Exit-Strategien der Banken von notleidenden und leistungsgestörten Krediten unter Berücksichtigung des Risikobegrenzungsgesetzes


Diplomarbeit, 2009

79 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND MOTIVATION
1.2 ZIELSETZUNG
1.3 VORGEHENSWEISE UND AUFBAU DER ARBEIT

2 DER MARKT FÜR NPLS UND DDS ENTSTEHUNG UND TENDENZEN
2.1 BEGRIFFLICHE DEFINITIONEN
2.1.1 Loan
2.1.2 Non-Performing Loans (NPL) - Notleidende Kredite
2.1.3 Distressed Debt / Sub-Performing Loans - Leistungsgestörte Kredite
2.2 DIE MARKTENTWICKLUNG IN DEN USA, ASIEN UND EUROPA
2.3 EINE AKTUELLE ÜBERSICHT DER NPL-VOLUMINA IM LÄNDERVERGLEICH
2.4 DER NPL UND DISTRESSED DEBT-MARKT IN DEUTSCHLAND
2.4.1 Überblick - Der Beginn des deutschen NPL-Marktes
2.4.2 Marktteilnehmer

3 STRATEGIEN UND HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN DER BANKEN
3.1 DAS INTERNE WORKOUT
3.1.1 Vorteile des internen Workouts
3.1.2 Nachteile des internen Workouts
3.2 KREDITVERKAUF
3.2.1 Singlename-Transaktion
3.2.2 Portfolio Sale
3.2.3 Portfolio Joint Venture (JV)
3.2.4 Debt-Equity Swap (DES) - Die Bank als Intermediär
3.3 RISIKOTRANSFER / VERBRIEFUNG
3.3.1 True Sale
3.3.2 Credit Default Swap (CDS) - Risikounterbeteiligung
3.4 KREDITWÜRDIGKEITSPRÜFUNG - RATING UND SCORING
3.4.1 Definition des Ratingbegriffs und dessen Umfang
3.4.2 Ratingklassifizierung
3.4.3 Aktuelle Ratingproblematik
3.4.4 Die drei Bewertungsprozesse

4 VERKAUF EINES NPL-PORTFOLIOS
4.1 DER NPL-TRANSAKTIONSPROZESS UND DESSEN AKTEURE
4.2 MOTIVATIONEN UND TREIBER
4.2.1 Motivationen der Verkäufer
4.2.2 Motivationen der Käufer
4.2.3 Treiberprozess durch den Markt
4.3 VORBEREITUNG DER TRANSAKTION
4.3.1 Indikation des Bieterverfahrens
4.3.2 Due Diligence in der Datenraumphase
4.3.3 Vertragsverhandlung und Closing

5 RECHTLICHE GRUNDLAGEN ZUM KREDIT- UND FORDERUNGSVERKAUF
5.1 ZULASSUNGEN UND LIZENZEN
5.1.1 Bankaufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen für Investoren
5.1.2 Gewährung von Gelddarlehen als erlaubnispflichtiges Bankgeschäft
5.2 PROZESS DER PORTFOLIOÜBERTRAGUNG
5.2.1 Vertragsübernahme
5.2.2 Sicherungsübereignung
5.2.3 Abtretung der Forderungsrechte
5.3 DIE BESONDERE STELLUNG DES BANKGEHEIMNISSES UND DATENSCHUTZES
5.3.1 Bankgeheimnis
5.3.2 Datenschutz
5.3.3 Arten der Zustimmungseinholung für die Datenweitergabe
5.4 RISIKOBEGRENZUNGSGESETZ UND KREDITNEHMERSCHUTZ
5.4.1 Kapitalmarktrechtliche Regeln für Beteiligungen an börsennotierten Firmen
5.4.2 Erhöhte Transparenz bezüglich Namensaktien
5.4.3 Unterrichtung der Mitarbeiter beiÜbernahmen
5.4.4 Schutz der Kreditnehmer vor NPL/SPL/PL-Verkäufen

6 SUBPRIME-KRISE, KREDITKLEMME UND DEREN FOLGEN

6.1 KURZER ÜBERBLICK UND DEFINITION VOM SUBPRIME-SEKTOR

6.2 DIE URSACHE DER SUBPRIME-KRISE

6.3 DIE FOLGEN DER FINANZKRISE

FAZIT

AUSBLICK

GLOSSAR

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Kreditarten in den verschiedenen Erscheinungsformen

Abb. 2: Entstehung der NPL-Märkte von 1970-2006

Abb. 3: Internationaler Ländervergleich der NPL-Marktvolumina (2006)

Abb. 4: Europäischer Ländervergleich der NPL-Marktvolumina (2008)

Abb. 5: Entwicklung der gewerblichen Insolvenzen in D. 2000-2007

Abb. 6: Exit-Optionen für NPLs & DDs

Abb. 7: Beziehung der Beteiligten beim Credit Default Swap (CDS)

Abb. 8: Die Chronik der Wirtschaftskrise 2007-2009

Abb. 9: Funktionsweise der SOFFIN

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Kategorische Übersicht von NPL-Investoren

Tab. 2: Strategieabwägungssschema des NPL-Managements

Tab. 3: Handlungsoptionen von Problemkrediten einer Bank

Tab. 4: Rating-Klassifizierung (Standard & Poor´s)

Tab. 5: Vergleich der Ekap-Unterlegung nach Basel I und II

Tab. 6: Wesentliche Bestandteile eines Portfolioverkaufs

Abkürzungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Motivation

Die schwache konjunkturelle Lage der letzten Jahre und eine fortschreitende Globalisierung haben trotz eines zweijährigen Konjukturhochs in 2006 und 2007 die internationale Kredit- wirtschaft in den vergangenen Jahren folgenschwer geprägt. Aufgrund einer Vielzahl von Privat- und Unternehmensinsolvenzen, auf die in Kapitel 2.5 näher eingegangen wird, hat sich bei den Banken ein bedeutender Bestand an notleidenden und leistungsgestörten Kredi- ten [Non-Performing Loans (NPL) und Distressed Debt (DD)] angesammelt, die nicht mehr bedient werden oder mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr bedient werden können.1 Die- se genannten Forderungen belasten die Bilanzen der Kreditinstitute und binden monetäre und personelle Ressourcen.

