Das Internet hat sich mittlerweile zum Alltagsmedium entwickelt. In dieser Arbeit geht es um das Internet als Kommunikationsmedium. Es werden die Besonderheiten der Internet-Kommunikation verdeutlicht und es wird erklärt, wie die verschiedenen Kommunikationsdienste (Chats, Newsgroups usw.) funktionieren. Außerdem geht es um Thesen, die im Diskurs über das Internet vertreten wurden. Sind im Internet wirklich alle Menschen gleich? Ist das Internet tatsächlich ein normenloser Raum, in dem jeder macht, was er will? Sinkt die Bedeutung realer Orte im Zeitalter des Cyberspace? Mit diesen Fragen setzt sich die Autorin in ihrer Arbeit auseinander. Ein extra Kapitel widmet sich dem Begriff der virtual community, der im deutschsprachigen Raum mit virtuelle Gemeinschaft übersetzt wurde. Aber kann man solche Gebilde überhaupt als Gemeinschaften oder Gruppen bezeichnen? Oder sind diese klassisch soziologischen Begriffe auf die internetbasierten Kommunikationsbeziehungen nicht anwendbar? Die Autorin untersucht, welche sozialen Formationen durch die Kommunikation im Internet wirklich entstehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kommunikation
2.1. Verschiedene Dimensionen der Kommunikation
2.2. Die Merkmale computervermittelter Kommunikation
3. Kommunikationsdienste im Internet
3.1. Synchrone Kommunikation
3.1.1. Chats
3.1.1.1. Teilnahmevoraussetzungen und Ablauf
3.1.1.2. Themen
3.1.1.3. Die Besonderheiten der Chat-Kommunikation
3.1.2. MUDs
3.1.2.1. Teilnahmevoraussetzungen und Ablauf
3.1.2.2. Themen
3.1.2.3. Die Besonderheiten von MUDs
3.2. Asynchrone Kommunikation
3.2.1. E-Mail
3.2.1.1. Teilnahmevoraussetzungen und Ablauf
3.2.1.2. Arten von E-Mails
3.2.1.3. Die Besonderheiten der E-Mail-Kommunikation
3.2.2. Mailinglisten
3.2.2.1. Teilnahmevoraussetzungen und Ablauf
3.2.2.2. Themen
3.2.2.3. Die Besonderheiten der Mailinglisten-Kommunikation
3.2.3. Newsgroups
3.2.3.1. Teilnahmevoraussetzungen und Ablauf
3.2.3.2. Struktur und Themen
3.2.3.3. Die Besonderheiten der Newsgroup-Kommunikation
3.2.3.4. Rollen in der Gruppe
3.2.3.4.1. Der passive Beobachter
3.2.3.4.2. Der aktive Teilnehmer
3.2.4. Das World Wide Web (WWW)
3.2.4.1. Teilnahmevoraussetzungen
3.2.4.2. Struktur und Themen
3.2.4.3. Die Besonderheiten des World Wide Web
4. Die netzspezifische Sprache
5. Soziale Normen im Internet – die Netiquette
5.1. Verhaltensnormen in Newsgroups
5.2. Verhaltensnormen in Chats
6. Virtuelle Räume
7. Thesen zur computervermittelten Kommunikation
7.1. Weltweite Kommunikation
7.2. Gleichheit
7.3. Demokratisierung
7.4. Depersonalisierte Kommunikation
7.5. Unverbindlichkeit von Sozialbeziehungen
7.6. Fazit
8. Soziale Formationen
8.1. Gemeinschaften
8.1.1. Der Begriff der Gemeinschaft
8.1.2. Die Anwendbarkeit auf das Internet
8.2. Gruppen
8.2.1. Der Begriff der Gruppe
8.2.2. Die Anwendbarkeit auf das Internet
8.3. Soziale Netzwerke
8.3.1. Der Begriff des sozialen Netzwerks
8.3.2. Die Anwendbarkeit auf das Internet
9. Studie „Die Sozialwelt des Internet“
10. Virtuelle Gemeinschaften
10.1. Howard Rheingold und das WELL
10.2. Kritik an Rheingolds These
10.3. Virtuelle Gemeinschaften aus heutiger Sicht
11. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Internet als Medium für zwischenmenschliche Kommunikation. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, inwieweit computervermittelte Kommunikation soziale Prozesse beeinflusst, die Entstehung neuer Sozialgebilde fördert und wie sich die Kommunikation im Netz von traditionellen Formen unterscheidet.
