Grundlagen des Islam. Der Religionsstifter Mohammed im kulturellen Kontext

Unterrichtsentwurf zur zweiten unterrichtspraktischen Prüfung


Unterrichtsentwurf, 2011
38 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1 Bedingungen
1.1 Schulische Voraussetzungen
1.2 Lernvoraussetzungen
1.3 Lehrvoraussetzungen
1.4 Kompetenzen

2 Das Thema
2.1 Überlegungen zur Themenwahl
2.2 Sachanalyse
2.2.1 Islam und Muslime
2.2.2 Glaubenspraxis der Muslime (Pflichtenlehre)
2.2.3 Ursprung des Gottesbildes und des Korans
2.2.4 Mohammed
2.2.5 Missiologie
2.2.6 Eschatologie

3 Kompetenzentwicklung

4 Der Unterricht
4.1 Didaktische Überlegungen
4.2 Methodische Überlegungen
4.2.1 Einstieg
4.2.2 Erarbeitung
4.2.3 Sicherung

5 Darstellung der Unterrichtseinheit
5.1 Erste Unterrichtsstunde der Einheit: Islam und Muslime
5.2 Zweite Unterrichtsstunde der Einheit: Der Religionsstifter im kulturellen Kontext
5.3 Dritte Unterrichtsstunde der Einheit: Der Koran / Die fünf Säulen
5.4 Vierte Unterrichtsstunde der Einheit: Erstellung der Kollage
5.5 Fünfte Stunde der Einheit: Präsentation im erweiterten Religionsunterricht

6 Verlaufsplanung

7 Literatur
7.1 Internetquellen

8 Anhang
8.1 Tafelbild der ersten Stunde
8.2 Tafelbild der Prüfungsstunde
8.3 Text der Prüfungsstunde
8.4 Arbeitsblätter

1 Bedingungen

1.1 Schulische Voraussetzungen

Die Grundschule ist eine dreizügige gebundene Ganztagsschule. Das Unterrichts- und Freizeitangebot wird im Rahmen der 5-Tage-Woche organisiert und steht in engem konzeptionellem Zusammenhang. Die verpflichtenden Veranstaltungen dauern von Montag bis Donnerstag von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr, freitags bis 14.00 Uhr. Der Unterricht wird auf die Vor- und Nachmittage verteilt. Die 40-Minuten-Stunden können in Phasen zerlegt werden, unterrichtliche und außerunterrichtliche Bereiche sind aufeinander abgestimmt und fächerübergreifender Unterricht wird mit einbezogen. An der Schule lernen zurzeit 367 SchülerInnen in 16 Klassen.

Die Grundschule liegt im Bezirk Mitte, Ortsteil Wedding. Viele der hier wohnenden Familien haben soziale und wirtschaftliche Probleme. Eine Vielzahl der BewohnerInnen ist nicht deutscher Herkunftssprache, an der Schule sind dies ca. 85% der SchülerInnen. Viele deutsche Familien ziehen u.a. aufgrund der sozialen Probleme aus dem Einzugsbereich der Schule weg, dadurch hat sich die Zusammensetzung der Schülerschaft verändert. Der Anteil von SchülerInnen, die Verhaltensauffälligkeiten zeigen oder unter Konzentrationsschwächen leiden, ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Vielen Kindern mangelt es an häuslicher Unterstützung und Geborgenheit. Unter diesen Voraussetzungen wird es immer schwieriger, die SchülerInnen zu guten Schulleistungen zu führen.

