Die Funktion der Sprache im Roman "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche

De libro obscoeno


Examensarbeit, 2010

102 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsgeschichte
2.1 Diachrone Begriffsbestimmung
2.2 Synchrone Begriffsbestimmung
2.3 Zusammenfassung : Absage an eine Definition

3. Charlotte Roche: Feuchtgebiete
3.1 Zeitungsrezensionen
3.2 Leserrezeption
3.3 Der Titel: Feuchtgebiete
3.4 Die Fiktionalität des Romans
3.5 Autor, Leser und Erzähler: Verschiedene Ebenen
3.6 Fingierte Wirklichkeit
3.7 Wer ist die Erzählerin der Feuchtgebiete?
3.7.1 Ist Helen eine glaubwürdige Erzählerin?
3.7.2 Widersprüche und Brüche im Verhalten und in der Rede
3.7.3 Das Kindheitstrauma
3.7.4 Realitätskriterien
3.7.5 Die Relation zu gesellschaftlichen Normen
3.8 Faktizität der Handlung - was wird referenzialisiert?
3.9 Die sprachliche Vermittlung: Narration
3.9.1 Der fiktive Adressat
3.9.2 Der Erzählstil und die Illokution
3.9.3 Handlungsbeschreibungen und die Perlokution
3.10 Leere Räume - was nicht erzählt wird
3.11 Erkenntnis als Krisis

4. Zusammenfassung: Die Funktion der Sprache

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Ehrenwörtliche Erklärung

1. Einleitung

Im Mai 2008 erschien der Debutroman Feuchtgebiete von Charlotte Roche in Deutsch- land. Innerhalb kürzester Zeit löste er eine Diskussion aus, was Literatur darf und was nicht, und ob ein solches Buch lesenwert sei. Bemerkenswert ist dabei einmal, dass diese Diskussion nicht ausschließlich in den Feuilletons der Zeitungen geführt wurde, sondern, durch Talkshows und ausgedehnte Lesereisen der Autorin Charlotte Roche angefeuert, auch die Leserschaft und damit den Teil der Gesellschaft, der durch Zeitungen nicht ange- sprochen wird. Dabei spalteten sich diese in zwei gegensätzliche Lager, die einander aus- schlossen: die einen finden das Buch absolut unlesbar und bekräftigten, es in der Mitte weggeworfen zu haben und die anderen meinen, dass Frau Roche endlich etwas ausge- sprochen habe, das schon längst hätte ausgesprochen werden müssen.

Die Mehrheit der Zeitungskritiker befand das Buch für schlecht geschrieben und inhalts- los und zogen teilweise stark polemisch über die Autorin und die Hauptfigur des Romans namens Helen her. Dagegen meinten einige wenige, hinter dieser eine verletzte Seele zu sehen, die sich gegen die Gesellschaft und deren Hygienewahn auflehnt. Die Zeitungen erweckten den Eindruck, der besagte Roman sei ein Skandalroman, der ein absolutes Tabu bräche, in diesem Fall die Sexualität einer jungen Frau und deren Körper- lichkeit inklusive der biologischen Prozesse derselben, und dass sie Dinge sage, die heute wie auch früher nicht ausgesprochen, geschweige denn öffentlich geschrieben werden dürfen. Dennoch oder gerade deswegen verkaufte der Roman sich außerordentlich gut. Doch wird hier tatsächlich ein Tabu gebrochen und wenn ja, welches? Dies ist eine der Fragen, die in der folgenden Arbeit geklärt werden. Zudem stelle ich die These auf, dass die obszöne Sprache der Protagonistin Helen, also die benutzten Ausdrücke wie auch die beschriebenen Situationen, nicht nur dazu dient, den Leser zu schockieren, sondern darü- ber hinaus eine Funktion erfüllt. Da die Sprecherin dieser Sprache die Hauptfigur und gleichzeitig die einzige Erzählinstanz der Geschichte ist, werde ich besonders der Frage nach dem Erzähler, seiner Perspektive und seinem Standort nachgehen. Darauf aufbauend werde ich den Versuch einer hermeneutischen Deutung unternehmen. In der Rezensionsgeschichte wird deutlich, dass in der Leserschaft und unter den Kriti- kern durchgehend Helen (die Hauptfigur) mit Charlotte Roche (der Autorin) gleichgesetzt wird. Dies zog zum Teil heftige Angriffe auf die Schriftstellerin nach sich, die allerdings auch bereitwillig zugab, dass in Helen vieles von ihr stecke. Für die literarische Untersu- chung ist dies jedoch nachrangig und ein solcher Ansatz kann den Blick auf die Hauptfi- gur verstellen. Daher habe ich bewusst auf eine autobiographische Interpretation verzich- tet und versucht, die reale Autorin Charlotte Roche ganz von Helen zu trennen. Entspre- chend der literaturwissenschaftlichen Prämisse, dass der Roman eine Fiktion ist und die Hauptfigur nicht nur nicht identisch mit der Autorin, sondern sogar ganz von dieser los- gelöst betrachtet werden muss, habe ich den Versuch einer werkimmanenten Interpreta- tion des Romans unternommen. Daher finden sich in dieser Arbeit auch keine biographi- schen Daten der Autorin.

Ebenfalls verzichten musste ich leider auf eine genauere Betrachtung der Motive Tod und Sterben im Roman und auf die Religionsmotivik bzw. die Frage nach der Religion und dem Glauben Helens. Beide Motive müssten innerhalb einer gesamtgesellschaftlichen Analyse erfolgen, die den Rahmen dieser Arbeit gesprengt hätten.

Denn auch, wenn uns die Berichte in der Zeitung das glauben machen wollen, eine derbe Ausdrucksweise und bildliche Berichte über sexuelle und sehr körperliche Tätigkeiten sind in Schrift und Bild keineswegs neu, genauso wenig wie die Diskussion darüber. Das Obszöne hat in der Literatur eine lange Tradition und diente nicht nur der Abschreckung, sondern bediente vielmehr eine heimliche Lust am Verbotenen. Das Obszöne und das Pornographische, wie auch das Komische und das Kunstvolle, sind nicht immer klar voneinander zu trennen, gewisse Unschärfen diesbezüglich sind der Ambiguität der Begriffsgeschichte geschuldet, die ich vorangestellt habe.

2. Begriffsgeschichte

Es ist kaum weniger schwer, über Natur und Sinn der Obszönität als über Gott zu sprechen. (Henry Miller)

Wie der Titel dieser Arbeit schon besagt, wird hier besonders auf einen bestimmten As- pekt in der Literatur eingegangen, nämlich auf das Obszöne. Obszönität ist kein spezifisch literaturhistorischer Begriff, er wird noch in anderen, vorwiegend künstlerischen Berei- chen benutzt und hat auch seinen Platz in der Alltagssprache der Menschen. Aus diesem Grund möchte ich mich zuerst damit beschäftigen; Zum einen, um das Arbeitsfeld abzu- stecken und zum anderen, um eine möglichst genaue Begriffsabgrenzung vorzunehmen. Ersteres ist dabei einfacher: In dieser Arbeit konzentriere ich mich auf die Literatur. Sie ist diejenige Kunstform, die von der Vergleichbarkeit der wissenschaftlichen Kriterien her am nächsten der Naturwissenschaften liegt und sich dennoch exemplarisch für die Kunst allgemein behandeln lässt, wie die Geschichte der Literaturwissenschaft zeigt. Die Spra- che ist eine der ältesten und am meisten verbreiteten Ausdrucks- und Kommunikations- formen. Sie ist sogar für Menschen mit angeborenem oder erlittenem Handicap meist zu- gänglich: Taube Menschen können sich über schriftliche Sprache verständigen und blinde Menschen über die mündliche Form. Literatur in Form vorgetragener oder geschriebener Sprache ist oft die erste Kunstform, mit der junge Menschen in Berührung kommen. Sie wird nicht nur vorwiegend passiv wahrgenommen, wie viele andere Kunstformen, etwa die Malerei oder das Theater.1 Jeder Mensch, der lesen lernt, lernt auch schreiben und damit, sich schriftlich auszudrücken. Daher eignet sie sich besonders, Tendenzen in der Kunst repräsentativ darzustellen.

