Die Bedeutung der Systemtheorie aus betriebswirtschaftlicher Sicht

Darstellung und kritische Würdigung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

26 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der Systemtheorie
2.1 Grundbegriffe der Systemtheorie
2.1.1 System
2.1.2 Kybernetik
2.1.3 Regelung, Steuerung und Lenkung
2.1.4 Regelkreismodell
2.2 Eigenschaften von Systemen
2.3 Ursprung der Systemtheorie
2.3.1 Die Kybernetik von Norbert Wiener
2.3.2 Die Systemtheorie von Karl Ludwig von Bertalanffy
2.3.3 Die Systemtheorie von Boulding
2.3.4 Neuere Ansätze der Systemtheorie in der Managementlehre

3 Systemtheorie aus betriebswirtschaftlicher Sicht
3.1 Betriebswirtschaftliche Systemtheorie
3.2 Merkmale des Systems Unternehmung
3.3 Chancen eines systemtechnisch-kybernetischen Umgangs mit dem Management
3.4 Das Unternehmen als System
3.5 Komplexität im Unternehmen
3.6 Kybernetischer Managementansatz
3.7 Probleme und Grenzen der Kybernetik und Systemtheorie

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist es, zwei verschiedene und für sich selbst betrachtet, äußerst komplexe Themenbereiche zu beschreiben mit einander zu vergleichen und kritisch zu erörtern. Hierbei handelt es sich zum einen um die betriebswirtschaftliche Managementlehre und zum anderen um das Gebiet der Systemtheorie.

Bei der Systemtheorie, handelt es sich besonders im Hinblick auf komplexe und dynamische Systeme, um ein äußerst umfassendes Feld. Dies macht es erforderlich, die Grundbegriffe der Systemtheorie darzustellen, da nur so eine richtige Bearbeitung des systemtheoretischen Managementansatzes möglich ist.

Kernproblem dieser Arbeit ist die immer größer werdende Komplexität der Aufgabenbereiche eines Managements, die diesen in verstärktem Maße vor große Probleme stellen. Managementprozesse sind komplexe Entscheidungsprozesse. Endscheidungen werden belastet durch eine steigende Komplexität der internen Abläufe einer Unternehmung und deren Umwelt. Außerdem hat sich das wirtschaftliche, gesellschaftliche Umfeld interner Prozesse der Entscheidungsfindung in der Vergangenheit sehr gewandelt. Diese neuen Formen der Komplexität, mit denen sich moderne Unternehmungen in zunehmendem Maße konfrontiert sehen, erfordern deshalb eine Neugestaltung der Vorgehensweise bezüglich der Gestaltung und Führung soziotechnischer Systeme.

In diesem Kontext steht anstelle der Führungsaktivitäten die Organisation der zu bewerkstelligenden Aufgaben und Tätigkeiten im Mittelpunkt der Betrachtung.

Abschließend wird das Fachgebiet der Kybernetik innerhalb einer systemtheoretischen Managementbetrachtung erörtert und die Grundcharakteristika dieser Disziplin beschrieben.

2 Grundlagen der Systemtheorie

Vorab wird auf die Grundlagen der Systemtheorie eingegangen, da so eine systemtheoretische Beschäftigung mit dem Management erfolgreich entstehen kann.

2.1 Grundbegriffe der Systemtheorie

Beschäftigt man sich näher mit der Management Literatur, so bemerkt man sehr schnell, dass häufig Schlüsselwörter aus der Systemtheorie als sinngleich angenommen werden, obwohl diese sich nur ähneln aber nicht gleichbedeutend sind. Es gibt auch in der Literatur von den jeweiligen Wissenschaftsdisziplinen abhängig, vielfältigste Definitionen der Grundbegriffe der Systemtheorie. So sollten zunächst einmal die verschiedenen Grundbegriffe geklärt werden.

2.1.1 System

Da in der gesamten Literatur der Systemtheorie das System ein wichtiger Begriff ist, sollte dieser Begriff an erster Stelle geklärt werden. Es beschäftigt sich jede Wissenschaft mit Systemen und jede Wissenschaftsrichtung definiert Systeme aus ihrer Sicht. So kommt es vor, dass gleiche Begriffe mit unterschiedlichen Bedeutungen belegt werden. So gibt es auch in der Literatur, in Abhängigkeit von den jeweiligen Wissenschaftsdisziplinen, vielfältigste Definitionen von Systemen. Im Rahmen dieser Arbeit soll nun eine Systemdefinition gefunden werden, die vor allem mit sozialen Systemen kompatibel ist, da bei der Betrachtung von Managementprinzipien soziale Systeme im Vordergrund stehen.

Ein System ist eine von seiner Umwelt differenzierte Ganzheit, es besteht aus Elementen zwischen denen wiederum Wechselwirkungen bestehen, so dass sie als eine aufgaben-, sinn- oder zweckgebundene Einheit angesehen werden können.[1] Es lässt sich in Subsysteme unterteilen. Die Systemumwelt wird durch ein übergeordnetes System dargestellt wobei das System ein Teil davon ist. Die kleinsten Bestandteile bilden die Systemelemente. Die Verknüpfungen zwischen den Systemelementen sind Beziehungen. Es gibt eine Grenze zwischen den Elementen des Systems und der Systemumwelt, diese wird als Systemgrenze bezeichnet.[2]

2.1.2 Kybernetik

Kybernetik wird bezeichnet als die Wissenschaft der Kommunikation und Regelung von Maschinen und lebenden Organismen.[3] Die grundsätzlichen Konzepte zur Steuerung und Regulation von Systemen, werden von der Kybernetik erforscht. Verschiedene Bereiche werden so vergleichbar gemacht. Momentan werden die Themen der Kybernetik weiter differenziert in der Systemtheorie behandelt, im Bereich der Technik unter der Bezeichnung Steuerungs- und Regelungstechnik, in den Geisteswissenschaften unter dem Begriff Systemik oder Kybernetik zweiter Ordnung, in den Sozialwissenschaften unter Management-Kybernetik oder Soziokybernetik usw. Die Entscheidungs- und die Spieltheorie, die sich mit Entscheidungsprozessen in teils komplexen Situationen mehrdimensionaler Zielräume beschäftigen, erzielen einen wachsenden Einfluss besonders im Bereich der Medizin, des Militärs und der Wirtschaft.[4] Wichtig ist anzumerken, dass die Funktion (das Was) der jeweiligen Maschine weniger relevant ist als der Mechanismus (das Wie), der hinter der Erfüllung der Funktion steckt.[5] In der Organisationstheorie kann die Kybernetik als Grundgerüst dienen, um Unternehmen als offene soziotechnische Systeme zu betrachten.[6]

2.1.3 Regelung, Steuerung und Lenkung

Es gehen bei der Steuerung verschiedene Inputs in ein System ein, welches wiederum Outputs aus diesen erzeugt. Die Steuerung erfasst mögliche Störgrößen, die auf das System einwirken können. Durch Stellgrößen können diese Störgrößen korrigiert werden.

Im Gegensatz zur Steuerung wird bei der Regelung der Output eines bestimmten Prozesses überwacht. Bei einer Abweichung des Istwertes vom Sollwert wird eine entsprechende Korrekturanweisung ausgelöst.

Die Lenkung stellt eine Kombination aus Steuerung und Regelung dar, denn sie berücksichtigt einwirkende Störgrößen im Vorfeld und kontrolliert auch den Output des Systems.[7]

2.1.4 Regelkreismodell

Modelle zur Planung und Überwachung betrieblicher Vorgänge werden vor allem auf Basis der Regelungstheorie entwickelt. Die Regelungstheorie verwendet die Prinzipien der Regelung und Steuerung. Mit Hilfe des Regelkreismodells kann erreicht werden, dass sich das System selbst Änderungen anpasst.[8] Es deutet darauf hin, dass solche Regelungskonzepte die Form eines Kreislaufs besitzen, denn es gibt hinsichtlich der Funktionsweise operational geschlossene Mechanismen. Bei Regelkreisen spielt die Rückkopplung eine bedeutende Rolle. Nach Bertalanffy ist das Konzept der Rückkoppelung der wichtigste Grundbaustein der Kybernetik.[9] Ashby bezeichnet die Wechselwirkung zwischen einem Organismus und seiner Umwelt als Feedback (Rückkopplung).[10] Anders ausgedrückt liegt eine Rückkoppelung dann vor, wenn nach einer Kette von Wirkungen irgendwann einmal eine Rückwirkung erfolgt.

Das Systemverhalten wird durch die Lenkung beeinflusst und die Lenkung ist für das Funktionieren des Systems erforderlich. Wenn die kausalen Zusammenhänge bekannt sind lässt sich das Verhalten des Systems vorhersagen. Integrierte Systeme entstehen wenn man Kausalbeziehungen zusammenfügt und Steuerungs- und Regelungskreise kombiniert.[11] Mit Hilfe von Kausaldiagrammen können Ursache-Wirkungszusammenhänge zwischen Systemelementen visuell dargestellt werden. Es werden bei kausalen Strukturen bestimmte Wirkungsbeziehungen unterschieden. Zum einen positive bzw. gleichgerichtete Beziehungen, die gleichgeschaltete Veränderungen bewirken und zum anderen negative bzw. einander gegengeschaltete Beziehungen, die eine Umgestaltung der beeinflussten Variablen in die andere Richtung erreichen.[12]

Ein Kreislauf von Ursache und Wirkung wird auch als Kausalschleife bezeichnet. Aus Multiplikation der Vorzeichen ergibt sich ihre Wirkungsrichtung. Man unterscheidet zwischen negativen und positiven Rückkopplungen. Negative Rückkopplungen streben dahin, den Abstand zwischen Ist und Sollzustand ständig zu verkleinern. Sie sind stark mit dem Begriff des Ruhezustands verbunden und spielen darum eine große Rolle bei der Erhaltung eines Gleichgewichts in Systemen.[13]

Positive Rückkopplungen führen im Gegenteil dazu zu starken Veränderungen im System, zum Verlust des Gleichgewichtes oder der Stabilität. In Bezug auf das Management spielen jedoch beide Arten eine wichtige Rolle. Ein Regelkreis mit positiver Polarität wird auch selbst verstärkender Regelkreis genannt, denn er führt zu exponentiellen Wachstums- oder Schrumpfungsprozessen.[14]

2.2 Eigenschaften von Systemen

Es ist notwendig, Systeme mit Hilfe ihrer Eigenschaften näher zu charakterisieren, da die Grundbegriffe des vorangegangen Kapitels noch nicht allzu viel über die Systemtheorie aussagen. Deshalb werden in den nachfolgenden Unterkapiteln einige Eigenschaften von Systemen dargestellt.

Kompliziert

Ein System ist kompliziert, wenn es viele verschiedene Systemmerkmale und Beziehungen aufweist.[15]

Statisch

Systeme bilden mit der Zeit eine Einheit. Bei der Betrachtung statischer Systeme spielt die Zeit jedoch keine Rolle, da aufgrund der fehlenden Dynamik keine Veränderungen mehr ablaufen und Zeit als Systemkategorie nicht mehr vorhanden ist.[16] Diese Arbeit wird sich mit dynamischen Systemen beschäftigen, da die Prozesse dynamischer Systeme stabile Strukturen für funktionsfähige, lebende Systeme generieren.

Dynamisch

Dynamisch ist ein System, wenn sich die vorhandenen verschiedenen Systemmerkmale und Beziehungen verändern.[17] Aus dem vorange-gangenen Abschnitt geht hervor, dass in dynamischen Systemen die Zeit sehr wichtig ist, da in dynamischen Systemen Interaktionen von der Zeit abhängige Funktionen sind. Dynamische Systeme, ob lebende oder Maschinen[18], durchlaufen im Zeitablauf unterschiedliche Zustände[19]. Der Übergang von einem Zustand in den nächsten wird als Transformation bezeichnet. Nach Wiener ist eine Transformation eines Systems eine Veränderung, in deren Rahmen ein Element in ein anderes übergeht.[20] Transformationen sind somit wesentliche Eigenschaften dynamischer Systeme.

Komplex

Ein komplexes System ist gekennzeichnet durch die Art und Zahl der Elemente sowie Art, Stärke, Zahl und Dichte der Wechselbeziehungen, es vereinigt also Kompliziertheit und Dynamik. Generell werden Systeme nach ihrer Komplexität in einfache und komplexe Systeme unterteilt. Der Begriff der Komplexität wird oft von den verschiedenen Wissenschaften, in den unterschiedlichsten Zusammenhängen gebraucht und spielt gerade bei der betriebswirtschaftlichen Planung und Entscheidungsfindung eine entscheidende Rolle. Je komplexer ein System ist, desto ungewisser sind die integrierten Verknüpfungen erreichbarer Ereignisse im System. Wie man sieht, ist es sehr schwer, eine handfeste Definition von Komplexität zu entwickeln. Abschließend ist festzustellen, dass Komplexität in der Lage ist, neue Eigenschaften zu erschaffen, eine der größten Voraussetzung für das Leben an sich ist, und dass zu einem gewissen Grad jedes System Komplexität ausbilden muss, um in einer komplexen Umwelt überleben zu können.[21]

[...]


[1] Vgl. Ulrich (1970): 105.

[2] Vgl. Güldenberg (1998): 53-55.

[3] Vgl. Wiener (1992): 39.

[4] Vgl. Pauly (1990): 68.

[5] Vgl. Ashby (1974): 15.

[6] Vgl. Meierhofer (2004): 181.

[7] Vgl. Dillerup/Stoi (2008): 23-25.

[8] Vgl. Bokranz/Kasten (2001): 137.

[9] Vgl. Bertalanffy (1968): 161.

[10] Vgl. Ashby (1960): 37.

[11] Vgl. Bleicher (2004): 53.

[12] Vgl. Dillerup/Stoi (2008): 25.

[13] Vgl. Dillerup/Stoi (2008): 25f.

[14] Vgl. Dillerup/Stoi (2008): 25.

[15] Vgl. Ulrich/Probst (2001): 59-61.

[16] Vgl. Kritz (2000): 22.

[17] Vgl. Ulrich/Probst (2001): 59-61.

[18] Vgl. Ashby (1974): 27.

[19] Vgl. Ashby (1974): 50.

[20] Vgl. Wiener (1992): 63.

[21] Vgl. Ulrich/Probst (2001): 59-61.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Systemtheorie aus betriebswirtschaftlicher Sicht
Untertitel
Darstellung und kritische Würdigung
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
26
Katalognummer
V164408
ISBN (eBook)
9783640793563
ISBN (Buch)
9783640793778
Dateigröße
675 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Systemtheorie, Sicht, Darstellung, Würdigung
Arbeit zitieren
Manuela Neubach (Autor), 2010, Die Bedeutung der Systemtheorie aus betriebswirtschaftlicher Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164408

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