Besonders aufgrund der neuen Eigenkapitalvorschriften gemäß Basel II, den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), der erhöhten Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und dem steigenden Ertragsdruck seitens der Kapitalmärkte, ist bei den Banken ein enormer Handlungsbedarf hinsichtlich ihrer NPLs und dem damit verbundenen Sicherheiten (überwiegend Immobilien) entstanden2. Infolgedessen entschließen sich Banken seit einigen Jahren immer öfter, NPLs mit einem wesentlichen Abschlag zu veräußern und überlassen es anderen Einrichtungen oder Investoren, die offenen Kredite einzufordern oder nach Belieben zu verfahren. Demnach müssen sich Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister, die sich auf diesem Markt behaupten möchten, einer intensiven Optimierung ihrer Arbeitsprozesse unterziehen.3

NPL-Transaktionen gehören heutzutage auch in Deutschland zum Standardablauf jeder größeren Bank. Dabei ist die Abwicklung von NPL kein neuer Geschäftsbereich. Bereits 2003 lag die Höhe der Wertberichtigungen im deutschen Bankensektor bei rund 23,4 Mrd. Euro wovon der NPL-Markt 2003 alleine 3 Mrd. ausmachte und sich innerhalb eines Jahres in 2004 auf 12 Mrd. vervierfachte.4 Neu sind allerdings einige Modelle des Outsourcing und des Verkaufs von notleidenden und leistungsgestörten Krediten, die in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren entwickelt wurden.

1.2 Zielsetzung

Im Focus dieser Arbeit soll die Frage stehen, welche tatsächlichen Handlungsoptionen den Banken für das Management von NPL zur Verfügung stehen. Neben den traditionellen In- strumenten eines institutsinternen Kreditabwicklungsmanagements (Work-Out) werden zu- nehmend neue Instrumente, wie die Optionen eines Verkaufs von NPL oder das Outsourcing dieser Kredite für deutsche Banken interessant.5 Die vierte Handlungsalternative der Verbrie- fung der Forderungen in Asset backed securities gewinnt immer mehr an Bedeutung und gehört ebenso zu den modernen Finanzinstrumenten der deutschen Kreditwirtschaft. Bis Ende des Jahres 2006 hatten bereits über 80 % der börsennotierten europäischen Banken mindestens eine Verbriefungstransaktion durchgeführt, darunter auch alle deutschen Groß- banken.6

Zunächst einmal sollen die oben genannten Handlungsoptionen dargestellt und erläutert werden, um sie dann vergleichend betrachten zu können, so dass eine entsprechende Aussage über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Workouts möglich ist. Zudem werden die typischen Ablaufstrukturen einer NPL-Transaktion unter Berücksichtigung der Entscheidungsmöglichkeiten für eine Abwicklung von leistungsgestörten Forderungen, rechtlichen Rahmenbedingungen und Grenzen des Outsourcing näher betrachtet. Angrenzend soll durch die Erläuterung des Risikobegrenzungsgesetzes dargelegt werden, wie die Banken in Zukunft die Höhe der NPLs reduzieren können oder ggf. Präventionsmaßnahmen einleiten, um diesem verlustreichem Geschäft zu entkommen.

1.3 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit ist in folgende sechs Kapitel unterteilt.

Die Einleitung soll dem Leser einen kurzen Über- und Einblick in die Thematik vermitteln und einen Leitfaden geben, was das Ziel dieser Arbeit ist. Anschließend werden die fachspezifi- schen Begriffe definiert und voneinander abgegrenzt, um eine kurze aber essenzielle Erläu- terung zum besseren Verständnis über den Gegenstand der Arbeit zu vermitteln. Ferner werden die Hintergründe der jeweiligen länderspezifischen Ereignisse dargestellt und schließlich der deutsche NPL-Markt betrachtet. Das darauffolgenden Kapitel befasst sich mit den strategischen Exit-Möglichkeiten und Verfahrensweisen der Banken mit Non-Performing Loans und Distressed Debt. Vor- und Nachteile dieser Kreditbearbeitung werden anschlie- ßend gegenüber gestellt. Darüberhinaus wird das Thema der Kreditwürdigkeitsprüfung im Rahmen von Ratingsystemen behandelt.

Darüberhinaus werden einzelnen Phasen des Verkaufs von NPL vorgestellt, wobei die Akteure und deren Motivationen gesondert vorgestellt und eingehend erläutert werden.

Kapital fünf befasst sich mit der Eruierung von rechtlichen Restriktionen respektive Rahmen- bedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten beim Verkauf von Kreditengagements. Da auf- grund von aktuellen Diskussionen und politischen Debatten der Druck eines umfangreiche- ren Schutzes der Kreditnehmer gefordert wird, ist hier eine umfangreiche Darstellung der rechtlichen Aspekte besonders unter Berücksichtigung des neuen Risikobegrenzungsgeset- zes erforderlich.

