Die Zeitschrift "Sibylle" und ihre Frauenbilder 1960 - 1969


Bachelorarbeit, 2010

43 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Naturzustand als Rechtszustand
2.1. Die natürliche Freiheit und Gleichheit der Menschen
2.2. Das natürliche Gesetz
2.3. Die Rechtspflege im Naturzustand

3. Das natürliche Recht auf Privateigentum und seine Folgen
3.1. Lockes Lehre vom Arbeitseigentum
3.2. Die Überwindung der naturgesetzlichen Akkumulationsschranke
3.3. Das Dilemma des Naturzustandes

4. Zur Illegitimität absoluter politischer Gewalt
4.1. Das Naturzustandsargument
4.2. Das Ausbeutungsargument

5. Lockes ursprünglicher Vertrag/ Gründungsvertrag
5.1. Der Ursprung legitimer politischer Gewalt
5.2. Der legitime Zweck politischer Gewalt
5.3. Die Grenzen legitimer politischer Gewalt

6. Bewertung und abschließende Bemerkungen

7. Bibliographie

1. Einleitung

Es gibt wohl kaum einen politischen Theoretiker, dessen Wirkungsmacht so deutlich spürbar ist wie die John Lockes. Das Paradigma des politischen Liberalismus hat sich nach dem Niedergang des real existierenden Sozialismus beinahe weltweit durchgesetzt.

John Locke entfaltete die theoretische Grundlage dieser politischen Strömung in seinen „Zwei Abhandlungen über die Regierung“, die ein Jahr nach dem Sieg der Glorious Revolution, wahrscheinlich erst zehn Jahre nach ihrer Entstehung, 1689 von ihm anonym veröffentlicht wurden.[1]

In dieser Streitschrift wendet er sich gegen traditionelle Legitimationstheorien politischer Gewalt, die den Herrschaftsanspruch eines absoluten Monarchen durch göttliche Einsetzung erklären.[2] Solche Positionen sind für Locke unhaltbar, er stellte sich die Aufgabe, den „wahren Ursprung, die Reichweite und den Zweck der staatlichen Regierung“[3] darzulegen.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, Lockes Herleitung legitimer politischer Gewalt, die in seiner Konzeption eines Staatsgründungsschemas mündet, darzustellen und die Frage zu beantworten, ob ein nach solchem Schema gegründetes Staatswesen wirklich die Unzulänglichkeiten der von ihm kritisierten absoluten Monarchie überwinden kann.

Da Locke seine Legitimationstheorie systematisch entfaltet, müssen zunächst seine Prämissen aufgezeigt werden, auf denen er seine Argumentation aufbaut, denn sie beschreiben den Inhalt dessen, was er mit politischer Gewalt zu vereinbaren sucht. Diese Prämissen äußert er in seinen Ausführungen über den Naturzustand, dessen Umrisse darzustellen sind. Danach soll Lockes Theorie des Arbeitseigentums diskutiert werden, um die Unzulänglichkeiten des Naturzustandes, die Locke ihm zuschreibt, herauszustellen.

Anschließend werde ich der Darstellung der Lockschen Kritik, die er an der absoluten Monarchie übt, Ausführungen über seine Konzeption des Gründungsvertrages folgen lassen, um abschließend eine Antwort auf die Frage geben zu können.

2. Der Naturzustand als Rechtszustand

2.1. Die natürliche Freiheit und Gleichheit der Menschen

Wie schon in der vertragstheoretischen Konzeption eines Thomas Hobbes ist der Ausgangspunkt John Lockes systematischer Entfaltung seiner Theorie legitimer politischer Herrschaft die Lehre vom Naturzustand: „Um politische Gewalt richtig zu verstehen und sie von ihrem Ursprung abzuleiten, müssen wir erwägen, in welchem Zustand sich die Menschen von Natur aus befinden.“[4]

Das erste Attribut, das Locke dem Naturzustand beilegt, ist das der Freiheit. Der individuelle Handlungsspielraum der Menschen, die sich in diesem Zustand befinden, ist lediglich durch die „Grenzen des Gesetzes der Natur“ beschränkt.

Innerhalb derer steht es den Menschen frei „ ihre Handlungen zu regeln und über ihren Besitz und ihre Persönlichkeit so zu verfügen, wie es ihnen am besten scheint, ohne dabei jemanden um Erlaubnis zu bitten oder vom Willen eines anderen abhängig zu sein.“[5]

Die Handlungsfreiheit, die der einzelne im Naturzustand hat, ist im Lockeschen Denken keine bloße biologische Tatsache, sondern beschreibt ein Rechtsverhältnis. Denn dies heißt nichts anderes, das niemand das Recht hat, einem anderen seinen Willen aufzuzwingen. Der Naturzustand ist somit ein herrschaftsfreier Raum, da Herrschaft mit dem individuellen Freiheitsrecht unvereinbar ist.

Daraus folgt eine zweite grundlegende Bestimmung des Naturzustandes: er ist ein Zustand der Gleichheit. Neben der von Locke konstatierten prinzipiellen biologischen Gleichheit[6] ist für ihn diese Gleichheit vor allem unter einem rechtlichen Aspekt zu betrachten. Der Naturzustand ist ein Zustand, „in dem alle Macht und Rechtsprechung wechselseitig sind, da niemand mehr besitzt als ein anderer (...).“[7] Mit Gleichheit des Besitzes im Naturzustand meint Locke eine Art natürlicher Rechtsgleichheit. Im Naturzustand haben alle das gleiche Recht, „nämlich jenes gleiche Recht, das jeder Mensch auf seine natürliche Freiheit hat.“[8]

Der Naturzustand, der den ursprünglichen Zustand des Fehlens einer positiven Rechtsordnung beschreibt, ist für Locke jedoch ein natürlicher Rechtszustand, in dem jeder Mensch im Besitz von Rechten ist, die ihm allein aufgrund seines ‚Menschseins’ zukommen und daher unveräußerlich sind.

2.2. Das natürliche Gesetz

Locke denkt den Naturzustand nicht als einen Zustand, in dem die Menschen unverbunden nebeneinander existieren. Der Mensch ist aufgrund seiner von Gott gestifteten Natur ein geselliges Wesen, ein zoon politikon. Wie Locke betont, stellte Gott den Menschen „unter den starken Zwang von Bedürfnis, Zweckmäßigkeit und Neigung, um ihn in die Gesellschaft zu lenken, und stattete ihn zugleich mit Verstand und Sprache aus, um in ihr zu verbleiben und sie zu genießen.“[9]

Insbesondere die Zweckmäßigkeit sozialer Beziehungen, sprich die materiellen Vorzüge derselben, scheinen für Locke Antrieb der Vergesellschaftung gewesen zu sein. Wie aus einem von ihm verwendeten Zitat hervorgeht, könne ein Einzelner sich nicht mit einem genügenden Vorrat materieller Güter versorgen, die für ein „der Würde des Menschen entsprechenden“[10] Lebens notwendig sind.

Da sich im Naturzustand die Menschen als freie und gleiche Rechtssubjekte begegnen, muss es ein verbindliches Prinzip geben, das die sozialen Beziehungen regelt und den Schutz der individuellen Freiheitssphären gebietet.

Wie bereits im vorheriges Kapitel angedeutet, kann der Mensch im Naturzustand nicht schrankenlos seine Willensfreiheit genießen: „Im Naturzustand herrscht ein natürliches Gesetz, das jeden verpflichtet.“[11] Dieses Gesetz sei für jeden Naturzustandsbewohner aufgrund seiner von Gott gestifteten Vernunftbegabung einsichtig. Dieses vollkommen vernünftige bzw. göttliche Naturgesetz, so folgert Locke, legt dem Menschen soziale Pflichten auf, vor allem die, „das niemand einem anderen, da alle gleich und unabhängig sind, an seinem Leben und Besitz, seiner Gesundheit und Freiheit schaden zufügen soll.“[12]

Da dieses Gebot, der Lockeschen Auffassung nach, auf dem göttlichen Eigentumsrecht beruht, der die Menschen erschuf und in dessen Auftrag sie in die Welt gesandt wurden, ist zudem jeder verpflichtet, sich selbst zu erhalten. Denn Gott habe die Menschen „geschaffen, solange zu bestehen, wie es ihm, nicht aber wie es ihnen untereinander gefällt.“[13]

Lockes Ausführungen über das natürliche Gesetz kulminieren in der Feststellung, „das [es] den Frieden und die Erhaltung der ganzen Menschheit verlangt,“[14] also jeder nicht nur zur Selbsterhaltung, sondern auch zur Erhaltung des Lebens anderer verpflichtet ist, soweit sein eigenes Leben dabei nicht bedroht wird.

