(Miss)verstehen per SMS

Analyse der Verständlichkeit der Kommunikation per SMS an ausgewählten Beispielen


Seminararbeit, 2008

27 Seiten, Note: 3.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.KommunikationundSMS
2.1 Kommunikation
2.2 SMS
2.2.1NutzungvonSMS
2.2.2FunktionenderSMS-Kommunikation

3.VorstellungdesUntersuchungskorpus
3.1 SprachlicheBesonderheitenderSMS-KommunikationinnerhalbdesUntersuchungskorpus
3.1.1 Wortwahl,Akronyme
3.1.2 Interpunktion,Groß-undKleinschreibung,Rechtschreibung
3.1.3 Emoticons,Inflektive
3.1.4 Anglizismen,Mehrsprachigkeit,Code-Switching

4.AnalyseeinesMissverstandenenKommunikationszyklus

5.Fazit

6.Untersuchungskorpus

7.Quellen

1. Einleitung

Das Handy ist heute ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft. Fast jeder besitzt heute mindestens ein Mobiltelefon. Telefonieren ist dabei, besonders bei den jüngeren Nutzergruppen mehr und mehr durch andere Formen der Kommunikation verdrängt wurden. Am bekanntesten und meistgenutzten ist die SMS, also die Möglichkeit kurze Textnachrichten innerhalb des Mobilfunknetzes zu versenden. Doch wie ist ein gegenseitig Verständnis innerhalb dieser asynchronen, stark vereinfachten rein Textbasierenden Kommunikation möglich?

In der folgenden Hausarbeit werden sämtliche empfangenden und ausgehenden SMS innerhalb eines Jahres im Hinblick auf das Verstehen bzw. Missverstehen der Textbotschaften analysiert. Der Schwerpunkt wird dabei auf eine primär linguistische textinterne Analyse gelegt. Textexterne Schwerpunkte, wie die Beziehung der Kommunikanten, der Kontext der SMS- Kommunikation können im Rahmen dieser Hausarbeit leider nur marginal mit einbezogen werden.

Im Folgenden werden zunächst die Begriffe „Kommunikation“ und „SMS“ definiert. Des weiteren wird kurz auf die Nutzung des Mobiltelefons sowie der Kommunikation per SMS eingegangen. Die Nutzung der SMS unterliegt, wie jede Kommunikatform, bestimmten Regeln, folglich ist es unvermeidlich kurz auf die unterschiedlichen Motive und somit Funktion der SMS einzugehen. Im Anschluss wird der Untersuchungskorpus vorgestellt und anhand ausgewählter Beispiele werden sprachliche Mittel, die der Verständlichkeit der Textbotschaft dienen, definiert und an Beispielen des Untersuchungskorpus belegt. Trotz zahlreicher kommunikativer Mittle, die das Verstehen der Textbotschaften erleichtern sollen, ist ein Missverstehen der SMS nicht ausgeschlossen. An einem ausgewählten Beispiel wird eine solche fehlgeschlagene Kommunikation aufgeschlüsselt und analysiert. Ziel ist es dabei den Grund für die fehlende Verständlichkeit zu finden.

1. Kommunikation und SMS

1.1 Kommunikation

Viele Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, wie Luhmann, Merten und Watzlavick, sind sich darüber einig, dass Kommunikation in der heutigen Gesellschaft einen hohen Stellwert einnimmt[1], denn „Man kann nicht, nicht kommunizieren“. Es ist nicht einfach den Begriff Kommunikation zu definieren, da es keine allgemein anerkannte Definition des Kommunikationsbegriffes gibt. Kommunikation erscheint uns durch ihre Alltäglichkeit womöglich banal, und diese „faktische Banalität aller Kommunikation täuscht erfolgreich darüber hinweg, dass sie sich theoretisch keinesfalls banal erklären lässt“[2]. Eine relativ allgemein gehaltene Definition wäre: Kommunikation ist „der zielgerichtet, wechselseitige Prozess symbolisch vermittelter Interaktion zwischen Menschen, die kommunikativ handeln. Ziel von Kommunikation ist die Verständigung, d.h. die Konstruktion (hinreichend) gleicher Bedeutungen im individuellen Bewusstsein. Kommunikationspartner bedienen sich dabei immer sprachlicher und anderer Symbole; sie können auch Medien benutzen.“[3]

1.2 SMS

SMS steht für Short Message Service, einem Service der es ermöglicht Textbotschaften über das Mobilfunknetz zu versenden und zu empfangen. Die 1992 eingeführte Mobilfunktechnologie GSM (Global Systems of Mobil Communications) begrenzt die Länge der SMS auf 160 alphanumerische Zeichen.