Das Zweite, das ich vor Beginn meiner Ausführungen klären möchte, ist der Begriff obszön bzw. der der Obszönität. Was bedeutet obszön eigentlich? Ist das Bild eines Mannes, der ein ganzes Schwein verschlingt, obszön oder grotesk (Obelix)? Was ist mit dem Bild einer alten Dame in Unterwäsche und Strapsen? Oder dem eines jungen Mädchens im Krankenhaus, das an Hämorriden leidet?

Jede Übersetzung, sei es die sprachliche eines Begriffes oder die historische eines Kontex tes, in die eigene Gegenwart impliziert eine Begriffsgeschichte. Rudolf Eucken hat in sei- ner „Geschichte der philosophischen Terminologie“ bereits 1879 deren methodische Un- vermeidbarkeit exemplarisch für alle Geistes- und Sozialwissenschaften nachgewiesen.2 Daher ist es sinnvoll, vor der inhaltlichen die begriffliche Frage nach der Obszönität zu stellen.

Es wird zu zeigen sein, dass der Begriff des Obszönen an die geltenden Sitten- und Moral- vorstellungen gebunden ist. Diese aber verändern sich im Laufe der Zeit und der Gesell- schaft. Vor hundert Jahren galt Rülpsen bei Tisch noch als fein, heute ist ein solches Be- nehmen nicht mehr gesellschaftsfähig. Wenn man aber mit einem Begriff nicht nur rein deskriptiv etwas beschreiben, sondern darüber hinaus mit diesem und seiner Bedeutung arbeiten möchte, sollte man ihn vorher möglichst genau abgrenzen. Und zwar in zweifa- cher Hinsicht: Erstens muss der diachrone Sprachwandel nachgezeichnet und die Bedeu- tung etymologisch und verwendungstechnisch aufgezeigt werden. Zweitens werde ich mich bemühen, den Begriff der Obszönität in seinen verschiedenen Facetten zum heuti- gen Zeitpunkt aufzufächern und gegen benachbarte Begriffe mit ähnlichem Bedeutungs- gehalt abzugrenzen. Da Sprache niemals statisch ist, sondern sich ständig verändert, er- neuert, umwandelt und sich immer in Bewegung befindet, kann dieser Versuch nicht über ein Bemühen hinausgehen.

2.1 Diachrone Begriffsbestimmung

Das aktuelle Herkunftswörterbuch aus der Dudenreihe vermerkt folgenden Eintrag: obs- zön »unanständig. schlüpfrig. schamlos«. Das Adjektiv wurde um 1700 aus lat. obscoenus (richtiger: obscaenus, obscenus) »anstößig. unzüchtig« entlehnt, dessen etymologische Zugehörigkeit nicht eindeutig geklärt ist.“3 Damit ist die Abstammung der Lautfolge des Wortes, sprich die Herkunft des Signifikanten geklärt: das Wort kommt aus dem Lateini- schen. Daraus lässt sich allerdings weder etwas über das Signifikat, also den Inhalt bzw. die Bedeutung des Zeichens aussagen, noch über die Referenz der beiden.4 Die Worther kunft ist insofern schwierig zu eruieren, als die lateinische Sprache zwar auf die antike römische Gesellschaft zurückgeht, aber im Laufe der Jahrhunderte teilweise grundlegende Bedeutungsverschiebungen zu vermerken sind. Insbesondere im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde die lateinische Sprache nicht nur als Gelehrtensprache, sondern auch als theologisch-kirchliche Sprache gebraucht. So ist sie auch heute noch die offizielle Sprache des Vatikanstaates.5 Die antike Gesellschaft hatte aber ganz andere Sitten- und Moralvorstellungen als die christliche, insbesondere diejenige, die durch die römisch- katholische Kirche geprägt wurde. Deren Einfluss auf die lateinische Sprache über Jahr- hunderte hinweg darf nicht unterschätzt werden. Besonders macht sich das natürlich bei Begriffen bemerkbar, die eine nicht den kirchlichen Wertvorstellungen entsprechende Lebens- oder Verhaltensweise bezeichnen. Daher ist die Übersetzung des Substantives obscenum im aktuellen Langenscheidt Wörterbuch Lateinisch-Deutsch: „obscenum, i n. <obscenus> Scham; Pl. Geschlechtsteile; unzüchtige Handlungen; unzüchtige Worte;“6 auch nicht aussagekräftig hinsichtlich ihrer Bedeutung für die damalige Gesellschaft. Ei- nen Hinweis auf den Einfluss der nachklassischen Zeit bietet die Übersetzung des Adjek- tivs obscenus, a, um. Hier werden drei Bedeutungen erläutert:

1. von böser Vorbedeutung, unheilvoll; volucris obscena Nachteule;
2. (nkl.) dcht. Schmutzig, ekelhaft; […]
3. fig. Unanständig, unzüchtig, unsittlich, anstößig, schamlos, zotig; […]7

Die erste Bedeutung weist einen Bezug zu Vordeutungen und Vorahnungen auf, der von der Kirche damals wie heute abgelehnt wird, der bei den antiken Römern aber Teil ihrer Lebenswelt war. Ein bekanntes Beispiel ist das augurium, bei welchem ein Augur, ein rö- mischer Beamter und oftmals auch Priester, unter anderem aus dem Flug und den Schrei- en von Vögeln den Götterwillen zu erkennen vorgab und verkündete. In Rom war es üb- lich, dass vor einem größeren Unternehmen ein solches augurium eingeholt wurde.8

Solche Handlungen wurden unter der römisch-katholischen Kirche als „Aberglauben“ bezeichnet.9 Die Vorsilbe Aber- leitet sich hierbei vom spätmittelhochdeutschen aber ab, das <falsch> oder <verkehrt> bedeutet.10 Wie das Wort an sich schon besagt, stand solcher Glaube dem „rechten Glauben“ gegenüber und war daher aus Sicht der Kirche zu verur- teilen.11 Doch die Bezeichnung „von böser Vorbedeutung“ bewertet nur bedingt das als solches Bezeichnete, vielmehr weist dieses über sich hinaus auf „Unheil“. So wie Blitz und Donner an sich nichts Schlechtes sind, aber durchaus als Bote von „Unheil“ angesehen werden können, wenn damit die Verwüstungen und Folgen eines Unwetters gemeint sind.

Die zweite genannte Bedeutung hingegen ist eine Wertung des Bezeichneten. Wenn et- was als „schmutzig“ oder „ekelhaft“ bezeichnet wird, wird es damit negativ charakterisiert und der Sprecher drückt damit seine Ablehnung aus. Diese eindeutig negative und abwer- tend gemeinte Bedeutung ist bezeichnenderweise erst in der nachklassischen Zeit nach- zuweisen, vorwiegend bei Dichtern. Zudem ist bei dem Wort zu seiner eindeutig negativ wertenden Funktion noch eine primär beschreibende Funktion hinzugetreten. Die Be- zeichnung fig. bei der dritten Bedeutungsvariante meint eine figurative, also bildliche Be- deutung. Das Wort wurde offensichtlich auch im übertragenen Sinn benutzt und trans- portiert dann eine Wortbedeutung, welche der heutigen Verwendung des Wortes ziem- lich nahe kommt. Leider ist nicht angegeben, welche Bedeutung sich wann etablierte bzw. wo sie nachzuweisen ist. Eine solche Nachforschung würde den Rahmen dieser Ar- beit sprengen, weswegen hier darauf verzichtet werden muss.