Im letzten Kapitel werden die Ursachen, Ausmaße und Folgen der Subprime-Krise auf den internationalen Kreditmarkt erläutert und Tendenzen auf die zukünftige Entwicklung des NPL-Marktes gegeben.

Im Fazit werden die zuvor erläuterten Handlungsoptionen gegenübergestellt und kritisch be- trachtet. Abschließend werden die gewonnen Erkenntnisse im Ausblick zusammengefasst und somit mögliche Tendenzen auf die weitere Marktentwicklung in Deutschland und die damit verbundene Entwicklung der Kredit-Industrialisierung gegeben. Ferner wird die derzei- tige weltweite Kreditkrise angesprochen und mögliche Auswirkungen für den NPL und DD- Markt erörtert.

2 Der Markt für NPLs und DDs Entstehung und Tendenzen

Im folgenden Kapitel werden die begrifflichen Grundlagen zum Verständnis von NonPerfoming Loans und Distressed Debt Investitionen vorgestellt und dessen Marktentwicklung länderübergreifend betrachtet.

2.1 Begriffliche Definitionen

Die gehandelten Kreditarten (NPL & Distressed Debt) sind grundlegend voneinander zu un- terscheiden. Eine einheitliche standardisierte bzw. juristisch eindeutige Definition wurde bis- her weder vom Markt noch von der Wissenschaft in Angriff genommen. Zwar gibt es Autoren die keine Unterschiede in der Klassifizierung machen, aber der überwiegende Teil der Ver- fasser stimmt überein, dass hierbei eine Unterteilung zwingend notwendig ist. Diese Arbeit schließt sich nach ausgiebiger Recherche der zweitgenannten Option der Differenzierung von NPL und DD an.

2.1.1 Loan

Loan ist ein englischer Begriff für Kredit und stammt vom lateinischen Wort credere. Unter credere versteht man soviel wie „glauben“ oder „vertrauen“. Auf diesem Gedanken beruht auch der hier verwendete Begriff des Darlehens bzw. Kredites. Der Gläubiger vertraut dem Darlehensnehmer, dass dieser den Kredit ordnungsgemäß und fristgetreu zurückzahlt.7

Im Gesetz ist der Darlehensvertrag im § 488 BGB verankert, wonach sich der Gläubiger verpflichtet, dem Schuldner einen beidseitig vereinbarten Geldbetrag auf eine vereinbarte Laufzeit zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug ist es die Pflicht des Schuldners, den vereinbarten Zins zu entrichten und zu den festgelegten Zeitpunkten den Kredit zu tilgen.

2.1.2 Non-Performing Loans (NPL) - Notleidende Kredite

Unter dem Begriff NPL versteht man bereits gekündigte Kredite. Demnach gilt ein Kredit als notleidend, wenn er schon ausgefallen ist, also mindestens 90 Tage mit den Zins- und Til- gungsleistungen im Rückstand steht8 und droht zeitnah gekündigt zu werden oder seitens der Bank schon gekündigt wurde. Die Definition “90 Tage Überfälligkeit“ besitzt keine rechtli- che Bedeutung, sondern ist eher eine Richtlinie für die Kreditabteilung und dient ferner als Kriterium für die Zusammenfassung von Kreditportfolien. Hierzulande ist es rechtlich von großer Bedeutung, dass es sich um kündbare oder bereits gekündigte Darlehen handelt, da es nur in dem Fall möglich ist, die Übertragung der Kredite ohne Zustimmung von einem Dritten - dem Schuldner - zu vollziehen. Dahingegen bedarf der Verkauf von Performing oder Sub-Performing Loans (PL & SPL), die in Kapitel 2.2 ausgiebig erläutert werden, stets der Zustimmung des Darlehensnehmers. Diese werden häufig zusammen mit NPLs in einem Portfolio verkauft, da sie nicht als strategisch gelten und Klumpenrisiken darstellen, die es zu vermeiden gilt. stets der Zu beachten ist, dass das Handling von PLs oder SPLs eine Banklizenz voraussetzt, wohingegen der Handel mit NPL dies nicht voraussetzt. Weiteres zu den erforderlichen Lizenzen wird in Kapitel 5.1 näher erläutert.

Weiterhin ist es notwendig, wie in Abbildung 1 dargestellt, zwischen den verschiedenartigen Ausprägungen der NPL zu unterscheiden. Die in Deutschland am meist verbreitetesten Kre- ditarten sind gewerbliche Immobilienkredite (Commercial Real Estate Loans), sowie stan- dardisierte Wohnungsbaukredite (Standardized Residential Home Building Loans) und Ver- braucherkredite (Consumer Loans) die zusammen die Hälfte am gesamtdeutschen NPL- Volumen der Finanzinstitute ausmachen. Die Firmenkredite von großen und mittelständi- schen Unternehmungen (Corporate Loans), vereinen ein weiteres Viertel des Marktes auf sich.9 Die Forderungen mit dem statistisch gesehen größten Ausfallrisiko stellen die Kredite der kleingewerblichen Unternehmungen dar (small business loans), die ebenfalls ein Viertel des Marktes darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Kreditarten in den verschiedenen Erscheinungsformen

2.1.3 Distressed Debt / Sub-Performing Loans Leistungsgestörte Kredite

Kredite, die mit einer Wahrscheinlichkeit von über zehn Prozent innerhalb eines Jahres aus- zufallen drohen und demnach gekündigt werden können, bezeichnet man als Distressed Debt. Da diese leistungsgestörten Darlehen in der internen Bankkreditklassifizierung mit B oder schlechter bewertet werden, spricht man auch von Sub-Performing Loans (SPL). Meist handelt es sich um Unternehmen, die sich in der Sanierungs- oder Umstrukturierungsphase befinden und aufgrund von Investitionen ins Unternehmen nur Teilzahlungen der offenen Raten erbringen können. Unter die Bezeichnung „leistungsgestört“ fallen auch unpünktliche Kreditrückzahlungen und Kredite die aufgrund falscher Einschätzungen der Bank ein zu ho- hes Ausfallrisiko besitzen. Von Performing Loans hingegen ist die Rede, wenn Kredite ge- sund sind.

