In diesem Essay wird analysiert, inwieweit der griechische Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft mit der Theorie des (Sozial)Konstruktivismus erklärt werden kann. Dazu werden erst die Begriffe Konstruktivismus und Sozialkonstruktivismus in internationalen Beziehungen definiert. Danach werden auf die verschiedenen Dimensionen, die bei EU-Erweiterungen jeweils eine Rolle spiel(t)en eingegangen, d.h.
welche Rolle dabei den Bewerbern, den bestehenden Mitgliedern sowie der Europäischen Union selbst
zukommt. Um die eingangs gestellte Frage beantworten zu können, soll dann der Beitritt Griechenlands unter konstruktivistischer Perspektive betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung und Aufbau des Essays
2. Konstruktivismus und soziologische Erklärungsansätze in Bezug auf IB
3. Bewerber - Mitglieder - EU
4. Gründe für die Süderweiterung der EG
5. Politische Identität: Demokratie in den Römischen Verträgen
6. Vom Assoziierungsabkommen bis zum EG-Beitritt Griechenlands
7. Fazit: Der EG-Beitritt Griechenlands aus moderat konstruktivistischer Perspektive
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert den Beitritt Griechenlands zur Europäischen Gemeinschaft (EG) unter Anwendung der Theorie des (Sozial)Konstruktivismus in den internationalen Beziehungen, um die Rolle von Identitäten und Normen im Erweiterungsprozess zu beleuchten.
- Grundlagen des (Sozial)Konstruktivismus in den internationalen Beziehungen
- Dimensionen der Erweiterungspolitik (Bewerber, Mitglieder, EU)
- Motive der Süderweiterung der EG
- Entwicklung der politischen Identität der EG hinsichtlich Demokratie und Menschenrechten
- Prozess des griechischen Beitritts vom Assoziierungsabkommen bis zur Vollmitgliedschaft
Auszug aus dem Buch
3. Bewerber - Mitglieder - EU
Erweiterungsprozesse sind immer mehrdimensional. Im Fall einer EU-Erweiterung werden die Erweiterungspolitiken der Bewerber, der Mitgliedstaaten sowie der EU selber beachtet (Schimmelfennig&Sedelmeier 2002: 504). Bei der Erweiterungspolitik der Bewerber stehen die Fragen, warum und unter welchen Bedingungen Nichtmitglieder Anschluss an regionale Organisationen suchen im Zentrum. Die zentrale Frage, die bei der Erweiterungspolitik der Mitglieder besteht, ist, unter welchen Voraussetzungen sie der Erweiterung auf einen bestimmten Staat zustimmen oder diese ablehnen. Und bei der Erweiterungspolitik der EU geht es schliesslich um die Frage, unter welchen Voraussetzungen die regionale Organisation neue Mitglieder zulässt oder ob sie die institutionellen Beziehungen mit Nichtmitgliedern ändert (ibid.: 504f).
Die Hypothesen für eine soziologische Erklärung von Erweiterung beginnen auf organisatorischer Ebene. Die Bewerber und Mitglieder konstruieren sich und die gemeinsame Beziehung auf der Basis von Ideen, Identitäten und Normen, die von der Gemeinschaft durch Interaktion und Kommunikation definiert werden und die später durch die internationale Organisation repräsentiert werden (Schimmelfennig&Sedelmeier 2005: 14; Schwellnus 2006: 324). Ob die Bewerber- und Mitgliederstaaten eine Erweiterung anstreben, hängt davon ab, wie hoch der Grad an Gemeinschaft zwischen ihnen ist. Die konstruktivistische Perspektive ist, in Bezug auf eine Erweiterung regionaler Organisationen wie der EU, für die bestehenden Mitglieder meist einfacher als für die Bewerber. Denn der Beitritt zu einer bereits bestehenden Organisation erfordert vom Bewerberstaat oft eine enorme politische Umorientierung. Für die Mitglieder bedeutet die Erweiterung lediglich den Fortbestand der bestehenden Politik. Mitgliedstaaten haben oft sehr homogene Erweiterungspräferenzen, an die sich Bewerber anpassen müssen. Bei der Entscheidungsfindung, ob eine Erweiterung durchgeführt wird, wird unter konstruktivistischer Perspektive nicht verhandelt, sondern argumentiert. Wichtig ist dabei die gemeinschaftsbasierte Entscheidung, welches das beste Argument ist (Schimmelfennig&Sedelmeier 2005: 14ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fragestellung und Aufbau des Essays: Einleitung in die Forschungsfrage, inwieweit der griechische Beitritt zur EG konstruktivistisch erklärt werden kann, sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.