Das Metzler Literaturlexikon vermerkt unter dem Lemma Obszöne Literatur nicht nur den Umstand, dass die Etymologie umstritten ist, sondern bietet als Möglichkeit eine Variante der lateinischen Bedeutung von obscena im Sinne von ob scena, also „von der Szene weg, d. h. nicht auf der Bühne (öffentl.) zeigbar = anstößig, unzüchtig.“12

Das Deutsche Fremdwörterbuch erweitert das Paradigma der Bedeutungen noch um die Wertung: „hässlich“ und verweist auf weiterhin gebräuchliche lateinische Fügungen, welche „bis weit ins 18. Jahrh. gebraucht [werden], z. B. obscoena verba“.13 Zudem werden folgende Belege für das Vorkommen des Wortes obszön benannt:

Belege: z. B. Florin 1702 Hausvater I 52b obscoene, unflätige, und von Heidnischer Göt- zen Namen angefüllte und damit befleckte Bücher. Rohr 1728 Zeremoniellwiss. I 280 eine gewisse obscoene Italiänische Benennung. Zedler 1740 XXIII 360 obscönen Positu- ren. - Wezel 1777 Erzählungen I 14 Jupiter … neben einer dicken runden halbnackten Viehmagd… - weil dieses… Gemälde etwas obscen ausgefallen war […]. Hermes 1778 Reise I 14. Müller 1778 Fausts Leben 71 … pfuy ein obscenes Jahrhundert! … Brentano 1800 Gustav Wasa 17. Gebucht bei Sperander 1727 Obscoen, garstig, unflätig, wüst. Bei Lampe 1801. […]14

Das entsprechende Substantiv muss ein wenig später um 1774 aufgetreten sein, da als Be- leg für dieses angegeben wird: „Wezel 1774 Tob. Knaut II 82 Wenn ihr eine so feine Obscenität - unterdessen will ich es dem Sprachgebrauch gemäß so nennen - wenn ihr eine feine O. nicht ertragen könnt, ohne euch dafür zu schämen, […]“15 Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm jedoch vermerkt im Jahre 1889 nach Obst- züchter das Lemma obtragen,16 und auch die alternative Schreibweise obscene, die das Deutsche Fremdwörterbuch anbietet, wird im Grimmschen Wörterbuch nicht erwähnt: Auf obsagen folgt obschon.

Für diesen Umstand bieten sich mehrere Deutungen an: Möglicherweise betrachteten die Brüder Grimm und Matthias von Lexer das Wort obszön oder obscene als Fremdwort und nahmen es deshalb nicht in ihr Wörterbuch auf. Dem widerspricht allerdings die Erklä- rung Lexers im Vorwort des Wörterbuches, in welcher er die „aufnahme mancher unbe- rechtigter lehnwörter“ damit entschuldigt, dass diese „von J. Grimm selbst zur aufnahme bereit gestellt waren“.17 In selbigem Vorwort bedauert er auch, dass er „zur ergänzung des höchst mangelhaften […] zettelapparates“ keine „grosze bibliothek […] andauernd hätte benutzen können“ und die ihm zur Verfügung stehende „universitätsbibliothek konnte […] für das wichtige 16. und 17. Jahrhundert verhältnismäszig wenig bieten“.18 Interes- sant ist in diesem Zusammenhang, dass das groszes universallexicon von Zedler aus dem Jahre 1741 auch im sechsten Quellenverzeichnis des Wörterbuches der Brüder Grimm verzeichnet ist, wie auch Fausts Leben von Müller und Brentanos Gustav Wasa, in wel- chen das Wort dem Deutschen Fremdwörterbuch zufolge belegt ist.19 Vielleicht war den Herausgebern des Deutschen Wörterbuches das Wort obszön doch zu unmoralisch kon- notiert, dafür spräche auch, dass Obszönität in der Theologischen Realenzyklopädie nicht als etwas Schlechtes beschrieben wird, wie man erwarten könnte, sondern gleichsam als Tabu nicht einmal erwähnt wird.20

2.2 Synchrone Begriffsbestimmung

Das Große Sprach- und Fremdwörterbuch des lexikographischen Instituts Dr. Störig in München vermerkt folgenden Eintrag: obszön [lat.] »schamlos, unanständig«; Obszönität w. […] nur Einzahl »Schamlosigkeit, Unanständigkeit«;21 Bereits hier ergibt sich ein Be- weis für die unterschiedliche Verwendung schon im grammatikalischen Bereich: es ist in den Medien durchaus üblich, die Mehrzahl Obszönitäten zu bilden. Die Google Suche verzeichnet ungefähr 37.200 Treffer für Obszönitäten auf Deutsch (Stand 31.1.2010, 20.09 Uhr). Einer davon ist sogar das Deutsch-Englische Wörterbuch dict.cc,22 welches für den englischen Ausdruck „to commit obscenities“ als Übersetzung „Obszönitäten begehen“ anbietet. Dem entgegen bietet dieselbe Suchmaschine nur 54.000 Treffer für Obszönität auf deutschen Seiten. Ob dieser Befund der häufigen Verwendung des Plurals dem media- len Hang für Übertreibungen geschuldet ist oder den allgemeinen Sprachgebrauch wider spiegelt, kann hier nicht geklärt werden. Festgehalten werden kann, dass der allgemeine Gebrauch des Wortes nicht dem festgeschriebenen Standard dieses Wörterbuches ent- spricht. Daraufhin stellt sich die Frage, wie das Wort genau gebraucht wird. Ludwig Marcuse hat mit Obszön. Die Geschichte einer Entrüstung23 versucht, das Obszö- ne in der Literatur nachzuzeichnen. Ganz allgemein definiert er: „obszön ist, wer oder was irgendwo irgendwann aus irgendwelchem Grund zur Entrüstung getrieben hat.“24 Diese Beschreibung ist zu allgemein, um als Definition zu gelten, welche aber dringend zur Eingrenzung und Bestimmung des Obszönen nötig ist. Insbesondere, wenn es um eine juristische Abgrenzung geht, mittels derer obszöne Inhalte von Kunst geschieden werden sollen.

Bei der Suche nach einer Definition geht Marcuse von zwei Gruppen aus, die an der „Identifizierung (des Obszönen) schon professionell interessiert sind: Die Juristen und die Moral-Philosophen.“25 Erstere aber noch mehr, weil „die ewigen Probleme auf Lösungen warten können, die Verbrecher aber nicht. Sie sterben weg, bevor man das zuverlässige Gesetz gemacht hat, nach dem sie ihre verdiente Strafe erhalten.“26 Marcuse sucht also eine juristisch haltbare Definition des Obszönen, anhand derer Literatur verurteilt wer- den kann. Im Zuge dessen zitiert er die Definition eines Leipziger Doktoranten namens Johannes Schreiber aus dem Jahre 1688. In seiner Dissertation mit dem Titel „De libris obscoenis“ nennt dieser alle Schriften obszön, „deren Verfasser sich in deutlich unzüchti- gen Reden ergehen und frech über die Geschlechtsteile sprechen oder schamlose Akte wollüstiger und unreiner Menschen in solchen Worten schildern, daß keusche und zarte Ohren davor zurückschrecken.“27

Obwohl über 300 Jahre alt, hat sich an dieser Eingrenzung bis heute nichts wesentlich verändert. Marcuse belegt dies zum einen durch die Definition von Papst Leo XIII. (im Amt von 1878 bis 1903), welcher den Index der verbotenen Bücher28 herausgab. Dort heißt es: „Bücher, welche schmutzige und unsittliche Dinge planmäßig (ex professo) be- handeln, erzählen oder lehren, sind streng verboten.“29 Und zum anderen die Definition des amerikanischen Law Institute: „Etwas ist obszön, wenn es vor allem der Unzucht dient - zum Beispiel einem schändlichen, morbiden Interesse am Nackten, am Geschlecht oder am Exkrement.“30 Das Problem an der ursprünglichen wie auch an den beiden nach- folgenden Definitionen ist die Unbestimmtheit: Wenn das Obszöne außerplanmäßig be- handelt wird oder das Interesse am Nackten nicht morbide ist, ist es dann nicht obszön? Die genannten Definitionen arbeiten nicht ontologisch, sondern rezeptionsästhetisch: Wenn Literatur oder Teile derselben vom Leser als unsittlich oder schändlich empfunden werden, dann muss die Literatur das wohl auch sein. Eine solche Interpretationsweise wird in der philosophischen Logik als post hoc ergo propter hoc31 bezeichnet bzw. als lo- gischer Fehlschluss.32 Zudem setzt eine solche Definition eine homogene und unwandel- bare Rezipientenschicht voraus. Der Geschmack aller Leser müsste derselbe sein und dür- fe sich auch nicht ändern. Dies ist aber soziologisch und historisch gar nicht möglich.