2.2 Die Marktentwicklung in den USA, Asien und Europa

Das Geschäft mit Problemkrediten geht zurück bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. In den USA kauften risikofreudige Investoren Aktien von unterbewerteten Unternehmungen auf, um diese Firmen zu sanieren oder den Restwert zu liquidieren.10 Inzwischen hat sich der Handel mit Problemkrediten zu einem zuverlässigen Instrument und standardisierten Transaktionstypus in Kreditinstituten vieler Länder entwickelt.11 Besonders auffällig ist, dass in beinahe jedem der in den nächsten Abschnitten beschriebenen Länder eine Bankenkrise mit enormen NPL-Beständen vorausging.12

In dem kommenden Abschnitt werden bedeutende Meilensteine aus der Entwicklung des NPL-Marktes, die in Abbildung 2 illustriert ist, beleuchtet.

Vereinigte Staaten

Gegen Mitte der 80er Jahre wurde der Finanzmarkt und besonders der Bankensektor in den USA durch Kreditausfälle bzw. Zahlungsunfähigkeiten seitens der Kreditnehmer empfindlich getroffen. Der Auslöser war die Savings- und Loankrise im Jahre 1982, indem die US- Regierung den Versuch unternahm das Finanzsystem zu deregulieren.13 Diese Zahlungsaus- fälle versuchte man durch noch aggressivere und riskantere Kreditvergaben im Immobilien- bereich zu kompensieren, welche nicht einmal durch Sicherungsfonds gedeckt waren und zu noch höheren Verlusten führten. Daraus folgte ein extremer Verfall der Immobilienpreise und etwa 50 % der S&L Associations und ein Teil der Banken musste innerhalb eines Zeitraumes von ca. 15 Jahren Insolvenz anmelden. Somit sahen viele Kreditinstitute nur einen Ausweg, nämlich die Veräußerung ihrer faulen Kredite. Das Volumen der Problemkredite betrug ca. 800 Mrd. US-$.14 Viele finanzkräftige Investoren und staatliche Auffang- und Abwicklungsge- sellschaften15 waren bereit, diese notleidenden Kredite, gegen hohe Abschläge zu kaufen.16 Dieses Ereignis zeigt uns, dass Investoren in den USA schon länger Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln konnten. Heute tätigen sie ca. 90 % der NPL-Käufe weltweit.

Asien

Anfang der 90er Jahre wurde auch der asiatische Finanzmarkt durch externe Schocks, wie die Immobilienkrise, heimgesucht.17 Der dortige NPL-Markt hat seinen Ursprung genau in dieser Krise18 und die Banken verbuchten einen exponentiellen Anstieg an faulen Krediten. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte kam laut einer Studie zu dem Ergebnis, dass ein insuffizientes Kreditrisikomanagement die Hauptursache für diese Krise war.

Weiterhin konnten die Banken den Fremdwährungsverbindlichkeiten nicht mehr nachkommen und es kam zu einem fatalen Wechselkurseinbruch, der etliche Insolvenzen zur Folge hatte. 1999 fingen staatliche Asset-Management-Verwaltungen an, die zahlreichen Sicherheiten der Banken zu liquidieren.19 Relativ zum gesamten Kreditvolumen, sollen zu dieser Zeit in Asien ca. 40 % der Forderungen notleidend gewesen sein. Diese werden in den letzten Jahren vermehrt an US-Investoren verkauft.20

Europa

In Schweden, Frankreich und Großbritannien führte die Deregulierung des Bankensystems ebenfalls zu einer Kreditvergabepraxis, die zwar kurzfristig zu extremen Preissteigerungen auf dem Immobilien- sowie auf dem Wertpapiermarkt führte, aber ebenso schnell wieder im freien Fall endete.21 Die damit verbundenen begrenzten Verwertungsmöglichkeiten der Si- cherheiten, sowie die Illiquidität der Schuldner führten in den genannten Ländern zu stark ansteigenden NPL-Beständen bei den Banken.22 In Schweden wurden Auffanggesellschaf- ten gegründet, die die notleidenden Kredite mit starken Abschlägen aufkauften. Der durchschnittliche NPL-Anteil in Nordeuropa lag bei zwölf Prozent und im Süden bei knapp 30 %. Italien verabschiedete 1999 ein Gesetz, das den Banken erlaubte, realisierte Verluste im Verbriefungsgeschäft innerhalb einer 2-Jahresperiode auf fünf Jahre aufzuteilen23, um im europäischen Schnitt zu bleiben.24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Entstehung der NPL-Märkte von 1970-2006