- Merkmale und Dienste computervermittelter Kommunikation (Synchron vs. Asynchron)
- Die Entwicklung einer netzspezifischen Sprache und deren Funktionen
- Soziale Normen im Internet (Netiquette) und deren Sanktionierung
- Vergleich von sozialen Formationen (Gemeinschaft, Gruppe, Netzwerk) im Kontext des Internet
Auszug aus dem Buch
2.2. Die Merkmale computervermittelter Kommunikation
Als natürliche Grundform zwischenmenschlicher Kommunikation gilt die Face-to-Face-Situation, bei der sich die Kommunizierenden zur gleichen Zeit am gleichen Ort befinden. Dabei sind alle Sinne (sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen) beteiligt. Durch Kommunikationsmedien ist es möglich, mit räumlich entfernten Personen in Kontakt zu treten. Computervermittelte Kommunikation bzw. Netzkommunikation ist eine Form der medial vermittelten Telekommunikation, bei der vernetzte Computer als Kommunikationsmedien fungieren. Gemeinsam ist allen Formen computervermittelter Kommunikation (CMC), dass sie von anderen Formen medialer Telekommunikation abweichen.
Computervermittelte Kommunikation weist folgende Merkmale auf:
Ortsungebundenheit: Die Kommunikation ist nicht an reale Orte gebunden. Überall, wo sich ein Computer mit Internetzugang befindet, kann computervermittelte Kommunikation stattfinden. Die Distanzen zwischen den Teilnehmern werden mit Hilfe des Mediums überwunden. Dadurch entfällt die Nicht-Anwesenheit im geographischen Sinne als Ausschlusskriterium und es ist nicht mehr unmöglich, an mehreren Kommunikationsgruppen gleichzeitig teilzunehmen.
Zeitunabhängigkeit: Der Großteil der internetbasierten Kommunikationsdienste ist asynchron. Damit entfällt die Notwendigkeit, zu gleichen Zeit „anwesend“ zu sein.
Entkörperlichung: Im virtuellen Raum findet die Kommunikation entkörperlicht statt – die Interaktionspartner sind nicht körperlich, sondern nur noch als Zeichen „anwesend“. Deswegen entfallen die nichtsprachlichen Elemente der Kommunikation (Gestik und Mimik) bzw. müssen künstlich erzeugt werden, zum Beispiel durch eine netzspezifische Sprache. Aufgrund der Entkörperlichung der Kommunikation kann kein körperlicher Zwang ausgeübt werden und die Androhung von körperlicher Gewalt ist wirkungslos.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Entwicklung des Internet vom wissenschaftlichen Spezialwerkzeug zum Massenmedium und stellt die Struktur der Arbeit sowie die untersuchten Kommunikationsdienste vor.
2. Kommunikation: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Kommunikation und arbeitet deren zentrale Dimensionen wie räumlich-zeitliche Faktoren und den Informationsfluss heraus.
3. Kommunikationsdienste im Internet: Hier werden synchrone (Chat, MUDs) und asynchrone (E-Mail, Mailinglisten, Newsgroups, WWW) Dienste anhand von Teilnahmevoraussetzungen, Abläufen und Besonderheiten detailliert analysiert.
4. Die netzspezifische Sprache: Dieses Kapitel behandelt die Entwicklung einer speziellen Zeichensprache (Emoticons, Aktionswörter, Abkürzungen), die den Mangel an nonverbaler Kommunikation in virtuellen Umgebungen ausgleichen soll.
5. Soziale Normen im Internet – die Netiquette: Es wird untersucht, wie sich im Internet informelle Verhaltensregeln gebildet haben und wie die Sanktionierung von Regelverstößen in Foren wie Newsgroups und Chats funktioniert.
