Zur Geomorphologie und Geologie der Japanischen Inseln

Ein Japan Studien-Beitrag


Studienarbeit, 2010
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Von Gebirgen, Gesteinen und Prozessen - Eine Einleitung

2 Ein Streifzug durch die abwechslungsreiche Geomorphologie Japans
2.1 Topographie und Plattentektonik
2.2 Fluvialmorphologie und Hydrologie
2.2.1 Wasserscheiden
2.2.2 Meteorologische Spezifika
2.2.3 Gravitative Massenbewegungen
2.2.4 Überflutungen und Sedimentation
2.2.5 Hydro-geomorphologische Ereignisse durch Erdbeben und. eruptiven Vulkanismus 2.3 Glazialmorphologie

3 Die Japanischen Inseln im Spiegel der Geologie
3.1 Allgemeine Geologie
3.2 Angewandte (Ingenieurs-)Geologie in Japan

4 Fazit - Quo vadis Nihon?

Literaturverzeichnis

1 Von Gebirgen, Gesteinen und Prozessen - Eine Einleitung

Am Grunde die Steine scheinen bewegt - so klar das Bächlein.

(Natsume Soseki 1 )

Es bewegt sich `was in Japan. Nicht nur die Steine eines nicht näher bekannten Gebirgsbächleins, wie von NATSUME SOSEKI in seinem Gedicht auf lyrische Weise anmutig beschrieben, vielmehr wird das Land Japan in seiner Gesamtheit bewegt - ebenso wie die Menschen dort. Geographisch interpretiert scheint NATSUME SOSEKIs obiges Haiku das dichterische Ergebnis eines tagtäglich millionenfach ablaufenden fluvialmorphologischen Materialtransportprozesses zu sein: Wasser verrichtet Arbeit an einem Stein. Doch auch eine andere, tiefere Deutung mag sinnig erscheinen: Der Ausdruck „Am Grunde die Steine [...]“ lässt im übertragenden Sinne auf das japanische Festland schließen, dessen Schönheit und Vollkommenheit, die sich im Ausdruck „so / klar das Bächlein“ wiederspiegelt, sich in ständiger Gefahr einer endoge nen Bewegung, eines Erdstoßes bzw. Erdbebens befindet.

Tatsächlich ist Japan sehr erdbebengefährdet, liegt es doch am Rande des circumpazifischen Feuerg ü rtels, einer den Pazifischen Ozean umfassenden Zone junger Vulkanketten und häufi- ger Erdbeben (vgl. TIETZE, 21973: 781). Die Existenz des japanischen Festlandes, genauer gesagt des Japanischen Inselbogens, lässt sich in Gänze morphotektonisch, d.h. mithilfe der Theorie der Plattentektonik, erklären (vgl. ZEPP, 42008: 31-37). Hier erstmals erwähnt, soll dies im Kapitel »Geomorphologie« später ausführlicher erfolgen. Selbst für Laien ist es auf- grund der speziellen, vulkanisch-tektonisch geprägten Physiognomie Japans (Gebirge, Vulka- ne, Verwerfungen, Rutschungen, uvm.) unschwer zu erkennen, daß das Land stetigen geogra- phischen, bisweilen sogar topographischen, Veränderungen unterworfen ist. So entsteht zu- sätzlich zum japanischen Kernland bspw. regelmäßig Neuland (kleinere Inseln) infolge unter- seeischer vulkanischer Aktivit ät und Geosynklinal-Hebungen (vgl. GNIBIDENKO, 1979: 85).

Die erwähnten Veränderungen sind alle physischgeographischer Natur, haben jedoch auch humangeographische Auswirkungen. Ziel dieser Arbeit ist es in den folgenden Kapiteln eben- diese, für Japan bedeutenden, physischen Prozesse beispielhaft anhand der Geomorphologie und Geologie aufzuzeigen und in einem abschließenden Fazit die Bedeutung des Wissens um diese Grundlagen für den Umgang mit deren Auswirkungen auf den Menschen zu bewerten.

2 Ein Streifzug durch die abwechslungsreiche Geomorphologie Japans

2.1 Topographie und Plattentektonik

Abb. 1: Die Japanischen Inseln. Der jap. Inselbogen ist von mehreren Meeren umgeben; zudem werden in der Karte kleinere Inselgruppen (ridge, is.) und wichtige Tiefseerinnen bzw.

-gräben (trench, trough) aufgeführt (aus: SMITH, 1982: 162).

Eine vulkanische Inselkette, die russischen Kurilen, begrenzt im Norden das japanische Reich und bildet ferner die Grenze zu Hokkaido, der am nördlichsten gelegenen Insel der vier Hauptinseln, welche zusammengenommen den größten Teil des japanischen Archipels stellen. Südlich der Tsugaru Straße, einer Meerenge, liegt Honshu, die größte und bedeutendste Insel Japans. Die nördliche Hälfte Honshus ist in direkter Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, in Hon- shus Mitte ändert sich jedoch abrupt diese Ausrichtung hin zu einem nahezu idealen West- Ost-Verlauf. Grund hierfür ist ein Störungsgebiet namens Fossa Magna, welches Honshu mittig durchquert und für Japan ein geologisches Strukturelement erster Güte darstellt. Süd- west-Honshu wird am östlichen Ende von Kii, einer Halbinsel, begrenzt. Westlich hiervon liegt Shikoku, die kleinste der vier Hauptinseln. In südwestlicher Richtung wird Japan schließ- lich von der vierten Insel im Bunde, Kyushu, komplettiert. Die japanischen Inseln vollziehen demnach einen konvexen (Insel-)Bogen gegen den angrenzenden Pazifik, wobei dieser der eurasischen Landmasse im Süden und Norden, respektive bei Kyushu und Hokkaido, am wei- testen angenähert ist. Vergleiche hierzu und im Folgenden immer wieder Abbildung 1. In südöstlicher und südwestlicher Richtung vom Kernlande erstrecken sich mehrere zu Japan zählende Inselgruppen bzw. -ketten, wovon die Ryukyu Inseln nahe Taiwan und die Izu-Bonin (Ogasawara) Inseln im Pazifik die wichtigsten sind. Ein mächtiges Grabensystem, beste- hend aus dem Kuril-, dem Japan -, dem Izu-Bonin- und dem Marianen-Graben, zieht sich von den Kurilen entlang Nord-Honshu pazifikwärts gen Südosten. Ebenso befindet sich ein nicht minder bedeutendes, jedoch kleinres Grabensystem entlang der pazifischen Seite der Ry- ukyu Inseln und südlich Shikokus, bestehend aus dem Ryukyu-Graben und der Nankai-Rinne. (vgl. SMITH, 1982: 161).

