Präsuppositionen sind die notwendigen Voraussetzungen der Äußerung eines Sprechers. Sie werden vom Sprecher als garantiert vorausgesetzt und müssen erfüllt sein, damit ein Satz überhaupt sinnvoll gebraucht werden kann. Präsuppositionen sind konstant unter Negation, nicht (ohne weiteres) aufhebbar (Ausnahme bei modalen Subordinationen), nicht kontextabhängig und bekräftigbar. Des Weiteren werden Präsuppositionen von bestimmtem Ausdrücken, den so genannten Präsuppositionstriggern, ausgelöst. Dies sind zum Beispiel faktive Verben (wissen, bereuen, bemerken, erkennen, …), implikative Verben, Fokuspartikeln, Spaltsätze, definite Beschreibungen (der, …).
Die theoretische Zuordnung der Präsuppositionen ist in der Linguistik umstritten. Es wird die pragmatische und semantische Präsuppositionstheorie unterschieden. Semantische Präsuppositionstheorien basieren auf der Eigenschaft der Präsupposition, konstant unter Negation zu sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Essay: Präsuppositionen
2. Gottlob Frege: Über Sinn und Bedeutung
3. Bertrand Russell: On Denoting
4. P. F. Strawson: On Referring
5. Robert Stalnaker: Common Ground
6. Rob A. van der Sandt: Presupposition Projection as Anaphora Resolution
7. Beispiel einer pragmatischen Analyse von „Ja, noch bin ich nicht ausgetreten. Und das habe ich auch nicht vor“
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich mit dem linguistischen Phänomen der Präsupposition auseinander, untersucht die theoretischen Grundlagen in der Sprachphilosophie und analysiert deren Anwendung sowie Problematik anhand praktischer Beispiele.
- Grundlagen und Definition von Präsuppositionen
- Gegenüberstellung semantischer und pragmatischer Ansätze
- Historische Entwicklung durch Frege, Russell und Strawson
- Modellbildung von Stalnaker (Common Ground) und van der Sandt (Anapherntheorie)
- Pragmatische Analyse politischer Kommunikation
Auszug aus dem Buch
Beispiel einer pragmatischen Analyse von „Ja, noch bin ich nicht ausgetreten. Und das habe ich auch nicht vor“
Durch den Negationstest des ersten Teils der Äußerung, erhalten wir folgende pragmatische Schlussfolgerungen: (i) Ja, noch bin ich nicht ausgetreten. Negation Es ist nicht der Fall, dass ich noch nicht ausgetreten bin. Implikation: Der Sprecher ist zum Zeitpunkt der Äußerung Mitglied einer Organisation. Präsupposition: >> Der Sprecher ist Mitglied der SPD. k. Implikatur: +> Der Sprecher hat vor, aus der SPD auszutreten.
(ii) Und das habe ich auch nicht vor. Negation: Es ist nicht der Fall, das ich das auch nicht vorhabe. Die Präsupposition wird durch das Fokuspartikel auch ausgelöst. Implikation: Der Sprecher hat zum Zeitpunkt der Äußerung nicht vor etwas zu tun. Präsupposition >> Jemand anderer als der Sprecher oder er selbst hat etwas nicht vor. k. Implikatur +> Für den Sprecher ist es ausgeschlossen etwas Bestimmtes zu tun.
Die Problematik der Äußerung ergibt sich aus der Kombination der beiden Teilsätze. Die Implikatur des ersten Teils, nämlich das Vorhaben auszutreten, scheint für den Sprecher im zweiten Teil ausgeschlossen. Damit löscht Saalfrank seine eigene mitkommunizierte Implikatur des ersten Satzes, mit der Äußerung des zweiten Satzes. Der Journalist möchte vermutlich mit seiner Frage Saalfrank eine Aussage für eine mögliche Schlagzeile entlocken. Saalfrank ist mit seiner ersten Antwort scheinbar kooperativ und implikatiert in seiner Äußerung seinen baldigen Austritt und seinen damit vermeintlich verbundenen Unmut mit der SPD. Mit seiner zweiten Äußerung jedoch löscht er die Implikatur seiner ersten Äußerung und negiert ihren Äußerungsgehalt. Saalfrank verstößt damit gegen das Kooperationsprinzip, vermutlich um dem Journalisten auszuweichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Essay: Präsuppositionen: Einführung in die linguistische Definition von Präsuppositionen als notwendige Voraussetzungen einer Äußerung und die Unterscheidung zwischen semantischen und pragmatischen Ansätzen.