Eine andere Herangehensweise böte die Frage nach dem Schöpfer der vermeintlichen Obszönität. Marcuse bringt es auf den Punkt durch die Frage (nach Emil Orlik): „Ein Bei- Propaganda herausgegeben wurde, nannte explizit „Schriften der Sexualpädagogik und zur sexuellen Auf- klärung“.

Dass die Definition von 1688 auch heute noch von Bedeutung ist, zeigt sich daran, dass Reinhart Döhl diese in seinem Artikel über Pornographische Literatur [In: Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. Hg. v. Günther u. Irmgard Schweikle. 2., überarb. Aufl. Metzler: Stuttgart 1990. S. 359.] zur Abgrenzung der Pornographie zu den libri obscoeni heranzieht.

schlaf, von Rembrandt gezeichnet, ist ein moralisches Kunstwerk?“33 Die Grauzone zwi schen Kunst und Obszönität ist bis heute verwischt und unscharf. Papst Leo XIII. reagier- te auf diese Problematik der „unanständigen Welt-Literatur“34 mit der Erklärung: „Die Bücher Älterer und Neuerer, die als Klassiker gelten und von jenem Schmutz nicht frei sind, werden mit Rücksicht auf die Eleganz und Reinheit der Sprache gestattet, doch nur solchen, deren Amt oder Lehrberuf diese Ausnahme heischt.“35 Faktisch ist dies aber wie- derum keine Zustandsbeschreibung des Obszönen! Es bedeutet nur, dass das Ansehen des Literaten entscheidet, ob seine Werke obszön sind oder nicht. Die Brisanz dieser Definiti- on belegt Marcuse anhand eines Briefes von Friedrich Schiller, in welchem dieser sich positiv äußert über diese ‚heftig sinnliche Natur’ des Werkes Coeur humain devoilé von Rétif und anhand eines Werkes des - wie auch Schiller - unbestritten als Weltliteraten bezeichneten Johann Wolfgang Goethe namens Hanswursts Hochzeit. Dieses Werk umgibt den Nimbus des Geheimnisvollen: Allein in der Chronik Goethe und seine Zeit wird es kurz erwähnt, offensichtlich der Vollständigkeit halber: „Weitere Werke Goethes in seinem letzten Frankfurter Jahr sind das Singspiel Claudine von Villa Bella und die Pos- se Hanswursts Hochzeit oder der Lauf der Welt.“36 Und obwohl Goethe einer der bedeu- tendsten deutschen Schriftsteller ist, wird dieses Werk in der Forschung nahezu nicht berücksichtigt. Die Bibliographie der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft ver- zeichnet unter beiden Namen keinen Eintrag!37 Auch im Goethe-Artikel in Killys Litera- turlexikon findet sich kein Hinweis auf die Posse. Lediglich von einer „Reihe der Fast- nachtsspiele u. Hanswurstiaden“38 im Jahre 1775 ist die Rede. Der Inhalt besagter Posse oder Farce muss sehr drastische Schilderungen der Gedanken eines ungeduldigen Bräuti- gams enthalten. Zudem besteht die dramatis personae aus „Ekelnamen“ wie Marcuse ei nen leider nicht namentlich benannten Goethe-Forscher zitiert. Offensichtlich passt es nicht in das Bild über den Poeten, ein obszönes und anstößiges Stück zu schreiben und es wird demnach schlicht vergessen.39

Marcuse kommt über die Versuche, die Schaffung des Obszönen und dessen Wirkung einzugrenzen, nicht hinaus. Er resümiert schließlich, dass „das Obszöne […] immer schon die Lockerung einer gesellschaftlichen Ordnung“40 anzeigt und je mehr sich die Gesell- schaft entrüstet, umso mehr wird es am Leben erhalten. Dies habe sich bis heute nicht geändert und auch „die öffentliche Sexual-Moral hat sich kaum geändert“.41 Damit be- schreibt er die Spaltung der Gesellschaft in öffentlich und privat. Obwohl die Tatsache, dass die Menschheit nicht ausgestorben ist, dafür spricht, dass der Geschlechtsakt zum (privaten) Leben gehört, wird dieser (öffentlich) nicht oder zumindest nur verschämt thematisiert. Das andere Extrem ist die übertriebene öffentliche Thematisierung, die aber meist dem Zweck des Auffallens oder des Protests dient. Einen vorurteilfreien, öffentli- chen Diskurs über Sex gibt es bis heute nicht.

Was allerdings obszön ist und was nicht, was dieses Wort genau bedeutet, das benennt Marcuse nicht. Er nähert sich beispielhaft an, indem er juristische Prozesse beschreibt, in welchen Literatur angeklagt wird, unzüchtig zu sein. In diesen wird abgewogen, ob das behandelte Werk mehr Kunst ist (die gelesen und verbreitet werden darf) oder mehr Por- nographie (welche weder gelesen, noch mit der Post befördert werden darf42 ) ist. Einen ähnlichen Weg geht auch Hans Giese: er diskutiert vier Gutachten über literarische Werke, die in den Literaturprozessen benutzt wurden. Seine „Erörterung über das obszö- ne Buch“43 stellt er in den größeren Rahmen des Obszönen in der Kunst; Die Literatur dient ihm als Beispiel für Kunst. Hans Giese war nicht nur Literaturwissenschaftler, son- dern auch promovierter Mediziner, der 1949 das Institut für Sexualforschung gründete, welches heute als Institut und Poliklinik für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie ein Teil der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf ist.44 Giese leitete das Institut seit der Integration in das Universitätsklinikum Hamburg 1959 bis zu seinem Tod im Jahr 1970 als Sexualwissenschaftlers und Psychiater, der sich „speziell mit der Sexualität des Menschen, genauer gesagt, mit Störungen und Konflikten aus diesem Bereich“45 beschäftigte. Aus dieser Perspektive heraus begreift Giese das „obszöne, d. h. sittenwidrige Sexualverhalten“ des Menschen „als ‚Form der Wahrheit’, die es zu interpretieren gilt“.46 In ähnlicher Form werde ich in dieser Arbeit das Verhalten der Romanfigur Helen aus Feuchtgebiete auf die Frage hin untersuchen, was sie uns durch ihre Handlungen und Aussagen mitteilen möch- te.

Doch auch bei Giese stellt sich wieder die Frage nach den Sitten und Gebräuchen der Menschen bzw. der Gesellschaft. Welches Verhalten ist sittenwidrig und welches (noch) nicht? Giese begründet diese Fragestellung einerseits mit einem wissenschaftlichen Interesse, nämlich dem Unterschied zwischen gesund und krank; und andererseits mit der Konsequenz, die daraus zu ziehen ist: ob und inwieweit jemand für seine Taten verantwortlich ist. Für den Sexualwissenschaftler stellt die „sexuelle Perversion47 eine Art von ‚Suchtkrankheit’ dar, bei der es therapeutisch darauf ankommt, eine individuell gemäßigte Form der Einordnung, soweit sozialisierbar, zu finden.“48

Perversion wird hier als Krankheit geschildert, nicht als Passion. Das besondere an Gieses Ausführung ist die deutliche Abgrenzung krankhafter und behandlungsbedürftiger Aus- formungen, die möglicherweise andere Menschen schädigen können, von anderen, nicht der Behandlung bedürftigen Vorlieben des Menschen. Giese betont die Notwendigkeit der wissenschaftlichen, also weitgehend wertneutral gehaltenen Herangehensweise an obszö- ne Literatur und auch die Nutzung der Vorarbeiten der Sexualwissenschaft, wie „die Ein sicht, dass nicht alles sog. ‚Regelwidrige’, konventionell verstanden, von psycho-patho logischer Relevanz ist“.49 Als Beispiel nennt er die Masturbation: „Regelwidrig ist bei- spielsweise, trotz aller faktischer Häufigkeit, die Masturbation. Sie ist ein prinzipiell infer- tiles Tun und akzentuiert überdies die Genusskomponente der Sexualität. Aber erst im Einzelfall […] kann solche Betätigung das Symptom sein für eine sexuelle Perversion im engeren Sinne.“50 Nach Giese ist gewöhnlich nicht das Regelwidrige selbst krankhaft, sondern entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Antwort auf eine Situation, die anders und evtl. auffällig ist: „Die Antwort gilt als ‚gesund’ einzusehen, wenn sie der Situation angemessen ist - gleichwie man sie sonst bewerten mag. Sie ist umso angemessener, je situationsüberlegener sich jemand dabei erweist, je mehr Souveränität er dabei zu erken- nen gibt.“51

