Schlüsselproblem-Portfolio: Massenmedien und ihre Wirkungen

Zum Bewusstsein um das Leben in einer Informations- & Kommunikationsgesellschaft


Hausarbeit, 2006
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Mein Erlebnis mit dem ästhetischen Objekt

2. Sachanalyse
2.1. Was ist ein Schlüsselproblem?
2.2. Was sind Massenmedien?
2.3. Das Massenmedium Fernsehen
2.3.1. Die geschichtliche Entwicklung des Fernsehens in der BRD
2.3.2. Die aktuelle Verbreitung von Fernsehgeräten in der BRD

3. Didaktische Analyse

4. Methodischer Vorschlag - „Das Qmsee-PtojeW
4.1. Projektverlauf
4.2. Lernziele

5. Literatur- & Quellenverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

7. Anhang

1. Mein Erlebnis mit dem ästhetischen Objekt

Das, was sich im Nachhinein zu meinem asthetischen Objekt entwickeln sollte, erwartete mich am Morgen eines ganz gewohnlichen Montags auf der Theke einer Backerei. Diese Backerei liegt nur einen Katzensprung von dem Haus, in dem ich wohne, entfernt, was wohl auch der Grund dafur gewesen sein mag, dass ich mich vor Tau und Tag aufrappeln konnte, um mir ein paar Brotchen fur das Fruhstuck zu besorgen. Da ich nicht der einzige hungrige Fruhaufsteher war, reihte ich mich wohl erzogen in die Schlange der Wartenden ein, um auf die erlosenden Worte der Frau auf der anderen Seite des Tresens (,, Was darf's sein?") zu warten. Wahrend ich wartete, schweifte mein verschlafener Blick durch die gerade renovierte Backerei bzw. durch das kleine Cafe, zu dem sich diese entwickelt hatte. Beim Umherschweifen traf mein Blick auf eine Zeitung und reflexartig machte sich mein Gehirn an die Arbeit, das Gesehene auch zu lesen.

Auf diese Weise wurde etwas, was ich mir nie selbst gekauft, geschweige denn bewusst als ästhetisches Objekt in Erwägung gezogen hätte, zu genau diesem. Es entspricht in keiner Weise dem was ich im Vorfeld als ästhetisches Objekt angedacht hatte (wie ein Gedicht Erich Frieds, ein Film von Sam Mendes, die Institution des Zivildienstes oder Ähnliches).

Das so genannte asthetische Objekt musste laut Fremdworterbuch „stilvoll-schdn" bzw. „geschmackvoll"1 sein. Die Bild-Zeitung ist jedoch weder das eine, noch das andere. Trotzdem drangte sie sich mir formlich auf, was vermutlich genau daran liegen wird, dass sie dieser Definition nicht entspricht. Denn durch das unfreiwillige Lesen der Uberschriften wurde mir wieder schlagartig bewusst, dass die Bild-Zeitung (meiner Meinung nach) weniger auf fundierte und informierende Inhalte setzt, als dass sie durch wohl selektierte und meist uberspitzte Themen versucht, die Menschen zu verunsichern und aufzustacheln. Mit anderen Worten heiftt das, dass die betreffenden Redakteure alles daran setzen, Menschen anzusprechen und in die Haltung zu versetzen, dass sie sich die Bild-Zeitung kaufen. An diesem Punkt schlieftt sich wiederum der Kreis bezuglich der Asthetik des Objekts, denn diese Montagsausgabe der Bild-Zeitung sprach mich nicht nur an, wie es in der Definition des Wortes asthetisch im Fremdworterduden steht, die Beschaftigung mit den provokanten Inhalten und dem unfreiwilligen Kopfschutteln daruber verselbstandigte sich genau genommen.

