Der Vereinigungsprozess als Konflikt - Deutsch-deutsche Annäherungen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
18 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Zum Begriff „Konflikt“

II. Geschichtlicher Hintergrund
- Das Nachkriegsdeutschland (1945 – ca.1961)
- Der kalte Krieg (1961 – ca.1980)
- Die Entspannungsphase (1980 – ca.1989/90)
- Das Ende der DDR und die deutsche Einheit (1989/90)

III. Deutschland nach der Wiedervereinigung
III.1. Das deutsch- deutsche Verhältnis
III.2. Die Jugend in Ostdeutschland zehn Jahre nach der Vereinigung

IV. Möglichkeiten der Konfliktlösung

V. Abschlusswort

VI. Quellenangabe

Reiner Kunze

Die Mauer

Als wir sie schleiften, ahnten wir nicht,

wie hoch sie ist

in uns

Wir hatten uns gewöhnt

an ihren horizont

Und an die windstille

In ihrem schatten warfen

alle keinen schatten

Nun stehen wir entblößt

jeder entschuldigung

I. Zum Begriff „Konflikt“

Das Wort „Konflikt“ stammt von dem Lateinischen von dem Wort conflictus ab und bedeutet Aneinanderschlagen, Zusammenstoß und im weiteren Sinne Kampf oder Streit. Inter-personelle Konflikte charakterisieren sich durch folgende Eigenschaften:

- Vorhandensein von mindestens zwei Konfliktparteien
- d.h. es existieren zwei oder mehrere Parteien, die sich gegenüberstehen und unterschiedliche Standpunkte einnehmen, wobei das Verhalten der einen Partei Konsequenzen für das Verhalten der anderen Partei nach sich zieht
- Unvereinbarkeit der Handlungstendenzen
- allgemein sind Konflikte durch Handlungsdispositionen gekennzeichnet, welche sich aus der Wirksamkeit subjektiver Interessen (Motive), grundlegender Überzeugungen und Werthaltungen sowie aus den damit zusammenhängenden Erwartungen und Einstellungen erklären
- Unvereinbarkeit des Verhaltens
- dies stellt das direkt beobachtbare Konfliktverhalten dar, wobei Meinungsverschiedenheiten noch nicht dazu gehören, falls sie noch nicht in entsprechendem Interaktionsverhalten manifestiert sind

Selbstverständlich können auch widersprüchliche Handlungstendenzen innerhalb einer Person auftreten. Hier spricht man dann von einem intrapersonalen Konflikt.

Lewis A. Coser (1965) definiert jeden Konflikt als Kampf, so daß Konfliktverhalten als Kampfhandlung verstanden werden kann, die je nach Situation und nach der Ausstattung der beteiligten Parteien mit unterschiedlichen Strategien vollzogen wird.

Aus Kapitel IV des Buches „Theorie sozialer Konflikte“ ( Lewis A. Coser ) geht im letzten Abschnitt hervor „Konflikt kann dazu dienen, auflösende Elemente aus einer Beziehung zu entfernen und die Einheit wiederherzustellen...“. Diese These werde ich unter Betrachtung des Themas wieder aufgreifen und untersuchen.

II. Geschichtlicher Hintergrund

Im Folgenden werden die vier wichtigsten Phasen der gegensätzlichen Regierungen in Ost- und Westdeutschland beschrieben, um die Konfliktentwicklung bzw. Konfliktaustragung deutlich zu machen.

Schon bald nach Kriegsende erwies sich die Zusammenarbeit zwischen Ost und West als sehr mühselig und schwierig. Präsident Roosevelt (USA), Premierminister Churchill (Großbritannien) und Parteichef Stalin (Sowjetunion) legten Besetzung, Kontrolle und Reparationen Deutschlands fest. Doch aufgrund weltanschaulicher und machtpolitischer Gegensätze nahmen die Konflikte zwischen den einzelnen Besatzungsmächten über die gemeinsame Verwaltung recht schnell zu. Solche Konflikte gab es vor allem wegen der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Umgestaltung, die die sowjetische Besatzungszone nach Kriegsende einleitete und zusätzlich jegliche politische Opposition ausschaltete. Hinzu kam, daß die SBZ (Sowjetische Militärmacht bzw. Besatzungszone) ihre Politik gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzte. Der danach einsetzende Flüchtlingsstrom von Ost nach West ist Zeichen der Nichtakzeptanz dieser Politik.

Die in Potsdam geschaffene Konferenz konnte leider nicht die zunehmende Entfremdung der Sowjetunion gegen die Westmächte aufhalten.

