Hochbegabung im Grundschulalter


Hausarbeit, 2008

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3. ErkennenvonHochbegabung

4. Besondere Gruppen
4.1 Hochbegabte Madchen
4.2 Hochbegabung und Lese-Rechtschreibschwache

5. Forderungsmoglichkeiten
5.1 Akzeleration
5.2 Enrichment
5.3 Grouping

6. Problemfelder bei Hochbegabung

7. Fazit

8. Literaturangaben

Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.

(Albert Einstein)

1. Einleitung

Hochbegabung ist ein vielschichtiges und wichtiges Thema in unserer Gesellschaft. Besonderes Augenmerk sollte auf die Fruherkennung gelegt werden, damit Begabungen sinnvoll gefordert werden konnen, da sonst die Gefahr besteht, sie versiegen zu lassen. Unsere moderne, informationstechnische Gesellschaft ist mehr denn je abhangig von hochbegabten Personen, um die stetige Entwicklung auf hohem Niveau voranzutreiben und neue, wichtige Erkenntnisse zu erlangen.

Da das Gebiet der Hochbegabung ein sehr weites ist, beschrankt sich die vorliegende Arbeit auf hochbegabte Kinder im Grundschulalter, den Moglichkeiten zur Forderung, aber auch den Problemen, mit denen diese Kinder konfrontiert werden konnen.

Zu Anfang wird eine Definition des Begriffs gegeben, um eine erste Eingrenzung festzulegen. Hierauf wird erlautert, wie man begabte Schuler erkennen kann und worauf man bei besonderen Gruppen, wie beispielsweise hochbegabten Madchen, achten sollte. 1st Hochbegabung erkannt worden, geht es in einem folgenden Schritt um etwaige Forderungsmoglichkeiten, von denen hier zwei etwas ausfuhrlicher betrachtet werden sollen. Der vorletzte Abschnitt dieser Arbeit beschaftigt sich mit den vielfaltigen Problemen, denen hochbegabte Kinder zum Teil ausgesetzt sind, die aber auch uberwunden werden konnen. In einem abschlieRenden Fazit werden die angesprochenen Punkte zusammengefasst und es wird ein Ausblick auf die Entwicklung in der Hochbegabtenforschung- und forderung gegeben.

2.Definition

Zunachst muss erwahnt werden, dass es keine eindeutige Definition von Hochbegabung gibt. So vielschichtig sich Hochbegabung ausdrucken kann, so unterschiedlich sind auch ihre Erklarungsansatze.

Die folgende Beschreibung kann hierbei als allgemeingultiger Ansatz fur die vorliegende Arbeit angesehen werden:

Hochbegabung wird heute als geistige Disposition gesehen. Sie ist eine besondere Anlage, - etwa im kognitiven Bereich - die sich nicht automatisch in Leistung niederschlagt. Die bekannten Modelle der Hochbegabung sind mehrdimensional und bilden somit die groRe Bandbreite der Entwicklungsmoglichkeiten ab.[1]

Das Ministerium fur Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig - Holstein hat im Sinne dieser Definition den Begriff der Hochbegabung noch weiter unterteilt und spricht von einem mehrdimensionalen Charakter, der sich nicht nur auf die intellektuellen Fahigkeiten erstreckt, sondern auch kreative, kunstlerische und soziale Kapazitaten umfasst.[2]

3. Erkennen von Hochbegabung

Wie bereits die oben genannte Definition erkennen lasst, gestaltet es sich als schwierig, Hochbegabung konkret einzugrenzen. Gerade hierin liegt nun aber die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer, einen klaren Blick dafur zu entwickeln, ob sich in ihrer Klasse ein hochbegabter Schuler befindet, wie dieser erkannt und vor allem gefordert werden kann.