2.3 Eine aktuelle Übersicht der NPL-Volumina im Ländervergleich

Im Allgemeinen lässt sich das Gesamtvolumen, aber auch die Volumina der einzelnen Länder nicht eindeutig bestimmen. Der Grund hierfür sind zahlreiche nicht veröffentlichte Transaktionen die im Rahmen von Private Placements abgewickelt wurden25, Informationsmängel und falsche bzw. unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe bezüglich der Übertragungswerte.26 Einer Studie von Deloitte Reorganisation Services aus dem Jahre 2006 lassen sich Einschätzungen über den deutschen und internationalen NPL-Marktvergleich entnehmen. Schuppener sieht in seiner Abhandlung über die NPL-Marktentwicklung die Einschätzungen als weniger konservativ an, obwohl sie sich mittlerweile mit einigen Studien von Ernst & Y- oung und Kroll & MOW aus Anfang 2008 decken. Er sieht Einschätzungen vom Internationalen Währungsfonds als eher realistisch an. In den folgenden Grafiken ist ein internationaler sowie ein europäischer NPL-Volumenvergleich abgebildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Internationaler Ländervergleich der NPL-Marktvolumina (2006)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Europäischer Ländervergleich der NPL-Marktvolumina (2008)

Weltweit beträgt das NPL-Volumen ca. 1,4 Billionen US-$, wovon China und Deutschland die größten Anteile auf sich vereinen.27 Besonders auffällig ist das Nichtvorhandensein der USA in der Abbildung 3. Das mag einerseits daran liegen, dass die Banken im Jahr 2006 nur we- nige NPL-Bestände auswiesen, was sich im Jahr 2007 radikal änderte und andererseits da- ran, dass nur sehr ungenaue Schätzungen mit hoher Varianz vorlagen und diese deswegen nicht verwendet wurden. Dabei ist zu bedenken, dass alleine die Citigroup in diesem Zeit- raum Abschreibungen und Wertberichtigungen von ca. 10 Mrd. US-$ vornehmen musste. Nach Schätzungen von Bloomberg und Fidelity International beläuft sich die Schadenssum- me der ganzen Subprime-Krise auf ca. 46 Mrd. US-$, die sich aufgrund möglicher Zinsanpassungen in den nächsten zwei Jahren noch verdreifachen könnte.28

2.4 Der NPL und Distressed Debt-Markt in Deutschland

Im Zuge der strukturellen Wirtschaftskrise in der sich Deutschland bis 2005 befand, stieg die Zahl der Unternehmenskrisen und Insolvenzen stark an.29 Seit 2005 befand sich die deut- sche Wirtschaft wieder in einem Aufschwung, was sich auch an den rückläufigen Insolven- zen bemerkbar macht. Die folgende Statistik, basierend auf Zahlenmaterial von Creditreform und dem statistischen Bundesamt, zeigt einen deutlichen Rückgang der Unternehmensinsol- venzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Entwicklung der gewerblichen Insolvenzen in D. 2000-2007

Dieser Krise von 2000-2005 konnte sich die deutsche Kreditwirtschaft nicht entziehen, allein im Jahre 2005 bei einem Wirtschaftswachstum von knapp einem Prozent30 verbuchten deutsche Banken Forderungsausfälle in Höhe von 20 Mrd. Euro.31

Signifikante Veränderungen im juristisch-regulatorischen Umfeld wie Basel II, die Mindestan- forderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute (MaK), und die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) erhöhen die Kosten, die in Verbindung mit NPL- Transaktionen stehen und setzen die Banken zurzeit stark unter Druck32. Sie sind gezwun- gen, die Vergabepraxis von Krediten und Exit-Möglichkeiten aus leistungsgestörten Krediten zu optimieren, da die Ausfallrisiken von Kreditforderungen zunehmen. Im Verlauf dieser Ent- wicklung ist ein zunehmendes Interesse risikofreudiger Investoren zu erkennen, die über nennenswerte Budgetgrößen verfügen. Da der deutsche NPL-Markt ein recht junger Markt für notleidende Kredite ist, werden diesem deutliche Wachstumschancen zugetraut.

2.4.1 Überblick - Der Beginn des deutschen NPL-Marktes

Mitte der 90er Jahre fingen einige deutsche Banken an, notleidende Kredite im Zuge von synthetischen Forderungstransaktionen zu veräußern, was das Interesse der internationalen und vorwiegend der amerikanischen Investoren weckte, diesen Markt zu erschließen.33 Die Akteure auf der Käuferseite waren und sind heute noch die großen Investmentbanken die im Abschnitt 2.5.2 vorgestellt werden. Diese erfolgten Transaktionen waren im Vergleich mit der sog. Geburtsstunde im Jahre 2003 des Deutschen NPL-Marktes eher unbedeutend.

Ein Forderungsverkauf im Sinne des heutigen NPL & Distressed Debt-Investmentbegriffes findet erst seit 2003 statt,34 als die Hypo Real Estate AG ein NPL-Paket im Wert von 500 Mio. Euro an Lone Star/JP Morgan Chase verkaufte und Goldman Sachs zur gleichen Zeit ein ähnlich gestricktes Portfolio von der BW Bank übernahm. Das Transaktionsvolumen von 3 Mrd. Euro im Jahre 2003 vervierfachte sich im darauffolgenden Jahr auf 12 Mrd. Euro. Im Jahre 2004 wurde die bisher weltweit größte NPL-Transaktion (3,6 Mrd. Euro) zwischen der Hypo Real Estate und dem alleinigen Bieter Lone Star realisiert. In einem Artikel in „Die Welt“ kam zum Ausdruck, dass damit die Restrukturierung der Hypo Real Estate Bank abge- schlossen sei und alle restlichen NPL-Bestände verkauft wurden.35 2005 stiegt das Transak- tionsvolumen auf 17 Mrd. Euro und stagnierte 2006 bei 18 Mrd. Euro.36 Es ist zu erwarten, dass der deutsche NPL-Markt mit zunehmender Marktreife wachsen wird37, aber die einzel- nen Transaktionen niedrigere Volumina aufweisen werden. Gründe dafür sind u. a. die opti- mierten Portfoliozusammenstellungen und eine größere Zahl an Nachfragern.

2.4.2 Marktteilnehmer

Als Akteure auf der Verkäuferseite kommen grundsätzlich alle Finanzinstitute in Frage. An- gefangen von Sparkassen über Volks- und Landeskassen bis hin zu Kreditgenossenschaften und Privatbanken.38 Jede dieser Einrichtungen wird mehr oder weniger über NPL-Bestände verfügen, da ein Forderungsausfall im Kreditwesen immer möglich ist. Inwiefern diese Forderungen marktfähig werden, hängt von der individuellen Workout-Strategie und der Fungibilität des Engagements der jeweiligen Bank ab.

In den Kreditbüchern der öffentlichen Banken befinden sich zurzeit etwa 40 % des gesamten deutschen NPL-Volumens, weitere 17 % vereinen sich auf die Volks- und Raiffeisenbanken, genauso viel wie die immobilienfinanzierten Hypothekenbanken, die als erste am NPL-Markt als Verkäufer auftraten. Der Grund hierfür liegt offensichtlich in der Homogenität der Forderungsarten, die mit eher geringerem Prüfungsaufwand im Bezug auf die Bewertung der Kreditsicherheiten verbunden sind.

Es sind ca. 25 % der NPLs in den Bilanzen der Geschäftsbanken zu finden. Besonders große Institute haben sich mit dem Thema “Risikosteuerung und Bilanzentlastung durch Forderungsverkauf“ intensiv befasst und haben beispielsweise wie die Dresdner Bank eine eigene “Bad Bank“ mit dem Ziel gegründet, nicht zum Kerngeschäft gehörende kritische Kreditengagements zu verringern. Diese Engagements werden in eine eigens dafür geründete Einrichtung, sogenannte Bad Bank Units, ausgegliedert und entsprechend gemanagt. Banken, die über keine Bad Bank Unit verfügen, haben die Möglichkeit ihre eigenen Portfolios zusammen zufassen, um diese an den Markt zu bringen.

Weiterhin ist beachtenswert, dass sich kleinere Sparkassen, aber auch V+R-Banken mit dem Verkauf ihrer NPLs stark zurückhalten, obwohl sie über einen geschätzten NPL-Bestand von 60 - 70 Mrd. Euro verfügen. Finja Lütz von der Unternehmensberatung MOW Frankfurt nennt drei wesentliche Gründe für diese Zurückhaltung. Zum einen halten die Banken die angebo- tenen Preise für Ihre NPL-Portfolien für zu gering, was sich mit einer Aussage von Henning Heuerdings von PriceWaterhouseCoopers deckt. Auch die Studie von Kroll/Mercer bezeich- net dieses Problem, dass die Investoren so günstig kaufen wollen, aber den Banken zugleich kein signifikanter Verlust entstehen soll, als Hauptgrund für die Zurückhaltung. Ferner führt die mangelnde Risikovorsorge dazu, dass die Banken Befürchtungen haben nach dem Ver- kauf noch enorme Verluste absorbieren zu müssen, woraus folgt, dass die Institute keine NPLs verkaufen. Als dritter Grund wird die mangelnde Transparenz und Aussagekraft der NPL-Portfolios genannt, die in den potentiellen Käufern Unsicherheiten hervorrufen.39 Auf- grund dieser Stellung kann man in Deutschland von einem Verkäufermarkt sprechen, auf dem die Investoren bereit sind, entsprechende Pioneer Premiums für attraktive Kreditportfo- lien zu zahlen. Die folgende Tabelle soll einen kurzen Überblick über die derzeit aktiven In- vestoren auf dem deutschen NPL-Markt vermitteln.

Tab. 1: Kategorische Übersicht von NPL-Investoren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weltweit agieren etwa 250 Investorengruppen auf dem NPL-Markt40, wobei auf dem deutschen Markt erst etwa 50 Akteure bekannt sind. Alleine Lone Star verzeichnet ca. 50 % der verkauften NPLs deutscher Kreditinstitute auf seiner Einkaufliste. Weitere namenhafte Einrichtungen die durch größere Transaktionen auf sich aufmerksam gemacht haben, sind in der o. g. Tabelle aufgelistet. Mittlerweile sind auf der Käuferseite holländische und sogar vereinzelt deutsche Banken vertreten.41

3 Strategien und Handlungsmöglichkeiten der Banken

Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage, wie man mit NPL und DD umgehen soll, gibt es grundsätzlich nicht. Allerdings wird jede Bank in verschiedenem Maße über einen bestimm- ten Bestand an notleidenden Forderungen verfügen. Inwiefern diese Problemkredite als Ne- benprodukt des normalen Kreditgeschäfts anfallen und von der Bank selbst betreut werden oder im Zuge einer Single Name (Einzelkredit mit hohem Volumen), Basket (mehrere mittel- große Kredite) oder sogar Portfoliotransaktion ausgelagert werden, hängt von der jeweiligen Strategie ab. Solch eine Entscheidung ist regelmäßig für jedes Engagement zu treffen, was aber nicht nur von der Kreditart und dessen Besicherung im Hinblick auf eine mögliche Ver- wertung abhängt, sondern auch vom internen Handlingaufwand bezogen auf die Opportuni- täts- und Kapitalkosten, die damit verbunden sind.42 Eine Abwägung für oder gegen eine Ausgliederung haben die Autoren Schlemminger und Theewen in einer klar strukturierten Übersicht dargestellt, dem sich diese Arbeit in der Tabelle 2 anschließt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Strategieabwägungssschema des NPL-Managements