Mein Arger uber die uberzogene Art der Berichterstattung („GAMMELFLEISCH -Schutzt uns endlich! Die Politiker reden, reden, reden - und tun nichts!2 ) zeigte mir zwar, dass ich, als erwachsener Mensch, in der Lage war, diese Methode des Umsatz-Machens zu durchschauen, die Uberschriften und Artikel somit nicht ernst zu nehmen und mir deswegen meine Meinung durch andere Informationen und Erfahrungen bilden wurde. Doch was ist mit der Vielzahl an Kindern, die ebenfalls bei diesem Backer kaufen und dort, oder in unzahligen anderen Geschaften, ohne Zutun diese Artikel lesen? Die meisten dieser Kinder haben (noch) nicht das (Welt-)Wissen, mit dem ich dieser Zeitung begegne und haben ebenso wenig die Moglichkeit, sich vor diesem negativen Einfluss zu wehren. Diese Gedanken, die ich einem ungeplanten Backereibesuch verdanke, haben mir den Anstoft gegeben, mich mit dem Schlusselproblem „Massenmedien und ihre Wirkungen" auseinanderzusetzen und dabei besonders auf die Fahigkeiten einzugehen, die notig sind, um in der heutigen Informations- Kommunikationsgesellschaft kompetent und weitestgehend selbst bestimmt leben zu konnen.2 Bild-Zeitung (Bremen), Ausgabe vom 04.09

2. Sachanalyse

2.1. Was ist ein Schlüsselproblem?

Ein Schlüsselproblem ist ein Teil des so genannten Schlüsselproblemansatzes von Wolfgang Klafki (Jahrgang 1927).

Schlüsselprobleme ergeben sich für Klafki aus den epochaltypischen Problemen und Aufgaben, mit denen sich die Menschheit aktuell und auf unbestimmte Zeit hin konfrontiert sieht, zum Beispiel: Die Friedensfrage, traditionelle und alternative Lebensformen, Arbeit und Arbeitslosigkeit, Behinderte und Nichtbehinderte, soziale Ungleichheit und ökonomisch-gesellschaftliche Machtpositionen, die menschliche Sexualität und das Verhalten der Geschlechter zueinander oder die Umweltfrage.3 Ersichtlich ist dass eine Auflistung von Schlüsselproblemen aufgrund der Veränderung der Welt und der Entwicklung der Menschheit niemals dauerhaft vollständig oder endgültig sein kann.

Der von Klafki entwickelte Schlüsselproblemansatz sieht vor, dass der Mensch durch die Thematisierung der gegenwärtigen Schlüsselprobleme die wesentlichen Bildungsinhalte vermittelt bekommt bzw. sich aktiv aneignet. Dementsprechend definiert Klafki Allgemeinbildung wie folgt:

,,Bildung bzw. Allgemeinbildung bedeutet (...), ein geschichtlich vermitteltes BewuRtsein [sic!] von zentralen Problemen der gemeinsamen Gegenwart und der voraussehbaren Zukunft gewonnen zu haben, Einsicht in die Mitverantwortlichkeit aller angesichts solcher Probleme und Bereitschaft, sich ihnen zu stellen und am Bemuhen um ihre Bewaltigung teilzunehmen.4

Zusammenfassend sei gesagt dass der Gegenstand dieses Portfolios also Massenmedien und ihre Wirkungen, mehr als je zuvor eines dieser zentralen Probleme bzw. epochaltypischen Schlüsselprobleme darstellt.

Diesen Umstand näher zu erläutern und zu begründen ihn didaktisch zu hinterfragen und daraus einen methodischen Vorschlag abzuleiten, ist Aufgabe dieser Hausarbeit.

2.2. Was sind Massenmedien?

Zur Erlauterung von Massenmedien stelle ich eine Definition des Begriffs Medium an den Anfang. Ein Medium (bzw. im Plural Medien, selten Media) ist danach eine ,,Einrichtung, [ein] organisatorischer und technischer Apparat fur die Vermittlung von Meinungen, Informationen oder Kulturgutern.5

Medien sind somit im weitesten Sinne Kommunikations- und Informationsmittel für Menschen. Die gängigsten Medien sind die Printmedien (Buch und Zeitung, ebenso der Flyer und das Plakat), Telefon und Mobilfunk, Film und Fernsehen, Hörfunk (umgangssprachlich Radio), Fotografie und Internet.

Massenmedien teilen diese Definition zu einem großen Teil. Auch Massenmedien sind Vermittler von Meinungen, Informationen und Kulturgut. Niklas Luhmann stellt in diesem Zusammenhang fest dass[...] alle Einrichtungen der Gesellschaft, die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel der Vervielf ä ltigung bedienen6 als Massenmedien bezeichnet werden können. Der Unterschied zu den Medien besteht offenkundig in der Zielgruppe, da die Massenmedien, wie der Name bereits sagt, auf große Massen ausgerichtet sind. Merkmal der Massen- medien ist demzufolge die Massenkommunikation, die durch sie ermöglicht wird. Die größten Unterschiede sind folglich in der Verbreitung und in der verwendeten Technik und weniger in dem übergeordneten Sinn (Kommunikation) zu sehen.

