Hinduismus: Leben mit den Göttern - Lebensgestaltung im Alltag


Studienarbeit, 2011
16 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Lebensziele und Lebensstadien der Hindus
2.1 Das dharma -Konzept und die Kastenzugehörigkeit
2.2 Die 4 Lebensziele
2.3 Die 4 Lebensstadien

3. Alltagsgestaltung
3.1 Verhaltensregeln und häusliche Riten
3.2 Riten im Lebenszyklus
3.2.1 Die Hochzeit
3.2.1 Das Bestattungsritual

4. Das Frauenbild im Hinduismus

5. Feste im Jahreszyklus
5.1 Holi
5.2 Durgapuja
5.3 Divapali

6. Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Während der Auseinandersetzung mit dem Hinduismus begegnet man in nahezu allen Ausführungen über diesen breiten Themenkomplex dem Wort der Vielfalt. Sie zeigt sich bereits bei dem Versuch, den Hinduismus begrifflich gegenüber anderen Religionen und Kulturen abzugrenzen, da zum Hinduismus eine Fülle von Religionen oder Sekten, Philosophien, Lebensweisen und Kulte zählen, die sich weder vollständig benennen, noch in korrekter Weise voneinander differenzieren lassen. So farbenfroh und lebhaft wie das Frühlingsfest Holi, bei dem buntes Pulver und gefärbtes Wasser überall umhergeworfen werden und so für faszinierende Eindrücke sorgen, so bunt sind auch die Abbildungen unzähliger Götterbilder und Statuen, hinter denen sich die verschiedenartigsten, oft ambivalente Charaktere verbergen.

Abwechselungsreich und vielschichtig gestaltet sich auch der Alltag der Menschen, die im Hinduismus leben und mit ihm über ein breites Angebot an Möglichkeiten nach der Erlösung moksha aus dem ewigen Wiedergeburtenkreislauf suchen.

Mit dem Alltag, den Lebensabschnitten und mit den Feierlichkeiten und Riten, die diese Abschnitte begleiten, befasst sich die vorliegende Hausarbeit.

Besonderheiten, die sich aus dem Kastensystem ergeben finden ebenso Berücksichtigung, wie die Stellung der Frau im Hinduismus.

Die Schlussbemerkung beinhaltet das Fazit der Eindrücke und bildet das Ende der Arbeit.

2. Lebensziele und Lebensstadien der Hindus

2.1 Das dharma -Konzept und Kastenzugehörigkeit

Die Begriffe dharma und Kaste, bzw. varna (übersetzt: Farbe) sind für die Lebensziele und damit auch für die zielführenden Lebensabschnittsphasen entscheidend und sollen daher näher erläutert werden. In der Übersetzung bezeichnet dharma das Gesetz, die Ordnung oder auch die Lehre. Im Sprachgebrauch der Hindus wird sanatama dharma verwendet, um auf die unumgängliche ewige Weltordnung zu verweisen, die die Summe aller Regeln des Rechtlichen und Sozialen, des Sittlichen und Moralischen und eines Individuums und der Gesellschaft bildet.[1]

Innerhalb dieser Weltordnung wird auch das Kastensystem als Teil eines Konzeptes verstanden, dass dem Zusammenhalt der Gesellschaft dient und die Grundlage der Pflichten ist, die jeder Einzelne gemäß seines Geschlechts, der Kaste und der Lebensstufe, in der er sich befindet, zu befolgen hat.[2] Festgehalten wurden diese Pflichten in erster Linie in dem Gesetzbuch des Manu, das, so wie viele Forscher vermuten, von Brahmanen verfasst wurde[3]. Die Einteilung in soziale Gruppen varna, die dann zumeist in noch undifferenzierter Weise mit dem Begriff Kastensystem betitelt wird, entstammt der Zeit der arischen Einwanderung. Die vier Stände, die hierbei herausgebildet wurden, spiegelten die damalige Gesellschaft wieder.[4] Die erste Schicht bildeten die Brahmanen (Priester und Gelehrte). Die Kshatriyas (Krieger, Aristokraten und Landbesitzer) stellten die zweite Schicht, gefolgt von der dritten Schicht, den Vaishyas (Händler, Geschäftsleute und Handwerker).[5] Die nach der Einwanderung der Arier unterworfenen Ureinwohner Indiens bildeten die unterste Schicht der Shudras (Diener, Knechte und Tagelöhner).[6]

