Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie

Die besondere Bedeutung der Sprache


Ausarbeitung, 2010
10 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein Zugang zur Bildungstheorie von Wilhelm von Humboldt

3. Die Bedeutung der Sprache im Kontext der Bildungstheorie
3.1. Die Entstehung der Sprache
3.2. Sprache als Vermittlerin
3.3. Sprache(n) als Gegenstand und Medium von Bildung

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Bildungstheorie von Wilhelm von Humboldt steht im Zentrum der neuhumanistischen Bewegung. Er war Anhänger einer individual-orientierten Theorie der Bildung, die die allseitige Entwicklung des Individuums in den Mittelpunkt stellt und dabei von gesell- schaftlichen Zwängen und Anforderungen absieht. Humboldt leitete mit seinem Konzept der Bildung die Preußischen Bildungsreformen ein. Sie waren Teil der umfassenden Reform des preußischen Staats- und Verwaltungsapparates nach der Niederlage Preußens gegen die Armee Napoleons. Nur aufgrund besonderer zeitgeschichtlicher Wendungen kam Wilhelm von Humboldt in die Verantwortung, die Reformen in der Bildung Preußens zu leiten, wenn auch nur in einem relativ kurzem Zeitraum.1 Humboldt erdachte sich im Konzept der Bildung eine harmonisch integrierte Ganzheit, in der gebildete Individuen in freier Interaktion stehen. Weiterhin stellt Bildung für ihn einen sozialen Prozess dar, da dem Menschen die Aufgabe zukam, sich nicht nur als Einzelperson zu wissen, sondern sich in der Auseinandersetzung mit Anderen einer bestmöglich gedachten, sozial geprägten Individualitätsform anzunähern. Diese Vermittlung zwischen der eigenen Person und Anderen soll vor allem über die Sprache erfolgen, deren Erforschung sich Wilhelm von Humboldt nachhaltig widmete. Die Sprache stellt in der sozialen Vermittlung und in der Darstellung von Individualität eine besondere Rolle dar.2 Die Sprache ist das Werkzeug, mit dessen Unterstützung sich der Mensch die Welt erschließt und aneignet.3 Daher soll sich im Zuge dieser Arbeit genauer mit dem Verständnis der Sprache nach Wilhelm von Humboldt beschäftigt werden und der Frage nachgegangen werden, welcher Bedeutung der Sprache nach Humboldt beigemessen worden ist und wie sie in Beziehung zum Bildungsbegriff dieser Zeit gestanden hat. Am Anfang dieser Arbeit steht zunächst eine kurze Betrachtung der Bildungstheorie nach Humboldt, da der Sprache eine elementare Rolle für die Bildung zugeschrieben wird und sie somit kurz dargestellt werden soll. Im Folgenden wird dann die Entstehung der Sprache nach dem Humboldtschen Verständnis beschrieben und die Sprache als Vermittlerin veranschaulicht. Einen wichtigen Aspekt für die Bildungstheorie stellt die Sprache als Gegenstand und Medium von Bildung dar, daher soll auch dieser Punkt näher betrachtet werden. Mit einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung sowie der persönlichen Meinung in Bezug auf das Thema soll diese Arbeit beendet werden.

2. Ein Zugang zur Bildungstheorie von Wilhelm von Humboldt

Wie nicht wenige Pädagogen zu seiner Zeit lehnte Wilhelm von Humboldt als Neuhumanist eine Erziehung zu gesellschaftlicher Brauchbarkeit ab und orientierte sich an einer Erziehung des einzelnen Individuums.4 „Der wahre Zwek des Menschen - nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Natur ihm vorschreibt - ist die höchste und proportionirlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen“5. Somit stellt Humboldts Bezugspunkt das Innere des Menschen dar, seine ‚ewig unveränderliche Natur‘ und seine ‚Kräfte‘. Dies soll heißen, dass die Anlagen oder Potenziale, die dem Menschen zunächst nur als Möglichkeit zukommen und die es noch zu verwirklichen, zu entfalten oder eben zu bilden gilt. Bildung wird dabei als ‚höchste und proportionirlichste‘ Entfaltung der menschlichen Kräfte ‚zu einem Ganzen‘ verstanden. „Im Mittelpunkt (...) steht der Mensch, der ohne alle, auf irgend etwas einzelnes gerichtete Absicht, nur die Kräfte seiner Natur stärke und erhöhen, seinem Wesen Werth und Dauer verschaffen will“6. Demnach ist der Ausgangspunkt nach Humboldt der Mensch selbst. Das, was einen Menschen zum Menschen macht, sind für ihn die ‚Kräfte seiner Natur‘, die es zu stärken und vor allem zu erhöhen gilt, sowie sein ‚Wesen‘. Im Bezug zum Prozess der Bildung sollen demnach die verschiedenen menschlichen Kräfte gleichmäßig bzw. im richtigen Verhältnis zueinander entwickelt werden. Eine ausgewogene Bildung zielt deshalb auf die Entfaltung aller möglichen menschlichen Kräfte ab. In einem harmonischen Gesamteindruck sollen die einzelnen Kräfte oder Anlagen des Menschen entwickelt werden. Somit besteht nach Wilhelm von Humboldt die Idee einer gesellschaftlichen Verwirklichung des Ideals im Vordergrund. Jedoch bedarf es dafür einen gesellschaftlichen Prozess der Bildung. Der Einzelne kann zwar versuchen, die Ganzheit der menschlichen Möglichkeiten so weit wie möglich in seiner Persönlichkeit zu realisieren, doch wird ihm dies nie vollkommen gelingen. Letztlich sind dazu nur alle Individuen zusammen in der Lage, das heißt, dass Bildung keinen rein individueller Vorgang darstellt, sondern einen gesellschaftlichen Prozess. Für den Bildungsbegriff von Wilhelm von Humboldt spielt eine weitere Tatsache eine wichtige Rolle. Die Entwicklung eines Menschen darf nicht als Einwirkung von außen, sondern als eine Entfaltung von innen verstanden werden.

[...]


1 vgl. Dollinger/Hörmann/Raithel 2007, S. 117-118

2 vgl. Dollinger/Hörmann/Raithel 2007, S. 120

3 vgl. Vallentin 1999, S. 172

4 vgl. Dollinger/Hörmann/Raithel 2007, S. 118

5 Humboldt 1792/1980, Bd. I S. 64

6 Humboldt 1793/1980, Bd. I S. 235

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie
Untertitel
Die besondere Bedeutung der Sprache
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V168017
ISBN (eBook)
9783640848799
ISBN (Buch)
9783640845392
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wilhelm von Humboldt, Bildungstheorie, Sprache, Sprache als Vermittlerin
Arbeit zitieren
Carolin Bengelsdorf (Autor), 2010, Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168017

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