In der Sprache der Plattentektonik lässt sich die soeben beschriebene Topographie Japans wie folgt erklären: Das Tiefseegrabensystem resultiert aus dem Aufeinandertreffen zweier Erd- platten; die ozeanische Pazifische Platte trifft auf den Japanischen Inselbogen und taucht unter diesem ab. Diesen Vorgang nennt man Subduktion (vgl. ZEPP, 42008: 31-37). Infolge- dessen entstanden durch Orogenese seit dem späten K änozoikum (spätes Neogen / frühes Quart är) weite Teile der nördlichen Japanischen Alpen mit ihren intrusiven Vulkanen (vgl. OLLIER, 2006: 442). Das Rinnensystem resultiert hingegen aus der Kollision des nördlichen Ausläufers der Philippinischen Platte mit dem Japanischen Inselbogen; hierbei schiebt sich die Philippinische Platte ebenso unter den Inselbogen und bewirkte so im Laufe der Jahrmilli- onen die Entstehung weiterer Vulkane sowie der s ü dlichen Japanischen Alpen. Zeitgleich schiebt sich unterhalb des Izu-Bonin-Grabens die Pazifische Platte unter die Philippinische Platte, weshalb hier die bereits erwähnten vulkanischen Ogasawara Inseln entstehen konnten. Japan ist demnach tektonisch stark beansprucht. Dies äußert sich mehrmals im Jahr durch Erdbeben und Vulkanausbr ü che. Das Land ist sehr gebirgig und besitzt nur eine kleine An- zahl an Ebenen, die über Meeresniveau liegen. Diese sind meist fluviatilen Ursprungs und stellen die Schwemmf ächer, d.h. das Akkumulations- und Sedimentationsgebiet der erodieren- den Fl ü sse aus den Gebirgen dar. Strenggenommen sind sie nichts anderes als Hochebenen und Hocht äler im Gebirge, denn dieses setzt sich unterseeisch noch einige Kilometer steil fort. Erst weit unter dem Meeresspiegel liegen die eigentlichen Gebirgsf üße bzw. Pedimente, welche in unterseeische Terrassen übergehen, die das Gebirge von den subduktionsbedingten Tiefseerinnen (Gr äben) abgrenzen. (vgl. SMITH, 1982: 161).

Nachfolgende Abbildung 2 stellt die bereits erwähnten tektonischen Prozesse graphisch dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Plattentektonik der Japanischen Inseln. Drei Erdplatten (zählt man die eurasische und nordamerikanische Platte als eine große Platte) driften bei Japan gegeneinander. Subduktion der Pazifischen Platte unter die Philippinische Platte und Subduktion der Philippinischen Platte unter die eurasische (und damit unter den jap. Inselbogen) lassen die Inselketten der Izu-Bonin Inseln und der Ryukyu Inseln entstehen. Kollision der beiden ozeanischen Platten mit dem kontinentalen eurasischen Festland ließen die vier japanischen Hauptinseln entstehen, den jap. Inselbogen. (aus: CNIC (CITIZEN’S NUCLEAR INFORMATION CENTER), 2010: cnic.jp)

[...]


1 Japanisches Haiku. Deutsche Übersetzung: GÜNTER DEBON (o.J.); Original von NATSUME SOSEKI (1867-1916) 2

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Zur Geomorphologie und Geologie der Japanischen Inseln
Untertitel
Ein Japan Studien-Beitrag
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Japan Studien)
Veranstaltung
Landeskunde Japans II
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V165975
ISBN (eBook)
9783640817665
ISBN (Buch)
9783640821051
Dateigröße
3540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geomorphologie, Geologie, Japanische Inseln, Japan, Tsunami, Taifun, Erdbeben, Seebeben, Vulkanausbruch, Vulkan, Hangrutschung, Japanische Alpen, Fuji, Mure, Erdfließen, Niederschlag, Monsun, Pazifik, Japanisches Meer, Honshu, Hokkaido, Atomkraft, Ingenieur, Kernenergie, Innenzone, Fossa Magna, Rift System, Tiefseegraben, Rinne, Gebirge, Shinkansen, Gravitative Massenbewegungen, Hydrologie, Fluvialmorphologie, Extremereignisse, Naturkatastrophen, Katastrophe, Überflutung, Sedimentation, Glazialmorphologie, Plattentektonik, Subduktion, Erdplatten, Eurasische Platte, Pazifische Platte, Philippinische Platte, Inselbogen, Shikoku, Izu-Bonin Inseln, Polarfront, Risiken, Fukushima, Radioaktivität, Gefahren
Arbeit zitieren
Christian Benner (Autor), 2010, Zur Geomorphologie und Geologie der Japanischen Inseln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165975

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