Paderborner Epos - Ein Loblied auf Karl den Großen?

Ein Loblied auf Karl den Großen oder ein geschickt zusammengesetztes Kunstwerk aus Passagen antiker Autoren?


Seminararbeit, 2006

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Quelle

3. Der Verfasser

4. Seine Intentionen

5. Das Publikum

6. Die Vorlagen des Verfassers

7. Schlussbemerkung

8. Quellen

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei Karl dem Großen handelt es sich um eine Person, die, gerade weil sie eine prägende Figur des Frühmittelalters war, auch heute noch Gegenstand der aktuellen Forschung ist. Der Aufstieg Karls vom König zum Kaiser, gekrönt durch Papst Leo III. am ersten Weihnachtstag im Jahre 800, ist wohl eines der bekanntesten Daten zu seiner Person. Der Frankenkönig übernahm bis zu diesem Zeitpunkt den weltlichen Schutz des Papstes und Roms. Jedoch brachte ihm die legitime Kaiserwürde die höchste weltliche Gewalt ein, die der oströmische Kaiser zuvor innehatte. Eine literarische Quelle, unter den verschiedenen Bezeichnungen Karolus Magnus et Leo Papa, Paderborner Epos, Aachener Karlsepos bekannt, beschäftigt sich unter anderem mit dem Besuch des Papstes in Paderborn als Gast des Frankenkönigs im Jahre 799. Da „das Epos ein Kunstwerk der Dichtung ist und kein historischer Bericht“[1] kann die Interpretation der Ereignisse auf literarischer Ebene basieren. Die Übersetzung[2] von Franz Brünhölzl ist Gegenstand und zugleich Grundlage der Arbeit. Eine Erläuterung der verwendeten Quelle soll zunächst Aufschluss über das weitere Vorgehen vermitteln. Um einen besseren Einblick in die Thematik zu bekommen, werden im Anschluss die folgenden Fragen näher untersucht. Wer war der Verfasser? Welche Intention verfolgte er? Wer war sein Publikum? Welche Vorlagen verwendete der Verfasser, und wie hat er diese im Epos verarbeitet?

Eine wesentliche Grundlage für das Verstehen des Textes ist die Bezugnahme auf die ursprünglichen Szenen antiker Werke, die sehr oft Verwendung finden. Hierbei beschränke ich mich auf einige wenige Szenen aus dem Epos, die mit dem Original aus der Bibel[3] verglichen werden. Als Sekundärliteratur ist mir die Monografie von Christine Ratkowitsch[4], aus der neueren Forschung, eine große Hilfe, um die literarischen Aspekte der Quelle besser zu verstehen.

2. Die Quelle

Die verschiedenen Bezeichnungen für dieses literarische Werk werden zuerst geklärt. Denn sie geben Aufschluss über den zeitgenössischen Forschungsstand. Epos Karolus Magnus et Leo Papa ist der älteste Name der Quelle und bezeichnet die Begegnung Karls des Großen mit Papst Leo III. 799. Hierbei fließt noch keine Wertung oder Analyse des Textes mit in den Namen ein. Erst im Jahre 1951 bezieht Carl Erdmann mit der neuen Bezeichnung Paderborner Epos den Austragungsort der Begegnung Karls mit dem Papst ein. Damit machte er „das Epos zum Hauptzeugen der ,Aachener Kaiseridee’“[5], dies setzte einen anwesenden Zeitzeugen als Verfasser und die Vollständigkeit des Werkes voraus. Diese Voraussetzungen widerlegte jedoch Dieter Schaller in seinem 1976 erschienenen Aufsatz ,Das Aachener Epos für Karl den Kaiser’. Im Jahr darauf schlug er vor, das Werk Karlsepos zu nennen und bewirkte somit den Text zukünftig literaturhistorisch zu betrachten und zu untersuchen. Dieter Schaller ist es zu verdanken, dass Aachen als Entstehungsort von der Mehrheit der Historiker anerkannt wird. Weiterhin gibt es keine Diskussionen mehr, dass der Text ein Fragment und darüber hinaus der dritte Teil eines sonst verschollenen vierteiligen Werkes ist. Das Fragment ist in einer einzigen St. Galler Handschrift aus dem späten neunten Jahrhundert überliefert. Diese ist wahrscheinlich von drei sich abwechselnden Personen abgeschrieben worden und vermutlich vom Lehrer nach Beendigung einer Korrektur unterzogen wurde.[6] Bei dieser Abschrift vom Original sind einige Fehler aufgetreten, diejedoch als reine Abschreibfehler zu betrachten sind.

Der Verfasser des Originals ist uns nicht bekannt, es ist allerdings sicher, dass er ein Gebildeter aus der Nähe des Aachener Hofes war. Diese Behauptung stützt sich auf die vielen detaillierten Bezüge zu antiken Autoren, die in der Hofbibliothek vorhanden waren. Die Datierung des Fragments stellt eine anspruchsvolle Aufgabe dar. Dieter Schaler zufolge ist die Erstellung zwischen Dezember 800 und 804 einzuordnen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Erstens zitiert die zwischen 804 und 814 entstandene Ecloga Nasonis des Modoinus das Karlsepos und ist somit zu diesem Zeitpunkt fertig und verbreitet gewesen. Der zweite Grund bezieht sich auf die Titulatur Karls des Großen in dem Fragment.

