Der Autor dieser Arbeit war in verschiedene deutsch-indische IT-Projekte involviert, in denen er immer wieder Kommunikationsprobleme feststellte (...). Diese Arbeit soll dazu beitragen, die Kommunikation zwischen beiden Kulturen zu verbessern.
Hintergrund und Fragestellungen
Vor dem Hintergrund stark wachsender dt.-i. Wirtschaftsbeziehungen hat das Thema um die Kommunikation beider Kulturen stark an Bedeutung zugenommen. Viele Arbeiten haben sich mit den kulturellen Unterschieden auseinandergesetzt, ihr akzeptieren und verstehen gelehrt, um Handlungsempfehlungen für ein besseres Miteinander geben zu können. Doch wie wirken sich diese Unterschiede in der konkreten Projektpraxis aus?
Hier wird die Kommunikation zwischen Deutschen und Indern innerhalb von dt.-i. Projekten fokussiert. Es wurde untersucht, wie verschiedene Medientypen eingesetzt werden, um unterschdl. anspruchsvolle Wissenstypen zwischen dt. und i. Organisationen bzw. Mitarbeitern während eines dt.-i. Projektes auszutauschen. Dabei wurde außerdem analysiert, inwiefern die Mediennutzung von bestimmten kulturellen Eigenschaften beeinflusst wird:
Eine prominente Theorie, welche die Mediennutzung in Abhängigkeit des zu transferierenden Wissens erklärt, ist die Media Richness Theorie (...).
Die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Deutschen und Inder wurden analysiert, gegen- übergestellt und in Handlungsempfehlungen für eine effiziente Kommunikation zwischen den internationalen Projektpartnern zusammengeführt.
Methoden
Um die oben angedeuteten Fragestellungen beantworten zu können, wurden die Daten von 77 dt. und i. Projektbeteiligten ausgewertet, die in einem Online-Fragebogen ermittelt
wurden. Um die Wirkung der Wissenstypen auf die Mediennutzung zu überprüfen, wurden verschiedene Häufigkeits- und Regressionsanalysen durchgeführt. Die kulturellen Eigenschaften wurden ebenso mittels Häufigkeitsanalyen explorativ auf ihre Wirkung auf die Mediennutzung untersucht.
Des Weiteren wurden 16 Interviews mit Deutschen und Indern geführt, die in die selben Projekte involviert miteinander kommunizierten, um Rückschlüsse auf den Erfolg eines Projektes durch die Mediennutzung zu ziehen.
Ergebnisse
Hinsichtlich der Auswertungen der empirischen Untersuchungen ergab sich, dass die Deutschen für den Transfer von einfach verständlichem Wissen den Medientyp einsetzen (...)
Diskussion
In der Diskussion wird darauf hingeführt, wie eine deutsch-indische Projektkommunikation verbessern werden könnte (...)
Inhaltsverzeichnis
E Einleitung
1. Einleitende Worte
2. Geltungsbereich
3. Anleitung, diese Arbeit zu lesen
T Theorie
1. Wissenstypen und Wissenstransfer
1.1. Wissenstypen
1.1.1. Explizites vs. implizites Wissen
1.1.2. Kanonisches vs. äquivokes Wissen
1.2. Wissenstransfer
1.2.1. Wissenstransfermechanismen
1.2.2. Barrieren
2. Mediennutzung
2.1. Media-Richness-Theory
3. Kulturelle Eigenschaften
3.1. Was ist Kultur?
3.2. Analyse und Operationalisierung kultureller Unterschiede
Machtdistanz zum Vorgesetzten
Individualität vs. Kollektivität
Polychromes vs. Monochromes Zeitverständnis
Hohe vs. Niedrige Kontextorientierung
Harmoniebedürftigkeit
Kommunikations-Empfangsgewohnheiten
3.3. Zusammenfassung: Kulturelle Unterschiede von deutscher und indischer Kultur
4. Zusammenfassung
Z Zielstellung und Fragenstellungen bzw. Forschungsfragen
1. Zielstellung
2. Fragenstellungen
2.1. Welche Typen von Wissen werden in Projekten zwischen Deutschland und Indien ausgetauscht?
2.2. Welche Medien werden in welchem Ausmaß verwendet?
2.3. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz verschiedener Medientypen und der Wissenscharakteristika?
2.4. Inwieweit wird die Mediennutzung von kulturellen Eigenschaften (in dem Zusammenhang: Unterschiede) beeinflusst?
2.5. Wie werden Medien von Deutschen und Indern genutzt, die jeweils im selben Projekt beteiligt miteinander/untereinander kommunizieren?