6. Virtuelle Räume: Das Kapitel diskutiert das veränderte Raumverhältnis durch das Internet und die theoretische Fundierung des Begriffs „Cyberspace“.
7. Thesen zur computervermittelten Kommunikation: Hier werden gängige Thesen (Weltweite Kommunikation, Gleichheit, Demokratisierung, Depersonalisierung) hinsichtlich ihrer soziologischen Belastbarkeit kritisch hinterfragt.
8. Soziale Formationen: Es wird untersucht, inwieweit klassische soziologische Konzepte wie „Gemeinschaft“, „Gruppe“ und „Netzwerk“ auf die sozialen Beziehungen im Internet übertragbar sind.
9. Studie „Die Sozialwelt des Internet“: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung, die persönliche Netzwerke von Internetnutzern analysiert hat.
10. Virtuelle Gemeinschaften: Das Kapitel beleuchtet den von Howard Rheingold geprägten Begriff, dessen theoretische Kritik und die heutige Bedeutung von Online-Communities.
11. Zusammenfassung und Ausblick: Diese Sektion resümiert die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit und reflektiert über die Rolle sozialer Prozesse bei der Nutzung technischer Kommunikationsmittel.
Schlüsselwörter
Computervermittelte Kommunikation, Internet, Netiquette, Soziale Netzwerke, Virtuelle Gemeinschaften, Chat, Newsgroups, E-Mail, Online-Kommunikation, Soziale Normen, Sozialisation, Digitale Kommunikation, Gruppenkommunikation, Soziologie, Technikfolgenabschätzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Internet als Medium für zwischenmenschliche Kommunikation und untersucht die sozialen Auswirkungen, die sich aus der Nutzung internetbasierter Dienste ergeben.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Zentrale Themen sind die verschiedenen Internet-Kommunikationsdienste, die Entstehung einer netzspezifischen Sprache, die Etablierung sozialer Normen (Netiquette) sowie soziologische Begriffe zur Beschreibung sozialer Formationen im Netz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie sich Kommunikation im digitalen Raum von direkter Face-to-Face-Kommunikation unterscheidet und ob sich im Internet tatsächlich neue „virtuelle Gemeinschaften“ bilden oder ob es sich eher um eine Ergänzung realer Sozialstrukturen handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Neben einer theoretischen Fundierung durch soziologische Klassiker (wie Tönnies oder Simmel) nutzt die Arbeit eine empirische Fallstudie („Die Sozialwelt des Internet“), die Interviews und Netzwerkanalysen verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil deckt die technische Funktionsweise und die soziale Praxis in Chats, Newsgroups und dem World Wide Web ab, gefolgt von einer kritischen Prüfung gängiger Thesen über Demokratisierung und Gleichheit im Netz.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit beschreiben?
Die Arbeit ist im Bereich der Mediensoziologie angesiedelt; wichtige Begriffe sind Online-Kommunikation, virtuelle Gemeinschaften, soziale Netzwerke und die Auswirkungen technischer Rahmenbedingungen auf menschliches Verhalten.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen synchronen und asynchronen Kommunikationsdiensten?
Synchrone Dienste (z.B. Chats) erfordern die gleichzeitige Anwesenheit der Teilnehmer, während asynchrone Dienste (z.B. E-Mail, Newsgroups) eine zeitversetzte Kommunikation ermöglichen und Nachrichten für den Abruf zwischenspeichern.
Warum spielt die sogenannte „Netiquette“ eine so wichtige Rolle in der Untersuchung?
Die Netiquette dient als informelles Regelwerk, das zeigt, dass auch im virtuellen Raum soziales Handeln an Normen gebunden ist und dass Nutzer bei Fehlverhalten (z.B. „Flooding“ oder „Flaming“) soziale oder technische Sanktionen zu erwarten haben.
- Arbeit zitieren
- Tanja Danne (Autor:in), 2002, Kommunikation im Internet – Das Internet als sozialer Raum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164037