Mit diesen Hinweisen möchte Giese ein „Blitzlicht über dem Problem obszöner Sachver- halte“52 zünden. Dass eine Differenzierung nur im Einzelfall möglich ist und es sicherlich um Niveaufragen geht, „verschleiert aber die Problematik mit dem Gerede von Tole- ranz“.53 Giese schlägt Strenge als „adäquate Geisteshaltung“54 vor, die mit der Anstrengung korrespondieren muss, „die es bedeutet, etwas zu tun, das sittenwidrig und zugleich nicht krankhaft, sondern voll verantwortlich ist“.55 Zudem kommt noch die Hilflosigkeit ge- genüber der menschlichen Natur: In dieser Art angestrengt zu leben - das ist der Anstoß, den das Obszöne eigentlich gibt.“56

Hans Gieses Erläuterungen über das Obszöne sind auf den Alltag eines Mediziners bezo- gen, also auf reale Menschen. Dennoch kann man unter der Prämisse, dass die Fiktion etwas darstellt, das möglich sein könnte, diese Hinweise auch auf literarische Figuren be- ziehen. Dann müsste man sich fragen, warum eine Figur obszöne Reden und Handlungen begeht: Was sind ihre Beweggründe und auf welche besondere Situation sind diese die Antwort?57

Auf der Suche nach einer allgemeingültigen Definition bieten sowohl Ludwig Marcuse als auch Hans Giese nur Umschreibungen. Marcuse begrenzt das Obszöne auf die Rezepti- onsästhetik, Giese begrenzt es auf das Sexualverhalten. Beiden gemein ist nur, dass sie auf Sitten und Gebräuche einer nicht näher definierten Gesellschaft Bezug nehmen, ohne diese historisch oder soziologisch einzugrenzen.58 Möglicherweise liegt da das große Problem der Definition: Sie bezieht sich zu sehr auf andere Faktoren, die nicht allgemein bestimmt werden können. Vielleicht ist obszön kein ontologisch zu bestimmender Wert, sondern ein ästhetisches Urteil wie gut oder hässlich, um nur zwei Beispiele zu nennen. Doch auch, wenn keine feste Definition gefunden werden kann, so kann man das Bedeu- tungsfeld doch eingrenzen, in dem man es abgrenzt gegen anderes. In den Literaturpro- zessen wurde das Obszöne abgegrenzt gegen die Kunst. Stark vereinfacht gesagt: Kunst ist, was gefällt… Und Obszönes gefällt nicht. Zumindest ist das nicht das primäre Anliegen des Obszönen. Am anderen Ende der Bedeutungsvariationen steht das Pornographische. Diese Abgrenzung ist schwierig, weil auch im wissenschaftlichen Bereich die Begriffe obszön und pornographisch oft synonym benutzt werden. Lynn Hunt beschreibt in ihrer Abhandlung „Obszönität und die Ursprünge der Moderne“59 die Geschichte der Porno- graphie. Sie definiert diese als „die Abbildung von Geschlechtsteilen oder sexueller Prak- tiken, die darauf zielen, sexuelle Stimulation zu erzeugen“.60 Hier wird die Intention des Autors oder Zeichners in den Vordergrund gestellt. Hunt verweist außerdem auf Peter Wagners Definition von Pornographie: „die geschriebene oder visuelle Repräsentation eines realistisch genitalen oder sexuellen Verhaltens, das absichtlich die bestehenden und akzeptierten moralischen und sozialen Tabus erschüttern wollte.“61 Dies wiederum zielt sehr auf die Wirkung. Man sieht, dass bei dem Prozess der Definitionsfindung von Porno- graphie dieselben Schwierigkeiten auftreten wie bei der von Obszönität. Eine eindeutige Unterscheidung hat Montgomery Hyde getroffen in seiner Geschichte der Pornographie:

„Wenn auch Pornographie immer obszön ist, so gilt dies nicht für die Umkehrung des Begriffes. Mit anderen Worten, obszöne Dinge, die ein Gefühl des Ekels hervorrufen, können, müssen aber nicht pornographisch sein.“62 Im Gegenteil, die Reizung des sexuellen Triebes kann beim Obszönen (im Gegensatz zum Pornographischen) komplett wegfallen. Jean-Paul Sartre beschreibt das Obszöne gar als das sexuell Reizlose:

Wird ein solches [d.h. ein der Situation nicht angepasstes] Fleisch enthüllt, dann ist es in besonderer Weise obszön, denn es entdeckt sich einem, der nicht imstande ist, zu begehren, und ohne seine Begierde zu reizen. Eine besondere Unangepasstheit, […] die mir das träge Aufblühen des Fleisches als eine jähe Erscheinung unter der dünnen, sie verhüllenden Bekleidung aus Bewegungen darbietet, während ich selbst in bezug auf dieses Fleisch nicht imstande bin zu begehren: das nenne ich das Obszöne.63

Sartre versucht genauer einzugrenzen, was obszön ist und was nicht: „Das Obszöne wird sichtbar, wenn der Leib Stellungen einnimmt, die ihn seines Tuns völlig entkleiden und die Trägheit seines Fleischs enthüllen. Der Anblick eines nackten Leibes von hinten ist nicht obszön. Aber manche unwillkürlichen Bewegungen des Hinterteils sind obszön.“64 Er beschreibt das Beispiel eines Ganges, bei welchem der Hintern aufreizend geschwungen wird. Da der Zweck des Ganges offensichtlich das Gehen ist, ist das Schwingen eine „nicht zu rechtfertigende Faktizität, es ist «überzählig», wie jedes kontingente Seiende“.65 Diese Ausführungen des Obszönen treffen explizit auf …

[…] alle Fälle zu, in denen der ganze Leib Fleisch wird, sei es infolge einer seltsamen Weichheit seiner Bewegungen, die aus der Situation heraus nicht erklärt werden kann, sei es infolge einer Mißbildung […], die uns eine Faktizität sehen läßt, die überreichlich ist im Vergleich mit der realen, von der Situation geforderten Anwesenheit von Faktizität.66

Als Maßstab für die Definition des Obszönen legt Sartre nicht eine Intention des Verursa- chers oder eine Reaktion des Bewertenden, sondern eine relative Angemessenheit an die Situation an. Dies ist vordergründig ein objektives Kriterium, da es nicht den Wunsch oder das Empfinden des einzelnen und betroffenen Menschen in den Vordergrund stellt, sondern die Situation an sich. Zudem ist diese Vorgehensweise insofern praktikabler, weil sie eine objektive Analyse der Situation nach (idealerweise) vorher festzulegenden Krite- rien fordert und demnach transparent und nachvollziehbar wird. Allerdings müssen diese Kriterien wiederum von einer Instanz festgelegt werden und das kann der unüberschau- baren Menge der Möglichkeiten wegen nicht verallgemeinert geschehen.67 Und zusätzlich muss in jedem Einzelfall noch über die Angemessenheit entschieden werden. Auch wenn die Situation an sich weitgehend objektiv analysiert werden könnte, so gilt das nicht für die relative Angemessenheit. Denn diese wird wieder durch die subjektive Einschätzung (also die Gefühle) von Menschen bewertet. Sartres Ansatz geht also nicht von der phäno- menologischen Seite aus (Wie erscheint es uns?), sondern von der ontologischen (Wie ist es?), aber in der Anwendung birgt er dieselben Schwierigkeiten wie die vorherigen Defi- nitionsversuche.