In spezifizierter Weise wird jedoch der Begriff Kaste dafür gebraucht, die heute in Indien existierenden Geburtsgruppen jati zu bezeichnen, die aus einer Vielzahl von, den einzelnen varnas zugeordneten und unter ihnen wiederum hierarchisch unterteilten Untergruppen bestehen.[7] Kennzeichnend für diese Einteilung ist, dass nach dem Prinzip einer „relativen Reinheit“[8] durch Geburt in eine der jatis, die Zugehörigkeit entweder zur höheren Kaste der Brahmanen, oder als Gegenpol zur Kaste der Unreinen besteht.[9] Die als „Unberührbare“ bezeichnete Gruppe von Menschen war in erster Linie damit beauftragt, die Tätigkeiten auszuführen, die in der Gesellschaft traditionell als unrein galten, wie z.B. die Müllentsorgung, Entsorgung sterblicher Überreste, etc. und obwohl diese Kaste verfassungsrechtlich abgeschafft wurde und sich die Berufskategorien in Folge der Urbanisierung und Industrialisierung inzwischen stark verändert haben, ist die Ausgrenzung der Unberührbaren z. B. in Form der Diskriminierung bis heute ein nicht beseitigtes Leid der Gesellschaft Indiens.[10]

2.2 Die 4 Lebensziele

Da im hinduistischen Glauben die Vorstellung der Wiedergeburt existiert, nach der durch positiv angehäuftem karma auch der Aufstieg in eine höhere Kaste erfolgen kann, solange man die Pflichten entsprechend seines dharma erfüllt, gelten die vier formulierten Lebensziele purushatha für alle Menschen und sollten im Laufe des Lebens erfüllt werden.

Das erste Ziel dharma sieht die „Erfüllung der sozialen und rituellen Pflichten und die Einhaltung eines bestimmten moralischen Standards in der Lebensführung“[11] vor. Als zweites Ziel artha ist die „materielle Sicherung der Familie und Besitzerwerb“[12] und als drittes Ziel kama die „Befriedigung sinnlicher, insbesondere sexueller Bedürfnisse“[13] zu erfüllen. Das vierte und letzte Lebensziel ist moksha, „das Streben nach Erlösung“[14] für das der Hinduismus „je nach Veranlagung und Bewusstseinsstand der Menschen“[15] unterschiedliche Wege vorgibt.

[...]


[1] Vgl. Scholz, Werner: Hinduismus. 2. Auflage. Köln, 2003. S.14.

[2] Vgl.Malinar, Angelika: Hinduismus.Göttingen, 2009. S.189.

[3] Vgl. Scholz, W.: Hinduismus. S.46.

[4] Vgl. von Stietencron, Heinrich: Der Hinduismus.München, 2001. S. 97.

[5] Vgl. Malinar, A.: Hinduismus. S.187.

[6] Vgl. ebd. und Vgl. Küng,Hans und von Stietencron, Heinrich: Christentum und Weltreligionen. Hinduismus. München, 1995. S. 42.

[7] Vgl. von Stietencron, H. Der Hinduismus. S. 96. und vgl. Knott, Kim: Der Hinduismus. Eine kurze Einführung.Stuttgard, 2000. S.37.

[8].Knott, K.: Der Hinduismus. S.37.

[9] Vgl. Ebd.. s. 37.

[10] Vgl. Ebd.. s. 37. und Vgl. Malinar, A.: Hinduismus. S.192.

[11] Malinar, A.: Hinduismus. S.189.

[12] Vgl. Ebd. S. 189.

[13] Vgl. Ebd.

[14] Vgl. Ebd.

[15] Rump, Kabita: Kompaß Hinduismus. Hannover, 1998. S. 27.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Hinduismus: Leben mit den Göttern - Lebensgestaltung im Alltag
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Theologie und Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Grundkurs Hinduismus
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V168060
ISBN (eBook)
9783640849345
ISBN (Buch)
9783640849598
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hinduismus, leben, göttern, lebensgestaltung, alltag
Arbeit zitieren
Nina Bauhaus (Autor), 2011, Hinduismus: Leben mit den Göttern - Lebensgestaltung im Alltag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168060

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