2. Konstruktivismus und soziologische Erklärungsansätze in Bezug auf IB: Definition des (Sozial)Konstruktivismus als Meta-Theorie in den internationalen Beziehungen und Abgrenzung der ontologischen und epistemologischen Grundannahmen.
3. Bewerber - Mitglieder - EU: Analyse der mehrdimensionalen Erweiterungspolitik und der Rolle von Ideen, Identitäten und Normen bei der Interaktion zwischen Bewerberstaaten und bestehenden Mitgliedern.
4. Gründe für die Süderweiterung der EG: Untersuchung der Motive für die Aufnahme Griechenlands, wobei neben wirtschaftlichen Aspekten insbesondere die Stabilisierung der jungen Demokratie hervorgehoben wird.
5. Politische Identität: Demokratie in den Römischen Verträgen: Darstellung der Entwicklung hin zur Verankerung von Demokratie und Menschenrechten als wesentliche Elemente der europäischen Identität.
6. Vom Assoziierungsabkommen bis zum EG-Beitritt Griechenlands: Historischer Rückblick auf den Beitrittsprozess, beginnend mit dem Assoziierungsabkommen von 1962 über die Auswirkungen der Militärdiktatur bis hin zur Vollmitgliedschaft 1981.
7. Fazit: Der EG-Beitritt Griechenlands aus moderat konstruktivistischer Perspektive: Zusammenfassende Bewertung, inwieweit der konstruktivistische Ansatz den politischen Beitrittswunsch und die Akzeptanz durch die EG erklären kann, unter Einbeziehung ökonomischer Faktoren.
Schlüsselwörter
Konstruktivismus, Sozialkonstruktivismus, Internationale Beziehungen, Europäische Gemeinschaft, EG, EU-Erweiterung, Griechenland, Identität, Normen, Demokratisierung, Assoziierungsabkommen, Beitrittsverhandlungen, politische Stabilisierung, Institutionen, Europäische Union.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, inwieweit sich der Beitritt Griechenlands zur Europäischen Gemeinschaft mit der Theorie des (Sozial)Konstruktivismus erklären lässt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Bedeutung von Identitäten, Normen und Werten in der internationalen Politik sowie deren Rolle bei Erweiterungsprozessen regionaler Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Beitritt Griechenlands nicht nur über materielle Interessen, sondern über eine konstruktivistische Perspektive als Ausdruck politischer Identität zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen moderat konstruktivistischen Ansatz der internationalen Beziehungen, um den politischen Prozess hinter dem Beitritt zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Konstruktivismus, die Dynamik von Erweiterungsprozessen, die Gründe für die Süderweiterung und die historische Entwicklung des griechischen Beitritts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Konstruktivismus, Identität, Normen, EG-Beitritt, Demokratisierung und politische Stabilisierung charakterisiert.
Welche Rolle spielte die Militärdiktatur für den Beitritt?
Die Militärdiktatur führte zu einer Unterbrechung des Assoziierungsabkommens und verzögerte den Beitrittsprozess, da Griechenland während dieser Zeit nicht den demokratischen Anforderungen der EG entsprach.
Warum war die Stabilisierung der Demokratie so wichtig?
Die EG sah in der Aufnahme Griechenlands ein Mittel, um die politische Trennlinie zwischen dem demokratischen Westen und dem autoritären Süden zu überwinden und die junge griechische Demokratie zu festigen.
Werden wirtschaftliche Faktoren in der Analyse vernachlässigt?
Nein, die Arbeit erkennt an, dass wirtschaftliche Aspekte für den Bewerber und die Mitgliedstaaten ebenfalls eine Rolle spielten, ordnet sie jedoch dem primären politischen Ziel der Demokratisierung unter.
Was bedeutet der Titel "Sozialkonstruktivismus"?
In der Arbeit wird der Begriff synonym zum moderaten Konstruktivismus verwendet und betont, dass gesellschaftliche Ordnungen soziale Konstrukte sind, die durch menschliches Handeln und Kommunikation entstehen.
- Quote paper
- Martina Schöb (Author), 2010, Der (Sozial-) Konstruktivismus in der EU-Erweiterungstheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165886