„Die hundert Sprachen des Kindes
Die hundert gibt es doch
Das Kind besteht aus hundert Sprachen
hundert Händen
hundert Gedanken
hundert Weisen
zu denken, zu spielen und zu sprechen
Hundert
immer hundert Arten
zu hören, zu staunen und zu lieben.
Hundert heitere Arten
zu singen, zu begreifen
hundert Welten zu entdecken
hundert Welten frei zu erfinden
hundert Welten zu träumen.
Das Kind hat hundert Sprachen.
Und hundert und hundert und hundert.
Neunundneunzig davon aber
werden ihm gestohlen,
weil Schule und Kultur
ihm den Kopf vom Körper trennen.
Sie sagen ihm:
ohne Hände zu denken,
ohne Kopf zu schaffen
zuzuhören und nicht zu sprechen.
Ohne Heiterkeit zu verstehen,
zu lieben und zu staunen
nur zu Ostern und Weihnachten.
Sie sagen ihm:
die Welt zu entdecken
die schon entdeckt ist.
Neunundneunzig von hundert
wurden ihm gestohlen.
Sie sagen ihm:
Spiel und Arbeit
Wirklichkeit und Phantasie
Wissenschaft und Imagination
Himmel und Erde
Vernunft und Träume
seien Dinge, die nicht zusammen passen.
Sie sagen ihm kurz und bündig,
daß es keine hundert gäbe.
Das Kind sagt:
Und ob es die hundert gibt.“
(Loris Malaguzzi in: Zimmer 1997, S.21ff.)
Durch veränderte Lebensbedingungen und dem daraus oft resultierenden Bewegungsmangel weisen bereits Grundschulkinder enorme körperliche Defizite auf. Bewegung ist aber für eine ganzheitliche Entwicklung von Kindern unerlässlich.
Leider sind die heutigen Lebensumstände, in denen Kinder aufwachsen, oft auf ein Minimum an Bewegung beschränkt, wodurch ihnen die Chance verwehrt bleibt, sich durch Bewegung aktiv-handelnd mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen, um sich diese folglich zu erschließen.
Dieses Buch zeigt die Bedeutsamkeit der Bewegung auf, erklärt dessen Einfluss auf eine gesunde kindliche Entwicklung und beschreibt wie durch Bewegung das Lernen durch Einbeziehen möglichst aller Sinneskanäle „erleichtert“ werden kann.
Dargestellt werden veränderte Lebensbedingungen, die Auswirkungen auf die heutige Kindheit haben; der Zusammenhang von Bewegung und Entwicklung von Kindern; das Lernen im Kontext einer „Bewegten Schule“ sowie das Zusammenspiel von Konzentration und Bewegung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Veränderte Kindheit
2.1 Aspekte Veränderter Kindheit
2.1.1 Kinder und Medien
2.1.2 Die Bewegungs- und Erfahrungsräume
2.1.3 Das Freizeitverhalten
2.2 Grundschüler heute – aus der Sicht ihrer LehrerInnen
2.3 Zusammenfassung
3. Bewegung
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Bedeutung von Bewegungserfahrungen für die kindliche Entwicklung
3.3 Der Zusammenhang von Bewegung und Entwicklung
3.3.1 Bedeutung der Bewegung für die kognitive Entwicklung von Kindern
3.3.2 Bedeutung der Bewegung für die motorische Entwicklung von Kindern
3.3.3 Bedeutung der Bewegung für die Entwicklung des Selbst
3.3.4 Bedeutung der Bewegung für die soziale Entwicklung von Kindern
3.3.4.1 Probleme der sozialen Entwicklung
3.4 Bewegung und Wahrnehmung
3.5 Psychomotorik
3.6 Bewegung und Gesundheit
3.7 Bewegungsmangelerkrankungen
3.7.1 Allgemeine Statistik
3.7.2 Haltungsschwächen
3.7.3 Koordinationsschwächen
3.7.4 Organleistungsschwächen
3.8 Zusammenfassung
4. Bewegte Schule
4.1 Bedeutung der Bewegung für das Gehirn und das Lernen
4.1.1 Bewegung und das Gehirn
4.1.2 Die beiden Hemisphären
4.1.3 Bedeutung der Bewegung beim Lernen
4.1.4 Lernen mit allen Sinnen
4.2 Die Idee der Bewegten Schule
4.3 Funktionen der Bewegten Schule
4.4 Aufgaben und Ziele der Bewegten Schule
4.5 Konzepte der Bewegten Schule
4.6 Tägliche Bewegungszeit
4.7 Bewegter Unterricht
4.7.1 Bewegungspausen im Unterricht
4.7.2 Bewegtes Sitzen – Dynamisches Sitzen
4.7.3 Bewegte Pause
4.7.3.1 Pausenhofgestaltung
4.7.4 Stille und Entspannung in der Bewegten Schule
4.7.5 Sport- und Bewegungsunterricht
4.7.6 Außerunterrichtliche Bewegungsangebote
4.8 Zusammenfassung
5. Konzentration
5.1 Begriffsbestimmung
5.2 Konzentrationsschwierigkeiten, -störungen und –schwächen
5.3 Bedeutung der Konzentrationsfähigkeit
5.3.1 Konzentration und Unterricht
5.3.2 Konzentration und Entspannung
5.3.3 Konzentration und Bewegung
5.4 Konzentration und Aufmerksamkeit bei Maria Montessori
5.5 Konzentrationsförderung
5.5.1 Konzentrationsförderung durch Entspannung
5.5.2 Konzentrationsförderung durch Bewegung
5.5.2.1 Brain Gym®
5.5.2.2 Bewegungsgeschichten
5.5.2.3 Bewegungslieder
5.5.2.4 Spiele zur Konzentration mit dem ganzen Körper
5.5.2.5 Konzentrationsförderung mit allen Sinnen
5.5.2.6 Konzentrationsförderung im Sportunterricht
5.6 Zusammenfassung
6. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen Bewegung und kognitiver Entwicklung im Grundschulalter. Zentrales Ziel ist es, den Bewegungsmangel heutiger Kinder aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, wie durch das Konzept der "Bewegten Schule" und gezielte Bewegungsangebote die Konzentrationsfähigkeit nachhaltig gefördert werden kann.
- Veränderte Lebensbedingungen und Bewegungsarmut bei Kindern
- Bedeutung der Bewegung für die kindliche Gesamtentwicklung
- Implementierung von Bewegung im Schulalltag (Bewegte Schule)
- Theoretische Grundlagen und Praxisbeispiele zur Konzentrationsförderung
- Wechselwirkung zwischen Bewegung, Gehirnfunktion und Lernen
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriffsbestimmung
„Bewegung, [...], ist die äußere, umweltbezogene Komponente der menschlichen Tätigkeit, die in Ortsveränderungen des menschlichen Körpers beziehungsweise seiner Teile und der Wechselwirkung mechanischer Kräfte zwischen Organismus und Umwelt zum Ausdruck kommt“ (Meinel 1998, S.33).
Nach ZIMMER ist Bewegung ein Grundphänomen menschlichen Lebens, auf das der Mensch angewiesen ist. „Die Bewegungsentwicklung beginnt bereits im Mutterleib, und erst mit dem Tod hört jede Bewegung auf“ (Zimmer 1993, S.13).
Bewegung umfasst viele unterschiedlichen Dinge. Darunter zählen z.B. laufen, essen, malen, Fußballspielen oder Schreibmaschine schreiben. Bezüglich der Begriffsbestimmung darf aber auch nicht außer Acht gelassen werden, dass wir Gefühle als sog. „innere Bewegung“ verstehen. Damit sind also zwei Komponenten zu sehen. Bewegung bezieht sich also nicht nur auf die körperliche Betätigung, sondern ist zugleich Ausdruck menschlicher Gefühle (vgl. ebd., S.13).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Fundament der Examensarbeit und verdeutlicht die Relevanz des Themas Bewegung im Kontext zunehmender Bewegungsarmut bei Grundschulkindern.
2. Veränderte Kindheit: Dieses Kapitel analysiert die gewandelten Lebensbedingungen, wie die Abnahme von Freiräumen und den steigenden Medienkonsum, die zu einer Verinselung der kindlichen Lebenswelt führen.
3. Bewegung: Es werden die essenzielle Bedeutung von Bewegung für die körperliche, kognitive und soziale Entwicklung dargelegt sowie gesundheitliche Folgen von Bewegungsmangel thematisiert.
4. Bewegte Schule: Dieses Kapitel stellt Konzepte vor, wie Bewegung als fester Bestandteil in den Unterricht und das Schulleben integriert werden kann, um ganzheitliches Lernen zu ermöglichen.
5. Konzentration: Der Fokus liegt auf der Definition von Konzentration und der praxisnahen Darstellung, wie durch Bewegung und Entspannung die Konzentrationsfähigkeit gezielt gesteigert werden kann.
6. Abschließende Betrachtung: Eine reflektierende Zusammenfassung, die die Notwendigkeit eines Umdenkens in der Schulpraxis zur Förderung der kindlichen Entwicklung unterstreicht.
Schlüsselwörter
Bewegung, Konzentrationsförderung, Grundschule, Bewegte Schule, Kindheitsforschung, Psychomotorik, Lernentwicklung, Sportpädagogik, Medienkonsum, Bewegungsmangel, Wahrnehmung, Entspannung, Gehirnreifung, Handlungskompetenz, Ganzheitliches Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der engen Verknüpfung von Bewegung und kindlicher Entwicklung sowie der Frage, wie durch das Konzept der "Bewegten Schule" Konzentrationsschwierigkeiten bei Grundschulkindern entgegengewirkt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die veränderte Lebenswirklichkeit von Kindern, die Bedeutung der Bewegung für Gehirn und Psyche sowie pädagogische Strategien zur Integration von Bewegung in den Unterrichtsalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Notwendigkeit von Bewegung als unentbehrlichen Faktor für eine gesunde Entwicklung darzustellen und konkrete methodische Ansätze zur Steigerung der Konzentration durch Bewegung zu vermitteln.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Examensarbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und diese durch eigene Erfahrungen aus der Sportförderpraxis ergänzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der veränderten Kindheit, die theoretischen Hintergründe zur Motorik und Psychomotorik, das Konzept der Bewegten Schule und einen umfangreichen Praxisteil zur Konzentrationsförderung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen "Bewegte Schule", "Konzentrationsförderung", "Psychomotorik", "Kindheitswandel" und "Ganzheitliches Lernen".
Was sind "Mittellinienbewegungen" im Brain Gym?
Mittellinienbewegungen sind spezielle Übungen, bei denen die Körpermittellinie gekreuzt wird, um die Zusammenarbeit beider Gehirnhälften zu fördern und die Konzentration zu steigern.
Wie lässt sich Konzentration durch "Bewegungsgeschichten" fördern?
Bewegungsgeschichten fordern von Kindern eine hohe auditive Aufmerksamkeit, da sie während einer erzählten Geschichte akustisch wahrgenommene Anweisungen sofort in physische Handlungen umsetzen müssen.
- Arbeit zitieren
- Ines Konietzka (Autor:in), 2003, Die Förderung von Bewegung und Konzentration bei Kindern im Grundschulalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16404