Da die SchülerInnen des Einzugsbereiches immer höhere Sprachdefizite aufweisen, werden die Sprachförderung und das Lesen sowie das Vorlesen besonders hervorgehoben. Im Schulprofil wird die „Lesende Grundschule“ betont. Der Schwerpunkt liegt auf ergänzenden Leseprojekten und soll im Textverständnis, der Verarbeitung von Texten, Theaterspiel u.ä. liegen. Der Unterricht soll abwechslungsreich gestaltet werden und alle Sinne einbeziehen. Dadurch soll das Lernen erleichtert und der Tatsache Rechnung getragen werden, dass Lernen ganzheitlich erfolgen muss. Unterschiedliche Unterrichtsformen werden in Abhängigkeit von dem jeweiligen Fach und der Klassensituation erwünscht und betont, so z.B. Gruppen- und Teamarbeit, Stationslernen, Werkstattlernen und Projektarbeit. Die Förderung individueller Fähigkeiten, die Beseitigung von Lerndefiziten, die Förderung von Selbständigkeit, sozialer Kompetenzen sowie der Ausbau von Methodenkompetenzen, die Förderung der Kreativität und das Erreichen eines Basiswissens umfasst alle organisatorischen und methodischen Bemühungen, um den individuellen Begabungen, Fähigkeiten, Neigungen und Interessen einzelner SchülerInnen innerhalb der Klasse gerecht zu werden und den SchülerInnen optimale Chancen zu eröffnen. Hierbei sollen die Ansprüche und Standards in fachlicher Hinsicht gewahrt werden. Nach den Mottos: "Jeder Mensch lernt einzigartig" und "Lernen – ein Weg zum Erfolg” versucht die Schule auf unterschiedlichste Weise den Schülern den Lernstoff so interessant wie möglich zu vermitteln. SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden integrativ beschult.

Das Leitbild der Grundschule wird anhand von drei Säulen dargestellt, und zwar:

- der Sprachförderung durch Freude am selbständigen Lernen und dem gemeinsamen Lernen mit individueller Förderung,
- dem Zusammenleben ohne Gewalt durch Integration und Toleranz sowie der Vermittlung von demokratischen Werten und Verhaltensnormen und
- dem Partnerprinzip „Wir sind Partner“: Schüler – Lehrer – Erzieher – Eltern: Vertrauen schaffen indem alle Verantwortung übernehmen und auch bei der Wissensvermittlung eine Wohlfühlatmosphäre kreiert wird.

Von den 367 SchülerInnen besuchen 189 SchülerInnen den Religionsunterricht. Die Schule verfügt über einen Raum, der hauptsächlich von der Religionslehrerin genutzt wird. Dieser Raum kann dementsprechend gestaltet werden und es können auch Unterrichtsmaterialien für den Religionsunterricht aufbewahrt werden. Teilweise wird der Raum von anderen Klassen für z.B. den Englischunterricht genutzt. Bei der Betrachtung des Stundenplanes in Bezug auf den Religionsunterricht sind die Religionsstunden folgendermaßen verteilt: eine in der 6. Stunde (12:20-13:00 Uhr) und drei in der 7. Stunde (13:05- 13:45 Uhr), die anderen Religionsstunden und Stunden des erweiterten Religionsunterrichtes - insgesamt 27 Unterrichtsstunden pro Woche - liegen gut verteilt im Stundenplan.

1.2 Lernvoraussetzungen

Die Religionsstunde der vierten Klasse findet dienstags in der 6. Stunde (13:05-13:45) statt. Bei den Klassen 4 a/b handelt es sich um eine zweizügige Jahrgangsstufe. In dieser Religionsgruppe sind zwei Mädchen und zehn Jungen. In der 6. Stunde sind die SchülerInnen oft schon sehr ungeduldig und demotiviert. Erschwerend kommt hinzu, dass ihre KlassenkameradInnen, welche den Religionsunterricht nicht besuchen, in derselben Zeit im Freizeitbereich sind. Die SchülerInnen „drohen“ daher manchmal mit Abmeldung vom Religionsunterricht.

Zu einzelnen SchülerInnen ist anzumerken, dass in der Gruppe ein Mädchen ist, welches zwar Klassensprecherin ist, aber durch ihr lehrerzugewandtes Verhalten oft von ihren MitschülerInnen ausgegrenzt wird. Sie reagiert in diesen Situationen mit Rückzug oder Arbeitsverweigerung und hat auch schon einmal das Klassenzimmer verlassen.

