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Ökonomische Strukturen in Neuen Bürgerkriegen

Title: Ökonomische Strukturen in Neuen Bürgerkriegen

Seminar Paper , 2001 , 19 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Jan Tilman Günther (Author)

Politics - Topic: Peace and Conflict, Security
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den ökonomischen Strukturen neuer
Bürgerkriege.
Die „neuen Kriege“ der Zeit nach dem Kalten Krieg zeichnen sich durch
qualitative Merkmale aus, die aus Sicht vieler klassischer Erklärungsansätze
der Kriegsursachenforschung zunächst paradox erschien. Nach dem Diktum
Max Webers, dass Krieg eine „ökonomisch zweckrationale Veranstaltung“ sei,
schienen Ursachen und Verlaufsformen dieser Konflikte zunächst kaum
greifbar. Neuere Forschungsergebnisse erkennen in den komplexen und oft
scheinbar sinnlosen Strukturen der neuen Bürgerkriege jedoch eben diese
ökonomisch zweckrationalen Kategorien wieder.
Während sich der erste Teil der Arbeit mit den spezifischen
Entstehungsbedingungen und Verlaufsformen neuer Bürgerkriege auseinander
setzt, werden im zweiten Teil die ökonomischen Ursachen gegliedert
dargestellt. Politische und ökonomische Faktoren sind in der Beurteilung von
Konflikten nicht voneinander zu trennen und bedingen einander wechselseitig.
„Die wirtschaftliche Dimension gegenwärtiger Konflikte herauszuheben und zu
beschreiben heißt nicht, [...] daß man diese Phänomene auf einen simplen
Interessenkonflikt zwischen einzig von materiellen Motiven getriebenen und nur
nach Profit strebenden Akteuren verkürzen könnte oder sollte.“ (Jean/ Rufin
1999, 9) Die Trennung von ökonomischen und politischen Faktoren soll deshalb
als rein analytisch verstanden werden. Die Analyse vollzieht sich im folgenden
auf der Ebene der Gesellschaft, da die Erosion der staatlichen Zentralgewalt ein
konstitutives Merkmal neuer Kriege ist und die staatliche Analyseebene folglich
ungeeignet erscheint. Wo es für die Analyse innerstaatlicher Konflikte
notwendig ist, werden die Akteure und Aktionen des internationalen Systems
mit einbezogen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Strukturmerkmale und Entstehungsbedingungen neuer Bürgerkriege

2.1 Die politische Dimension der neuen Bürgerkriege

2.2 Entstaatlichung der Konflikte und Perpetuierung der Gewalt

3. Kriegsökonomien als strukturelles Element neuer Bürgerkriege

3.1 Interne Faktoren der Kriegsökonomien

3.2 Externe Faktoren in neuen Kriegsökonomien

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomischen Strukturen in den sogenannten „neuen Kriegen“ der Post-Kalter-Kriegs-Ära. Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, dass diese Konflikte nicht rein irrational oder chaotisch sind, sondern ökonomisch zweckrationalen Logiken folgen, die eine systematische Analyse erfordern, um das Fortbestehen der Gewalt zu verstehen.

  • Analyse der ökonomischen Motivationen als Motor für Bürgerkriege
  • Untersuchung der Entstaatlichung und des Zerfalls zentraler staatlicher Gewalt
  • Identifikation interner Faktoren wie Ressourcenkontrolle und organisierte Kriminalität
  • Bewertung externer Faktoren wie Embargos und humanitäre Hilfe auf die Konfliktdynamik

Auszug aus dem Buch

2.2 Entstaatlichung der Konflikte und Perpetuierung der Gewalt

Ein wesentliches konstitutives Merkmal neuer Bürgerkriege sind Erosion und Zerfall staatlicher Zentralgewalt. Hierfür wurden die Begriffe der schwachen Staaten oder „shadow states“ (Reno) entwickelt.