Lynn Hunt verwendet die Begriffe Obszönität und Pornographie synonym,68 demnach gelten ihre Auslegungen auch für das Obszöne. Den einzigen Unterschied macht sie darin, dass sie - nicht explizit, aber durchgehend - den Begriff des Obszönen weniger für die Handlungen, sondern für die Sprache benutzt:

Um bestimmte Effekte zu erzielen, spielt die obszöne Sprache mit verschiedenen sozialen Sprachregistern […]. Um bestimmte soziale Grenzen zu überschreiten, fetischierte die obszöne Sprache bestimmte Worte, die im Zusammenhang mit Sex standen. Das obszöne Wort stand für einen bestimmten Körperteil, erlangte aber im Laufe der Zeit den Status eines Fetisch.69

Gespräche über oder zwischen Huren waren ein Hauptthema der frühen Pornographie und dienten dazu, die „Hypokrasie70 der konventionellen Moral offenzulegen“.71 Damit übte die Pornographie offen Kritik an „bestehenden sozialen und sexuellen Bindungen“.72 Pornographie und Obszönitäten als Kulturkritik? Das überrascht ebenso sehr wie die Deu- tung Gieses des Obszönen als gesunde Abwehrreaktion. Beiden Deutungen gemein ist allerdings, dass sie das Obszöne als Symptom sehen und nicht als Ursache. Die zuvor ge- nannten Definitionen nehmen das Obszöne als gegeben hin und fragen nach der Wir- kung. Karl Rosenkranz setzt diese Wirkung gleich mit dem „Sein“ des Obszönen als Un- terkategorie des von Ihm systematisch analysierten Hässlichen; In seiner Ästhetik des Hässlichen73 schreibt er: „Das Obszöne besteht aus der absichtlichen Verletzung der Scham.“74 Was genau diese Scham ist, mag historisch und gesellschaftlich unterschiedlich sein, aber nur, wenn eine Darstellung absichtlich, also intentional, die Scham des anderen verletzt, gilt diese als obszön. Damit ist die Kunst, die eine andere Intention als diese Ver- letzung hat, entschuldigt, wie auch kleine Kinder oder unwissende Menschen: „Schon eine zufällige oder unabsichtliche Entblößung weckt Verlegenheit, vielleicht einen pein- lich komischen Moment, aber sie ist nicht obszön.“75 Besonders Tiere und deren instinkti- ves Verhalten beschreibt Rosenkranz als ‚natürlich’ und demnach nicht obszön. Die Vo- raussetzung für obszönes Verhalten ist also das Bewusstsein „seines [des Menschen] Un- terschiedes zur Natur“76 und daraus resultierend die Entwicklung der Scham. Doch ob- wohl „auch die Schamglieder […] an sich ein ebenso natürliches, gottgeschaffenes Organ als Nase und Mund [sind]“,77 definiert Rosenkranz: „Alle Darstellungen der Scham und der Geschlechtsverhältnisse in Bild oder Wort, welche nicht in wissenschaftlicher oder ethischer Beziehung, sondern der Lüsternheit halber gemacht wird, ist obszön und häss lich, denn sie ist eine Profanation der heiligen Mysterien der Natur.“78

Dabei muss man bedenken, dass nach Rosenkranz das Hässliche, zu welchem er das Obs- zöne zählt, zwischen dem Schönen und dem Komischen verortet werden muss und zwar nicht im Sinne eines Maßstabes, sondern als Kausalkette: „[…] das Hässliche kann nur begriffen werden als die Mitte zwischen dem Schönen und dem Komischen. Das Komi- sche ist ohne ein Ingredienz von Hässlichkeit, das von ihm aufgelöst und in die Freiheit des Schönen zurückgebildet wird, unmöglich.“79 Anders gesagt: Das Hässliche (und damit das Obszöne) hat keinen eigenen Wert, sondern bildet immer nur das Nichtvorhanden- sein des Schönen ab. Rosenkranz benennt dies als das „Negativschöne“.80 Das Schöne kann als solches auch ohne seine Folie, das Negative, existieren, es ist ein Absolutes, während das Hässliche nur relativ zum Schönen gesetzt werden kann. Es existiert nicht aus sich heraus, sondern ist quasi ein Übergangsstadium zum Komischen.81 Demnach wäre das Hässliche ein Prozess, immer in Relation zu dem, was als wahr gesetzt und verstanden wird. Die Abbildung dieses Prozesses und besonders der jeweiligen Position zum Schönen auf der einen Seite und zum Komischen auf der anderen Seite muss eine bestimmte Funk- tion haben: Es muss einen Grund geben, das Obszöne so abzubilden, wie es getan wird. Und diese Funktion des Obszönen ist, aufmerksam zu machen auf das, was dahinter liegt. Sie stellt die ewige Frage des Wissenschaftlers: warum?

2.3 Zusammenfassung : Absage an eine Definition

Das Obszöne in der Literatur ist keine moderne Erscheinung. Seit des Beginns der Auf- zeichnungen in Schrift und Bild werden Situationen dargestellt, die bei Lesern und Zu- schauern Gefühle der Scham auslösen können. Und dies nicht nur in heimlich gehandel- ten und sorgsam verborgenen Büchern, sondern ganz öffentlich wie folgendes Beispiel zeigt:

Wie schön ist dein Gang in den Schuhen, du Fürstentochter! Deine Lenden stehen gleich anei- nander wie zwei Spangen, die des Meisters Hand gemacht hat. Dein Schoß ist wie ein runder Becher, dem nimmer Getränk mangelt. Dein Leib ist wie ein Weizenhaufen, umsteckt mit Ro sen. Deine zwei Brüste sind wie zwei Rehzwillinge. [Hohes Lied Salomons 7, 2-4]

Dein Wuchs ist hoch wie ein Palmbaum und deine Brüste gleich den Weintrauben. Ich sprach: Ich muß auf dem Palmbaum steigen und seine Zweige ergreifen. Laß deine Brüste sein wie Trauben am Weinstock und deiner Nase Duft wie Äpfel und deinen Gaumen wie guter Wein, der meinem Freunde glatt eingeht und der Schläfer Lippen reden macht. Mein Freund ist mein, und nach mir steht sein Verlangen.

Komm, mein Freund, laß uns aufs Feld hinausgehen und auf den Dörfern bleiben, daß wir früh aufstehen zu den Weinbergen, daß wir sehen, ob der Weinstock sprosse und seine Blüten auf- gehen, ob die Granatbäume blühen; da will ich dir meine Liebe geben. [Hohes Lied 7, 8-13]

Dieser Auszug stammt aus der Bibel, genauer gesagt aus dem Hohen Lied Salomons aus der Bibelübersetzung von 1912.82 Dass dieser Teil der Bibel trotz der Eindeutigkeit der dargestellten Situation nicht verboten oder zensiert wurde, sondern bis heute kanonisiert ist und in der Welt (auch per Post) verbreitet wird, zeigt auf, wie schwierig eine Bewertung schon im Einzelfall ist. Wie kann dann eine universelle Definition gefunden werden, die für die schier unendliche Menge an unterschiedlicher Literatur zu verschiedenen Zeiten in allen gesellschaftlichen Schichten gilt?

Man kann das Obszöne, dem ja immer auch ein Hauch von verbotenem anhängt, nicht definieren, indem man es ontologisch benennt. Dazu gibt es auf synchroner Ebene zu viele Faktoren, die man einbeziehen müsste und die sich im Laufe der Zeit, also auf diachroner Ebene, noch verändern. Eine universelle Definition des Obszönen ist schlicht nicht möglich. Aber man kann es eingrenzen: Auf der einen Seite nähert es sich der Kunst und bildet eine Schnittmenge mit ineinander überfließendem Inhalt. Diese Abgrenzung wird meist mit der Moral begründet: Marcuse bezeichnet unter Rückbesinnung auf das antike Konzept Kalokagathia83: „Kunst ist immer moralisch.“84

Auf der andern Seite grenzt es an die Pornographie, geht unmerklich darin über, ohne dass man eine genaue Trennlinie ausmachen könnte. Historisch gesehen ist die Abgrenzung zur Pornographie noch nicht lange möglich: Obszönität gibt es schon so lange wie es die Unterscheidung zwischen privat (Für-Sich) und öffentlich (Für-Andere) gibt. Doch erst Mitte des 19. Jahrhunderts veränderte sich „das Gleichgewicht zwischen Obszönität und Anstand, privat und öffentlich und Pornographie wurde als eigenständiger Bereich […] wahrgenommen“.85 Seit dieser Zeit ist auch das Bewusstsein für Dinge, die zwar geschehen, aber nicht genannt werden dürfen, gewachsen. Erst seit der Trennung von Privatem und Öffentlichem treten Tabus in ihrer heutigen Form auf: etwas, das in den privaten Bereich gehört, darf öffentlich nicht ausgesprochen werden.