Auffallend in der Gruppe ist ein sehr freundlicher Junge, welcher eine leichte körperliche Einschränkung hat, er benötigt zur Ausführung von Arbeitsaufträgen etwas länger, nimmt jedoch begeistert am Religionsunterricht teil und freut sich immer sehr, wenn er Aufgaben erfüllen kann. Obwohl die SchülerInnen der 4. Klasse bereits die Stufe des formalen Denkens erreicht haben sollten, d.h. abstrakte Zusammenhänge zu erfassen, fällt es einigen noch schwer, Zusammenhänge z.B. in Diagrammform zu erfassen.[1] Bei altersentsprechendem, angewandtem Unterrichtsmaterial musste ich des Öfteren feststellen, dass nicht alle SchülerInnen den Aufgabenstellungen folgen konnten. Es gibt aber auch einige SchülerInnen, welche eine sehr rasche Auffassungsgabe haben. Dieser Umstand veranlasst mich dazu, nach Möglichkeit binnendifferenziert zu arbeiten. Da ich die SchülerInnen teilweise zweimal wöchentlich unterrichte - einmal wöchentlich eine Stunde im Religionsunterricht und eine weitere Stunde im erweiterten Religionsunterricht - besteht die Möglichkeit, das Thema Islam im erweiterten Religionsunterricht aufzugreifen. Geplant ist eine Präsentation der Ausarbeitungen der ReligionsschülerInnen im erweiterten Religionsunterricht. Das Thema bietet sich an, den am Religionsunterricht nicht teilnehmenden SchülerInnen, Erarbeitetes aus dem Religionsunterricht zu präsentieren und damit evtl. weitere Fragen aufzugreifen. Es fordert die ReligionsschülerInnen auch heraus, das Gelernte weiter zu vermitteln. Da es sich bei den Klassen jeweils um Klassen mit vielen muslimischen SchülerInnen handelt, bietet sich das Thema Islam auch deshalb an. Leider muss ich immer wieder feststellen, dass auch muslimische SchülerInnen oft nur mangelhaft über den Islam informiert sind. Ich kann mir vorstellen, dass durch diese Präsentation und den anschließenden Dialog in der Fächerverbindung, die ReligionsschülerInnen auch an Selbstvertrauen und Festigkeit gewinnen, was den Besuch des Religionsunterrichtes angeht. Des Weiteren ist das Thema für muslimische SchülerInnen besonders geeignet, um eigenes Wissen und Erfahrungen einzubringen. Hierbei ist es jedoch wichtig, die SchülerInnen mit muslimischem Hintergrund nicht auf kulturalistische Zuschreibungen und Wissen zu reduzieren. Die Einheit soll SchülerInnen mit muslimischem Hintergrund zu einem neugierig reflektierten Umgang mit ihrer „eigenen“ Religion und ihrer Herkunft ermutigen und ihnen helfen eigenständige und selbstbestimmte Einstellungen über ihre Religiosität und ihre Werte zu entwickeln.[2]

1.3 Lehrvoraussetzungen

Wie unter Punkt 1.2 bereits erwähnt, finde ich die allgemeine Situation des Religionsunterrichts an der Schule schwierig, da die SchülerInnen den Sonderstatus des Religionsunterrichtes zumindest ab der Jahrgangsstufe vier wahrnehmen und den Unterricht daher teilweise nicht ernst zu nehmen scheinen, unter anderem da auch keine Zensuren erteilt werden. Des Weiteren sind die SchülerInnen stark auf die Mentorin fixiert und fragen des Öfteren, wann sie den Unterricht wieder übernimmt. Die Praktikantensituation scheint ihnen etwas fremd. Jedoch empfanden die SchülerInnen die letzte Unterrichtseinheit (Gerechtigkeit) als sehr spannend, was daran zu bemerken war, dass ich teilweise auf dem Flur von den SchülerInnen auf das Thema angesprochen wurde. Die Situation ist wahrscheinlich auch daher für mich herausfordernd, da ich als Sozialpädagogin normalerweise mit SchülerInnen arbeite, die das Angebot des Trägers freiwillig und sehr gerne in Anspruch nehmen. Die Voraussetzungen an der Schule sind also hier sehr konträr zur Sozialen Arbeit in der offenen Kinder- und Jugendhilfe. Ich empfand die SchülerInnen mir gegenüber zunächst als sehr skeptisch. In diesem Zusammenhang ereignete sich der glückliche Umstand, dass die Klasse 4b ein Preisausschreiben gewonnen hat, welches ich mit ihnen im Klassensatz ausgefüllt habe. Es ging hierbei um Rechte und Pflichten von Kindern und die SchülerInnen hatten sehr großes Interesse am Thema. Da es einige Wochen gedauert hat, bis die bundesweite Verlosung ausgewertet war, waren die SchülerInnen teilweise schon enttäuscht. Umso begeisterter waren alle über den Hauptgewinn.