Eine gesendet SMS wird zunächst in einem SMSC (Short Message Service Center) gespeichert und erst dann auf das mobile Endgerät des Empfängers gesendet, wenn sich dieser in das Netz eingewählt hat[4]. Aufgrund dieser Zwischenspeicherung verläuft die SMS Kommunikation asynchron, weshalb SMS Botschaften oft einen monologischen Charakter aufzeigen. Es sind of in sich geschlossene Textbotschaften, die nicht selten auf Anrede und Verabschiedung verzichten. Bei schneller Reaktion des Empfängern können jedoch durchaus kleine kurze Dialoge mittels SMS entstehen[5].

Im Jahre 2000 wurden 367 Erwachsene mit eigenem Haushalt schriftlich zu ihrer Mediennutzung befragt. Es sollten die Medien; Telefon, Handy, SMS, E-Mail, Fax und Brief gewichtet werden. Dabei fanden 29 % der Befragten die SMS sehr wichtig bis wichtig. Somit lag die SMS, hinter dem Telefon und den Handy auf Platz 3 der Umfrage. Die Wichtigkeit eines Mediums ist unmittelbar mit der Glaubwürdigkeit des Selben verbunden. Von den Befragten stuften 61,8 % die SMS als sehr glaubwürdig ein, sie liegt nach dem persönlichen Gespräch somit auf Platz 2 der Glaubwürdigkeit und somit noch vor dem Brief. Oft ist eine SMS so konzipierte, das der Empfänger so schnell wie möglich au sie reagieren soll, deswegen empfinden fast die Hälfte der Befragten die SMS als aufdringlich. Das einzige Medium, dass noch aufdringlicher empfunden wird ist das Mobiltelefon selbst.[6].

1.2.1 Nutzung von SMS

In den letzten Jahrzehnten stieg die Handynutzung kontinuierlich an. 78,5 % der Deutschen besitzen ein Handy, damit liegt Deutschland im EU weiten Vergleich im Durchschnitt[7]. Mit der steigenden Zahl der Handynutzer stieg auch die zahl der SMS. Im Jahr 2004 verschickten die Deutschen mehr als 30 Milliarden Textnachrichten[8].

Eine Umfrage unter 367 Erwachsenen mit eigenem Haushalt im Jahre 2000 hat ergeben, dass besonders Ältere neuen Medien skeptisch gegenüberstehen. Folglich ist die Hauptnutzergruppe der SMS bei Erwachsenen in der Altersgruppe 18 – 25 zu finden. Hier versenden 79,2 % der Befragten mehr als 30 SMS pro Monat. In der Altergruppe 26 bis 35 sind es nur noch 14,6 SMS in einem Monat[9].

1.2.2 Funktionen der SMS Kommunikation

Die Kommunikation per SMS umfasst in erster Linie den Bereich der privaten Kommunikation. Am Häufigsten werden Textmitteilungen mit Freunden, Bekannten oder Familienangehörigen ausgetauscht. Im Rahmen informeller Gruppenkommunikation kommen SMS im Familienkreis und Freundescliquen zum Einsatz. Am Üblichsten ist noch die sogenannte Rund- SMS. Eine Textnachricht, die an mehrer Empfänger gleichzeitig versendet werden kann.

Recht selten kommt die Kommunikation per SMS im Bereicht der Öffentlichkeitsarbeit oder Organisationskommunikation zur Anwendung. In diesen Bereichen ist das Telefonat oder E-Mail das führende elektronische Kommunikationsformat. Im Bereich der Massenkommunikation kommen SMS als Werbe- SMS, Nachrichtendienste oder Spiele- SMS zum Einsatz[10].

