Die Minister Ludwigs XIV. am Beispiel Jean-Baptiste Colberts


Hausarbeit, 2008
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Leben, Familie und Karriere Colberts
1. Herkunft und Ausbildung Jean-Baptiste Colberts
a) Die Familie Colbert
b) Ausbildung und Beginn der Karriere Jean-Baptiste Colberts
2. Karriere Colberts im Dienste Le Telliers und Mazarins
a) Colbert im Dienste Le Telliers
b) Colbert als Verwalter und Intendant Kardinal Mazarins
3. Colbert im Dienste Ludwigs XIV
a) Die Affäre Foucquet und der Aufstieg Colberts zum Staats-
minister
b) Weitere politische Karriere Colberts bis zu seinem Tod
c) Die persönliche Beziehung Colberts zum König

III. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Die Minister Ludwigs XIV. am Beispiel Jean-Baptiste Colberts

I. Einleitung

Michel Vergé-Francheschi[1] ist der Meinung, dass eine unsichere Zeit wie das 17. Jahrhundert mit seinen außenpolitischen Gefahren wie dem Dreißigjährigen Krieg, später dem Niederländischen Krieg, und innenpolitischen Skandalen wie dem Betrug Foucquets die Herausbildung einer Vetternwirtschaft allein zum Selbstschutz unvermeidlich macht. In der Tat finden sich in dieser Zeit mehrere regelrechte Dynastien in der französischen Politik und den hohen gesellschaftlichen Positionen, von denen die bekannteste wohl die Familie der Colberts ist.

Ich möchte im Folgenden versuchen, darzustellen, auf welche Weise seine verwandtschaftlichen Beziehungen die Karriere Jean-Baptiste Colberts so weit vorantreiben konnten, dass er dann wiederum seine Stellung nutzen konnte, um Familienmitgliedern zu hohen Ämtern oder Ähnlichem zu verhelfen.

II. Leben, Familie und Karriere Colberts

1. Herkunft und Ausbildung Jean-Baptiste Colberts

a) Die Familie Colbert

Jean-Baptiste Colbert wurde am 29. August 1619 als ältester Sohn des reichen, aber bürgerlichen Textilkaufmanns Nicolas Colbert in Reims geboren.[2] Die vielfältigen Geschäftsbeziehungen seines Vaters nach Rouen, Lyon, Paris, Basel, Antwerpen und Mailand sollten seinem Sohn später wesentlich zugute kommen. Noch weit bedeutender für den späteren Aufstieg Jean-Baptiste Colberts war allerdings die Betätigung seines Vaters und dessen Bruders Jehan als Repräsentanten der einflussreichen Bankiers „Lumague et Mascranny“, die in Paris und Lyon ansässig und international tätig waren.[3]

Durch eine allgemeine Depression bedingte finanzielle Einbußen im Textilgeschäft veranlassten Nicolas Colbert 1629, nach Paris umzuziehen und sich auf Geldgeschäfte zu verlegen, die offensichtlich auch bald einigen Gewinn abwarfen. In Paris ließ er sich im Finanzviertel, ganz in der Nähe seiner Geschäftspartner Lumague und Mascranny, nieder.[4] Der Kontakt zu diesen war bereits von einem Onkel Nicolas Colberts, Oudard (II) Colbert, Sieur de Villacerf, geknüpft worden. Dieser hatte ohnehin durch seinen Aufstieg in die noblesse de robe, die geschickte Unterbringung seiner Söhne in einflussreichen Positionen im Pariser Parlament und in der Oberrechnungskammer, sowie die Verheiratung seiner Töchter an Angehörige angesehener und wohlhabender Familien entscheidend auf den weiteren Aufstieg der Familie Colbert eingewirkt. Dadurch ermöglichte er seinen Familienangehörigen nämlich nicht nur den zu der Zeit bereits bestehenden Kontakt zu anderen Kaufleuten und etwa gleichgestellten Beamten, sondern auch zu hohen Amtsträgern und deren Familien.[5] Er war es auch, der duch die Verheiratung seines Sohnes mit dessen Schwester die zukünftige Verbindung der Colberts mit Michel Le Tellier ermöglichte.[6]