2. Gottlob Frege: Über Sinn und Bedeutung: Darstellung der logischen Grundlagen durch Frege, bei denen Eigennamen voraussetzen, dass sie eine Bedeutung haben, um den Wahrheitswert eines Satzes zu bestimmen.
3. Bertrand Russell: On Denoting: Kritik an Frege durch die Unterscheidung von Sinn und Bedeutung sowie die Einführung der Skopus-Ambiguität bei der Negation.
4. P. F. Strawson: On Referring: Einführung des Begriffs der Präsupposition als Gegenentwurf zu Russell, wobei Sätze ohne Referenten als aussagelos (Wahrheitswertlücke) eingestuft werden.
5. Robert Stalnaker: Common Ground: Konzeptualisierung des gemeinsamen Wissens von Sprecher und Hörer als Basis für den pragmatischen Kontext einer Konversation.
6. Rob A. van der Sandt: Presupposition Projection as Anaphora Resolution: Vorschlag eines Modells, das Präsuppositionen als Anaphern interpretiert, die durch Akkomodation oder Bindung verarbeitet werden.
7. Beispiel einer pragmatischen Analyse von „Ja, noch bin ich nicht ausgetreten. Und das habe ich auch nicht vor“: Praktische Anwendung der Theorie auf eine politische Interview-Antwort zur Demonstration von Implikatur-Löschung.
Schlüsselwörter
Präsupposition, Semantik, Pragmatik, Common Ground, Akkomodation, Bindung, Negationstest, Implikatur, Skopus-Ambiguität, Referenz, Sinn, Bedeutung, Sprachphilosophie, Kooperationsprinzip, Anapher
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Essay primär?
Das Werk behandelt die linguistische und philosophische Auseinandersetzung mit Präsuppositionen, also den impliziten Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit Sätze sinnvoll verwendet werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit deckt die historische Entwicklung der Präsuppositionstheorie, die Differenzierung zwischen semantischen und pragmatischen Sichtweisen sowie moderne Erklärungsmodelle ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die unterschiedlichen theoretischen Perspektiven auf Präsuppositionen aufzuzeigen und deren Funktionsweise anhand linguistischer Konzepte sowie eines praktischen Analysebeispiels zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie auf eine pragmatische Analyse von Sprachbeispielen mittels Negationstests und kommunikationstheoretischer Modelle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Ansätze von Frege, Russell, Strawson, Stalnaker und van der Sandt diskutiert und in einen Kontext zueinander gestellt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Präsupposition, Common Ground, Akkomodation, Bindung und Implikatur charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Strawson von der Russells?
Während Russell Sätze mit fehlender Referenz als schlicht falsch betrachtet, sieht Strawson diese als aussagelos an, da sie keinen Wahrheitswert besitzen.
Was bedeutet der Begriff "Akkomodation" im Modell von Stalnaker und van der Sandt?
Akkomodation bezeichnet den Prozess, bei dem Hörer eine vom Sprecher eingeführte, aber ursprünglich nicht geteilte Information stillschweigend in ihr eigenes Wissen aufnehmen, um die Kommunikation aufrechtzuerhalten.
Warum verstößt der Politiker Saalfrank laut Analyse gegen das Kooperationsprinzip?
Saalfrank verstößt dagegen, indem er im zweiten Teil seiner Aussage die durch den ersten Teil implizierte Information bewusst wieder löscht, um dem Journalisten auszuweichen und keine eindeutige Schlagzeile zu liefern.
- Arbeit zitieren
- Stud. phil. Jan Schultheiß (Autor:in), 2009, Präsuppositionen nach Stalnaker, Strawson, Russell, van der Sandt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167205