Bei der Einheit zum Islam ist mir besonders wichtig, auch als nicht Muslima den SchülerInnen Anerkennung der Religion gegenüber zu vermitteln. Diese Chance, als evangelische Religionslehrerin eine andere Religion mit Wertschätzung und Achtung zu vermitteln und zu behandeln, soll wahrgenommen werden und dient somit als Vorbildfunktion für die SchülerInnen und bildet den Grundtenor der Einheit. Hierbei spielt glaubwürdiges Interesse am Islam und an den Herkunftsgesellschaften der SchülerInnen mit Migrationshintergrund eine große Rolle.

1.4 Kompetenzen

Innerhalb der Gruppe ist eine hohe Entwicklungsvarianz festzustellen. In dieser Klasse fiel sofort auf, dass einige SchülerInnen sehr kritisch mit dem Religionsunterricht umgehen und im Gegensatz zu anderen Klassen – auch höheren Jahrgangsstufen- konkrete detaillierte Nachfragen hatten und Gesagtes auch teilweise offen in Frage stellen. Dies geht vor allem von drei Schülern aus (Drillinge). Die Vermutung liegt nahe, dass sie die Fähigkeit Gesagtes kritisch zu Hinterfragen aus ihrer familiären Sozialisation heraus mitbringen. Diese Kompetenz ist einerseits unterstützenswert, jedoch ist in diesen Situationen oftmals ein destruktiver Tenor zu spüren und somit muss hier noch an der Dialogfähigkeit der SchülerInnen gearbeitet werden. Ermutigend ist, dass einige, gemäß ihrem Entwicklungsstand, teilweise über ihre eigenen Gedanken reflektieren und über die Form ihrer Argumentation nachdenken können und somit nicht nur die inhaltliche Richtigkeit von Aussagen überprüfen, sondern auch deren logische Folgen bzw. der "Wahrheitsgehalt" (Kritikfähigkeit) geprüft wird.[3] Auch in Klassengesprächen werden Aussagen von MitschülerInnen des Öfteren „auseinander genommen“, da sie sich gegenseitig berichtigen oder auch scharf zurechtweisen. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass es an Wertschätzung Ungewöhnlichem, Fremdem und Neuem gegenüber mangelt. SchülerInnen, welche nicht konform agieren, werden schnell ausgegrenzt. Immer wieder mache ich die Erfahrung in dieser Klasse, dass die SchülerInnen zu neuen Methoden „gelockt“ werden müssen. Zu diesem Zweck habe ich im Unterricht vermehrt auf Kreativität und teilweise auf herausfordernde Elemente der sozialintegrativen Pädagogik gesetzt (z.B. TZI, Gefühlsanalyse etc.). Auch empathiestärkende Elemente habe ich in den Unterricht einfließen lassen (z.B. Rollenspiele zu Gerechtigkeit, Gruppenspiele zu Teamdynamik etc.). Des Weiteren wurde in den letzen Stunden vermehrt darauf geachtet, die SchülerInnen in einen Dialog miteinander zu bringen (Debatte). Sie sollen lernen, sich gegenseitig ausreden zu lassen und das Gesagte zwar kommentieren, dies aber sachlich oder zumindest nicht abwertend zu tun. Hierbei wurde festgestellt, dass die SchülerInnen sehr gut in der Lage sind, eine Debatte zu einem bestimmten Thema zu führen, allerdings musste diese noch stark von der Lehrkraft, teilweise mit Hilfe eines Gesprächsballs und teilweise auch mit Anmahnung von Ruhe, gelenkt werden. Die Unterrichtsreihe zum Islam könnte herausfordernd werden, speziell in den letzten Stunden der Einheit wo es um Präsentation und Diskussion des Themas geht.