Von der dritten Seite nähert sich das Obszöne an die Komik, hier ist der Übergang noch weicher, noch subjektiver und unbestimmbarer und es bleibt dem einzelnen Individuum überlassen, was es noch komisch findet und was nicht mehr.

Und von der vierten Seite geht es unmerklich über in das Krankhafte, das nicht nur als nicht-gesellschaftskonform definiert werden kann, sondern als obsessiv-wahnhaft Kran- kes, das den Menschen beeinträchtigt in seiner Wahrnehmung und seinem freien Willen. Man kann das Obszöne nicht wirklich „dingfest“ machen (nach Marcuse) und auch nicht konkret definieren, aber man kann es innerhalb dieser verschiedenen Mengen (und Schnittmengen) verorten und seine Nähe zu den Nachbarbereichen relativieren. So ist es zumindest möglich, Unterschiede zwischen verschieden obszönen Inhalten und Darstel- lungen auszumachen, Einzelnes zu differenzieren und zu benennen im großen Feld des- sen, was Obszönität genannt wird.

[...]


1 Gemeint ist hier die bewusste Auseinandersetzung mit einer Kunstform, das kleinkindliche Malen und Verkleiden ist seiner kindlich ungewussten Rezeption wegen ausgenommen.

2 Vgl. Eucken, Rudolf : Geschichte der philosophischen Terminologie: im Umriß dargestellt. Unveränd. Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1879. Olms: Hildesheim 1960.

3 Herkunftswörterbuch Duden, S. 568.

4 Vgl. Kapitel 1.4 Das sprachliche Zeichen. In: L/N/P Studienbuch Linguistik, S. 30-36.

5 Vgl. exemplarisch dazu die Ordnung der Bischofssynode: Rescriptum ex Audientia (29. September 2006), 2. Teil, Kap. V. Art. 21: „In den Generalversammlungen der Synode und deren Akten ist die lateinische Spra- che zu verwenden. […]“. Online verfügbar auf der Homepage des Vaticans unter: http://www.vatican.va/roman_curia/synod/documents/rc_synod_20050309_documentation-profile_ge.html (Stand 20.1.10).

6 Langenscheidt Schulwörterbuch Lateinisch-Deutsch, S. 854.

7 Ebd. S. 854.

8 Vgl. Werner Eisenhut: Augures. In: Der Kleine Pauly. Band 1, Sp. 734f.

9 Vgl. Gladigow, Burkhard: Aberglaube. In: Handbuch religionswissenschaftlicher Grundbegriffe. Band I, S.387f.

10 Vgl. Art: Aberglaube. In: Brockhaus Enzyklopädie. Band 1, S. 36.

11 Eine Diskussion über die Wertigkeit des Begriffes „Aberglaube“ und dessen Benutzung, wie auch die Erläuterung, was genau darunter zu verstehen ist und war, findet sich im Vorwort und dem Artikel „Aber- glaube“ im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Band 1, S. 3ff.

12 Art: Obszöne Literatur. In: Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. Hg. v. Günther u. Irmgard Schweikle. 2., überarb. Aufl. Metzler: Stuttgart 1990. S. 330.

13 Vgl. Art.: Obszön. In: Deutsches Fremdwörterbuch, S. 231-232.

14 Ebd, S. 231.

15 Ebd, S. 231-232.

16 Vgl. Deutsches Wörterbuch der Brüder Grimm, Sp. 1127.

17 Lexer, Matthias von: Vorwort. In: Deutsches Wörterbuch, Band 7.

18 Lexer, Matthias von: Vorwort. In: Deutsches Wörterbuch, Band 7.

19 Das widerspricht der Darstellung von Mertner, Edgar und Mainusch, Herbert: Pornotopia. Das Obszöne und die Pornographie in der literarischen Landschaft. 2. Auflage, Athenäum Verlag: Frankfurt 1970, S. 40f, nach welchen der Begriff erst in neuerer Zeit auftaucht und deswegen nicht in Grimms Wörterbuch steht. Möglicherweise ist das ja doch ein Beleg für den von Ludwig Marcuse angenommenen ‚Verdrängungskom- plex’?

20 Vgl. die Nichtexistenz des Lemmas: Obszönität / obszön in der Theologische Realenzyklopädie. Band 24 endet bei dem Lemma „Obrigkeit“ und Band 25 beginnt mit „Ochino“. Der Artikel müsste also zwischen beiden Bänden stehen und ist quasi herausgefallen.

21 Großes Sprach- und Fremdwörterbuch, S. 553.

22 Hemetsberger, Paul: dict.cc. Deutsch/Englisch-Wörterbuch. Online verfügbar unter:

http://www.dict.cc/deutsch-englisch/Obsz%C3%B6nit%C3%A4ten+begehen.html (Stand 31.1.10, 19.55 Uhr). Dieses Online Wörterbuch enthält Übersetzungen von der TU_Chemnitz, sowie Mr. Honey's Business Dictionary (Englisch/Deutsch).

23 Marcuse, Ludwig: Obszön. Geschichte einer Entrüstung. List Verlag: München 1968.

24 Marcuse: Obszön. S. 9. (Die Interpunktion wurde aus dem Original übernommen.)

25 Ebd. S. 11.

26 Ebd. S. 11.

27 Schreber, Johannes David : De libris obscoenis. Leipzig, Diss. 1688. [nicht eingesehen]. Zitiert nach Ludwig Marcuse: Obszön. S. 13. Die Dissertation im Original ist seit Jahren verschollen [vgl. Glaser, Horst Albert: Libri obscoeni - ein philo- logisches Divertimento statt einer Einleitung. - In: Wollüstige Phantasie. Sexualästhetik der Literatur. Hg. v. Horst Albert Glaser. Hanser: München 1974. S. 8.]. Jens von Fintel zeigt in seiner Magisterarbeit: 'Pornogra- phie': Ästhetik, unästhetisch. Der Begriff des Pornographischen in der Diskussion um 1970. (Online verfüg- bar unter: http://www.vonfintel.de/texte/geisteswissenschaft/pornographie.htm [Stand 17.7.2009]) aus dem Jahre 1996 auf, dass Iwan Bloch 1907 die Dissertation noch vorgelegen haben muss. Möglicherweise wurde sie im Zuge der Bücherverbrennung des Dritten Reiches vernichtet. Einer der Punkte auf der „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“, die ab 1935 vom Reichsministerium für Volksaufklärung und

28 Der sog. Index Librorum Prohibitorum wurde erstmals 1564 durch eine Kommission zur Beurteilung ver- dächtiger od. verderbl. Bücher veröffentlicht.In der Folge hat die Kirche auch allgemeine Vorschriften über Bücherzensur und Bücherverbote erlassen. Benedikt XIV. erließ dazu genauere Richtlinien in der Konstitu- tion Sollicita ac procida; deren Neufassung durch Leo XIII. , die Konstitution „Officiorum ac munerum“ wurde gegeben am 25.1.1897. Nähere Informationen finden sich bei Hörmann, Karl: Büchervorschriften der Kirche. In: Lexikon der christlichen Moral (LChM) 1976, Sp. 168-174. Online verfügbar unter: http://stjosef.at/morallexikon/buecherv.htm (Stand 17.7.2009).

29 Zitiert nach Marcuse: Obszön. S. 12.

30 Ebd. S. 12.

31 Art.: Post hoc, ergo propter hoc. In: Phillex. Lexikon der Philosophie. Powered by Uwe Wiedemann. On- line verfügbar unter: http://www.phillex.de/posthoc.htm (Stand 17.7.2009).

32 Vgl. dazu den Art.: Logik. In: Philosophie. Das Fischer Lexikon. hrsg. von Alwin Diemer und Ivo Frenzel, mit einer Einl. von Helmuth Plessner, Fischer: Frankfurt 1958. S. 147-160.

33 Marcuse: Obszön. S. 24.

34 Ebd. S. 24.

35 Zitiert nach Marcuse: Obszön. S. 25.

36 Goethe und seine Zeit. Eine biographisch-synoptische Darstellung mit 300 Farbbildern. Hrsg. Von Christoph Wetzel und Gerhard Wiese. Andreas & Andreas: Salzburg 1982. S. 96.

37 Bibliographie der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft. Begr. v. Hanns W. Eppelsheimer. Fortgef. v. Clemens Köttelwesch. Hrsg. v. Bernhard Koßmann. Klostermann: Frakfurt a. M. 1957ff. Die Onlineversion ist verfügbar unter: http://www.bdsl-online.de/bdsldb/templates/template.xml?vid=CAC7B8FC-820F-4366-B035- 042845A8528D&contenttype=text/html&Skript=home (Stand 19.1.2010).

38 Hölscher-Lohmeyer, Dorothea: Goethe, Johann Wolfgang von. In: Autoren- und Werklexikon. Killy Lite- raturlexikon (vgl. Killy Bd. 4, S. 196-256). S. 6575. Online verfügbar unter: http://www-fr.redi- bw.de/session/DBKilly-2eb59e00.html (Stand 24.1.2010).

39 Auch Karl Mandelkow hat in seiner umfassenden Übersicht: Goethe in Deutschland. Rezeptionsgeschichte eines Klassikers. 2 Bde. C.H. Beck: München 1989. dieses eine Werk unbeachtet gelassen.

40 Marcuse: Obszön. S. 38.

41 Ebd. S. 35.

42 Vgl. dazu auch die Ausführungen über das „Comstock-Gesetz“ bei Hyde, Montgomery, H.: Geschichte der Pornographie. Eine wissenschaftliche Studie. Hans E. Günther Verlag: Stuttgart 1965. S. 26.

43 Giese, Hans: Das obszöne Buch. Enke Verlag: Stuttgart 1965 (= Beiträge zur Sexualforschung 35).

44 Vgl. Zur Geschichte des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie. Online verfügbar un- ter: http://www.uke.de/institute/sexualforschung/index.php?id=-1_-1_- 1&as_link=http%3A//www.uke.de/zentren/30167.php&id_link=3_0_0&as_breadcrumb=%3Ca%20href%3D %22/index.php%22%3E|%20Home%3C/a%3E%20%3E%20%20%20Institute%20im%20%26Uuml%3Bberb lick (Letzte Änderung: 26.02.2007, Stand 22.1.2010).

45 Giese: Obszönes Buch. Vorwort.

46 Vgl. ebd.

47 Giese diskutiert den Begriff der „sexuellen Perversion“ ansatzweise und vermerkt, dass ein einheitlicher Krankheitsbegriff nicht existiert. Für diese Arbeit benutze ich die von Giese präferierte Definition der sexuell abnormen Handlungen mit dem Merkmal der Süchtigkeit (vgl. Giese: Obszönes Buch. S. 15).

48 Giese: Obszönes Buch. S. 15.

49 Giese: Obszönes Buch. S. 4.

50 Ebd. S. 4.

51 Ebd. S. 4.

52 Ebd. S. 5.

53 Ebd. S. 5.

54 Ebd. S. 5.

55 Giese: Obszönes Buch. S. 5.

56 Ebd. S. 5.

57 Vgl. dazu diese Arbeit ab Kapitel 3 am Beispiel des Romans Feuchtgebiete.

58 Auf das Fehlen einer soziologischen oder sozialpsychologischen Analyse bei früheren Pornographen hat bereits Peter Gorsen: Sexualästhetik. Zur bürgerlichen Rezeption von Obszönität und Pornographie. Rowohlt: Reinbeck bei Hamburg 1970. S. 53. hingewiesen.

59 Hunt, Lynn: Obszönität und die Ursprünge der Moderne. In: Die Erfindung der Pornographie. Hrsg. von Ders. Fischer Taschenbuch: Frankfurt 1994. S. 7-43.

60 Hunt: Pornographie. S. 7.

61 Wagner, Peter: Eros Revived: Erotica of the Enlightenment in England and America, London 1988. S. 7. Zitiert nach Hunt: Pornographie. S. 22.

62 Hunt: Pornographie. S. 12.

63 Sartre, Jean-Paul: Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie. 1., vollständige deutsche Ausgabe, Rowohlt: Hamburg 1962. S. 514.

64 Sartre: Das Sein und das Nicht. S. 513.

65 Ebd. S. 514.

66 Ebd. S. 514.

67 In der historischen Realität wurde das bisher von den Gerichten geleistet, welche in den bereits erwähn- ten Literaturprozessen nach unterschiedlichen Kriterien festlegten, welche Bücher Kunst und welche keine Kunst sind.

68 Diese Gleichsetzung lässt sich auch bei anderen Autoren betrachten, teilweise sogar bei solchen, die sich mit der Untersuchung der Pornographie und deren Abgrenzung beschäftigen. So hat Morris L. Ernst in seinem Vorwort zur amerikanischen Ausgabe der „Geschichte der Pornographie“ von Hyde zwar gefordert „ein für allemal Definition und Auslegung des Begriffes der Obszönität festzulegen“ (Hyde: Geschichte der Pornographie. S. 7 ), aber im weiteren dann die Begriffe Obszönität und Pornographie synonym gebraucht.

69 Hunt: Pornographie. S. 34.

70 Der Begriff Hypokrasie ist weder in der Brockhaus Enzyklopädie noch im Wortschatzportal der Universi- tät Leipzig erklärt (http://wortschatz.uni-leipzig.de/). Vermutlich liegt eine Verwechslung bzw. ein Druck- fehler vor und gemeint ist die Hypokrisie [griech.]: »Heuchelei, Scheinheiligkeit«.

71 Hunt: Pornographie. S. 36.

72 Ebd. S. 36.

73 Rosenkranz, Karl: Ästhetik des Hässlichen. Hrsg. und mit einem Nachwort versehen von Dieter Kliche. Philipp Reclam jun.: Stuttgart 2007.

74 Rosenkranz: Ästhetik des Hässlichen. S. 222-223.

75 Rosenkranz: Ästhetik des Hässlichen. S. 223.

76 Ebd. S. 222.

77 Ebd. S. 223.

78 Ebd. S. 223.

79 Ebd. S. 7.

80 Ebd. S. 15.

81 Vgl. ebd. die Einleitung, bes. S. 16-17.

82 Das Hohe Lied. In: Die Bibel oder die ganze heilige Schrift des alten und neuen Testaments. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Online verfügbar unter: http://www.bibel-online.net/bibel_1_2/22.hohelied/7.html (Stand 26.1.2010).

83 Marcuse nennt die „zwillinghafte Verbundenheit von Gut und Schön“ (Obszön. S. 28) das „Kaloskagathos“. Dieser Begriff ist wahrscheinlich abgeleitet vom Griechischen kalós k(ai) agathós , was übersetzt gut und schön bedeutet. Bekannter ist der Begriff Kalokagathia , den auch die Brockhaus Enzyklopädie (Band 11. S. 364) nennt.

84 Marcuse: Obszön. S. 28.

85 Hunt: Pornographie. S. 11.

Ende der Leseprobe aus 102 Seiten

Details

Titel
Die Funktion der Sprache im Roman "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche
Untertitel
De libro obscoeno
Hochschule
Universität Mannheim  (Neuere Germanistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
102
Katalognummer
V165424
ISBN (eBook)
9783640809783
ISBN (Buch)
9783640809905
Dateigröße
709 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit wurde als Wissenschaftliche Hausarbeit zur Zulassung zum Staatsexamen angenommen und mit einer glatten 1,0 bewertet. Der Dozent lobte besonders die "beeindruckend umfangreiche, mit allen linguistischen, historischen und begriffsgeschichtlichen Finessen erstellte Begriffsgeschichte des Obszönen." Des Weiteren würdigt er die "ausführliche narratologische Analyse" und bezeichnet die Abschlussarbeit als excellente "Ausnahmearbeit", die "thematisches Neuland betritt". Dies sei eine "sprachlich durchgängig exzellente Arbeit", die "nur ein Prädikat zulässt: Sehr gut (1,0)".
Schlagworte
Obszön, Obszönität, Tabu, Tabubruch, Selbstmord, Feuchtgebiete, Helen, Skandalroman, Rezensionsgeschichte, Sexualität, Buchkritiker, Pornographiegeschichte
Arbeit zitieren
Sandra Schwab (Autor), 2010, Die Funktion der Sprache im Roman "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165424

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