Der Einfluss unbeobachteter Einflussfaktoren


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

20 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Problemstellung

3 Begriffsdefinition

4 Überblick über Modellansätze im Rahmen der PIMS-Forschung
4.1 Das Autokorrelationsmodell

5 Unternehmensbezogener unbeobachtbarer Erfolgsfaktor „Unternehmenskultur“
5.1 Originäre Wirkungen
5.2 Derivative Wirkungen
5.3 Beeinflussung der Unternehmenskultur

6 Personenbezogener unbeobachtbarer Erfolgsfaktor „Vitamin B“
6.1 Aufbau eines sozialen Kontaktnetzwerkes
6.2 „Vitamin B“ auf Unternehmensebene

7 Zusammenfassung

- Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Veränderung der Märkte in den letzten Jahrzehnten und die damit verbundene zunehmende Komplexität und Dynamik des Wettbewerbs veranlaßt die betriebswirtschaftliche Forschung, nach immer neuen Möglichkeiten zu suchen, Wettbewerbsvorteile gegenüber den Konkurrenten zu erreichen. In den 80er Jahren konzentrierte sich die Strategieforschung vornehmlich auf die Beschäftigung mit Erfolgsfaktoren (vgl. Diller/Lücking, 1993, S.1230). In der strategischen Unternehmens-planung, als Zweig der betriebswirtschaftlichen Forschung, wird der Identifikation maßgeblicher Einflußgrößen des Unternehmenserfolges eine herausragende Bedeutung beigemessen (vgl. Annacker, 2001, S.1). Das grundlegende Ziel der Erfolgsfaktorenforschung ist die Ermittlung der Erfolgsdeterminanten von Unternehmen und deren Einflußstärke. Hierbei geht die Mehrzahl der Strategiestudien in der Managementforschung und insbesondere der Forschung des PIMS-Programmes „Profit Impact of Marketing Strategies“ (vgl. Buzzell, 1989) davon aus, dass grundlegende meßbare Einflußgrößen in Unternehmungen existieren und sich durch gezielten Einsatz und Kombination Wettbewerbsvorteile und Profitabilitätssteigerung erzielen lassen (vgl. Hildebrandt/Annacker 1996). Buzzel und Gales räumten in „The PIMS Principles“ bereits ein, dass weitere nicht quantifizierbare Erfolgselemente existieren und sie daher in ihrer Arbeit nicht berücksichtigt werden (vgl. Buzzel/Gales, 1987 in Jacobson, 1990, S.75). In den letzten Jahren ist der PIMS-Ansatz, der als Keimzelle der Erfolgsfaktorenforschung gilt (vgl. Haenecke, 2002, S.166), zunehmend in Frage gestellt worden. Der Anlaß hierfür liegt in den zum Teil sehr heterogenen Resultaten unterschiedlicher Studien in den 80er Jahren (vgl. Fritz, 1990, S.94-103). Als Schlüsseldeterminanten des Unternehmenserfolges werden nun nicht mehr quantifizierbare Finanz- und Budgetgrößen, wie z.B. Return on Investment, sondern unternehmensspezifische Faktoren wie Managementqualität, Unternehmenskultur oder Glück postuliert (vgl. Jacobson, 1990, S.74). Diese Erfolgsdeterminanten werden aufgrund der Meßprobleme als „unbeobachtbare Erfolgsfaktoren“ bezeichnet (vgl. Jacobson 1990).

Nach der Formulierung der aus den Quantifizierungsproblemen entstehenden Problem-stellungen in Kapitel 2 und einer Definition der unbeobachtbaren Erfolgsfaktoren in Kapitel 3, folgt ein Überblick über erweiterte Modellansätze im Rahmen der PIMS-Forschung mit Schwerpunkt auf dem ressourcen-basierten Ansatz in Kapitel 4 (vgl. Hildebrandt/Annacker, 1996). Die darauffolgenden Kapitel vertiefen zwei aus dem Beziehungsmanagement resultierende unbeobachtbare Erfolgsfaktoren. Kapitel 5 befaßt sich mit dem unternehmensbezogenen internen Erfolgsfaktor Unternehmenskultur und Kapitel 6 mit dem personenbezogenen Erfolgsfaktor „Vitamin B“ bzw. Networking.