2.3. Die Rechtspflege im Naturzustand

Würde sich im Naturzustand ein jeder an dieses natürliche Gesetz halten, wäre der Naturzustand ein „Zustand des Friedens, des Wohlwollens, der gegenseitigen Hilfe und Erhaltung.“[15]

Doch bereits im Naturzustand gibt es Rechtsbrecher, die gegen das natürliche Gesetz verstoßen. Das natürliche Gesetz wäre eine Farce, wenn es niemanden gäbe, der zum Vollzug desselben berechtigt wäre. Da ja im Naturzustand eine den Individuen übergeordnete Instanz zur Durchsetzung des Rechts fehlt, folgert Locke, dass „die Vollstreckung des natürlichen Gesetzes in jedermanns Hände gelegt“[16] ist.

Jeder ist also berechtigt, Verstöße gegen dieses Gesetz zu ahnden, egal ob er nun selbst Opfer einer Rechtsübertretung wurde oder um einem anderen zur Durchsetzung seines Rechts zu verhelfen.

Die Bestrafung von Vergehen gegen das natürliche Gesetz (=Eingriffe in das Freiheitsrecht eines Menschen) ist nach Locke der einzige Grund, mittels dem „im Naturzustand ein Mensch Macht über einen anderen erlangen“[17] kann. Dieser Rechtsgrund legitimer Machtausübung legitimiert jedoch keine absolute Gewalt über den Verbrecher. Wie aus § 8 hervorgeht, enthält das Gesetz der Natur nach Locke zwei Sanktionsprinzipien, die ein angemessenen Strafmaß herbeiführen.

Zum einen dürfe die Strafe nur der Abschreckung dienen. Der Geschädigte darf dem Täter nur soviel Schaden zufügen, „wie es notwendig ist, ihn seine Tat bereuen zulassen, um dadurch ihn und durch sein Beispiel auch andere davon abzuhalten, ein gleiches Unrecht zu begehen.“[18] Nur insoweit ist ein Geschädigter, bzw. ein anderer, der sich mit ihm solidarisiert, berechtigt, das Gesetz der Natur zu vollstrecken.

[...]


[1] Vgl. Euchner, Walter: John Locke – Zur Einführung. 1996 Hamburg. S. 69 f.

[2] vgl. Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie Bd. 2: 17. bis. 20. Jahrhundert. 2000 München. S. 73

[3] Locke, John: Zwei Abhandlungen über die Regierung. Herausgegeben und eingeleitet von Walter Euchner. 1977 Frankfurt/ Main. S. 200

[4] ebd., § 4, S. 201

[5] ebd.

[6] Menschen sind für ihn „Geschöpfe von gleicher Gattung und von gleichem Rang, die ohne Unterschied zum Gebrauch derselben Fähigkeiten geboren sind (...).“ zitiert nach ebd. § 4 (S. 201 f.)

[7] ebd.

[8] ebd., § 54, S. 253

[9] ebd., § 77, S. 248

[10] Richard Hooker, zitiert nach: ebd. § 15, S. 209

[11] ebd., § 6, S. 203

[12] ebd.

[13] ebd.

[14] ebd., § 7, S. 203

[15] ebd., § 19, S. 211

[16] ebd., § 7, S. 203

[17] ebd., § 8, S. 204

[18] ebd., § 8, S. 204

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Die Zeitschrift "Sibylle" und ihre Frauenbilder 1960 - 1969
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Note
2,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
43
Katalognummer
V168326
ISBN (eBook)
9783640853755
ISBN (Buch)
9783640854059
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlechtergeschichte, Frauenzeitschriften, DDR Frauenzeitschriften, die Frau in der DDR, Sibylle, Frauenbilder
Arbeit zitieren
Claudia Zimmermann (Autor), 2010, Die Zeitschrift "Sibylle" und ihre Frauenbilder 1960 - 1969, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168326

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