Alternative Wettkampfformen in der Leichtathletik


Unterrichtsentwurf, 2010

13 Seiten


Leseprobe

1 Bedingungsanalyse

1.1 Materielle Bedingungen

Die Realschule Xxx bildet zusammen mit ihrer Nachbarschule Gesamtschule das Schulzentrum Xxx-Süd. Insgesamt stehen drei Sporthallen zur Verfügung: eine Einfachhalle, eine ältere Dreifachhalle sowie eine nach neuesten Konzeptionen gebaute Dreifachhalle, die in Ermangelung einer Aula auch für schulische Veranstaltungen genutzt wird. Die beiden Dreifachhallen liegen offiziell außerhalb des Schulgeländes, weshalb sich die Schüler[1] zum ersten Gong in der Pausenhalle einfinden sollen, was sie aber gern mal „vergessen“ und dann schon vor der Halle warten. Diese Unart ist den Schülern trotz mehrfachen Hinweises auch nicht abzugewöhnen. Dabei dauert der Fußmarsch vom Schulgelände aus lediglich etwa zwei Minuten und belastet das Zeitkonto daher nicht zu sehr. Der Klasse 8a steht für die Doppelstunde am Dienstag die neuere Dreifachhalle dank einer günstigen Blockung komplett zur Verfügung. Die Geräteausstattung ist komplett und in einem guten Zustand. Vorhanden sind u.a. 20 Turnmatten, 15 Zachariashürden, 10 kleine Kästen sowie verschiedene Ballarten überwiegend in Klassenstärke.

1.2 Schülervoraussetzungen

Die Klasse 8a besteht aus 11 Schülern und 14 Schülerinnen. Der Sportunterricht findet noch bis zum Ende des Schuljahres im Klassenverband statt und besteht aus einer Doppelstunde am Dienstag und einer Einzelstunde am Freitag. Nach der Erkrankung des bisherigen Sportlehrers ist der Unterricht in wechselnder Besetzung fortgeführt worden. Zum zweiten Halbjahr des Schuljahres habe ich die Klasse in Vertretung übernommen.

Wenngleich einige Jungen Fußball als Vereinssport betreiben und ein Mädchen einem Leichtathletikclub angehört, gibt es keine ausgewiesen sportlichen Schüler. Kraft, Koordination und Ausdauer sind allgemein nur schwach ausgeprägt, so dass sich die Leistungsfähigkeit der Klasse relativ homogen auf einem eher niedrigen Niveau bewegt.

Zu Beginn des Halbjahres sind zudem Motivation und Leistungsbereitschaft noch äußerst gering. Die Schüler wollen stets am liebsten „spielen“, wobei sich die Jungen dabei austoben und die Mädchen eher untätig herumstehen. Ein echtes Zusammenspiel findet meist nicht statt. Besonders negativ fallen Jessica und Nils auf, die ihre Unlust oft sehr deutlich zur Schau stellen. Während Nils dabei aber eher Einzelgänger bleibt und nicht viel Aufmerksamkeit erregt, übt Jessica, die die Klasse wiederholt und aufgrund ihres höheren Alters immer etwas erwachsen tut, eine nachahmenswerte Rolle aus. Ebenfalls problematisch gestaltet sich die Kontrolle von Steven, der stets sehr energiegeladen ist und mit seiner stürmischen Art die anderen Schüler oft mitreißt, wenn es z.B. um das gemeinsame Bestimmen eines Spiels geht. Er tritt außerdem sehr jovial – fast schon respektlos – gegenüber Lehrpersonen auf, so dass es schwierig ist, jederzeit die nötige Distanz zu ihm zu wahren.