Das durch den Kreditverkauf generierte Kapital ist schließlich zu quantifizieren und in ein profitables Neugeschäft einzubringen. Darüberhinaus besteht seitens der Bank die Möglich- keit des Stillhaltens im Rahmen eines Moratoriums, indem die Bank passiv und still ab- wartet43, ob der Kreditnehmer die Zahlungen fortführt und die bisher ausgebliebenen Raten ausgleicht. Grundsätzlich existiert kein gerechtfertigter Grund einen bereits kündigungsreifen Kredit nicht zu veräußern bzw. zu Gunsten eines Sanierungskonzeptes zu prolongieren. Grundsätzlich bestehen rechtliche keine Bedenken, dass das Finanzinstitut eine Fortführung der Zahlungen abwartet,44 da diese nicht zu Kündigung des Engagements verpflichtet ist. Allerdings kann die Bank in diesem Zeitraum keine weiteren Sicherheiten mehr vom Darlehensnehmer verlangen, weil es dadurch zu einer Art weiteren Einengung der unternehmerischen Tätigkeit kommt. Ferner ist es rechtlich problematisch, wenn die Bank in das Geschäftsgeschehen mit eingreift bzw. die Geschäftsführung übernimmt. Es herrscht keine Einigung darüber in wie weit ein Finanzinstitut bei der Ausübung ihres Einflusses in der Geschäftsführung des Schuldners gehen darf.45

Im Falle eines Stillhaltens, genehmigt die Bank dem Schuldner ebenfalls die Nutzung von bevor genehmigten Kreditlinien ohne sich dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung zu unterziehen. Ferner ist es der Bank aber möglich jederzeit die Geschäftsbeziehungen zu beenden, ohne sich den Vorwurf machen zu lassen, dass es eine Sanierung verhindert hat, denn der Schuldner hat diese Situation verbeigeführt.

I. d. R. ist ein Kreditinstitut eher daran interessiert eine möglichst schnelle Entscheidung über einzelne Engagements zu fällen, daher ist ein länger andauerndes Stillhalten unwahrscheinlich, ferner macht dies keinen wirtschaftlichen Zweck. Moratorien werden aber im Einzelfall geprüft und können in der Praxis von einem Monat bis zu einem Jahr andauern.

Sofern Forderungen leistungsgestört oder notleidend werden, hat eine Bank diverse Exit- Möglichkeiten. Eine grundsätzliche Entscheidung darüber, ob die Kredite in den eigenen Bü- chern verbleiben sollen oder nicht und ob sie das Workout selbst übernehmen oder outsour- cen, muss jedes Finanzinstitut selber treffen. Ein vereinfachter Überblick ist in Tabelle 3 dar- gestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: Handlungsoptionen von Problemkrediten einer Bank

Trotz diverser Alternativen entscheiden sich viele Banken für die Inhouseabwicklung. Einen Beweggrund stellen sicherlich Aspekte der Reputation dar, zum anderen mögen die veräu- ßerbaren Kredite nicht portfoliofähig zu sein. Oft mangelt es aber auch an Erfahrung mit In- vestoren.

3.1 Das interne Workout

Das traditionelle und am häufigsten praktizierte Verfahren ist das interne Workout, also die eigene Abwicklung der Problemkredite bzw. die Sanierung eines Unternehmens.46 Überwiegend gründen die Banken für diese Art spezielle Abwicklungseinheiten in Form einer Bad Bank. Eine Good Bank überträgt alle nicht zum ihrem Kerngeschäft gehörenden NPLs und DDs auf die Bad Bank, die sich ausschließlich mit der Abwicklung dieser Forderungen beschäftigt. Hierbei verbleiben die Kredite in den eigenen Büchern. Nach den MaK des BaFin ist eine Workout-Abteilung in jedem Finanzinstitut organisatorisch vorzuhalten. Die rechtliche Grundlage für diese Exit-Strategie regelt § 25a, Abs. 2 KWG.

Falls eine Sanierung geplant ist, bedarf diese im Voraus einer Fähigkeits- und Würdigkeitsprüfung des Schuldners.47 Hierunter werden alle Maßnahmen verstanden, die bei einem in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen durchgeführt werden sollen. Im Vordergrund stehen dabei die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit, Rentabilität, Wettbewerbsfähigkeit und vor allem der Liquidität.48 Die Würdigkeit eines Sanierungsprojekts bezeichnet eine unter wirtschaftlichen Aspekten sinnvolle Sanierung, die schließlich einen, über dem Liquidationserlös durch Verwertung, zu erwartenden Ertrag hat.49 Die geplanten Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, dass der Kreditnehmer kontinuierliche Einnahmen verzeichnet, die deutlich höher ausfallen, als die zur Sanierung gewährten Kredite.

Die Grundlage für die Würdigkeitsprüfung der Sanierung basiert auf sich deckenden Interessen der beteiligten Parteien. Die Bank, die Zulieferer, die Angestellten und die öffentliche Hand müssen unter der Abwägung von Chancen und Risiken davon überzeugt sein, dass der Sanierungsprozess sinnvoll ist und nach erfolgreichem Abschluss ihre Forderungen gedeckt werden.50 Optimal für alle Beteiligten wäre weiterhin eine erfolgreiche Fortführung der bisherigen Geschäftsbeziehung.