2 Das Thema

Die Einheit lautet „Grundlagen des Islam“. Das Thema der Prüfungsstunde ist „Islam im kulturellen Kontext“. Der Standard im Rahmenlehrplan auf den sich die Einheit und das Thema der Prüfungsstunde bezieht, lautet folgendermaßen: Die SchülerInnen „können den Islam als eine Religion wahrnehmen und einige Merkmale der islamischen Glaubenspraxis benennen.“[4]

2.1 Überlegungen zur Themenwahl

Nachdem im ersten Halbjahr, bedingt durch großes Interesse und Fragen der SchülerInnen dieser Klasse zu den Themen Tod, Unglück und Leid, das Thema Gerechtigkeit im Zusammenhang mit dem Verhalten der SchülerInnen entwickelt wurde (Kinderrechte und Pflichten), folgte eine kurze Einheit zum Weihnachtsfest, in der die SchülerInnen die Ursprungserzählung zu Weihnachten erarbeitet haben. Bedingt durch die rasche Abfolge der religiösen Feste (Opferfest, Advent, Weihnachten), konnte auf die einzelnen Feste im Religionsunterricht nicht vertiefend eingegangen werden.

Da im Unterricht wiederkehrende Fragen und Konflikte zu religiösen Themen in Erscheinung treten, erscheint es sinnvoll, sich mit einigen Grundzügen des Islam und islamischer Religiosität vertraut zu machen. Dabei geht es nicht darum, den Islam oder ein bestimmtes Religionsverständnis zu erklären bzw. verbindlich darzustellen. Es sollen vielmehr generelle Einblicke vermittelt werden, die in unterschiedlicher Art und Weise das Denken und Handeln von unterschiedlich religiösen Muslimen beeinflussen.[5]

In den Klassen 4 a/b sind die meisten SchülerInnen Muslime. Da das Thema im Religionsunterricht noch nicht behandelt wurde, die SchülerInnen aber tagtäglich mit Ausdrucksformen anderer Religionen konfrontiert werden[6] und sich somit auch mit unterschiedlichen Lebensregeln, Feierlichkeiten und Traditionen auseinandersetzen müssen, wird es als wichtig erachtet, die SchülerInnen mit Elementen muslimischer Glaubenspraxis bekannt zu machen.[7]

