In dieser Hausarbeit thematisiere ich das Jahr 1945 und die Stuttgarter Schulderklärung. Dabei beschränke ich mich auf den Zeitraum vom 8. Mai 1945 bis zur Stuttgarter Schulderklärung im Oktober 1945.
Um diese Hausarbeit zu schreiben habe ich mir folgende Leitfragen gestellt:
Was geschah mit Deutschland am 8. Mai 1945? Welche Stimmungslage herrschte im Jahr 1945 nach Kriegsende?
War es dem deutschen Volk überhaupt möglich, in dieser schwierigen Zeit – geprägt von Existenzängsten, Trauer und großem Leid – sich über die eigene Schuld bewusst zu wer-den und diese einzugestehen?
Wie ging die Kirche mit dieser Situation um und wie reagierte sie auf die Schuldfrage? Bezog die Kirche für ihr ‚Versagen‘ während des NS-Regimes Stellung?
Was führte letztendlich zu der Schulderklärung von Stuttgart und wie waren die Reaktionen auf dieses Schuldbekenntnis – auch in Bezug auf die Siegermächte und das Ausland, unter dessen Beobachtung Deutschland stand?
Woran orientierte sich die Stuttgarter Schulderklärung und welches Ziel verfolgte sie?
Fürchtete die Kirche eine Rechtfertigung für ihr Nichteinschreiten oder das zu zaghafte Einschreiten während des Nationalsozialismus und war dies der Grund für ein Schuldbekenntnis – die Hoffnung, durch diese Schulderklärung nicht zu scharf verurteilt zu werden?
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Das Jahr 1945
2.1 Probleme und Situation
2.2 Vergangenheitsbewältigung in der unmittelbaren Nachkriegszeit
3. Wegbereiter der Stuttgarter Schulderklärung
3.1 Dietrich Bonhoeffer
3.2 Nach dem Krieg – die Kirchenversammlung in Treysa
4. Die Stuttgarter Schulderklärung von 1945
5. Probleme der Stuttgarter Schulderklärung – Stimmen zur Stuttgarter Schulderklärung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht das Jahr 1945 sowie die Entstehung und Bedeutung der Stuttgarter Schulderklärung im Oktober 1945. Dabei wird analysiert, wie die evangelische Kirche nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes mit der Frage nach der eigenen Mitverantwortung und Schuld umging, welche innerkirchlichen sowie ökumenischen Hintergründe dabei eine Rolle spielten und wie das Bekenntnis von Zeitgenossen und der Nachwelt aufgenommen wurde.
- Die gesellschaftliche und psychologische Situation Deutschlands unmittelbar nach Kriegsende.
- Die Rolle zentraler kirchlicher Akteure und Wegbereiter wie Dietrich Bonhoeffer.
- Die Bedeutung der Kirchenversammlung in Treysa für die kirchliche Neuordnung.
- Inhaltliche Analyse und kritische Einordnung der Stuttgarter Schulderklärung.
- Reaktionen auf das Schuldbekenntnis aus dem In- und Ausland.
Auszug aus dem Buch
Die Stuttgarter Schulderklärung von 1945
In einem Brief an den Erzbischof von Canterbury beschrieb Hans Asmussen die Situation in Deutschland bezüglich der Schuldfrage: Die Zahl derer, die bereit sei, sich mit dem Thema der ‚Schuld aller Deutscher‘ konfrontieren zu lassen, sei keineswegs gering. Die evangelische Kirche bemühe sich auch, in diesem Sinn zu predigen – was viel Zeit und Geduld erfordere, weil ‚niemand gerne einsieht und zugibt, daß er schuldig ist.‘
Man erwartete von der evangelischen Kirche in Deutschland ein Wort über ‚die Missetaten der Nazis, [aber besonders auch] über die Unterlassungssünden des deutschen Volkes, einschließlich der Kirche.‘
Um die Mitschuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus zu bekennen, lud die EKD zu einer Tagung in Stuttgart ein. Die Tagung in Stuttgart – zu der auch Mitglieder der Ökumene geladen waren – begann am 17. Oktober 1945 und endete am 19. Oktober 1945. Zu Beginn der Tagung predigte Martin Niemöller. In dieser Predigt verwies er auf das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt und wies darauf hin, dass die Kirche und das Volk nur dann eine Zukunft haben, wenn die Schuld vergeben wird. Darüber hinaus erinnerte er daran, dass keiner über den anderen richten solle, da jeder einen Teil der Schuld trägt und die Gnade empfangen soll.
Während der Tagung in Stuttgart spielte auch die Entnazifizierung – die ‚Reinigung der evangelischen Kirche von DC[Deutsche Christen]-Pfarrern‘ sowie die ‚Richtlinien für die Behandlung von Pfarrern [...] deren weitere Ausführung im Hinblick auf nationalsozialistische Bestätigung der Vergangenheit untragbar scheint‘ eine wichtige Rolle.