2 Problemstellung

Nach ausgiebiger Forschung auf einer bestimmten Aggregationsebene, z.B. branchenbezogen oder branchenübergreifend, die allerdings nicht die Möglichkeit bietet, einzelne Unternehmen zu identifizieren, gilt es nun, nach eingehender Analyse der individuellen Ressourcenausstattung der Unternehmen, die bisher nicht berücksichtigten Faktoren zu identifizieren und zu operationalisieren (vgl. Annacker, 2001, S.2). Diese integrative Sichtweise versteht sich nicht als Ersatz der bisherigen empirischen Forschung. Sie bildet vielmehr eine ergänzende Erweiterung zur expliziten Erklärung der beobachteten Befunde. Maßgeblich für die Validität der Befunde ist eine adäquate Kontrolle des Einflusses unbeobachteter Faktoren, sowohl nichtmaterieller Ressourcen als auch stochastischer Einflüsse (vgl. Annacker, 2001, S.3).

3 Begriffsdefinition

Die bisherigen Ausführungen haben gezeigt, dass sowohl den unbeobachteten Erfolgsfaktoren als auch deren Kontrolle in quantitativen Modellen eine große Bedeutung zukommen muß. Unter inhaltlichen Gesichtspunkten bezeichnen diese zum einen stochastische Einflüsse, wie z.B. Glück. Zum anderen beinhalten sie unbeobachtbare Ressourcen eines Unternehmens, die sich aus dem immateriellen Vermögen ableiten. Griliches (1974, S.976f.) unterteilt die unbeobachbaren Faktoren wie folgt:

1. nicht beobachtete Variablen
2. über Indikatoren erfaßbare Variablen
3. tatsächlich unbeobachteten Variablen

Unter dem Punkt „nicht beobachtete Variablen“ werden alle nicht im Modellansatz berücksichtigten Einflußgrößen summiert, denen ein Effekt auf die berücksichtigten Größen unterstellt wird (vgl. Annacker, 2001, S.68). Zu den über Indikatoren erfaßbaren Variablen gehören Faktoren wie Unternehmenskultur oder Managementqualität, die sich über Meßmodelle für hypothetische Konstrukte, z.B. mit Hilfe von Fragebögen, teilweise quantifizieren lassen. Die tatsächlich unbeobachteten Variablen, wie z.B. Glück, können nur stochastisch geschätzt werden. Diese Arbeit beschäftigt sich vornehmlich mit unbeobachtbaren Erfolgsfaktoren, die aus dem Beziehungsmanagement abzuleiten sind. Dabei unterscheidet man mehrere Ausprägungen der Beziehungen (vgl.Pepels, 1996, S.917f.):

- die Träger, z.B. Unternehmen, Individuen etc.
- die Richtung, z.B. unternehmensinterne und unternehmensexterne Beziehungen
- den Inhalt, z.B. die Behandlung von Sachproblemen, aber auch Macht, Emotion etc.
- die Intensität, z.B. verschieden Grade der Dauer und Bedeutung von Beziehungen
- die Symmetrie, z.B. Beziehungen gleichberechtigter Partner und solche abhängiger Partner

Exemplarisch werden in dieser Arbeit die Unternehmenskultur als dauerhafte unternehmens-interne Form von Beziehungen zwischen abhängigen Partnern und Vitamin B bzw. Networking als eine personenbezogene dauerhafte Form von Beziehungen zwischen meist gleichberechtigten Partnern behandelt.

4 Überblick über Modellansätze im Rahmen der PIMS-Forschung

Trotz der hohen Bedeutung für die Erfolgsfaktorenforschung sieht sich der PIMS-Ansatz zahlreichen kritischen Einwänden gegenüber, so dass an dieser Stelle nur selektiv auf die Problemfelder eingegangen werden soll, die den Anstoß für die vorgestellten Modelle geben. Neben der Kritik an der Datenbank, insbesondere der fehlenden Berücksichtigung schwer quantifizierbarer Faktoren, wird in Bezug auf die Modellspezifikation stark bezweifelt, dass der im PIMS-Ansatz verwendete einfache Regressionsansatz in der Lage sei, die komplexen Wirkungsstrukturen der strategischen Erfolgsfaktoren auf die Erfolgsgrößen zu modellieren (vgl. Annacker, 2001, S.18). Die verwendete Untersuchungsmethodik setzt, indem Querschnittsuntersuchungen von 4-Jahres-Durchschnittswerten durchgeführt werden, eine homogene Stichprobe voraus. Dies ist vor dem Hintergrund des branchenübergreifenden Charakters der Datenbank kritisch zu betrachten (vgl. Annacker, 2001, S.18). Ein Überblick über die durch diese Kritik angestoßenen sowohl konzeptionell als auch methodisch weiterentwickelten Modelle ist in Abbildung 1 gegeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

in Anlehnung an Annacker 2001 S.20

Diese Tabelle enthält lediglich die jeweiligen Basisstudien. Das PAR-ROI-Modell ist das bedeutendste Element des PIMS-Ansatzes. Es handelt sich hierbei um ein multiples, lineares Regressionsmodell, womit die Möglichkeit besteht, für jede einzelne strategische Geschäftseinheit einen PAR-ROI, d.h. einen normalerweise erwarteten Return on Investment (ROI), zu ermitteln. Laut PIMS-Vertretern erklärt dieses Modell zwischen 70% und 80% der Varianz des ROI in der PIMS-Datenbank (vgl. Annacker, 2001, S.16). Eine weitere Einzelgleichungsmodellgattung, allerdings mit Paneldaten, d.h. Längs- und Querschnittsdaten, sind die Differenzenmodelle, bei denen die Veränderung bestimmter Erfolgsgrößen verschiedener Perioden prozentual oder absolut im Vordergrund stehen (vgl. Boulding/Staelin, 1990, S.88ff.). Die Einbeziehung autokorrelierter Effekte zwischen den unbeobachtbaren Erfolgsfaktoren nahm 1990 Robert Jacobson vor, nachdem er eine stetige Korrelation festgestellt hatte und sich die Schätzer des PAR-ROI-Modells somit als ineffizient herausstellten (vgl. Jacobson,1990, S.79). Weitere Modelle dieser Art wurden in den Folgejahren entwickelt (vgl. Boulding/Staelin, 1993, S.149).

Um dem Anspruch der multiplen Kausalität des Unternehmenserfolgs (vgl. Haenecke, 2002, S.166) gerecht zu werden und die Interdependenzen zwischen den zur Erklärung des Unternehmenserfolges herangezogenen Einflußgrößen zu modellieren, bedarf es Strukturgleichungsmodellen. Diese sind in der Lage, komplexe Wirkungsstrukturen zu berücksichtigen (vgl. Annacker, 2001, S.19). Ein auf Basis der PIMS-Datenbank postuliertes Kausalmodell von Phillips, Chang und Buzzell untersucht die Wirkungsstruktur zwischen relativer Produktqualität, Preis, relativem Marktanteil und direkten Kosten auf den Return on Investment (vgl. Phillips, Chang, Buzzell, 1983, S.29). Ein Vektorautoregressives Modell auf Basis von Paneldaten berücksichtigt neben der Kontrolle von unbeobachteten Erfolgsfaktoren auch eine mögliche Endogenität zentraler Erfolgsdeterminanten des PIMS-Ansatzes (vgl. Annacker, 2001, S.20). Es wird der Kritik an einer A-priori-Theorie, nachdem die Wirkungsstruktur spezifiziert wird, gerecht (vgl. Jacobson/Aaker, 1987, S.33). Eine Weiterentwicklung des Kausalmodells auf Basis von Paneldaten nimmt Hildebrandt vor, indem Veränderungsdaten über eine 5-Jahres-Periode analysiert werden (vgl. Hildebrandt, 1992, S.1073). Das Modell schätzt sowohl indirekte als auch direkte Wirkungen des Marktanteils auf den ROI. Der Strukturplan umfaßt mit 5 verschiedenen Indikatoren insgesamt 34 zu schätzende Wirkungsparameter (vgl. Hildebrandt, 1992, S.1075). Eine Übertragung der für Einzelgleichungsmodelle entwickelten Modellspezifikation auf Strukturgleichungsebene wird im Folgenden tiefergehend thematisiert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss unbeobachteter Einflussfaktoren
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Innovation und neue Medien)
Veranstaltung
Seminar
Note
2,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V16352
ISBN (eBook)
9783638212328
ISBN (Buch)
9783656147886
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einfluss, Einflussfaktoren, Seminar
Arbeit zitieren
Lasse Walter (Autor), 2003, Der Einfluss unbeobachteter Einflussfaktoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16352

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