsfähiger Maschinen wesentlich gefördert. Durch die Verpackungsmaschinen ist es in vielen Fällen erst möglich geworden, kleine Packungen in größeren Mengen preisgünstig herzustellen. Außerdem werden durch das maschinelle Verpacken ansprechende und gleichmäßigere Packungen erzielt, die durch ihr gefälliges Aussehen in hohem Masse den Verkaufserfolg fördern."[26] „Die Erfolge der Verpackungsmaschinenindustrie sind in der massiven Produktivitätssteigerung der Automaten ersichtlich."[27] Während 1951 mit einer Maschine 12000 Flaschen pro Stunde abgefüllt werden konnten, waren es 1975 schon 100000 Flaschen pro Stunde. Innerhalb von 15 Jahren, zwischen 1950 bis 1965 stieg die Minutenleistung beim Abpacken von Schokolade von 100 auf 180 Tafeln, bei Biskuitpackungen von 40 auf 180 und bei Weichpackungen, für Salz oder Zucker von 50-60 auf 220 Packungen.[28]

Diese Entwicklung lässt sich anhand der Produktionswerte der Verpackungsmaschinenindustrie in Deutschland klar dokumentieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 2: auf Grundlage von: Nast, Matthias(1997), Seite 213

„Im Zuge fortschreitender Automatisierung und Flexibilisierung innerhalb der Produktionsprozesse hat in den letzten Jahren der Computer in die Verpackungsmaschinenindustrie Einzug gehalten."[29] Während das Programm CAD (computer aided design) vor allem bei der Verpackungsgestaltung eingesetzt wird, hilft die moderne Technologie des CAM (computer aided manufacturing) die Produktion weiter zu rationalisieren.[30]

3. Die Verpackungsterminologie

3.1. Begriffliche Abgrenzung

In der Literatur existiert keine allgemeingültige Begriffsauffassung für den Begriff „Verpackung". Es wird jedoch deutlich, dass es immer auf den Blickwinkel ankommt, von dem man den Terminus Verpackung betrachtet. Eine häufig zitierte und treffende Definition ist folgende: „Verpackun g wird als vollständig oder teilweise, nach dem Verpackungsprozess feste, relativ leicht zu beseitigende Umhüllung zum Zweck des Inhalts- und Umweltschutzes, der Lagerungs-, Transport-, Verkaufs- und Verwendungserleichterung verstanden."[31] Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel definiert Lebensmittelverpackungen wie folgt: „Lebensmittelverpackungen sind eine essenzielle Technik zum Erhalt der Lebensmittelqualität, zur Minimierung der Lebensmittelvergeudung und zur Verminderung der Zusatzstoffe. Allgemeiner gesagt lässt sich Verpackung als Sammelbegriff für jegliche Art von Umhüllung eines oder mehrerer Produkte verstehen, unabhängig davon, welche Funktion sie erfüllen soll.[32] [33] Verpackung ist nicht gleich Verpackung. Denn dabei wird zwischen Transport- und Verkaufsverpackungen unterschieden. Die Verpackung bildet eine Einheit aus den Komponenten Packmittel, Packstoff und Packhilfsmittel. 33 Der Begriff Packstoff beinhaltet die Materialien aus denen eine Verpackung hergestellt wird, wie beispielsweise Karton, Glas oder Kunststoff. Wobei das Packgut, als das zu verpackende Stück oder Schüttgut gesehen wird.[34] Um diesen Sachverhalt zu verdeutlichen, möchte ich ihn anhand einer Pralinenschachtel näher erläutern. Als Packmittel bezeichnet man dabei die Schachtel, in der die Pralinen verpackt sind. Zu den Packstoffen zählen neben Pappe auch Kunststoff, welches man im Inneren und als Folie um die Schachtel herum findet und ein Schutzpapier, das zumeist direkt auf den Pralinen liegt. Die Klebebänder, die man am Rand einer Pralinenschachtel findet, zählen zu den Packhilfsmitteln. Das Packgut ist in diesem Fall natürlich die Praline.