M Methode
0. Triangulation
1. Online-Fragebogen (FF1 bis FF4)
1.1. Untersuchungsplan
1.2. Operationalisierung der unabhängigen Variable Mediennutzung
1.3. Hypothesenableitung
1.4. Gestaltung des Fragebogens
1.5. Design und Untersuchungsgruppe
2. Persönliche Interviews (FF5)
2.1. Leitfaden
2.2. Durchführung
A Ergebnisse und Auswertungen
1. Onlinefragebogen
1.1. Forschungsfrage 1 (deskriptive Analysen)
1.1.1. Zusammenfassung
1.2. Forschungsfrage 2 (deskriptive Analysen)
1.2.1. Projektstart
1.2.2. Während des Projektes
1.2.3. Erwartungen
1.2.4. Privatleben
1.2.5. Zusammenfassung
1.3. Forschungsfrage 3 (Hypothesenanalyse)
1.3.1. Häufigkeitsdarstellungen
1.3.2. Hypothesenauswertung
1.3.3. Auswertung und Vergleich
1.3.4. Grafische Darstellungen
1.3.5. Zusammenfassung
1.4. Forschungsfrage 4 (explorative Datenanalyse)
1.4.1. Zusammenfassung
1.4.2. Kulturelle Eigenschaften der Deutschen und Inder
2. Forschungsfrage 5 (Interviews)
2.1. Zusammenfassung
D Diskussion
1. Zusammenführung und Interpretation der Ergebnisse
1.1. Projektkommunikation zwischen Deutschen und Indern
1.2. Medieneinsatz bei verschiedenen Wissenstypen
1.3. Kulturelle Unterschiede von Indern und Deutschen
2. Schlussfolgerung – Interkulturelle Anwendbarkeit der Media-Richness-Theory
3. Handlungsableitungen zur Kommunikationsverbesserung
4. Offene Fragestellungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Kommunikationsverhalten in deutsch-indischen IT-Kooperationsprojekten. Ziel ist es, die Diskrepanzen zwischen der tatsächlichen Mediennutzung und den Erwartungen der Partner zu identifizieren, den Einfluss kultureller Unterschiede auf diese Prozesse zu analysieren und Handlungsempfehlungen für eine effizientere interkulturelle Kommunikation abzuleiten.
- Analyse des Wissenstransfers und der Wissenstypen (explizit vs. implizit, kanonisch vs. äquivok)
- Untersuchung der Mediennutzung auf Basis der Media Richness Theory
- Erfassung kultureller Prägungen (u.a. Machtdistanz, Harmoniebedürfnis, Zeitverständnis)
- Empirische Datenerhebung mittels Online-Fragebogen und Experteninterviews
- Entwicklung von Strategien zur Kommunikationsverbesserung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitende Worte
Wachstum gilt nach wie vor als wichtiger Treiber für Unternehmen und deren Erfolg – das gilt für indische wie auch für deutsche Unternehmen. So haben in den vergangenen Jahren unzählige deutsche und indische Organisationen vermehrt den Weg zueinander gesucht. Grund dafür sind nicht zuletzt auf der einen Seite ein indisches Wirtschaftswachstum von 7,07 Prozent (deutsches Wirtschaftswachstum 0,82 Prozent), was Indien nach gängigen Prognosen zufolge innerhalb der nächsten Jahre zur drittgrößten Wirtschaftsmacht anwachsen lässt, und auf der anderen Seite ein deutsches Pro-Kopf-BIP von USD 44.460,- gegenüber dem indischen von USD 2.762,-. Die deutsch-indischen Aktivitäten werden auch in Zukunft trotz vieler Hürden, wie z.B. den kulturellen oder politischen Unterschieden, weiter exponentiell zunehmen – so ist es nicht verwunderlich, dass sich nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Wissenschaft explizit mit dem Thema des deutsch-indischen Projektmanagements auseinandersetzt.
Dabei gibt es viele empfehlenswerte Studien wie z.B. von Melanie Martinelli (2005) zum Thema „Managing cultural differences: A key to sucessful offshore collaborations“, die sich zwar richtigerweise auf kulturelle Unterschiede und die damit verbundenen Kommunikationsprobleme beziehen (die innerhalb deutsch-indischer Projekte auftreten), es aber bisher verpassen – und das nicht zuletzt aufgrund der fehlenden Praxis – einzelne dem Projektmanagement zugehörige Teilbereiche in konkreten Situationen zu analysieren. Dadurch war es bisher selten möglich, die deutschen Verhaltensweisen denen der indischen gegenüberzustellen, um zu zeigen, wie sich kulturelle Unterschiede explizit auswirken.