Nicolas Colbert, der sich ab 1628 nachdem er die Grundherrschaft Vandières geerbt hatte Sieur de Vandières nennen durfte, versuchte seinen gesellschaftlichen Aufstieg durch den Ankauf des Hofamtes des Conseiller et Maître d'Hôtel ordinaire du Roi und spätere Verhandlungen über den Kauf des Amtes eines Secrétaire du Roi, was eine Erhebung in den Adelsstand nach sich gezogen hätte, herbeizuführen.[7]

Jean-Baptiste Colbert fand also schon zu Beginn seiner Karriere mit den freundschaftlichen, verwandtschaftlichen und Geschäftsbeziehungen seiner Familie die besten Voraussetzungen für seinen persönlichen Erfolg geschaffen, sollte dann aber auch das Seinige tun, das Geflecht an verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Verbindungen zu erweitern und zum Nutzen seiner Freunde und Familie einzusetzen.

b) Ausbildung und Beginn der Karriere Jean-Baptiste Colberts

Über die Jugend und die frühe Ausbildung Colberts ist wenig bekannt, aufgrund einiger Indizien wird allerdings vermutet, dass er in einem Jesuitenkolleg in der Nähe von Reims erzogen wurde[8], bevor er dann als Gehilfe seines vermögenden Großonkels Oudard (II.) Colbert in Troyes zu arbeiten begann und sowohl Geschäfte, die innerhalb der Stadt abgewickelt wurden, wie auch solche, die Oudards Handelshaus mit dem Ausland führte, zu überwachen und zu organisieren hatte, wobei er bereits damals wohl einen ungewöhnlichen Arbeitseifer und Ehrgeiz an den Tag legte, ebenso allerdings auch ein Talent für den Umgang mit finanziellen Angelegenheiten.[9] Ab 1634 war er als Gehilfe des Bankiers Mascranny, für den, wie oben erwähnt, schon sein Vater tätig war, in Lyon beschäftigt.[10] Dieser war es auch, der den jungen Colbert viel später an seinen pariser Kollegen Lamagna, einen Freund des Kardinals Mazarin, weiterempfehlen sollte.[11] Nach der Ausbildung bei Mascranny folgte Colbert seinen Eltern nach Paris, wo er zunächst eine Anstellung bei dem Notar Chapelain, dann bei einem Prokurator am königlichen Gericht des Châtelet, annahm und danach als Subalterngehilfe für François Sabathier, Schatzmeister einer für die Erträge aus dem Ämterkauf verantwortlichen königlichen Institution, tätig war.[12] Er erwarb sich auf diese Weise, durch seine vielfältigen Tätigkeiten im finanziellen wie auch im juristischen Bereich, einen reichen Erfahrungsschatz, durch den das Fehlen einer Universitätsausbildung wettgemacht wurde.[13]

[...]


[1] Michel Vergé-Francheschi, Colbert. La politique du bon sens, Paris 2003, S. 438.

[2] Alfred Neymarck, Colbert et son temps, Genf 1970, Bd. 1, S. 1f.

[3] Klaus Malettke, Colbert. Aufstieg im Dienste des Königs, Zürich / Frankfurt 1977, S. 9f.

[4] Malettke, Colbert, S. 12f.

[5] Malettke, Colbert, S. 11.

[6] Luc-Normand Tellier, Face aux Colbert. Les Le Tellier, Vauban, Turgot... Et l'avenement du libéralisme, Québec 1987, S. 39.

[7] Malettke, Colbert, S. 11.

[8] Pierre Clément, Histoire de Colbert et de son administration, Genf 1980, Bd. 1, S. 5.

[9] Neymarck, Colbert et son temps, Bd. 1, S. 4.

[10] Malettke, Colbert, S. 12.

[11] Neymarck, Colbert et son temps, Bd. 1, S. 4.

[12] Malettke, Colbert, S. 15f.

[13] Jean Villain, La fortune de Colbert, Paris 1994, S. 20.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Minister Ludwigs XIV. am Beispiel Jean-Baptiste Colberts
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V168442
ISBN (eBook)
9783640855452
ISBN (Buch)
9783640855605
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ludwigs, beispiel, jean-baptiste, colberts, vetternwirtschaft, ludwig XIV.
Arbeit zitieren
Laura Geyer (Autor), 2008, Die Minister Ludwigs XIV. am Beispiel Jean-Baptiste Colberts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168442

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