Hierbei geht es nicht darum, das die SchülerInnen Fakten zum Islam als Religion wiedergeben können. Es geht um die Befähigung der SchülerInnen, Fragen zu ihrer Alltagserfahrung im Zusammenhang mit muslimischen MitschülerInnen und dem Umfeld aufzugreifen, zu besprechen und zu klären. Grundlagen des Glaubens des Islam sind hingegen wichtig, um überhaupt einen Grundwortschatz im Dialog zur Verfügung zu haben. So sollen sie den Religionsstifter in seinem historisch, kulturellen Umfeld kennenlernen sowie einige Merkmale der Glaubenspraxis (die fünf Säulen), um ihre Erfahrungen erarbeitetem Wissen zuordnen zu können. Die Zielsetzung des Unterrichtsprinzips der interkulturellen und interreligiösen Pädagogik ist die Erziehung zur Empathie, Solidarität und Toleranz. Außerdem ist ein weiteres Ziel das Erlernen der Fähigkeit zur interkulturellen Kommunikation, die Achtung der kulturellen Vielfalt, der Abbau von Barrieren und das Erkennen der eigenen kulturellen Befangenheit.[8] „Kulturelle Befangenheit abzubauen bedeutet, die Fähigkeit zu entwickeln, ethnozentristische Tendenzen zu erkennen, zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern. So soll also das Fremde als Chance verstanden werden das eigene Handlungsrepertoire zu erweitern.“[9] Die Absicht der interkulturellen und interreligiösen Pädagogik ist also, eine möglichst positive Grundhaltung Themen der Integration gegenüber zu bewahren und zu fördern. Ambiguitätstoleranz ist erstrebenswert, um Ängste einzugestehen und Spannungen aushalten zu können. Dies beinhaltet, kulturalistisches Denken, Stereotype und Vorurteile gegenüber Fremdem wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Es bedeutet auch, Andersartigkeit zu respektieren und den eigenen Standpunkt zu reflektieren und selbstkritisch zu prüfen. Weiterhin gehört zur integrativen Toleranz, differenzierte Standpunkte stehen lassen zu können und bereit und offen zu sein, Gemeinsamkeiten und Übereinkommen zu suchen. Hierbei geht es nicht darum, Unterschiedlichkeit auszublenden, sondern Konflikte konstruktiv zu bearbeiten. PädagogInnen neigen leicht zu dem sogenannten „colour-blind-approach“, um den prekären Stellenwert der kulturellen Differenz und deren Auswirkungen zu leugnen.[10] „Fremdheit“ sollte aber als Gewinn zu den eigenen sozialen und kulturellen Werten und Normen verstanden werden.[11] Interkulturelle und interreligiöse Pädagogik hat gerade im Religionsunterricht die Aufgabe, Hilfestellung für die gesunde Entwicklung hin zur mehrkulturellen Gesellschaft zu geben.[12]

Mit diesem positiven und ressourcenorientierten Ansatz soll das Aufwachsen der SchülerInnen in einer pluralistischen Gesellschaft in den Mittelpunkt gestellt werden, immer mit der Fokussierung auf die Ressourcen und Kompetenzen der Einzelnen und Gruppen.[13] Eine in der Shell-Studie „Jugend 2000“ durchgeführte Untersuchung machte deutlich, dass die Schule manchmal der einzige Ort ist, an dem sich Jugendliche unterschiedlicher ethnischer Herkunft begegnen. Trotzdem wird im Unterricht selten über kulturelle oder religiöse Verschiedenheit diskutiert. Dies geschieht laut Freise oft aus Ignoranz oder Unsicherheit von Seiten der LehrerInnen.[14] Der Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration hat 2004 erklärt: „Zu den vorrangigen Aufgaben wird es gehören, sowohl autochthonen Kindern und Jugendlichen als auch jungen Menschen mit Migrationshintergrund eine konstruktive Auseinandersetzung mit kultureller Heterogenität zu ermöglichen, gemeinsame Referenzpunkte zu verdeutlichen, die eine Basis für einen gemeinsamen Dialog und für Begegnung bilden, sowie die erlebte Mehrsprachigkeit bildungsbezogen zu nutzen.“[15] Die Ressourcenbetonung bezieht sich unter anderem auf die Fähigkeit der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die vielfältige Erfahrung unterschiedlicher kultureller und religiöser Ansprüche, Verhaltensweisen und Einstellungen wahrzunehmen, sie zu reflektieren oder sich zumindest damit zu arrangieren. Dies führt - bei reflektiertem Umgang - unweigerlich dazu, dass Erfahrungen auf das eigene Verhalten übertragen werden und darin Bezugspunkte gefunden werden.[16] Die Fähigkeit zur interkulturellen Bildung ist ein anspruchsvolles Ziel der interkulturellen und interreligiösen Pädagogik.