„I use the term shadow state to explain the relationship between economic and political organizations .[…] Rulers boost their direct, personal interventions into markets, both formally and clandestinely, to bolster their private wealth. […] This development underlies the primacy of economic motives in shaping the participation of key actors in civil wars in shadow states.” (Reno 2000, 44 – 45)

Schattenstaaten sind vor allem durch den Verlust des Gewaltmonopols gekennzeichnet. Infolge dessen setzt ein „Desintegrationskreislauf [...] ein, der nahezu das genaue Gegenstück zu jenem Integrationskreislauf darstellt, durch den sich die modernen Staaten herausbildeten.“ (Kaldor 2000, 146-147) Der Staat hat keine ausreichende Kontrolle über sein Territorium, dadurch sinkt das Steuereinkommen. Durch Korruption der Eliten sinkt das staatliche Budget weiter. Staatliche Kontrollkapazitäten werden weiter geschwächt. „Eine Abwärtsspirale von Einnahmen- und Legitimitätsverlust, wachsender Unordnung und militärischer Fragmentierung erzeugt den Kontext, in dem die neuen Kriege stattfinden.“ (Kaldor 2000, 147)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die ökonomische Perspektive auf die sogenannten „neuen Kriege“ ein und betont, dass politische und ökonomische Faktoren analytisch eng miteinander verwoben sind.

2. Strukturmerkmale und Entstehungsbedingungen neuer Bürgerkriege: Dieses Kapitel arbeitet den Qualitätswandel der modernen Kriegsführung heraus, bei der staatliche Interessen zugunsten von privatisierter Gewalt und Identitätspolitik in den Hintergrund treten.

3. Kriegsökonomien als strukturelles Element neuer Bürgerkriege: Hier werden die internen und externen ökonomischen Faktoren detailliert analysiert, die als Motor und Stabilisator für die Fortdauer von Bürgerkriegen fungieren.

4. Schlussbetrachtung: Das Fazit unterstreicht, dass eine ökonomische Analyse unerlässlich ist, um die komplexen, eigennützigen Interessen der Konfliktakteure zu verstehen und Fehlsteuerungen bei internationalen Interventionen zu vermeiden.

Schlüsselwörter

Neue Kriege, Bürgerkriege, Kriegsökonomie, Gewaltmärkte, Schattenstaaten, Entstaatlichung, Politunternehmer, Ressourcenkonflikt, organisierte Kriminalität, humanitäre Hilfe, Wirtschaftssanktionen, Gewaltmonopol, ökonomische Zweckrationalität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die ökonomischen Strukturen und Beweggründe, die hinter den sogenannten „neuen Kriegen“ nach dem Kalten Krieg stehen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Entstaatlichung von Konflikten, die Bildung von Kriegsökonomien sowie der Einfluss internationaler Akteure durch Hilfe und Sanktionen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, das Verständnis für die ökonomische Zweckrationalität in Bürgerkriegen zu schärfen, um besser zu begreifen, warum diese Konflikte oft über lange Zeiträume andauern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die verschiedene theoretische Ansätze zur Kriegsursachenforschung integriert und anhand ökonomischer Kategorien bewertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von internen Faktoren wie Raub und organisierter Kriminalität sowie externen Faktoren wie Embargos und humanitärer Hilfe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kriegsökonomie, Gewaltmärkte, Schattenstaaten und ökonomische Zweckrationalität charakterisieren.

Was versteht der Autor unter „Politunternehmern“?

Politunternehmer sind regionale Akteure wie Warlords, die politische und militärische Führung mit wirtschaftlichem Eigennutz verbinden, um durch Konfliktbedingungen persönlichen Reichtum zu akkumulieren.

Wie beeinflusst humanitäre Hilfe die Dynamik von Bürgerkriegen?

Die Arbeit zeigt, dass humanitäre Hilfe paradox wirken kann, indem sie ungewollt bewaffnete Gruppen stärkt, deren Nachschubwege legitimiert oder gar gezielt durch Aushungerungspolitik provoziert wird.

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Details

Title
Ökonomische Strukturen in Neuen Bürgerkriegen
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Course
PS: Die Zukunft des Krieges. Gewaltrisiken und Ordnungsansätze im 21. Jahrhundert
Grade
1,7
Author
Jan Tilman Günther (Author)
Publication Year
2001
Pages
19
Catalog Number
V16357
ISBN (eBook)
9783638212373
ISBN (Book)
9783656519355
Language
German
Tags
Strukturen Neuen Bürgerkriegen Zukunft Krieges Gewaltrisiken Ordnungsansätze Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Tilman Günther (Author), 2001, Ökonomische Strukturen in Neuen Bürgerkriegen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16357
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