Als Massenmedien gelten die Printmedien, das Fernsehen, der Hörfunk und das Internet, obwohl sie umgangssprachlich beständig mit dem Begriff Medien betitelt werden.

Entgegen einigen gängigen Definitionen befinde ich die e inseitige Kommunikation als Merkmal der Massenmedien für nicht (mehr) allgemein zutreffend7. Zwar ist die Einflussnahme durch Einzelne, also die individuelle Interaktion zwischen Produzent und Konsument, ausgenommen einiger Einrichtungen wie Mit-Mach-Fernsehen, Spartenkanäle oder Leserbriefe, kaum gegeben. Doch spätestens mit der Öffnung des Internets für die Öffentlichkeit wurde eine Plattform geschaffen auf der einerseits anonymes und eingleisiges Kommunizieren und Informieren möglich is Gruppen gesprochen, gechatet oder gemailt werden kann. Bei all den unendlichen Möglichkeiten die das Internet und seine kreativ tätigen Benutzer für die allgemeine, ö]ffentliche oder ganz individuelle Kommunikation bereithält, können sich sogar die Grenzen zwischen Produzent und Konsument, die für die übrigen Massenmedien so immerwährend sind, auflösen. Weil eine umfassende Sachanalyse aller o. g. Massenmedien den Rahmen dieser Hausarbeit um ein Vielfaches übersteigen würde, werde ich mich im Folgenden auf das Massenmedium Fernsehen beschränken, da dieses bis dato einen derart großen Stellenwert im Leben der Menschen und besonders der Kinder eingenommen hat, wie es keinem anderen Massenmedium bisher möglich war.

2.3. Das Massenmedium Fernsehen

Das deutsche Wort Fernsehen stammt von dem griechisch-lateinischen Kunstwort Television", kurz „TV', ab.8

Vereinfacht besteht der Ablauf beim Fernsehen aus der Aufnahme von Bild und Ton an einem Ort, deren Nachbearbeitung, der Übertragung zu anderen Orten (elektronische Bildzerlegung) und der dortigen Wiedergabe (elekt. Bildzusammen- setzung).

Das, was hier so einfach klingt, ist jedoch mit ihren ca. 120 Jahren, auf die Zeit der Menschheitsgeschichte projiziert, eine sehr junge Technik. Bereits im vorletzten Jahrhundert erfand der Deutsche Paul Nipkow den "elektrischen Teleskopen" und lies ihn sich 1884 patentieren (siehe Abbildung 2). Obwohl seine Erfindung ,,elektronischer Teleskop" hieft, war sie im Endeffekt doch mechanischer Natur und somit kaum leistungsfahig, sodass diese Technik erst Jahrzehnte spater auch auf elektronische Weise verwirklicht wurde. 1923 erfand W. K. Zworykin die Ikonoskop-Rohre und schuf damit die erste geeignete Basis fur ein elektronisches Fernsehgerat. Das heute noch gangigste Bilderzeugungsverfahren basiert jedoch auf der ,,Braunschen Rohre", also der Kathodenstrahlrohre, die von Ferdinand Braun um 1897 erfunden, und bis heute vielfach weiterentwickelt wurde.9

Das erste elektronische gesendete Fernsehbild realisierte 1926 ein Japaner namens Kenjiro Takayanagi, der dazu eine ,,Braunsche Rohre" umgebaut hatte. Allerdings verwendete er wieder ein mechanisches Aufnahmeinstrument, weshalb das erste Fernsehbild, das vollständig elektronisch aufgenommen, gesendet und wiedergegeben wurde, Philo Farnsworth im Jahr 1927 zuzuschreiben ist.10

2.3.1. Die geschichtliche Entwicklung des Fernsehens in der BRD

In der folgenden Darstellung wird sowohl die Entwicklung der Technik des Fernsehens als auch der Inhalte, also der Fernsehprogramme bzw. ±formate, aufgezeigt. Für den Zeitraum der Unterteilung Deutschlands in die DDR und die BRD setzte ich den Fokus auf die Geschehnisse in der Bundesrepublik.11

1897 .Karl Ferdinand Braun erfindet die nach ihm benannte ,,Braunsche Rohre", die spater zur Fernsehbildrohre weiterentwickelt wird.