3.2. Der Lebenszyklus einer Verpackung

In Analogie zum Lebenszyklus bei Produkten, lässt sich auch ein Lebenszyklus von Verpackungen definieren. Die erste Phase des Verpackungslebenszyklus ist die Konzeptions- und Herstellungsphase. Hier erfolgt die Festlegung der einzelnen Faktoren, wie Material, Herstellungsprozesse, gewünschte Funktionen und Ziele einer Verpackung. Nehmen wir als Beispiel eine herzförmige Verpackung von Milka. In der Konzeptions- und Herstellungsphase, hat man sich konkrete Gedanken darüber gemacht, welche Form die Schachtel haben soll, wie das Innenleben einer solchen Schachtel sein sollte und sich überlegt, wie man diese Verpackung am besten herstellt. Weiter ist wichtig, dass man sich Gedanken darüber macht, was sonst noch alles zur Verpackung zählt, wie das Kunststoff in Innenleben, welches jeder Praline einen Platz verleiht, das Schutzpapier oder wie man die Schachtel verschließt, so dass es für Transport, Lagerung und Verkauf geeignet ist. Auch ist es wichtig, wie schon oben beschrieben, die Funktionen und Ziele dieser Verpackung festzulegen. So hat auch diese Verpackung, unabhängig davon welche Form sie trägt eine Schutz- und Sicherheitsfunktion oder eine Conveniencefunktion zu erfüllen. Ziel der Verpackung an sich ist, besonders ansprechend auf die Kunden zu wirken. So ist eine gewisse Größe der Verpackung von Vorteil. Denn gerade wenn man etwas verschenkt, sollte es auch etwas darstellen.

An die zuvor beschriebene Phase schließt die Nutzungsphase an, worin alle Prozesse der Einführungs- und Betriebsphase subsumiert werden, in dem die Verpackung ihre Funktionen und Aufgaben erfüllt. Hierbei spielt die Zuverlässigkeit der Verpackung eine große Rolle. Sprich, es ist wichtig, dass die Verpackung ihr Packgut schützt und angemessen präsentiert. Ist dies der Fall, wird das Produkt von den Kunden gerne gekauft. An die Nutzungsphase knüpft die Aufbereitungsphase an, gefolgt von der Verwertungs- und Entsorgungsphase.[35] So werden beispielsweise Getränkekartons, nach ihrem Gebrauch gesammelt und abtransportiert. Mit Hilfe einer Maschine werden die Getränkekartons dann zerkleinert und werden dann in einem Trommelpulper nach Materialart getrennt. Der entstandene Faserbrei, der aus dem enthaltenen Papier entstanden ist, wandert in eine Papierfabrik und wird zu Endprodukten wie Hygienepapier oder Wellpappe wiederverarbeitet. Der Resteverbund von Polyethylen und Aluminium hingegen, kommt in eine Zementfabrik, wo das Polyethylen als Energieträger und das Aluminium als Bauxitersatz dient. Am Ende entsteht daraus Zement.

3.3. Funktion und Aufgabe von Verpackungen

Ein Blick in die Geschichte der Verpackung ist auch ein Blick in die Entwicklung der wachsenden Verbraucherbedürfnisse und in die Geschichte des Handels und der Wirtschaft.[36] So sind wir heute in der Lage, zwischen verschiedenen Entwicklungsstufen zu unterscheiden, die zwar historisch nacheinander aufgetreten sind, heute aber, je nach Produkttyp nebeneinander bestehen.