1947 bildeten dann die USA und Großbritannien eine „Bizone“ für den gemeinsamen Aufbau einer neuen politischen Ordnung in Westdeutschland. Damit wurde der Grundstein schon früh für die Teilung Deutschlands gelegt. Denn beide Besatzungsteile verfügten über eine grundverschiedene Auffassung von „Freiheit“, „Demokratie“ und „Selbstbestimmung“.

Stalin ließ sich zum Beispiel weder durch politischen noch wirtschaftlichen Druck davon abhalten, das Selbstbestimmungsrecht der Völker zu achten, geschweige denn freie Wahlen zuzulassen.

Der Konflikt zwischen Ost und West, welche durch die jeweiligen Besatzungsmächte vertreten wurde, verschärfte sich und geriet außer Kontrolle.

Somit wurde erstmals von einer Zweiteilung der Welt von einem westlich- demokratischem und einem östlich- kommunistischem System gesprochen. Dieser Konflikt war nunmehr nicht mehr ein Kampf um Einfluß und Macht, sondern auch ein Ringen um die Durchsetzung ideologischer Ziele, die miteinander unvereinbar waren.

Dies war eine weltanschauliche Auseinandersetzung, die den Begriff „Kalter Krieg“ prägte. „Kalt“, deswegen, weil eigentliche Kriegshandlungen immer soeben noch vermieden werden konnten, aber nicht wirklich ausschlossen. „Krieg“, die höchste Form der Austragung eines Konflikts zweier oder mehrerer Parteien.

So bildeten sich zwei Lager: die westlichen Besatzungsmächte schufen ein „Europäisches Wiederaufbauprogramm“ nach den schlimmen Kriegsjahren, den „Marshall- Plan“, während die SBZ als Kampfansage gegen das westliche System die Neugründung des „Kampfes für die Weltrevolution“, die „Kominform“, schuf.

Die Entwicklung zweier verschiedener Wirtschaftssysteme führte zu einer fast völligen Lähmung des einzelstaatlichen Handels zwischen den beiden Blöcken.

Die Spaltung zwischen Ost- und Westdeutschland vertiefte sich so stark, dass es am 23.Mai 1949 zur Gründung der Bundesrepublik und am 7.Oktober 1949 zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik kam.

So hatte sich der politische und ideologische Ost- West- Konflikt nicht nur institutionell, sondern auch geographisch und psychologisch verfestigt. Es entstand ein „Kampf“ um den machtpolitischen Einfluß, bei dem Feindbilder und Konfrontationen das Verhältnis zwischen beiden Mächten bestimmte.

Am 5.März 1953 traf die Nachricht vom Tode Stalins ein. Stalin hinterließ seinem Land ungelöste innen- und außenpolitische Probleme, wozu die Notwendigkeit einer Umstrukturierung der sowjetischen Wirtschaft (um die Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern zu verbessern) sowie die Überwindung der internationalen Isolation gehört und zusätzlich noch eine ungeklärte Nachfolgefrage bestand. So versuchten die amtsantretenden Nachfolger Stalins für eine Entspannung des Ost- West- Konfliktes zu sorgen und gleichzeitig die Beziehungen zum Westen neu zu ordnen. Zunächst sah es auch so aus, als ob die Sowjetunion eine Wiedervereinigung zu westlichen Bedingungen mit freien Wahlen und Selbstbestimmung zulassen würde, aber hier waren es dann die Westmächte, die ein friedliches Nebeneinander der beiden Systeme für besser hielten.

Die Bundesrepublik Deutschland trat 1954 in die WEU (Westeuropäische Union) und in die NATO ein. Im Gegenzug zum NATO- Beitritt wurde der Warschauer Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand der osteuropäischen Länder (einschließlich der DDR) gegründet. So war nun auch die ideologische und politische Spaltung Europas und der Welt militärisch institutionell vollzogen. Diese Form von Spaltung kehrte auf keinen Fall zu den Urtypen von Konflikt zu Stalins Zeiten zurück, eher zu einer Entspannung der politischen Differenzen. Zwischen 1956 und 1959 wurde dann sogar eine Doktrin zur „Friedlichen Koexistenz“ verabschiedet, die 4 wesentliche Aussagen über ein friedliches Nebeneinander beinhaltet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Vereinigungsprozess als Konflikt - Deutsch-deutsche Annäherungen
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Soziologie)
Veranstaltung
HS Soziale Konflikte
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V16869
ISBN (eBook)
9783638215886
Dateigröße
956 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vereinigungsprozess, Konflikt, Deutsch-deutsche, Annäherungen, Soziale, Konflikte
Arbeit zitieren
Kristin Jankowsky (Autor), 2002, Der Vereinigungsprozess als Konflikt - Deutsch-deutsche Annäherungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16869

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