Hierbei wird er meistens als rex (= König David) bezeichnet, an einigen wenigen Stellen aber auch augustus (= Kaiser Augustus) und diese dichterische Kombination wurde erst nach der Kaiserkrönung als anerkennende Bezeichnung vorgenommen.

Der raffiniert gestaltete Text ist mit vielen Bezügen zu früheren Dichtern gespickt. Die Verarbeitung von Passagen und ganzen Szenen aus Vergil, Venantius und anderen spiegelt den Bildungsstand seiner Zeit wieder und stellt hohe Ansprüche an sein Publikum. Als „erstes Großepos der neuen abendländischen Kultur seit dem Ausgang der Spätantike“[7] soll es die Aufgabe des Epos gewesen sein, Karl als einzigen möglichen Nachfolger des oströmischen Kaisers darzustellen. Dies wird durch die Verweise auf die Helden der Werke der antiken Autoren verstärkt. Karl der Große wird ins rechte Licht gerückt, um seinen Anspruch auf die Macht der Kaiserwürde zu legitimieren. Gründe, warum Karl der Große Papst Leo III. in Paderborn empfangen hat, liegen zum einen in dem bevorstehenden Sachsenfeldzug, zum anderen bot sich dieser Ort an, um sich als Heidenbezwinger und Verbreiter des christlichen Glaubens zu präsentieren. Obwohl Paderborn mit seinem ,Tempel des Schöpfers’ Templa creatoris im Vers 520 und dem ,hohen Palast’ celsa tecta im Vers 523 gewürdigt wird, fällt die Würdigung im Vergleich zu Aachen als ,zweites Rom’ Roma secunda im Vers 94 eindeutig geringer aus. Dies ist wiederum ein weiterer Anhaltspunkt dafür, dass Aachen und nicht Paderborn der Entstehungsort ist.

3. Der Verfasser

Die Frage nach dem Verfasser dieses literarischen Kunstwerkes beschäftigt die Historiker noch heute. Vermutungen zu diesem Thema sind bis heute weder bestätigt noch verneint worden, aufgrund mangelnder ,Beweislage’. „Seit Beginn der Forschungsdiskussion hat man ausprobiert, welcher der bekannten Dichter der Karolingerzeit in Betracht kommen könnte.“[8] Einer dieser Dichter war Hibernicus exul, der bereits zu frühen karolingischen Zeiten voll des Lobes für Karl war. Er rühmte Karls Sieg über Tassilo 787 und kann durch einige Übereinstimmungen in einem Gedicht von ihm dem Kreis des möglichen Verfassers zugerechnet werden. Ein weiterer Kandidat ist der Hofkapelan Angilbert, der als Dichter und Diplomat am Hofe Karls des Großen tätig war und somit die Möglichkeit hatte die Aachener Hofbibliothek zu benutzen.

[...]


[1] PADBERG, Lutz von/SCHWIND, Johannes/HENTZE, Wilhelm (Hg.), De Karolo rege et Leone papa, Paderborn 1999, S. 79.

[2] Karlsepos, übers. v.: BRUNHÖLZL, Franz, in: Prof. Dr. HONSELMANN, Klemens, Karolus Magnus et Leo Papa. Paderborner Epos vom Jahre 799 (Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte 8), Paderborn 1966.

[3] Die Bibel. Altes undNeues Testament. Einheitsübersetzung, Stuttgart 1980.

[4] RATKOWITSCH, Christine, Karolus Magnus - alter Aeneas, alter Martinus, alter Iustinus. Zu Intention und Datierung des „Aachener Karlsepos“, Wien 1997.

[5] HENTZE, Wilhelm (Hg.), De Karolo rege et Leone papa, Paderborn 1999, S. 67.

[6] vgl. Prof. Dr. HONSELMANN, Klemens, Karolus Magnus et Leo Papa. Paderborner Epos vom Jahre 799, (Studien und Quelle zur westfälischen Geschichte 8), S. 7/57.

[7] Prof. HONSELMANN, Klemens, Karolus Magnus et Leo Papa. Paderborner Epos vom Jahre 799, S.66.

[8] HENTZE, Wilhelm (Hg.), De Karolo rege et Leone papa, S. 68.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Paderborner Epos - Ein Loblied auf Karl den Großen?
Untertitel
Ein Loblied auf Karl den Großen oder ein geschickt zusammengesetztes Kunstwerk aus Passagen antiker Autoren?
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V168078
ISBN (eBook)
9783640849802
ISBN (Buch)
9783640850242
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
paderborner, epos, loblied, karl, großen, loblied, karl, großen, kunstwerk, passagen, autoren
Arbeit zitieren
Theresa Roth (Autor), 2006, Paderborner Epos - Ein Loblied auf Karl den Großen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168078

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