Diese Arbeit soll die Hintergründe eines Geschäftsmodells von Internetkaufhäusern beleuchten. Dazu wird in einem ersten Teil die Theorie des Long Tails (wörtl. Übersetzung: „langer Schwanz“ oder besser: „Rattenschwanz“ ) von Anderson dargestellt werden. Diese Theorie beschreibt ein neuartiges Vertriebskonzept, das vor allem Internetversandhändlern offensteht.
Im zweiten Teil soll dann die Umsetzung dieser Theorie an dem Beispiel des Internetkaufhauses Amazon.com gezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Long Tail
3. Traditionelle Unternehmen vs. Internetunternehmen
4. Drei Wirkungsmechanismen des Long Tail
4.1 Demokratisierung der Produktion
4.2 Demokratisierung des Vertriebs
4.3 Verbindung von Angebot und Nachfrage
5. Auswirkungen des Long Tails
6. Amazon und der Long Tail
6.1 Demokratisierung der Produktion bei Amazon
6.2 Demokratisierung des Vertriebs bei Amazon
6.3 Verbindung von Angebot und Nachfrage bei Amazon
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Geschäftsmodell von Internetkaufhäusern, insbesondere unter dem Aspekt der Long-Tail-Theorie nach Anderson, und analysiert deren praktische Umsetzung am Beispiel des Unternehmens Amazon.com.
- Analyse der Long-Tail-Theorie und ihrer ökonomischen Grundlagen
- Vergleich zwischen traditionellen Vertriebsmodellen und Internet-Handelsstrukturen
- Untersuchung der drei zentralen Wirkungsmechanismen: Demokratisierung von Produktion und Vertrieb sowie Verknüpfung von Angebot und Nachfrage
- Anwendung der Theorie auf das Beispiel Amazon.com unter Berücksichtigung algorithmischer und sozialer Filtersysteme
Auszug aus dem Buch
3. Traditionelle Unternehmen vs. Internetunternehmen
Analysiert man Verkaufsstatistiken von traditionellen Unternehmen allgemein, so kann man Gemeinsamkeiten erkennen. Nur wenige Produkte werden besonders stark nachgefragt. Dann fällt die Nachfrage stark ab. Irgendwann ist eine Grenze erreicht, an der keine Güter mehr umgesetzt werden. Anderson zeigt nun, dass dieses plötzliche Wegbrechen nicht an der Nachfrage, sondern am Angebot liegt. Mit anderen Worten verläuft die Nachfragekurve auch außerhalb des angebotenen Bereichs ( vgl. Abb.1 ) noch im positiven Bereichs. Es gibt also Güter, die in geringer Stückzahl gekauft werden würden, aber nicht angeboten werden.
Ausgangspunkt für Andersons Überlegungen war die Beobachtung, dass sich Verkäufer im Internet nicht so verhalten, wie das die klassischen Marketing-Theorien empfehlen. Diese klassischen Theorien beschreiben das Verhalten von traditionellen Ladenverkäufern. Für diese gelten aber andere Voraussetzungen als für Internetverkäufer. So haben sie nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung, auf der sie ihre Produkte präsentieren können. Die Regalfläche ist im Einzelhandel der teuerste Kostenfaktor und damit auch der begrenzender Engpass. Deshalb ist sie in der Kalkulation der entscheidende Bestandteil. Die Ware, die auf der begrenzten Fläche angeboten wird, muss möglichst häufig umgeschlagen werden, um den Gewinn zu maximieren. Daher konzentrieren sich die Anbieter auf die Produkte, die besonders beliebt sind, und lassen wenig nachgefragte Produkte aus dem Sortiment.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit beleuchtet die Hintergründe der Long-Tail-Theorie und deren Anwendung bei Internetversandhändlern anhand des Beispiels Amazon.com.
2. Der Long Tail: Das Kapitel erläutert, wie technische Fortschritte und Kostensenkungen es ermöglichen, Nischenprodukte trotz geringerer Nachfrage gewinnbringend anzubieten.
3. Traditionelle Unternehmen vs. Internetunternehmen: Hier wird der Kontrast zwischen stationären Händlern mit begrenzten Ladenflächen und digitalen Anbietern durchleuchtet, wobei das begrenzte Angebot bei physischen Geschäften als Engpass identifiziert wird.
4. Drei Wirkungsmechanismen des Long Tail: Die Entstehung des Long-Tail-Effekts wird auf die Demokratisierung der Produktion, den demokratisierten Vertrieb sowie die effektive Verbindung von Angebot und Nachfrage zurückgeführt.
5. Auswirkungen des Long Tails: Dieses Kapitel diskutiert, ob eine Ausweitung des Angebots zu neuen Nachfragen führt oder primär eine Verschiebung der Nachfrage von Blockbustern hin zu Nischenprodukten bewirkt.
6. Amazon und der Long Tail: Eine detaillierte Untersuchung, wie Amazon durch Print-on-Demand, Aggregator-Modelle und spezifische Filtersysteme das Long-Tail-Konzept in der Praxis umsetzt.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Befund, dass durch die IT-gestützte Verfügbarkeit von Nischenprodukten ein signifikanter Nutzenzuwachs für Kunden entsteht, der unsere Konsumgewohnheiten nachhaltig verändert.
Schlüsselwörter
Long Tail, Internetkaufhäuser, Amazon, Nischenprodukte, Blockbuster, Demokratisierung, Distribution, Transaktionskosten, Filter-Technologie, Peer-Recommendations, E-Commerce, Konsumgewohnheiten, Vertriebspolitik, Aggregator, Print-on-Demand
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sogenannte Long-Tail-Theorie nach Anderson und wie diese das Geschäftsmodell von Online-Versandhäusern wie Amazon durch innovative IT-Einsätze maßgeblich verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die ökonomischen Grundlagen des Online-Handels, die Demokratisierung von Produktions- und Vertriebswegen sowie die Bedeutung von Empfehlungs- und Filtersystemen für den Erfolg von Nischenprodukten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie technologische Fortschritte dazu führen, dass Unternehmen ihre Angebote kosteneffizient ausweiten können und welche Rolle dabei die Verknüpfung von spezifischen Kundeninteressen mit einem breiten Produktsortiment spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung des Long-Tail-Konzepts von Anderson und kombiniert diese mit einer fallbezogenen Analyse des Unternehmens Amazon.com.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der drei Wirkungsmechanismen des Long Tails und deren anschließende praktische Anwendung auf die verschiedenen Geschäftsfelder von Amazon (Produktion, Vertrieb, Filter).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem der Long Tail, Nischenprodukte, Internetkaufhäuser, Demokratisierung des Vertriebs, Transaktionskosten und personalisierte Filtersysteme.
Warum ist das Amazon-Modell für die Long-Tail-Theorie so bedeutend?
Amazon wird als Pionier angesehen, da das Unternehmen durch riesige Sortimente und innovative Technologien wie Print-on-Demand oder automatisierte Empfehlungssysteme den "langen Schwanz" der Nachfragekurve ökonomisch nutzbar macht.
Welche Rolle spielen die sogenannten "Filter" bei Amazon?
Filter sind essenziell, um die durch das riesige Sortiment entstehenden Suchkosten für Kunden zu minimieren und durch Peer-Recommendations oder algorithmische Vorschläge den Kunden gezielt zu Nischenprodukten zu führen.
- Quote paper
- Jan Wessel (Author), 2009, Long Tail und Amazon, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166629