Oftmals auRert sich die Hochbegabung nicht offensichtlich, wird daher eventuell nicht erkannt und eine Forderung, die fur das Kind von groRer Bedeutung ist, findet seitens der Schule nicht statt. Betrachtet man die Zahlen der letzten Jahre, so gelten etwa zwei Prozent der Bevolkerung als hochbegabt (IQ von uber 130).[3] Bezieht man diese Tatsache auf die Grundschule, so kann man davon ausgehen, dass ein Klassenlehrer jedes Jahr ein bis zwei hochbegabten Kindern begegnet. Gerade die Zeit in der Grundschule ist fur ein Kind von elementarer Bedeutung, da es erstmals fur eine kontinuierliche Zeit aus dem behutenden Umfeld der Eltern herausgenommen wird, anderen Bezugspersonen begegnet und sich an ein neues Umfeld anpassen muss. Grundschullehrerinnen- und lehrern obliegt die wichtige Aufgabe, dem Kind die eventuell auftretende Angst vor der neuen Situation zu nehmen, es behutsam in den Schulalltag einzufuhren und, gerade in heutiger Zeit, vermehrt Erziehungsarbeit zu leisten. Wird nun ein hochbegabtes Kind eingeschult, stehen die Lehrerinnen und Lehrer vor dem Problem, dies auch zu erkennen. Die Falle, in denen Hochbegabung schon im Kindergarten oder der Vorschule erkannt wird, bilden eher die Ausnahme. Nach welchen Kriterien konnen die Lehrerinnen und Lehrer vorgehen, damit das Kind eine gerechte Forderung erhalt? Das Problem hierbei ist, dass man Hochbegabung nicht direkt messen kann. Auch wenn Intelligenztests als ein erster Indikator angesehen werden konnen, so geben sie einzeln fur sich betrachtet keine klare Aussage wieder, wer hochbegabt ist und wer nicht. Die Gefahr bei konventionellen Intelligenztests ist, dass eventuell verborgene Talente unentdeckt bleiben. Eine Koppelung mit anderen Tests ist daher unbedingt empfehlenswert, um differenzierte Aussagen erzielen zu konnen.

Folgend werden drei Modelle vorgestellt, mit deren Hilfe man Hochbegabung leichter feststellen kann. Eine bis heute gultige Kategorisierung ist im sogenannten Marland - Report von 1971 definiert. Demnach soll es eine spezielle Forderung fur diejenigen geben, die in einem oder mehreren der folgenden Bereiche auRergewohnliche Merkmale zeigen: Fuhrungsqualitaten, allgemeine intellektuelle Fahigkeit, spezifische schulische Fahigkeit, Kreativitat und produktives Denken, bildende und darstellende Kunst sowie psychomotorische Fahigkeiten.[4] Ein weiterer Ansatz, der vor allem die Vielfalt individueller Starken widerspiegelt, ist die Theorie der multiplen Intelligenzen von Howard Gardner. Hier sind es sieben Bereiche, die bei der Erkennung und Beurteilung von Hochbegabung berucksichtigt werden sollen: die linguistische, die mathematisch - logische, die raumliche, die korperlich - kinasthetische, die musikalische, die interpersonale und die intrapersonale Intelligenz.[5] Einige Jahre nach der Entwicklung dieser Theorie bezog Gardner noch zwei weitere Intelligenzen mit ein, namlich die existenzielle Intelligenz sowie die Lebensintelligenz.[6] Das letzte hier zu nennende Modell wurde von Joseph S. Renzulli Ende der 1970er Jahre entwickelt, und wird als das sogenannte 3 - Ringe - Modell der Hochbegabung bezeichnet. Hochbegabung ergibt sich nach diesem Ansatz aus der Schnittmenge allgemeiner Intelligenz, Kreativitat und Aufgabenverpflichtung.[7] Dieses Modell wurde bis heute immer wieder uberarbeitet und um weitere Bedingungsfaktoren erweitert, wobei es in seinem Grundansatz nicht verandert wurde und so weiterhin eine groRe Bedeutung hat.

Mithilfe dieser Modelle, die nur eine kleine Auswahl derer darstellen, die heute bei der Erkennung von Hochbegabung zur Verfugung stehen, lasst sich der zunachst etwas undefinierbare Begriff „Hochbegabung" genauer festlegen. Man muss jedoch dabei berucksichtigen, dass eine Anwendung der genannten Modelle in vielen Grundschulen nicht den Regelfall im Alltag darstellt. Dennoch konnen Lehrerinnen und Lehrer durch eine Aufstellung einfacher Fragebogen Oberflachensymptome und verborgene Begabungen erkennen lernen, um daraufhin zusatzlich eine vertiefende Untersuchung durchfuhren zu konnen. Solche Fragebogen sind meist in der vielfaltigen Literatur zum Thema aufgefuhrt. Einige Eigenschaften von besonders talentierten Kindern sollen hier exemplarisch aufgefuhrt werden:

Lerneigenschaften:

- Hochbegabte wissen sehr viel uber verschiedene Dinge.
- Sie konnen sich Fakten schnell merken.
- Sie sind gute Beobachter.
- Sie lesen sehr viel von sich aus und bevorzugen Bucher fur Erwachsene.