1923: Der russischer Physiker Wladimir K. Zworykin entwickelt in den U.S.A. die erste vollständige Fernsehbildröhre, das "Kineskop" und etwas später das "Ikonoskop". Beide sind technisch jedoch nicht ausgereift.

1926: Der Japaner Kenjiro Takayanagi sendet das erste elektronische Fernsehbild (nimmt es jedoch mit mechanischen Mitteln auf).

1927: Ein Fernsehbild wird erstmals von Philo Farnsworth vollständig elektronisch aufgenommen, gesendet und wiedergegeben.

1935: Das erste regelmaftige Fernsehprogramm der Welt wird uber den Sender „Fernsehsender Paul Nipkow" aus Berlin gesendet. Der Sender wird zur Ubertragung der olympischen Sommerspiele 1936, aber auch NS-Propagandazwecken genutzt. Das Fernsehen erreicht nur wenige, da die Technik kaum verbreitet ist.

1936: Die deutschen Ingenieure Walter Bruch und Otto von Bronk entwickeln ersten Ideen zum Farbfernsehen.

1944: Einstellung der deutschen Fernsehsendungen (Krieg).

[...]


1 Drosdowski 1994, S. 99

2 Bild-Zeitung (Bremen), Ausgabe vom 04.09.2006

3 vgl. Kaiser 2004, S. 71f

4 Klafki 1985, S. 20, zitiert nach: Kaiser 2004, S. 71

5 Drosdowski 1994, S. 644

6 http://de.wikipedia.org/wiki/Massenmedien (08.09.2006)

7 vgl. ebd.

8 http://de.wikipedia.org/wiki/Fernsehen (10.09.2006)

9 vgl. www.adlexikon.de/Elektronisches_Fernsehen.shtml (10.09.2006)

10 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Fernsehen (10.09.2006)

11 chronologische Auflistung selbst erstellt, vgl. www.kunstwissen.de/fach/f-kuns/tv/03.htm (17.09.2006), www.glossar.de/glossar/1frame.htm?http%3A//www.glossar.de/glossar/z_fernsehen.htm (17.09.2006), www.mediensprache.net/de/werbesprache/tv/history/index.asp (17.09.2006)

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Schlüsselproblem-Portfolio: Massenmedien und ihre Wirkungen
Untertitel
Zum Bewusstsein um das Leben in einer Informations- & Kommunikationsgesellschaft
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Fakultät I: Erziehungs- und Bildungswissenschaften )
Veranstaltung
BM4: Schlüsselprobleme im Sachunterricht
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V165243
ISBN (eBook)
9783640810833
ISBN (Buch)
9783640811137
Dateigröße
2853 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schlüsselproblem, Klafki, Grundschule, GS, Primarbereich, Sachunterricht, Sachkunde, Heimatkunde, Portfolio, Massenmedien, Informations- & Kommunikationsgesellschaft, Silke Pfeiffer, ästhetisches Objekt, Sachanalyse, Fernsehen, Didaktische Analyse, Methodischer Vorschlag, Das Grusel-Projekt, Projektverlauf, Bild, Bild-Zeitung, GAMMELFLEISCH – Schützt uns endlich, epochaltypische Probleme, Die Friedensfrage, traditionelle und alternative Lebensformen, Arbeit und Arbeitslosigkeit, Behinderte und Nichtbehinderte, soziale Ungleichheit und ökonomisch-gesellschaftliche Machtpositionen, die menschliche Sexualität und das Verhalten der Geschlechter zueinander oder die Umweltfrage, Mit-Mach-Fernsehen, Spartenkanäle, Internet und Kinder, Television, Menschheitsgeschichte, Paul Nipkow, elektronischer Teleskop, Braunschen Röhre, Ferdinand Braun, Plasma- oder LCD-Technik, ÜberallFernsehen, DVB-T, Digitalisierung des Fernsehens, HDTV, Verbreitung von Fernsehgeräten, KIM-Studie, Erfahrungen und Einsichten beim Handeln, Produktion von Fernsehen, Filmschnittprogramm, medienvermittelte oder -beeinflusste Vorstellungen und Ängste, Grusel- und Angstsituationen, Astrid Kaiser, Knut Hickethier, W. Swoboda, Jürgen Zipf, Die Welt als Ausgangspunkt des Sachunterrichts
Arbeit zitieren
M.Ed. Georg Rabe (Autor), 2006, Schlüsselproblem-Portfolio: Massenmedien und ihre Wirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165243

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