Einer der erwähnten Teilbereiche ist das Kommunikationsmanagement, für das sich in internationalen Projekten notwendigerweise neue Anforderungen ergeben. Wenn Wissen kommuniziert werden soll, passiert eine „Übermittlung von Wissen an weitere Personen oder Organisationen“ (Flick 2004, 45) lautet eine simple Definition von Wissenstransfer – leider ist es nicht immer so einfach. „Even with the best partner firm, the best people and the highest standards of quality measurement, international projects can still suffer because of poor communication“ (Kobayashi-Hillary 2004, 219). So ist das Verstehen von Information von vielen Faktoren abhängig: von der Art der Information und davon, ob sie beispielsweise gelesen, gehört oder gesehen und gehört wird; das wissen wir. Wie ist es aber, wenn Informationen zwischen verschiedenen kulturellen Bezugsrahmen ausgetauscht werden?
Zusammenfassung der Kapitel
Theorie: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis durch die Themenbereiche Wissenstypen, Wissenstransfer, Mediennutzung sowie kulturelle Kulturdimensionen und Kommunikationsmodelle.
Zielstellung und Fragenstellungen bzw. Forschungsfragen: Hier werden die theoretischen Grundlagen in fünf Forschungsfragen überführt, die das Mediennutzungsverhalten von Deutschen und Indern in Projekten fokussieren.
Methode: Beschreibt das methodische Vorgehen durch eine Triangulation aus einer quantitativen Online-Erhebung und qualitativen Experteninterviews.
Ergebnisse und Auswertungen: Präsentiert die deskriptive und analytische Auswertung der Daten, einschließlich der Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.
Diskussion: Führt die empirischen Ergebnisse zusammen, interpretiert die Diskrepanzen in der Mediennutzung und leitet konkrete Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der deutsch-indischen Projektkommunikation ab.
Schlüsselwörter
Wissenstransfer, Mediennutzung, interkulturelle Kommunikation, Media Richness Theory, deutsch-indische Projekte, Kulturdimensionen, Projektmanagement, Wissenstypen, explizites Wissen, implizites Wissen, äquivokes Wissen, kanonisches Wissen, Projektkommunikation, interkulturelle Managementstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Herausforderungen und Optimierungsmöglichkeiten des Wissenstransfers innerhalb deutsch-indischer Kooperationsprojekte, mit besonderem Fokus auf der Rolle der Mediennutzung und kultureller Unterschiede.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Wissensmanagement (Wissenstypen), Kommunikationsmedien (Media Richness Theory) und interkulturelle Besonderheiten wie Machtdistanz, Harmoniebedürfnis und Zeitverständnis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, zu analysieren, wie Deutsche und Inder in Projekten Medien nutzen, wo Diskrepanzen zwischen tatsächlicher Nutzung und Erwartungen bestehen und wie diese durch eine verbesserte Kommunikationsstrategie gelöst werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es kommt ein methodischer Mix (Triangulation) zum Einsatz: eine quantitative Online-Befragung von 77 Projektbeteiligten sowie 16 qualitative Experteninterviews.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine detaillierte Theoriebildung, die empirische Analyse durch den Online-Fragebogen, die Auswertung von Interviews sowie eine kritische Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Interkulturelle Kommunikation, Wissenstransfer, Mediennutzung, Media Richness Theory, deutsch-indische Projektarbeit.
Warum ist die Media Richness Theory für diese Studie wichtig?
Die Theorie dient als Framework, um zu bewerten, inwieweit die Wahl eines Kommunikationsmediums (z. B. E-Mail vs. Videokonferenz) an den Komplexitätsgrad des zu transferierenden Wissens angepasst ist.
Welche kulturelle Besonderheit ist für Inder besonders relevant?
Inder weisen eine höhere Harmoniebedürftigkeit und eine kollektivistischere Kultur auf, was dazu führt, dass sie in Konfliktsituationen oft indirektere Kommunikationswege bevorzugen, um soziale Beziehungen nicht zu gefährden.
Was ist ein zentrales Ergebnis für die deutsche Projektseite?
Deutsche neigen dazu, Medien sehr direkt und sachorientiert einzusetzen, zeigen jedoch oft eine Tendenz zu einer wenig strukturierten, ungeplanten Kommunikationsstrategie zu Beginn eines Projektes.
- Arbeit zitieren
- Christian Schmalisch (Autor:in), 2010, Wissensaustausch in multinationalen Unternehmen am Beispiel deutsch-indischer Projektkommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165519