Motivation:

- Hochbegabte sind bemuht, Aufgaben stets vollkommen zu losen.
- Sie streben nach Perfektion.
- Sie sind selbstkritisch.
- Sie setzen sich hohe Leistungsziele und losen gestellte Aufgaben mit einem Minimum an Anleitung und Hilfe durch Erwachsene.

Kreativitat:

- Hochbegabte produzieren eine groRe Zahl von Ideen oder Problemlosungen.
- Sie geben oft ungewohnliche und ausgefallene Antworten.
- Sie zeigen einen ausgepragten Sinn fur Humor und konnen aber gleichzeitig kindisches Gehabe nicht ausstehen.
- Sie haben phantasiereiche, originelle Vorstellungen.

Soziale Eigenschaften:

- Hochbegabte gehen nicht um jeden Preis mit der Mehrheit.
- Sie sind individualistisch.
- Sie konnen sich gut in Andere hinein fuhlen.
- Sie ubernehmen gerne Verantwortung und erweisen sich in Planung und Organisation als zuverlassig.[8]

Die Fragebogen konnen einer ersten Annaherung an das Thema sehr gut vorangestellt werden, um den Einstieg in die Problematik fur die Lehrerinnen und Lehrer zu erleichtern. Da in der klassischen Lehrerausbildung jedoch die Thematik der Hochbegabung nicht allzu eingehend behandelt wird, muss davon ausgegangen werden, dass nicht jedes hochbegabte Kind auch rechtzeitig erkannt wird. Die Lehrerinnen und Lehrer sollten auf jeden Fall bei eventuellen Auffalligkeiten erfahrenere Kollegen, Schulpsychologen, aber auch die Eltern mit in die Diagnostik einbeziehen.

[...]


[1] Trautmann, Thomas: Hochbegabt - was n(t)un? Hilfen und Uberlegungen zum Umgang mit Kindern, Munster 2003, Seite 13.

[2] Vgl. Ministerium fur Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig - Holstein: Kinder mit besonderen Begabungen, Kiel 1998, Seite 5.

[3] Vgl. Simchen, Helga: Kinder und Jugendliche mit Hochbegabung. Erkennen, starken, fordern - damit Begabung zum Erfolg fuhrt, Stuttgart 2005, Seite13.

[4] Vgl. Marland, S.P.: Education of the Gifted and Talented, Vol. I, Report to the Congress of the United States by the Commisioner of Education, Washington 1971, aus Rohrmann, Sabine und Tim: Hochbegabte Kinder und Jugendliche. Diagnostik - Forderung - Beratung, Munchen 2005, Seite 42.

[5] Vgl. Gardner, Howard: Abschied vom IQ. Die Rahmen - Theorie der vielfachen Intelligenzen, Stuttgart 1991 aus Rohrmann, Sabine und Tim: Hochbegabte Kinder und Jugendliche. Diagnostik - Forderung - Beratung, Munchen 2005, Seite 33.

[6] Vgl. Gardner, Howard: Intelligenzen. Die Vielfalt des menschlichen Geistes, Stuttgart 2002 aus Rohrmann, Sabine und Tim: Hochbegabte Kinder und Jugendliche. Diagnostik - Forderung - Beratung, Munchen 2005, Seite 33.

[7] Vgl. Renzulli, Joseph S.: What makes giftedness? Reexamining a definition, 1978 aus Rohrmann, Sabine und Tim: Hochbegabte Kinder und Jugendliche. Diagnostik - Forderung - Beratung, Munchen 2005, Seite 43.

[8] Vgl. Bundesministerium fur Bildung und Wissenschaft: Begabte Kinder finden und fordern. Ein Ratgeberfur Eltern und Lehrer, Bonn 1985, Seite 32-35.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Hochbegabung im Grundschulalter
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V167698
ISBN (eBook)
9783640846719
ISBN (Buch)
9783640842889
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hochbegabung, grundschulalter
Arbeit zitieren
Arne Viecens (Autor:in), 2008, Hochbegabung im Grundschulalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167698

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Hochbegabung im Grundschulalter



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden