Durch das Zusammentreffen verschiedener menschlicher und sprachlicher Gemeinschaften,
z.B. durch Kriege, Heirat oder Handel traten Angehörige unterschiedlicher Kulturen miteinander
in Verbindung, wodurch sich sowohl sprachliche als auch kulturelle Veränderungen
ergaben. In dieser Hausarbeit wollen wir speziell die Einflüsse der arabischen auf die spanische
Sprache untersuchen.
Zunächst werden wir auf die chronologische Abfolge eingehen, um die geschichtlichen Aspekte
zu verdeutlichen und einen Überblick über die islamische Epoche der Iberischen Halbinsel
zu geben, deren Erbe noch heute das Land und seine Kultur prägt.
Nach 647 brachen die arabischen Heere von Ägypten aus auf und besetzten bis 710 die lateinisch
sprechenden Gebiete von Afrika. Im darauffolgenden Jahr fielen die Araber und die
Berber unter ihrem Führer Tariq ibn Ziyad mit 7000 Mann über die Meerenge von Gibraltar
ein. Bereits in den nächsten Monaten fiel fast die Hälfte der Halbinsel nahezu widerstandslos
in die Hände der Muslime. Die Städter kapitulierten bald, und innerhalb kürzester Zeit
(ca.711-718) wurde die gesamte Iberische Halbinsel eingenommen. Eine Ausnahme bildet
jedoch eine Enklave um Oviedo, von der später die Reconquista ausging und einige Bergstämme
die fast 100 Jahre Widerstand leisteten.
Die Araber drangen bis in das Gebiet des heutigen Frankreich vor und nahmen auf ihrem Weg
dorthin mit 700 Mann Cordoba ein und eroberten danach die damals gotische Hauptstadt Toledo.
712 folgte Musa, der neidisch auf die Beute und den Erfolg war, mit 18.000 Soldaten
und nahm Merida und Sevilla ein. 713 handelte der gotische Gouverneur von Murcia dann einen Kapitulationsvertrag aus, der den Christen volle Religionsfreiheit versprach, die Juden
allerdings als Abhängige/Geduldete1 behandelte. [...]
1 Die Juden wurden als Dhimmis bezeichnet
Inhaltsverzeichnis
Das Zusammentreffen der arabischen und der romanischen Welt
Die Einflüsse aus dem Vorderen Orient
Die arabische Sprache
Das Mozarabische und seine Stellung
Übersetzungen und die Schule der Araber
Reconquista und die Aljamiado-Literatur:
Die Überbleibsel der arabischen Sprache:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den historisch gewachsenen Einfluss der arabischen Sprache auf das Spanische, ausgehend von der maurischen Epoche auf der Iberischen Halbinsel bis hin zu den linguistischen Spuren in der heutigen Sprache.
- Historischer Kontext der muslimischen Eroberung von Al-Andalus
- Kultureller und sprachlicher Austausch (Symbiose und Bilingualismus)
- Phonologische, morphologische und lexikalische Arabismen im Spanischen
- Die Rolle von Übersetzungen und der Schule der Araber für den europäischen Wissenstransfer
- Bedeutung der Aljamiado-Literatur als Zeitzeugnis
Auszug aus dem Buch
Die arabische Sprache
Um die arabische Sprache besser zu verstehen bedarf es einiger Erläuterungen: Die arabische Weltmacht vereinigt Völker verschiedener Herkunft und Religion. Trotz dieser Besonderheit entwickelt sich schnell eine einheitliche arabische Kultur durch die Religion, den Islam, und die arabische Sprache, die überall gesprochen wird da der Koran nicht übersetzt werden darf. Wenn man das Arabische also genauer klassifiziert, handelt es sich nicht um die Sprache eines Volkes, sondern um die Sprache einer Religion wie auch ehemals das Lateinische im Christentum.
Das Arabische ist eine semitische Sprache, das heißt sie stammt aus der Sprachfamilie Vorderasiens und Nordafrika. Auch das Berberische gehört zu den semitischen Sprachen, was hier erwähnt werden sollte, da die islamisierten Berber bei den arabischen Eroberungen eine maßgebliche Rolle spielten. Die kriegerischen Berber galten in Spanien als „silenciosos“ oder „mudos“, weil sie sich nicht verständigen konnten und auf Arabisch höchstens die rituellen Gebete beherrschten.