Des Weiteren wurde während dieser Tagung über den Wiederaufbau und die Neuordnung der Kirche diskutiert.
Der endgültige Text der Stuttgarter Schulderklärung stammt im Wesentlichen von Hans Asmussen und Otto Dibelius. Hans Asmussen war es wichtig, dass die Schulderklärung nicht politisch missbraucht würde. Ihm ging es darum, die Schuld zu bekennen und Gott um Vergebung zu bitten. Die Kernaussage der Stuttgarter Schulderklärung ist das Bekenntnis, dass Deutschland ‚unendliches Leid‘ über viele Länder, Völker und Religionen gebracht hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Autor erläutert den zeitlichen Rahmen der Hausarbeit sowie die zentralen Leitfragen zur Situation der Kirche nach dem 8. Mai 1945.
2. Das Jahr 1945: Dieses Kapitel beschreibt die desolate soziale Lage in Deutschland nach der Kapitulation und die Schwierigkeiten der Bevölkerung bei der Bewältigung der eigenen Vergangenheit.
3. Wegbereiter der Stuttgarter Schulderklärung: Hier werden die theologischen und personellen Grundlagen thematisiert, insbesondere die Rolle von Dietrich Bonhoeffer und die Bedeutung der Kirchenversammlung in Treysa.
4. Die Stuttgarter Schulderklärung von 1945: Dieser Abschnitt analysiert den Entstehungsprozess, die zentrale Zielsetzung und den Wortlaut des dokumantierten Schuldbekenntnisses der EKD.
5. Probleme der Stuttgarter Schulderklärung – Stimmen zur Stuttgarter Schulderklärung: Eine Untersuchung der unterschiedlichen, teils kritischen Reaktionen von Theologen wie Karl Barth sowie ausländischer Kirchenvertreter.
6. Fazit: Eine abschließende Reflexion darüber, inwiefern die Schulderklärung ein authentisches Bekenntnis darstellte und welche Bedeutung sie für das Verständnis der kirchlichen Mitverantwortung hat.
Schlüsselwörter
Stuttgarter Schulderklärung, Evangelische Kirche in Deutschland, NS-Regime, Schuldbekenntnis, Nachkriegszeit, Martin Niemöller, Dietrich Bonhoeffer, Kirchenversammlung in Treysa, Vergangenheitsbewältigung, Ökumene, kollektive Schuld, Hans Asmussen, Nationalsozialismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit behandelt die Auseinandersetzung der evangelischen Kirche mit der eigenen Mitschuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, gipfelnd in der Stuttgarter Schulderklärung von 1945.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen die Stimmungslage im Nachkriegsdeutschland, die Rolle der Bekennenden Kirche, der Prozess der kirchlichen Neuordnung sowie die Rezeption des Schuldbekenntnisses durch das Ausland und die Siegermächte.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Autorin untersucht, wie die Kirche zur Schuldfrage stand, ob die Schulderklärung als aufrichtiges Bekenntnis oder als strategisches Mittel zur Beschwichtigung der Siegermächte zu werten ist und woran sich das Bekenntnis inhaltlich orientierte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse kirchengeschichtlicher Quellen und Dokumente, um die historischen Zusammenhänge und theologischen Argumentationslinien objektiv darzustellen.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse der Wegbereiter (Bonhoeffer, Treysa), der Entstehung des Textes der Stuttgarter Schulderklärung sowie der kritischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Stimmen, die dieses Dokument bewerteten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Neben dem zentralen Begriff der "Stuttgarter Schulderklärung" sind Begriffe wie "Mitschuld", "kirchliche Neuordnung", "Nationalsozialismus" und "Bekenntnis" maßgeblich für das Verständnis des Inhalts.
Welche Rolle spielte Martin Niemöller im Kontext der Schulderklärung?
Niemöller war eine zentrale Figur, die maßgeblich an der Neuordnung der Kirche beteiligt war und die Schuld der Christen und der Kirche ohne Ausflüchte öffentlich bekannte, auch unter dem Eindruck seiner eigenen Haftzeit.
Wie bewertet die Arbeit die Kritik von Karl Barth?
Die Arbeit stellt dar, dass Barth die Schulderklärung kritisierte, weil sie ihm nicht konkret genug erschien und er befürchtete, dass sie durch spätere Interpretationen von Ratsmitgliedern in ihrer Wirkung abgeschwächt wurde.
- Arbeit zitieren
- Magdalena Rode (Autor:in), 2009, Die Kirche im Jahr 1945 und die Stuttgarter Schulderklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165945