Eine der ersten und wichtigste Funktion, die eine Verpackung besitzt, ist die Sicherheits- und Schutzfunktion. Dabei geht es vor allem darum, Lebensmittel vor äußeren Einflüssen und vor Qualitätsverlust zu schützen bzw. das Umfeld durch Verunreinigungen durch das Lebensmittel zu schützen.[37] So verleiht beispielsweise das Papier bei einem Tetra Pak die nötige Stabilität. Außerdem hält es Licht vom Inhalt fern, um Vitamine und Geschmack nicht zu beeinträchtigen. Damit nichts auslaufen kann, wird das Papier mit Kunststoff (Polyethylen) beschichtet und dadurch sicher abgedichtet. Eine hauchdünne Aluminiumschicht dient als Barriere gegen Luft und Licht. Eine weitere Funktion ist die Rationalisierungsfunktion. Diese lässt sich in die Distributionsfunktion und die Conveniencefunktion unterteilen. Die Distributionsfunktion dient der Erleichterung von Transport, Lagerung, Güterumschlag und Verkauf, was durch die Stapelbarkeit, passende Abmessungen, geringes Verpackungsgewicht und Selbstbedienungsfreundlichkeit erreicht werden soll. Zur Erleichterung des Transports werden Tetra Paks mit haltbarer Vollmilch zusätzlich in einem Umkarton verpackt. Dieser bietet mehr Stabilität, erleichtert den Transport und die Lagerung beim Händler und im privaten Haushalt. Weiterhin ist die Form der Brik Verpackung (Tetra Pak) genau auf die Maße einer Europalette ausgerichtet. So können diese optimal ausgenutzt werden, was beim Transport von A nach B immense Kosten einspart. Auch ist der Tetra Pak ein wahres Verpackungswunder, denn bei gerade mal 28g Verpackungsgewicht, ist er in der Lage 1l Milch in sich aufzunehmen.

Die Conveniencefunktion dient der Erleichterung des Umgangs mit der Packung. Dies betrifft vor allem das Öffnen, Wiederverschließen, Dosieren oder Portionieren von Verpackungen.[38] „Denn trotz der Forderung nach sparsamem Verpackungsaufwand wird auch von Verpackungen immer mehr Service und Convenience erwartet."[39] So veränderte sich im Laufe der Zeit, neben der Form der Milchtüte auch der Verschluss. Die allererste Milchtüte hatte die Form eines Tetraeders. Dies erwies sich jedoch als sehr anwendungsunfreundlich, da es sich sehr schwierig gestaltete, Milch in ein Glas einzuschenken, ohne dabei die Hälfte auf dem Tisch zu haben. So kam es zur heutigen Form der Brik Verpackung, die einem Ziegelstein ähnelt. Musste man diese Verpackungen zu Beginn noch an einer Seite mit einer Schere öffnen, indem man eine Ecke der Verpackung abschnitt, ist man heute dazu übergegangen Verschlüsse zu integrieren, die das Öffnen und vor allem das Wiederverschließen ermöglichen. Dies wird zumeist durch Klapp­oder Schraubverschlüsse verwirklicht. Dadurch gestaltet sich auch das Portionieren der Milch sehr viel einfacher als zuvor.

Die Marketingfunktion, welche in eine Informationsfunktion und Werbefunktion unterteilt werden kann, ist eine entscheidende Verpackungsfunktion, da die Verpackung der stumme Verkäufer im Selbstbedienungsladen ist. Während es bei der Informationsfunktion um eine sachgerechte Unterrichtung der Verbraucher über den Inhalt, also Menge, Art, Herkunft, Zusammensetzung, Preis, Haltbarkeit, Qualität und Verwendung geht, fördert die Werbefunktion einer Verpackung, den Wettbewerb zwischen den verschiedenen Anbietern. Dies bedeutet, dass versucht wird ein Produkt wiedererkennbar zu machen und optische Kaufanreize zu schaffen.[40]

Passende Produkte hierfür, sind meiner Meinung nach, die Verpackungen aus dem Hause Milka. Die Farbe Lila, die sich zum Erkennungswert der Marke entwickelt hat, macht dem Verbraucher und Käufer auf einen Blick ersichtlich, um was es sich hierbei handelt.

In erster Linie soll die Verpackung jedoch das Lebensmittel vor äußeren Einflüssen und Einwirkungen schützen, so dass es zu keinen unerwünschten Qualitätsveränderungen oder vollständigem Verderben führt.[41]

Bild 3: Außere Einwirkungen auf Lebensmittel- Schutzfunktion der Verpackung

Neben diesen direkten Verpackungsfunktionen zählt Norbert Buchner noch weitere „indirekte Funktionen" von Verpackungen auf. Eine davon ist, dass Verpackungen ein Teil der notwendigen wirtschaftlichen Infrastruktur sind. Ohne Verpackung wäre eine moderne Güterversorgung, wie wir sie haben, nicht möglich. Denn viele unserer täglichen Konsumartikel wären ohne moderne schützende Verpackung nicht lager- und verteilfähig und damit auch nicht sinnvoll herstellbar.[42] „Verzicht auf Verpackung hieße Verzicht auf Lebensqualität, Verlust von Packgut und Erhöhung der Kosten."[43] Nehmen wir als Beispiel die Praline. Ohne Verpackung wäre es sehr schwierig die hergestellten Pralinen großflächig zu verteilen. Dies würde bedeuten, dass man sie nicht in den gewohnten Zahlen herstellen könnte. Dadurch wäre die Nachfrage am Produkt größer als das Angebot und man müsste auf den Genuss von Schokolade verzichten. Natürlich stellt man sich immer wieder die Frage, ob es nicht auch möglich wäre die Pralinen mit weniger Verpackungsaufwand zu vermarkten, denn man findet dort zum Einen die Pappschachtel, darin eine Kunststoffvorrichtung, darüber eine Art Schutzpapier und zum Anderen auch noch eine Kunststofffolienverpackung um den Pappkarton herum.

[...]


[1] vgl.www.tetrapac.de 7.2.2010, 8:27 Uhr

[2] vgl. Nast, Matthias,(1997) Seite 64

[3] vgl. ebd. Seite 65

[4] ebd. Seite 65

[5] vgl. ebd. Seite 65

[6] vgl. ebd. Seite 67

[7] ebd. Seite 67

[8] Zentzytzky, St. M. (1954) , Seite 26

[9] vgl. Nast, Matthias (1997) Seite 78

[10] ebd. Seite 80

[11] vgl. Buchner, Norbert (1999) Seite 18

[12] ebd. Seite 18

[13] ebd. Seite 18

[14] 1 Nast, Matthias (1997) Seite 80

[15] ’ Buchner, Norbert (1999) Seite 19

[16] ebd. Seite 19

[17] ebd. Seite 19

[18] vgl. ebd. Seite 21

[19] ebd. Seite 22

[20] vgl. ebd. Seite 22

[21] Kettel, Paul (1960), Seite 62

[22] vgl. Nast, Matthias (1997), Seite 211

[23] ebd. Seite 211

[24] vgl. ebd. Seite 211

[25] vgl. ebd. Seite 212

[26] Gebhard, Manfred (1957), Seite 23

[27] Nast, Matthias (1997), Seite 212

[28] Naef, Ulrich (1965), Seite 339-342

[29] Nast, Matthias (1997), Seite 214

[30] vgl. ebd. Seite 214

[31] Roos, Melanie (2006), Seite 3

[32] vgl. Meffert, Herbert (2000), Seite 455

[33] vgl. Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Verpackung, online im Internet: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/16148/verpackung-v7.html

[34] vgl. Roos, Melanie (2006), Seite 3

[35] vgl. Roos, Melanie (2006), Seite 3

[36] Roos, Melanie (2006), Seite 4

[37] vgl. Löbbert, Reinhard u.a. (2001), Seite 67

[38] vgl. ebd. Seite 67

[39] Buchner, Norbert (1999), Seite 6

[40] vgl. Löbbert, Reinhard u.a (2001), Seite 67

[41] vgl. ebd. Seite 68

[42] vgl. Buchner, Norbert (1999), Seite 1

[43] ebd. Seite 1

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Details

Titel
Von der Pralinenschachtel bis zur Milchtüte - Eine kritische Betrachtung von Lebensmittelverpackungen
Untertitel
Im Hinblick auf Geschichte, Anforderungen, Materialien und Gestaltung mit didaktischen Überlegungen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
2
Autor
Jahr
2010
Seiten
81
Katalognummer
V163504
ISBN (eBook)
9783640786039
ISBN (Buch)
9783640786329
Dateigröße
911 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pralinenschachtel, Milchtüte, Eine, Betrachtung, Lebensmittelverpackungen, Hinblick, Geschichte, Anforderungen, Gestaltung
Arbeit zitieren
Marina Stern (Autor), 2010, Von der Pralinenschachtel bis zur Milchtüte - Eine kritische Betrachtung von Lebensmittelverpackungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163504

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