Interessant in diesem Zusammenhang ist noch die Tatsache, das weitaus der Großteil der Bevölkerung Al-Andalus‘ – ungefähr 5-6 Millionen Menschen – Einheimische waren und nur etwa. 50.000 Araber die durch die Eroberung nach Spanien kamen. Später Kann man wegen der Vermischungen, Übertritte und Angleichungen den arabischen Anteil nicht mehr bestimmen. Man kann von einem „arabischen Spanien“ also nur sprechen, wenn man darunter ein Land mit arabischer Kultur und nicht mit arabischer Bevölkerung versteht. Ausdruck dieser Kultur war die arabische Sprache, die trotz der geringen Anzahl von Arabern von den meisten Bewohnern von Al-Andalus gesprochen wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
Das Zusammentreffen der arabischen und der romanischen Welt: Dieses Kapitel erläutert den historischen Hintergrund der muslimischen Landnahme auf der Iberischen Halbinsel und die daraus resultierende kulturelle Durchmischung.
Die Einflüsse aus dem Vorderen Orient: Hier werden die kulturellen Impulse, insbesondere in Musik und Dichtung (Muwaschschahat), sowie der Einfluss auf Lebensstil und Baudekor behandelt.
Die arabische Sprache: Dieses Kapitel definiert die Rolle des Arabischen als Kultursprache im Kontext der Religion und beschreibt die demografische Zusammensetzung von Al-Andalus.
Das Mozarabische und seine Stellung: Hier wird der Dialekt der unter muslimischer Herrschaft lebenden Christen sowie die entstandene arabisch-romanische Symbiose und der Bilingualismus analysiert.
Übersetzungen und die Schule der Araber: Dieses Kapitel fokussiert auf die Bedeutung der Übersetzungszentren für den Transfer von antiker und orientalischer Wissenschaft in die europäische Kultur.
Reconquista und die Aljamiado-Literatur:: Die Auswirkungen der christlichen Rückeroberung auf die maurische Bevölkerung und die Bedeutung der Aljamiado-Texte als Geheimliteratur werden hier beleuchtet.
Die Überbleibsel der arabischen Sprache:: Der abschließende Teil untersucht die phonologischen, morphologischen und lexikalischen Spuren (Arabismen) im modernen Spanisch.
Schlüsselwörter
Arabismen, Al-Andalus, Mozarabisch, Aljamiado-Literatur, Sprachkontakt, Reconquista, Romanistik, Kulturtransfer, Arabisch, Kastilisch, Hispanistik, Lehnwort, Bilingualismus, Wortschatz, Orientalistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die historischen und linguistischen Auswirkungen der jahrhundertelangen Präsenz des Arabischen auf der Iberischen Halbinsel und dessen Einfluss auf die spanische Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Einordnung von Al-Andalus, die sprachliche Symbiose zwischen Arabisch und romanischen Dialekten, der Wissenstransfer durch Übersetzungen sowie das archäologische Zeugnis der Aljamiado-Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den arabischen Einfluss auf das heutige Spanisch zu identifizieren und zu verdeutlichen, wie Sprache als kulturelles Erbe trotz politischer Verschiebungen überlebt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen kulturhistorischen und sprachwissenschaftlichen Ansatz, indem sie historische Etappen mit linguistischen Beispielen (Lexik, Phonologie, Ortsnamen) verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Phasen der Eroberung, die Analyse von Sprachkontakten, die Rolle der Übersetzer-Schulen sowie die Untersuchung konkreter sprachlicher Überbleibsel in verschiedenen Bereichen des Spanischen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Arabismen, Al-Andalus, Mozarabisch, Aljamiado-Literatur, Sprachkontakt und Hispanistik.
Was genau ist die „Aljamiado-Literatur“?
Es handelt sich um Texte, die von Moriscos in spanischer Sprache, aber unter Verwendung arabischer Schriftzeichen verfasst wurden, um ihren Glauben und ihre Kultur geheim zu bewahren.
Warum gibt es heute so wenige arabische Wörter im täglichen Spanisch?
Die Verbindung zwischen den Kulturen wurde durch die Reconquista und spätere Vertreibungen abgebrochen, wodurch die arabische Prägung im Alltag zunehmend durch neue Einflüsse, etwa aus dem englischsprachigen Raum, verdrängt wurde.
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- Ilka Kreimendahl (Author), 1999, Der Einfluß des Arabischen in der spanischen Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16666