Im Laufe des Halbjahres verbessert sich die Leistungsbereitschaft der Klasse erheblich, was sich besonders während einer Unterrichtsreihe zum Thema „Schwingen an Geräten“ ablesen lässt. Wenngleich die Skepsis zu Anfang groß ist (Turnen ist ihnen nach eigener Aussage bisher unbekannt, was der Klassenlehrer bestätigt), finden sie mit jeder Stunde mehr Gefallen am Thema und bringen beim finalen Vorturnen trotz bescheidener körperlicher Voraussetzungen teils sehr beachtliche Leistungen.

2 Sachanalyse

Die Bewegungen Laufen, Springen und Werfen sind einerseits maß- und namensgebend für die leichtathletischen Disziplingruppen. Andererseits stellen sie aber auch das universelle Grundgerüst für alle Sportarten dar. Eine basale Aufgabe ist daher das Schulen koordinativ-rhythmischer Grundlagen. Ebenso wichtig ist der Ausbau der konditionellen Fähigkeiten z.B. für das lange, ausdauernde Laufen, aber auch ein längeres Basketballspiel. Das Erlernen und Anwenden leichtathletischer Techniken und ihrer komplexen Bewegungsabläufe fällt schließlich unter die koordinativ-technischen Anforderungen. (vgl. Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, 2001, S. 86)

Die drei Grundbewegungen sind jeweils durch einige Merkmale charakterisiert, die auf den ersten Blick selbstverständlich erscheinen, da es sich ja um alltägliche Bewegungen handelt, die aber für sich genommen enorme Verbesserungspotentiale bieten.

2.1 Laufen

Laufen ist unsere natürliche Art der Fortbewegung, das uns aufgrund unserer körperlichen Voraussetzungen keinerlei Schwierigkeiten bereitet. Gleichzeitig ist Laufen unabdingbarer Bestandteil fast jeder Sportart. Wichtige Komponenten sind: die Koordination bzw. Rhythmisierung des Bewegungsapparates, insbesondere der Extremitäten; die Kondition, um längere Belastungen zu überstehen; und die Beherrschung der richtigen Lauftechnik (Schrittlänge, Fußaufsatz und-abdruck).

2.2 Springen

Springen ermöglicht ein flugähnliches Gefühl und lässt uns für kurze Zeit die Schwerkraft überwinden. Ein Sprung trägt uns in die Höhe und/oder die Weite. Entscheidend sind das Timing (etwa um einen Ball zu fangen), die Sprungkraftausdauer für längere oder wiederholte Belastungen sowie die technische Ausführung (Schwungbeineinsatz, Fußaufsatz).

2.3 Werfen

Beim Werfen Muss zwischen dem reinen Weitwurf und dem zielgenauen Wurf unterschieden werden. Beiden gemein ist die Wichtigkeit der optimalen Wurftechnik, die beim Weitwurf trotz maximalem Krafteinsatz beibehalten werden muss. Beim Zielwurf kommt es auf das richtige Körpergefühl an.

3 Didaktik

Im Inhaltsbereich 3 „Laufen, Springen, Werfen – Leichtathletik“ finden die Pädagogischen Perspektiven A (Wahrnehmungsfähigkeit verbessern, Bewegungserfahrungen erweitern), D (Das Leisten erfahren, verstehen und einschätzen), aber auch F (Gesundheit fördern, Gesundheitsbewusstsein entwickeln) ihre Anwendung. „Laufen, Springen und Werfen sind Grundformen menschlicher Bewegung und zugleich Basis vieler sportlicher Aktivitäten.“ (Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, 2001, S. 49) Eine geläufige Darstellungsform finden sie in den normierten Wettkampfdisziplinen der Leichtathletik. Eine Auswahl dieser Disziplinen ist den Schülern in erster Linie durch die jährlich stattfindenden Bundesjugendspiele bekannt (Sprint, Weitsprung, Ballwurf/Kugelstoß). Der Inhaltsbereich bietet darüber hinaus jedoch die Möglichkeit, unbekannte Bewegungsformen kennenzulernen und zu beherrschen und sich in immer wieder neuen Situationen mit anderen zu messen. Andererseits können die bekannten Grundbewegungen nach Belieben variiert und vom ursprünglichen Disziplinziel bzw. vom Wettkampfcharakter gelöst werden, so dass auch geübte Schüler bei der Neuinterpretation des Grundsatzes „Schneller, höher, weiter“ vor attraktive Herausforderungen gestellt werden. Auf diese Weise ist es möglich, auch in der grundsätzlichen Einzelsportart Leichtathletik den Teamgeist und die gemeinschaftlichen Problemlösefähigkeiten zu fördern.

Der Lehrplan der Realschule sieht für die Klassen 7 und 8 die Erhaltung der Motivation der Schüler als oberstes Ziel. Dies soll erreicht werden durch Variation bekannter Disziplinen, der Einführung neuer Disziplinen sowie durch abwechslungsreiche Wettkampfformen. (vgl. Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, 2001, S. 87)

Die bisherigen Erfahrungen der Schüler mit der Leichtathletik sind geprägt von den Wettkämpfen im Rahmen der Bundesjugendspiele. Aufgrund der großen Anzahl eher leistungsschwacher und unmotivierter Schüler waren die Ergebnisse dementsprechend mager. In dieser Unterrichtseinheit sollen daher die Grundbewegungen „Laufen, Springen, Werfen“ losgelöst von bestimmten Disziplinen gesehen und alternative Ziele gesteckt werden. Dies kann dadurch erreicht werden, in dem es z.B. beim Laufen nicht (nur) auf Geschwindigkeit, sondern auf Geschicklichkeit ankommt, oder die größte Weite beim Werfen von der Zielgenauigkeit abgelöst wird. Das Ziel der Unterrichtseinheit ist, die Schüler durch die Einführung alternativer Wettkampfformen neu zu motivieren und ihr Interesse an der Leichtathletik zu wecken oder aufzufrischen. Die Stationen haben einen hohen Aufforderungscharakter und sind in ihrer Konzeption universell gehalten, um die Kreativität der Schüler möglichst wenig einzugrenzen. (siehe Anlagen) Die Schüler sollen die sportartübergreifende Bedeutung der Grundbewegungen Laufen, Springen und Werfen erkennen und die normierten Wettkämpfe der Bundesjugendspiele als eine mögliche Ausprägung begreifen.

Bereits im Vorfeld durften die Schüler Musikwünsche äußern/einreichen, die zur klanglichen Untermalung verwendet werden. Die Musik rhythmisiert die Bewegungen der Schüler und wirkt in Verbindung mit ihrer Bekanntheit so zusätzlich motivationsfördernd.

4 Methodik

Die Stunde stellt den Anfang der Unterrichtsreihe dar. Bisherige Erfahrungen mit dem Inhaltsbereich sind auf normierte Wettkampfformen beschränkt. Bei den meisten Schülern bestehen Defizite bezüglich der Körperhaltung und Ausdauer beim Laufen, der Sprungkraft und Sprungkraftausdauer und der Feinmotorik und allgemeinen Bewegungsausführung beim Werfen. Wenngleich es sich durchweg um komplexere Probleme handelt, die nicht innerhalb einer Unterrichtseinheit zu lösen sind, soll doch versucht werden, im Hinblick auf die Bundesjugendspiele eine Verbesserung zu erzielen.

[...]


[1] Die Bezeichnung „Schüler“ wird in diesem Unterrichtsentwurf durchgängig geschlechtsneutral verwendet und beinhaltet selbstverständlich beide Geschlechter.

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Details

Titel
Alternative Wettkampfformen in der Leichtathletik
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V166772
ISBN (eBook)
9783640845910
ISBN (Buch)
9783640845064
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
alternative, wettkampfformen, leichtathletik
Arbeit zitieren
Sebastian Altenhoff (Autor), 2010, Alternative Wettkampfformen in der Leichtathletik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166772

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