Die Kommunikation per SMS erfüllt folglich primär sozial- kommunikative Funktionen.

In erster Linie erfüllt das Handy heute eine Organisationsfunktion, denn das Angebot an Freizeitaktivitäten, sowie die permanente Erreichbarkeit durch das Mobiltelefon ziehen steigende Koordinationsanforderungen an den Alltag nach sich. Nicht nur im beruflichen Leben, sondern auch in der Freizeit kann es vorkommen, dass man sich zu einem Termin verspätet, bzw. ihn nicht wahrnehmen kann. Die Kommunikation per SMS ermöglicht es den Alltag schnell und einfach zu organisieren. Ein kurzes „Ich komme 10 Minuten später“ oder „Ich bin gleich da“ ermöglichen eine einfache, flexible Koordination des Alltags. Eine langfristige Planung kann so möglichst zeitnahe noch einmal Koordiniert werden[11].

Sehr häufig sind spontane Verabredungen per SMS zu einem persönlichen Treffen oder einer Kommunikation mittels anderer Medien, wie z.B. Telefon, Chats sowie Video- oder Audiochats. Es kann also nicht von einem Ersetzen der Face- to Face Kommunikation ausgegangen werden. Vielmehr fördert die Kommunikation per SMS die zwischenmenschliche Face- to Face Kommunikation bzw. die Kommunikation in mittels anderer Medien.

Somit leistet das Mobiltelefon einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur allgemeinen Beziehungspflege und erfüllt somit auch eine Beziehungsfunktion, denn das Handy ist heute mehr als nur ein mobiles Endgerät zum Senden und Empfangen von Nachrichten. Es ist vielmehr die Schaltzentrale des eigenes sozialen Netzwerkes. In einem Mobiltelefon sind sämtliche Nummern und Kontaktdaten sozialer, familiärerer wie auch beruflicher Interaktionspartner gespeichert und können jederzeit aktiviert werden. Hierbei ist die Qualität der Kommunikation jedoch nicht an die Menge gebunden. Es geht vielmehr um empathische Kommunikation, also das übermitteln von Gefühlen und Empfindungen um so ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Nähe zu erzeugen.

Viele Mobilfunkanbieter bieten heute „digitale Geschenke“ in Form von Logos, Klingeltönen oder Spielen an. Das versenden dieser spiegelt somit die Beziehung und Empfindungen der Kommunikationspartner wieder[12].

Durch SMS-Sprachspiele, Anspielungen auf Geschehenes oder Insiderwitze fördert die Kommunikation per SMS den Gruppenzusammenhalt. Aufgrund der permanenten Erreichbarkeit durch das Mobiltelefon kann das eigene soziale Netzwerk spontan aktiviert werden um so Gefühle des Alleinseins oder der Einsamkeit zu überbrücken.

Besonders unter Heranwachsenden ist das Mobiltelefon ein Symbol der sozialen Akzeptanz. Die Anzahl der Empfangenen SMS, „digitalen Geschenke“ sowie die Länge der getätigten Anrufe werden als Symbol sozialer Akzeptanz gewertet und oft untereinander in kleinen Wettstreiten verglichen[13].

Seit Neuestem gibt es ein breites Angebot zahlreicher kommerzieller Dienste, die Kontaktanbahnung per SMS anbieten. Auch im privaten Bereich ist es auffällig, dass immer mehr Jugendliche erst eine Weile „simsen“ bevor sie sich treffen oder ein Telefonat führen. Eine große Anzahl an Handynutzern archiviert solche Flirt SMS. Hierbei ist häufig zu beobachten, dass Kommunikations- und Beziehungsstörungen auf das „simsen“ übertragen werden. So ist das Beenden einer Beziehung per SMS kein Nachweis dafür, dass das Mobiltelefon Verantwortlich ist für die Beziehungsstörung, sondern diese nur wiederspiegelt.

Durch seine Allgegenwärtigkeit ist das Handy heute Teil der eigenen Identität, weshalb es heute ein breites und stetig wachsendes Angebot an individuellen Gestaltungsmöglichkeiten für das eigene Mobiltelefon gibt. Angefangen von bunten Aufklebern und Handyschutzhüllen mit individuellem Design, über Anhänger und Handyketten sowie Handytaschen in fast allen Formen und Farben und Spielen bis hin zu eigenkreierte Logos, individuellen Klingeltönen sowie Musikeinspielungen für Anrufende. Die Liste wird fast täglich erweitert.

Besonders Jugendliche nehmen diese Angebote gerne und viel in Anspruch, denn für sie ist das Handy weit mehr als nur ein mobiles Endgerät. Es ist ein Teil ihrer Suche nach Identität. Durch verschiedene Handyassessuars wird das Handy zum einem wichtigen Teil des eigenes Images, das durch Klingeltöne der aktuellen Lieblingsband vervollständigt wird[14].

Wartezeiten und kurzfristige Langeweile können einfach und unauffällig mit dem Handy überbrückt werden, somit erfüllt das Mobiltelefon und primär das versenden kleiner Textnachrichten eine Unterhaltungsfunktion. So ist eine SMS in der man sich nach dem Befinden eines Freundes oder der nächsten Party erkundigt im Bus schnell geschrieben. Als positiver Nebeneffekt ist zu beobachten, dass solche, als Ablenkung von Langeweile geschriebenen SMS sich meistens auf der Beziehungsebene bewegen und so interpersonale Beziehungen pflegen[15].

Handys werden immer leistungsfähiger und sind somit ach in der Lage immer größere Datenmengen zu senden und zu empfangen. Dies ermöglicht es immer mehr Informationen zu versenden. Für die heutige Handygeneration der leistungsfähigen Smart Phones gibt es eine breite Pallete an Informations- und Lernangeboten. Das Handy kann also auch als Informationsmedium betrachtet werden, denn durch Nachrichtendienste per SMS erfüllt es eine Informationsfunktion. Auch für Handys ältere Generationen gibt eine großes Angebot an Nachrichtendiensten per SMS oder MMS. Diese mobilen Informationsportale werden jedoch verhältnismäßig wenig in Anspruch genommen[16].

Das beschriebene Angebot an individuellen Klingeltönen, Logos und Spielen unterliegt marktwirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten. Diese Angebote, wie auch eine Vielzahl an sogenannten SMS- Premium- Diensten sind kostenpflichtig. In diesem Zusammenhang kann das Handy als Transaktionsmedium verstanden werden, denn die Bezahlung erfolgt über die Handyrechnung bzw. durch Abzug der Einheiten von der Preepaid Karte des Handynutzers[17].

[...]


[1] Merten (1999), S. 13; Huber (2006), S. 4

[2] Merten (1999), S. 79

[3] übernommen aus der (eigenen) Mitschrift zur Vorlesung „Einführung in die Kommunikationswissenschaft“ bei Prof. Dr. Klaus Beck im Wintersemester 2003/ 2004

[4] Wikipedia

[5] Döring (2002), S. 4

[6] Höflich (2005) S. 43 - 47

[7] tecchannel

[8] Tully (2005), S. 2

[9] Höflich (2005), S. 50 f.

[10] Döring (2002), S. 6

[11] Döring (2006), S. 8 f.

[12] Döring (2006), S. 9 ff.

[13] Tully (2005), S. 7

[14] Döring (2006) S, 11 f.

[15] Döring (2006) S, 12

[16] Döring (2006) S, 12

[17] Döring (2006) S, 12

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
(Miss)verstehen per SMS
Untertitel
Analyse der Verständlichkeit der Kommunikation per SMS an ausgewählten Beispielen
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Veranstaltung
Verstehen und Verständlichkeit/ Sprachbewertung
Note
3.0
Autor
Jahr
2008
Seiten
27
Katalognummer
V166967
ISBN (eBook)
9783640830312
ISBN (Buch)
9783640830398
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, verständlichkeit, kommunikation, beispielen
Arbeit zitieren
B.A. Liane Giese (Autor), 2008, (Miss)verstehen per SMS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166967

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