2.2 Sachanalyse

2.2.1 Islam und Muslime

Bei den ca. 1,8 Milliarden Muslimen weltweit ist es fatal von „dem Islam“ und „den Muslimen“ zu sprechen. Selbst wenn viele Muslime in der Herausforderung einer Glaubensapologetik auf die weltweite Umma zurückgreifen und die enorme Zahl aller sich Muslime nennender und das schnelle Wachstum der Religionsgemeinschaft gerne als Verteidigungs- und Rechtfertigungsargument für ihren Glauben nutzen, so ist doch klar: Es gibt weder „den Islam“, noch „die Christen“ noch „die Buddhisten“ etc. Die Kultur, Geografie und Zeitgeschichte haben auch die Religion der Muslime in viele unterschiedliche Gruppierungen aufgeteilt, mit liberal Gläubigen, Namensgläubigen und fundamentalistisch Gläubigen. Obwohl die Muslime insgesamt eine sehr heterogene gesellschaftliche Gruppe darstellen, ist der Islam für viele Menschen muslimischer Herkunft eine wichtige Bezugsgröße. Sie unterscheiden sich nach Konfessionen (Sunniten, Schiiten, Aleviten, Ahmadija), nach Rechtsauslegung (vier sunnitischen Rechtschulen), nach Organisationsformen (Dachverbände, Moscheegemeinden, Vereine, mystische Sufibruderschaften, religiöse Parteien) und nicht zuletzt im Grad ihrer religiösen Praxis und Gläubigkeit. Unterschiedlich ist auch das Religions- bzw. Islamverständnis unter Muslimen (Traditionalisten, Reformer, Modernisten) sowie die religiöse Praxis, etwa bei Ritualen und Festen.[17] Diese Vielfältigkeit spiegelt sich dementsprechend bei muslimischen SchülerInnen wieder. „Ethnische Herkunft und Muttersprache (Türken, Kurden, [...], [Palästinenser, Libanesen,] Berber, Iraner, Bosnier, Kosovaren, Deutsche...), Familienbanden, der Kiez und die Peer-Gruppe bilden ebenso wichtige Bezugsgrößen.[18] Auf die unterschiedlichen Ausprägungen des Islam kann aus gegebenem Rahmen des Stundenentwurfes nicht weiter eingegangen werden. Auch die unterschiedlichen Aspekte des Islam können in einer vierten Klasse lediglich oberflächlich angerissen werden.

[...]


[1] Stangl, Werner, 2010 S.1

[2] Vgl.: Rosiny, Stephan 2010, S.5

[3] Vgl.: Stangl, Werner, 2010 S.1

[4] Rahmenlehrplan für den Evangelische Religionsunterricht in den Jahrgangsstufen 1-10, S. 41

[5] Vgl.: Rosiny, Stephan 2010, S. 3

[6] Vgl.: Rahmenlehrplan für den Evangelische Religionsunterricht in den Jahrgangsstufen 1-10, S. 45

[7] Vgl.: Rahmenlehrplan für den Evangelische Religionsunterricht in den Jahrgangsstufen 1-10, S. 45

[8] Vgl.: Krüger-Portratz 1995, S.65f.

[9] Cabrera-Rivas 2001, S. 236

[10] Vgl.: Auernheimer 2000, S.20

[11] Vgl.: Rummelt 1995, S.144

[12] Nieke zit. nach: Freise 2005, S.10.

[13] Vgl.: Reiberg 2000, S.7

[14] Vgl.: Freise 2005, S.76f.

[15] Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration. Jahresgutachten „Erfahrungen nutzen, Neues wagen“ 2004, S. 256

[16] Vgl.: Reiberg 2000, S.7

[17] Vgl.: Rosiny, Stephan 2010, S.3

[18] Rosiny, Stephan 2010, S.3

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Grundlagen des Islam. Der Religionsstifter Mohammed im kulturellen Kontext
Untertitel
Unterrichtsentwurf zur zweiten unterrichtspraktischen Prüfung
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Autor
Jahr
2011
Seiten
38
Katalognummer
V168809
ISBN (eBook)
9783668337916
ISBN (Buch)
9783668337923
Dateigröße
688 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islam, Religionspädagogik, Kompetenzorientierung, Mohammed
Arbeit zitieren
Tanja Manthey-Gutenberger (Autor), 2011, Grundlagen des Islam. Der Religionsstifter Mohammed im kulturellen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168809

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