Da es sich um eine Handlungsoption der Banken handelt die sehr verbreitet ist, besteht die Notwendigkeit in einer tiefergreifenden Ausarbeitung der Sanierungsoption und eine tiefergreifenden Analyse der Unternehmensprozesse.

Eine Prüfung im Sinne der Fähigkeit und Würdigkeit einer Sanierung umfasst, die:51

- Analyse der Ausgangssituation des Schuldners
- Ursachenanalyse der Einflussfaktoren der Krise
- Strategien und Handlungsmöglichkeiten der Banken
- Chancen & Risiken der wirtschaftlichen Verhältnisse
- Bedarfsermittlung der finanziellen und personellen Ressourcen
- Analyse des Sanierungsumfanges
- Zeit- Ressourcen- und Maßnahmenplanung

Grundlegend ist es üblich, dass die Sanierungsphase von externen Spezialisten begleitet wird. Der Bedarf an Beratern wiederum ist abhängig von Komplexität, Umfang und Bedeutung des Projektes.

[...]


1 Vgl. Lützenrath, Schuppener, Peppmeier (2006), S. 2

2 Vgl. Bundesbank Monatsbericht (12.2006), S. 69

3 Vgl. Studie „Banking Trend“ (2006)

4 Vgl. Wentzler (2006), S. 7 f.

5 Vgl. Rudolph, Hofmann, Schaber, Schäfer (2007)

6 Vgl. Ricken (2007), S. 147

7 Vgl. Stanislaw (2006), S. 127

8 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (06/2004), S. 23

9 Vgl. Schuppener (2006), S. 16

10 Vgl. Scholz, Hofmann (2006), S. 244

11 Vgl. Anders et. Al. (2004), S. 8

12 Vgl. Young Jr (2006), S. 24

13 Vgl. Wirtky (2006), S. 167

14 Vgl. Froitzheim (2006), S. 13

15 Vgl. Wirtky (2006), S. 178

16 Vgl. Gleumes (2005), S. 544

17 Vgl. Young Jr. (2006), S. 25

18 Vgl. Wirtky (2006), S. 179

19 Vgl. Gleumes (2005), S. 361

20 Vgl. Ernst & Young (2004)

21 Vgl. Schalast (2007), S. 3

22 Vgl. Scholz, Hofmann (2006), S. 255

23 Vgl. Wulfken (2003)

24 Vgl. Heppe (2004), S. B4

25 Vgl. Lützenrath (2006), S. 13

26 Vgl. Schuppener (2006), S. 14 f.

27 Vgl. Dierig (2006), S. 21, Vgl. Sahm, Ulbricht (2005), S. 632

28 Vgl. Fidelity International (2008), S. 2

29 Vgl. Jacobs, Papendick (2005), S. 78

30 Vgl. Statistisches Bundesamt - Statistisches Jahrbuch (2007), S. 638

31 Vgl. Kroll Mercer Oliver Wyman (2005), S. 34

32 Vgl. Roland Berger Strategy Consultants (2006), S. 83

33 Vgl. Anders (2004), S. 8

34 Vgl. Richter (2007), S. 83

35 Vgl. Die Welt - Artikel „Hypo Real Estate setzt Angebotsfrist …“ 31. August 2004

36 Vgl. Teuner (2004), S. 3

37 Vgl. Karkowski (2006), S. 35

38 Vgl. Cherubim (2005), S. 5, 21

39 Vgl. Deutsches Risk Net (2005), S. 1

40 Vgl. Miller (2002), S. 102

41 Vgl. Bolder (02/2005), S. 14

42 Vgl. Czech (2006), S. 31

43 Vgl. Möhlmann (2000), S. 112

44 Vgl. Theewen (2004), S. 91

45 Vgl. Möhlmann (2000), S 112

46 Vgl. Deutsche Bank Research (2007), S. 3

47 Vgl. Rundschreiben der BaFin (18/2005), S. 20

48 Vgl. Theewen (2004), S. 108

49 Vgl. Wirtky, (2006), S. 97

50 Vgl. Scholz, Hofmann (2006), S. 92 f.

51 Vgl. Hannemann (2006), S. 163

Ende der Leseprobe aus 79 Seiten

Details

Titel
Exit-Strategien der Banken von notleidenden und leistungsgestörten Krediten unter Berücksichtigung des Risikobegrenzungsgesetzes
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Wirtschaftsrecht)
Veranstaltung
Kreditsicherungsrecht
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
79
Katalognummer
V166977
ISBN (eBook)
9783640834242
ISBN (Buch)
9783640834501
Dateigröße
1748 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
NPL, Notleidende Kredite, Leistungsgestörte Kredite, Subperforming Loans, Loans, Kreditsicherungsrecht, Distressed Debt, Debt-Equity-Swap, Kreditverkauf, Risikotransfer, True-Sale, Credit Default Swap, Risikounterbeteiligung, Rating, Scoring, Due Diligence, Non-Performing Loans, Sub-Prime, Kreditkrise, Creditcrunch, Wirtschaftskrise, SOFFIN, Basel I, Basel II, Asset backed securities, IAS, IFRS, Risikobegrenzungsgesetz, Kredithandel, Exit-Strategien
Arbeit zitieren
Matthias Lintner (Autor), 2009, Exit-Strategien der Banken von notleidenden und leistungsgestörten Krediten unter Berücksichtigung des Risikobegrenzungsgesetzes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166977

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